Hexenschuss (Lumbago, akute Lumbalgie): Plötzliche Schmerzen im unteren Rücken

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (28. August 2017)

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Ob beim Heben, Drehen, Bücken, Aufrichten oder auch beim Sport: Ein Hexenschuss (Lumbago, akute Lumbalgie) entsteht in der Regel durch Belastungen der Wirbelsäule bei alltäglichen Bewegungen.

Dabei sind gar keine großen Belastungen nötig, um einen Hexenschuss auszulösen. Oft reicht schon eine kleine, aber falsch ausgeführte Bewegung – und schon ist es passiert.

Wie schnell man sich einen Hexenschuss zuziehen kann, wissen viele Menschen aus eigener Erfahrung: Bis zu 90 Prozent der Erwachsenen haben mindestens einmal im Leben eine Lumbago.
 

Was ist ein Hexenschuss?

Ein Hexenschuss ist ein plötzlicher, sehr heftiger, stechender Rückenschmerz im unteren Rücken – genauer: im Bereich der Lendenwirbelsäule. Mediziner bezeichnen den Hexenschuss auch als Lumbago oder akute Lumbalgie.

Der Schmerz beim Hexenschuss geht nicht mit einer Reizung des Ischiasnervs einher. Nur die Nerven, die die Wirbelsäule selbst versorgen, sind gereizt. Darum strahlt der Schmerz nicht aus, sondern bleibt auf den Rücken begrenzt.

Es kann aber vorkommen, dass bei einem Hexenschuss gleichzeitig der Ischiasnerv betroffen ist. Dann zieht der Schmerz vom unteren Rücken auch in Po und Bein. Diese Kombination aus Lumbago und Ischias (bzw. Ischialgie) heißt fachsprachlich Lumboischialgie.

Die für einen Hexenschuss typischen Symptome sind:

  • je nach Körperlage stärker oder schwächer werdende Kreuzschmerzen
  • schmerzbedingte Erstarrung der Lendenwirbelsäule
  • verhärtete Rückenmuskulatur (sog. Muskelhartspann)
  • Schonhaltung mit gerade gestreckter Lendenwirbelsäule
  • Schmerzen bei Druck auf die Dornfortsätze der Lendenwirbel

Die Wirbelsäule des Menschen © LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese

Die Wirbelsäule des Menschen von der Seite gesehen. Die Lendenwirbelsäule krümmt sich normalerweise leicht in Richtung Bauchseite. Bei einem Hexenschuss streckt man die Lendenwirbelsäule automatisch, um Schmerzen zu vermeiden: In dieser Schonhaltung ist die Krümmung aufgehoben.

Wer einen Hexenschuss hat, kann sich meist kaum bis gar nicht mehr bewegen und strecken, da bereits die kleinste Bewegung schmerzt. Die Folge: Die Rückenmuskulatur verkrampft und die betroffene Person nimmt eine Schonhaltung ein. Durch die Schonhaltung und die Schmerzen verkrampft die Rückenmuskulatur jedoch noch stärker, was wiederum die Rückenschmerzen verstärkt – ein Teufelskreis entsteht.

Hexenschuss (Lumbago, akute Lumbalgie): Ursachen

Beim Hexenschuss (Lumbago, akute Lumbalgie) sind die Rückenschmerzen so heftig, dass viele Betroffene dahinter einen Bandscheibenvorfall vermuten. Meist liegen die Ursachen jedoch woanders.

Typischerweise entsteht ein Hexenschuss durch:

  • starke Muskelverspannungen,
  • Blockaden eines Gelenks der Lendenwirbelsäule oder auch
  • kleinste Verschiebungen der Wirbelkörper.

Schuld an solchen Störungen sind häufig Fehlbelastungen der Wirbelsäule und Rückenmuskulatur. Dabei reicht oft schon eine einzige plötzliche Bewegung oder ungünstige Körperhaltung aus, um einen Hexenschuss auszulösen: etwa beim Bücken, beim Anheben eines Gegenstands oder beim Aussteigen aus dem Auto. Besonders anfällig für eine Lumbago ist, wer zum Beispiel:

  • gestresst ist,
  • übermüdet ist,
  • unterkühlt ist,
  • Alkohol getrunken hat oder
  • einen leichten Infekt hat.

Die Bandscheiben, die wie Stoßdämpfer zwischen den Wirbelkörpern der Wirbelsäule liegen, sind nur selten für einen Hexenschuss verantwortlich. Wenn sich eine Bandscheibe leicht vorwölbt oder es zu einem Bandscheibenvorfall kommt, treten neben den plötzlichen Schmerzen im unteren Rücken oft auch im Bein Schmerzen, Gefühlsstörungen und Lähmungen auf.

