Mangelernährung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (15. Januar 2018)

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Von Mangelernährung spricht man, wenn ein Mangel an für den Körper wichtigen Nährstoffen besteht. Dann verfügt er nicht über genügend Energie, Eiweiß und lebenswichtige Vitamine. Welche Symptome typisch sind und worauf speziell ältere Menschen achten sollten.

Bei einer Mangelernährung (Malnutrition) wird der Körper mit zu wenig Energie, Protein oder anderen Nährstoffen (wie Vitaminen und Mineralstoffen) versorgt. Auch wenn die Nährstoffverwertung gestört ist oder es zu unkontrolliertem Abbau von Körpersubstanz kommt, entwickelt sich eine Mangelernährung. 

Die Gefahr, dass sich eine medizinisch relevante Mangelernährung entwickelt, besteht vor allem bei schweren akuten oder chronischen Erkrankungen. Aber auch in Lebenskrisen und anhaltenden Belastungs- oder Stresssituationen kann sich der Ernährungszustand verschlechtern. Daneben sind ältere Menschen besonders gefährdet, weil der Appetit nachlässt, sich der Geschmackssinn verändert oder es zu Kau- und Schluckprobleme kommt.

Was ist Mangelernährung?

Zum einen gibt es eine generelle oder quantitative Mangelernährung, bei der von der reinen Menge her zu wenig Nahrung aufgenommen wird (wie z.B. bei Unterernährung).

Aber auch wenn die Nahrung unausgewogen zusammengesetzt ist oder jemand eine Stoffwechselstörung hat, kann es passieren, dass der Bedarf an Nährstoffen nicht ausreichend gedeckt ist. Dann spricht man von einer qualitativen oder spezifischen Mangelernährung. Der Körper wird dann zwar ausreichend mit Energie versorgt – aber nicht mit Eiweißen, Vitaminen und Mineralstoffen.

Davon abzugrenzen sind Essstörungen wie Anorexie oder Bulimie, bei denen eine Mangelernährung als Symptom auftreten kann. 

Speziell bei bestehenden Erkrankungen kann ein Nährstoffmangel besonders gravierend sein, da die aureichende Versorgung mit Nährstoffen die Grundlage für einen positiven Heilungsprozess ist.

Typische Folgen und Symptome einer Mangelernährung:

Ursachen von Mangelernährung

Mangelernährung ist kein ausschließliches Problem von Entwicklungsländern. Auch in Deutschland sind viele Menschen trotz eines eigentlich reichhaltigen Angebots an Lebensmitteln mangelernährt.

In Industrieländern sind häufige Gründe zum Beispiel Erkrankungen der Speiseröhre wie Schluckstörungen (Dysphagie) und Erkrankungen des Magens. Auch bei Magersucht oder Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus kann ein Mangel an Nährstoffen auftreten. Darüber hinaus gehören Störungen der Verdauung, wie zum Beispiel eine Schleimhautentzündung von Magen und Dünndarm oder eine Dickdarmentzündung zu den Ursachen.

Mangelernährung entsteht oft im Zusammenhang mit auszehrenden Erkrankungen wie zum Beispiel Krebs. Dann kann das Nährstoffdefizit durch tumorbedingte Veränderungen ausgelöst werden. Zum Beispiel bauen sich im Zuge der Erkrankung Struktur- und Muskelproteinen ab, der Energieverbrauch erhöht sich oder es kommt zu Behinderungen im Magen-Darm-Trakt. Zusätzlich können die psychische Belastung, Appetitlosigkeit oder Schmerzen den Gewichtsverlust fördern und den Mangelzustand begünstigen.

Vielfalt: Der Bedarf an Nährstoffen wird am besten von einer breiten Auswahl an Lebensmitteln gedeckt. © iStock

Vielfalt: Der Bedarf an Nährstoffen wird am besten von einer breiten Auswahl an Lebensmitteln gedeckt.

Mangelernährung im Alter

Eine Mangelernährung entwickelt sich oft unbemerkt. Vor allem bei älteren Menschen werden viele der Symptome oft dem Alter zugeschrieben. Anzeichen für einen Nährstoffmangel sind unter anderem

Die Betroffenen fühlen sich schwach, antriebslos und müde. Daneben steigt die Anfälligkeit für Infekte und Krankheiten. Bei älteren Menschen erhöht sich zudem das Risiko für Stürze, Knochenbrüche und Druckgeschwüre durch längerfristige Druckeinwirkung von außen (z.B. bei längerer Bettlägerigkeit). Vor allem bei älteren Menschen führen Kau- und Schluckbeschwerden oder schlecht angepasste Zahnprothesen zu Mangelernährung.