In seltenen Fällen können hinter einem Hexenschuss auch Verengungen im Wirbelbereich stecken, die beispielsweise durch Entzündungen oder Tumoren bedingt sind.

Egal, welche Ursache der Hexenschuss hat: Die plötzlichen Schmerzen im unteren Rücken kommen dadurch zustande, dass ein Nerv, der die Lendenwirbelsäule versorgt, gereizt ist.

Hexenschuss (Lumbago, akute Lumbalgie): Diagnose

Ein Hexenschuss (Lumbago, akute Lumbalgie) ist leicht zu erkennen: Die vorliegenden Beschwerden und Angaben dazu, wann und in welcher Situation die Rückenschmerzen aufgetreten sind, liefern deutliche Hinweise für die Diagnose.

Ein Wirbelkörper der Lendenwirbelsäule © LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese

Ein Wirbelkörper der Lendenwirbelsäule: Sein Dornfortsatz lässt sich durch die Haut ertasten. Wenn man bei einem Hexenschuss auf diese Stelle drückt, tut das weh.

Um festzustellen, ob der Hexenschuss harmlos ist, fragt der Arzt unter anderem, an welcher Stelle die Schmerzen genau auftreten, ob sie ins Gesäß oder ins Bein ausstrahlen und ob es zu Blasen- oder Darmstörungen (Inkontinenz) kam.

Zudem überprüft der Arzt bei einem Hexenschuss das Gefühlsempfinden (Sensibilität) im Lendenwirbelbereich und in den Beinen sowie die Bewegungsfähigkeit (Motorik) und die Reflexe. Hierzu klopft er zum Beispiel mit einem kleinen Metallhämmerchen auf bestimmte Körperpunkte, um einen Muskelreflex auszulösen.

Ob bei einem Hexenschuss bereits Nerven geschädigt sind, zeigt eine sogenannte Sensibilitätsprüfung. Dabei streicht der Arzt mit einem kleinen, spitzen Gegenstand über verschiedene Bereiche an Beinen und Füßen – und der Untersuchte gibt an, ob und wie intensiv die jeweilige Berührung zu spüren ist. So kann der Arzt einschätzen, inwieweit eine Sensibilitätsstörung besteht.

Um der Ursache für den Hexenschuss auf den Grund zu gehen, sind gegebenenfalls weitere Untersuchungen sinnvoll. Dies trifft zum Beispiel zu, wenn Gefühlsstörungen oder Lähmungen auftreten. Mögliche weitere Untersuchungen bei einer Lumbago sind:

Hexenschuss (Lumbago, akute Lumbalgie): Behandlung

Bei einem Hexenschuss (Lumbago, akute Lumbalgie) zielt die Behandlung nach Möglichkeit darauf ab, die Ursache der Rückenschmerzen zu beheben. So kann beispielsweise bei einem blockierten Wirbelgelenk in einigen Fällen das Deblockieren (Einrenken) notwendig sein, um die Beweglichkeit der Wirbel wiederherzustellen. Dies darf aber nur ein Orthopäde oder fachkundiger Therapeut vornehmen.

Hexenschuss: Was tun bei unklarer oder nicht behebbarer Ursache?

In dem Fall besteht die wichtigste Behandlungsmaßnahme bei einem Hexenschuss darin, die Schmerzen zu lindern.

Damit Sie schnell wieder schmerzfrei sind und sich nicht weiter verkrampfen, kann der Arzt Ihnen gegen den Hexenschuss Schmerzmittel (wie Diclofenac), muskelentspannende Medikamente (Muskelrelaxantien) und entzündungshemmende Mittel (wie Kortison, NSAR) als Tabletten verschreiben. Gegebenenfalls kann er diese Medikamente auch direkt in die Rückenmuskulatur spritzen. Medikamente sollten Sie aber aufgrund der möglichen Nebenwirkungen nur in Absprache mit Ihrem Arzt und nur über einen kurzen Zeitraum einnehmen.

Auch örtliche Wärme- oder Kälteanwendungen sowie die sogenannte Stufenbettlagerung können helfen, die Beschwerden bei einem Hexenschuss zu lindern. Stufenbettlagerung bedeutet:

  • in Rückenlage auf eine ebene Unterlage legen,
  • dann die Unterschenkel waagerecht auf einen Stuhl oder Hocker legen, sodass die Beine in einem 90-Grad-Winkel angewinkelt sind,
  • und etwa 20 bis 30 Minuten liegen bleiben. Diese Körperhaltung entspannt die Muskulatur im Lendenwirbelbereich und lindert so die Schmerzen.

Häufig reichen Wärme, Bewegung und Medikamente völlig aus, um die Schmerzen bei einem Hexenschuss zu behandeln.

Einige Menschen haben nach einem Hexenschuss auf Dauer oder immer wieder Rückenschmerzen (chronische Lumbalgie). In diesem Fall empfiehlt es sich, die Rückenmuskulatur langfristig zu stärken, zum Beispiel durch Physiotherapie in der akuten Phase und anschließendes kontinuierliches Rückentraining. Auf diese Weise lässt sich einer Lumbago in der Regel auch gut vorbeugen.

Doch auch ohne ständige Rückenprobleme ist es nach einem Hexenschuss längerfristig ratsam, sich ausreichend und regelmäßig zu bewegen und die Rückenmuskulatur zu stärken. Um die Behandlung zu unterstützen, eignen sich beispielsweise:

In seltenen Fällen steckt ein Bandscheibenvorfall hinter einem Hexenschuss. Die Behandlung richtet sich dann nach der jeweiligen Ausprägung des Bandscheibenvorfalls und reicht von nicht-operativen Maßnahmen bis hin zu einer Operation. Welche Therapie für Sie infrage kommt, können Sie im Einzelfall mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

Hexenschuss (Lumbago, akute Lumbalgie): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Hexenschuss (Lumbago, akute Lumbalgie)":

Onmeda-Lesetipps:

Rückenschmerzen: Wenn der Rücken Ärger macht
Kreuzschmerzen: Schmerzen im unteren Rücken
Muskelschmerzen: Oft sind Verspannungen schuld

Buchtipps:

Praxis LWS-Erkrankungen

buch_eckardt_lws.jpg Anke Eckardt

454 Seiten Springer Verlag 2011

Wie viele Rückenschmerz-Patienten haben Sie im Quartal? Ca. 80% der Bevölkerung leiden irgendwann in ihrem Leben einmal an Rückenschmerzen und kommen zu Ihnen. Die Erkrankungen im Bereich der Lendenwirbelsäule sind dabei am häufigsten. Wie gehen Sie in der Diagnose vor? Welche therapeutischen Möglichkeiten haben Sie? Auf diesem Gebiet hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan, sodass die alt her gebrachte Methode der "Schmerzspritze" nicht immer die erste Wahl sein sollte: Ob aktuelle operative oder konservative Therapien, hier finden Sie die Vor- und Nachteile der Methoden. Sie erhalten Hilfestellungen zur richtigen diagnosebezogenen Therapieauswahl und anschließenden Nachsorge. Und dazu: anatomische, physiologische und pathologische Grundlagen für den ersten Überblick. Alles zum Thema "Begutachtung" / Serviceteil mit hilfreichen Adressen und Ideen für den Praxisalltag / Ihr Rundumsorglos-Paket zum Thema "LWS-Erkrankungen".

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Lumbago. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 18.4.2017)

Nationale Versorgungsleitlinie: Nicht-spezifischer Kreuzschmerz. AWMF-Register Nr. nvl-007 (Stand: 31.12.2016)

Hintzenstern, U. (Hrsg.): Notarzt-Leitfaden. Urban & Fischer, München 2014

Froböse, I.: Das neue Rücken-Akut-Training. Gräfe und Unzer, München 2010

Breusch, S., et al.: Klinikleitfaden Orthopädie Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2009

Grillparzer, M., et al.: Unser Rückenbuch. Gräfe und Unzer, München 2008

Chou, R., et al.: Diagnosis and Treatment of Low Back Pain: A Joint Clinical Practice Guideline from the American College of Physicians and the American Pain Society. Clinical Guidelines Diagnosis and Treatment of Low Back Pain. Annals of Internal Medicine, Vol. 147, No. 7, p. 479 (Oktober 2007)

Heisel, J., Jerosch, J.: Schmerztherapie der Halte- und Bewegungsorgane. Springer, Heidelberg 2007

Online-Informationen des Medizinischen Wissensnetzwerks evidence.de der Universität Witten/Herdecke: Patientenleitlinie Rücken- und Kreuzschmerzen (Lumbalgie): www.patientenleitlinien.de (Stand: Juni 2006)

Aktualisiert am: 28. August 2017

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