Auch bestimmte Medikamente haben Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen und können für ein Defizit an Nährstoffen verantwortlich sein. Bei Kindern kann eine Mangelernährung neben einer erhöhten Anfälligkeit für Infekte zu einer Wachstumsverzögerung führen.

Sonderfall spezifischer Nährstoffmangel

Dauert eine Mangelernährung länger an, kommt es zu einem Eiweißmangel. Zunächst werden die Fett- und dann die Eiweißdepots in den Muskeln und Organen verbraucht. In der Folge kann ein Eiweißmangel unter anderem zu Muskelschwäche, einer Verringerung der Muskelmasse, Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödemen), Wundheilungsstörungen und Haarausfall führen.

Durch die schwindende Muskelmasse kommt es neben dem ungewollten Gewichtsverlust zu schlaffen Hautfalten und hervorstehenden Knochen. Der durch Mangelernährung bedingte Rückgang der Muskulatur betrifft auch das Herz, das zu einem großen Teil aus Muskelgewebe besteht. In der Folge schlägt es schwächer und es kann zu Herzrhythmusstörungen kommen.

Spezifischer Nährstoffmangel

Zu einem spezifischen Nährstoffmangel kann es kommen, wenn dem Körper durch die unzureichende Nährstoffzufuhr Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Wasser und essenzielle Fettsäuren fehlen. Ein spezifischer Nährstoffmangel macht sich in Veränderungen von Mund, Lippen und Augen und in neurologischen Einschränkungen bemerkbar.

Die Haut reagiert auf den Mangel an Nährstoffen zum Beispiel mit punktförmigen Hauteinblutungen, Blässe, Pigmentflecken oder Spannungen. Auch die Wundheillung verschlechtert sich. Im Mundraum kommt es beispielsweise zu Entzündungen der Mund- und Zungenschleimhaut (Stomatitis und Glossitis), zu Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und aufgesprungenen Lippen (Cheilose).

Die Augen weisen bei einem Mangel von Vitamin B12, Folsäure und Eisen eine blasse Bindehaut auf. Fehlendes Vitamin A führt zu Nachtblindheit und ein Mangel an Zink kann eine unangenehme Augenempfindlichkeit bei Lichteinfall (Photophobie) hervorrufen.

Neurologische Einschränkungen infolge eines Nährstoffmangels zeigen sich unter anderem in Desorientiertheit, Verwirrtheit, Depression, Lethargie und Schwäche. Der Gang von Betroffenen kann unregelmäßig und unkoordiniert wirken, darüber hinaus sinkt die Reflexbereitschaft des zentralen Nervensystems (Hyporeflexie). Mitunter treten Zuckungen und Krämpfe auf.

Therapie bei Mangelernährung

Ziel der Therapie bei Mangelernährung ist, die Ursachen für die unzureichende Versorgung mit Nahrung oder Nährstoffen zu beseitigen, Energie- und Nährstoffdefizite auszugleichen und eine ausreichende Zufuhr an Nährstoffen sicherzustellen.

Die Therapie-Maßnahme hängt dabei vom Gesundheitszustand des Betroffenen ab. Wenn er bei Bewusstsein ist, sein Schluckvermögen nicht behindert und der Magen-Darm-Trakt funktionstüchtig ist, kann eine Therapie über eine normale Nahrungsaufnahme (orale Ernährungstherapie) erfolgen. Das heißt, die Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen sollte auf natürlichem Weg mit natürlichen Produkten sichergestellt werden.

Bei einer Ernährungstherapie ist zu beachten:

  • Die Kost sollte ausgewogen und vollwertig sein.
  • Der Patient sollte nährstoff- und energiereiche Lebensmittel zu sich nehmen.
  • Der mangelernährten Person sollten Speisen angeboten werden, die sie gerne mag.
  • Die Speisen sollten leicht verdaulich und bekömmlich sein.
  • Der Betroffene sollte bevorzugt mehrere kleine Portionen am Tag aufnehmen.
  • Besteht ein Vitaminmangel (Vitamin D, Folsäure, Vitamin B12, weitere B-Vitamine), sollte dieser mit Nährstoffpräparaten ausgeglichen werden.
  • Ist das Kauen oder Schlucken gestört, ist darauf zu achten, dass die Speisen eine eher flüssig-breiige Konsistenz haben.
  • In manchen Fällen ist vor allem bei älteren Menschen eine individuelle Betreuung während der Mahlzeiten erforderlich. Auch spezielle Hilfsmittel können die Nahrungsaufnahme erleichtern (z.B. Schnabeltassen, Besteck mit verdickten Griffen, Teller mit rutschfestem Boden).
  • Gegebenenfalls kann die Ernährung durch Flüssignahrung ergänzt werden.
  • Wenn eine optimale Versorgung mit Nährstoffen nicht gewährleitstet werden kann, kann der Arzt eine komplette Ernährung mit Trinknahrung veranlassen.

Bei älteren Menschen sollten unter Umständen Pflegekräfte die Nahrungsaufnahme unterstützen und die Ernährung regelmäßig überprüfen. In vielen Fällen reichen schon kleine Änderungen, um den Ernährungszustand des Betroffenen erheblich zu verbessern.

Oft fehlt Menschen im höheren Lebensalter das Verlangen nach Nahrung (Inappetenz). Um Appetit und Freude am Essen zu fördern, können zum Beispiel genügend Zeit zum Essen und eine entspannte Atmosphäre hilfreich sein. Auch Essen in Gesellschaft regt in der Regel den Appetit an. In manchen Fällen sind ältere Menschen nicht in der Lage, sich selbstständig ihr Essen zuzubereiten. In solchen Fällen ist zum Beispiel ein Lieferdienst eine Möglichkeit, um eine vollwertige Ernährung zu garantieren.

Ernährungstherapie bei schweren Erkrankungen

Lieg einer Mangelernährung eine ernsthafte Erkrankung zugrunde, muss deren Behandlung zunächst im Zentrum stehen. Manche Grunderkrankungen hemmen den Appetit, während gleichzeitig der Bedarf an Nährstoffen erhöht ist. Aus diesem Grund ist es wichtig, eine ausgewogene und vollwertige Versorgung mit Nahrungsmitteln sicherzustellen. Ein guter Ernährungsstatus ist eine wichtige Grundlage für den Heilungsprozess.

Eine ausgeprägte Mangelernährung ist lebensbedrohlich und eine Behandlung zwingend erforderlich. Besteht ein Vitaminmangel (Vitamin D, Folsäure, Vitamin B12, weitere B-Vitamine) oder ein Mangel an Eisen und Zink, müssen diese dem Körper zugeführt werden (Substitution). Schwer mangelernährte Kinder müssen stationär behandelt werden.

Wie Mangelernährung diagnostiziert wird

Um bei einer Mangelernährung die richtige Diagnose zu stellen, befragt der Arzt den Betroffenen in der Regel zu seinen Ernährungsgewohnheiten und Grunderkrankungen. Darüber hinaus wird er das äußere Erscheinungsbild des Patienten begutachten.

Ein anhaltender Mangel an Nährstoffen macht sich in Form einer Gewichtsabnahme bemerkbar. Schlaffe Hautfalten, hervorstehende Knochen und Veränderungen von Haut, Lippen und Augen sind weitere äußere Anzeichen für eine Mangelernährung.

Hat der Patient in den vergangenen sechs Monaten über zehn Prozent seines Gewichts verloren, kann dies darauf hindeuten, dass im Körper Krankheitsprozesse aktiv sind. Neben Gewichtsschwankungen können Ernährungsgewohnheiten und Essverhalten Hinweise auf eine Mangelernährung liefern.

Da manche Medikamente Appetitverlust, Übelkeit und Gewichtsabnahme verursachen und zu einer Mangelernährung führen können, ist es bei der Diagnosestellung wichtig, die Einnahme von Medikamenten zu überprüfen. Darüber hinaus wird der Arzt danach fragen, ob Schluck- oder Kaustörungen bestehen und ob Durchfall oder Erbrechen aufgetreten sind.

Weitere Informationen

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Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 10.1.2018)

Pietrzik, K., Golly, I., Loew, D.: Handbuch Vitamine. Urban & Fischer, München 2008

Schauder, P., Ollenschläger, G.: Ernährungsmedizin. Urban & Fischer, München 2006

Kasper, H.: Ernährungsmedizin und Diätetik. Urban & Fischer, München 2004

Pirlich, M. et al.: DGEM: Enterale Ernährung: Ernährungsstatus. Aktuelle Ernährungsmedizin, Vol. 28, Supp. 1, pp. S10-S25 (2003)

Allianz gegen Mangelernährung im Alter. Online-Informationen der Deutschen Seniorenliga e.V.: www.mangelernaehrung.org

Aktualisiert am: 15. Januar 2018

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