Gliederschmerzen: Was tun, wenn Arme und Beine schmerzen?

Veröffentlicht von: Till von Bracht (10. Oktober 2017)

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Gliederschmerzen treten typischerweise im Rahmen einer Infektionskrankheit auf. Fast jeder, der schon einmal eine starke Erkältung oder eine Grippe hatte, weiß dies aus eigener Erfahrung: Dann schmerzen nicht nur die Muskeln oder die Gelenke der Arme und Beine, viele leiden zudem unter Kopfschmerzen, Fieber oder Rückenschmerzen

Es kann aber auch vorkommen, dass die Betroffenen ausschließlich unter Gliederschmerzen leiden, also ohne Fieber, Müdigkeit oder andere Anzeichen einer Infektion. Die Ursachen hierfür sind vielfältig – es können zum Beispiel unter anderem Durchblutungsstörungen, Nervenkrankheiten oder das Karpaltunnel-Syndrom hinter den Gliederschmerzen stecken. 

Was sind Gliederschmerzen?

Medizinisch gesehen versteht man unter Gliederschmerzen jegliche Gelenk- und Muskelschmerzen der

  • Arme, 
  • Beine,
  • Hände und
  • Füße.

Die Bezeichnung ist also sehr weit gefasst: So fallen unter dem Begriff Gliederschmerzen beispielsweise auch Ellenbogenschmerzen nach einem Stoß oder Muskelkater in den Beinen nach dem Sport

Dabei können die Schmerzen in den Gliedern sehr verschieden ausgeprägt sein: Der schleichende und ziehende Schmerz kann kaum spürbar, aber auch extrem stark sein. Außerdem können Gliederschmerzen

  • nur eine oder beide Extremitäten betreffen,
  • symmetrisch oder einseitig auftreten
  • und unterschiedlich lange andauern.

Starke und länger bestehende Gliederschmerzen wirken sich sehr einschränkend auf die Lebensqualität der Betroffenen aus und sollten daher ärztlich abgeklärt werden. 

Die gute Nachricht: Muskel- und Gelenkschmerzen der Arme und Beine sind meist harmlos und treten nur vorübergehend auf. Ständige Gliederschmerzen beider Arme oder Beine sind selten: Meist betreffen chronische Gliederschmerzen nur eine Extremität und sind Begleiterscheinung einer Grunderkrankung, zum bei Arthrose. 

Das Bild zeigt eine Frau, die mit typischen Grippesymptomen im Bett liegt: Fieber, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen. © iStock

Typisch für die echte Grippe: Man fühlt sich schlagartig richtig krank. Durch eine Infektion mit Grippeviren leiden die Betroffenen dann unter Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen.

Gliederschmerzen: Diese Ursachen stecken dahinter

Infektionskrankheiten

In vielen Fällen sind Gliederschmerzen die Folge einer Infektionskrankheit – meist treten sie im Rahmen einer echten Grippe oder einer starken Erkältung auf. Viele der Betroffenen haben dann nicht nur mit Schmerzen in Armen und Beinen zu kämpfen, sondern auch mit Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Fieber.

Die Krankheitserreger (wie etwa Grippeviren) oder die Entzündungen der oberen Atemwege im Rahmen einer Erkältung führen dazu, dass der Körper vermehrt bestimmte chemische Substanzen ausschüttet – sogenannte Pyrogene. Pyrogene sorgen zum einen dafür, dass die Körpertemperatur ansteigt (man bekommt Fieber) und zum anderen, dass die "Schmerzschwelle" fällt. Mit anderen Worten: Die Betroffenen nehmen Schmerzen in ihren Gliedern früher und stärker wahr als normalerweise.

Gliederschmerzen entwickeln sich außerdem häufig bei anderen Infektionskrankheiten wie beispielsweise Masern oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Wassermangel und Medikamente

Gliederschmerzen können aber auch ohne Fieber oder andere Anzeichen einer Infektion auftreten: So können vorübergehende Gliederschmerzen zum Beispiel neben anderen Beschwerden entstehen, wenn der Körper durch starkes Schwitzen viel Flüssigkeit und Elektrolyte verliert (sog. Hitzeerschöpfung). Um genau zu sein kommt es zu Muskelschmerzen und Koordinationsproblemen, wenn der Körper bis zu sechs Prozent seines Gewichts (etwa 5 Liter bei einer 80 Kilogramm schweren Person) an Flüssigkeit verliert.

Des Weiteren gehören Gliederschmerzen zu den möglichen Nebenwirkungen mancher Medikamente: So können Gliederschmerzen auch durch eine Behandlung mit Heparin oder sogenannten PDE-5-Hemmern entstehen.

Durchblutungsstörungen und Gelenkentzündungen

Auch Durchblutungsstörungen in den Beinen infolge einer Arterienverkalkung führt zu Gliederschmerzen. Diese Krankheit ist im Volksmund auch als Schaufensterkrankheit bekannt – fachsprachlich heißt sie pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit). Bei dieser Krankheit verengen zunehmend die Gefäße in den Beinen (in seltenen Fällen in den Armen), wodurch die entsprechende Extremität nicht mehr genug Sauerstoff erhält. Die Folge: Der Patient bekommt beim Gehen relativ schnell Schmerzen in den Beinen, sodass er gezwungen wird, für ein paar Minuten stehenzubleiben.

Aber auch Durchblutungsstörungen in Fingern und Zehen (Raynaud-Syndrom) oder eine Polyarthritis kommen für lang anhaltende Gliederschmerzen in mehreren Gelenken als Ursachen infrage. Vor allem bei älteren Menschen können entzündete Gelenke hinter den Schmerzen stecken – zum Beispiel im Rahmen einer Arthrose, Rheuma oder Gicht.

Nervenstörungen- und krankheiten

Wenn lang anhaltende Gliederschmerzen mehrere Gelenke betreffen, kann dies auf eine Polyneuropathie hinweisen: Diese Nervenerkrankung kann zum Beispiel infolge von Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch oder Vergiftungen entstehen. 

Außerdem können Gliederschmerzen der Beine dadurch entstehen, dass bestimmte Nerven erkrankt oder gestört sind. Genauer gesagt handelt es sich hierbei um 

  • den Ischiasnerv,
  • den vorderen Oberschenkelnerv (Nervus femoralis)
  • oder das als Plexus lumbalis bezeichnete Nervengeflecht aus dem Rückenmark der oberen Lendenwirbelsäule.

Die genannten Nerven können auf verschiedene Weise verletzt werden und so zu Gliederschmerzen führen – als Ursachen kommen Operationen, Entzündungen oder Zusammendrückungen durch zu enges Schuhwerk, Gipsverbände oder auch Tumoren infrage.

Schmerzen in den Armen

Lange andauernde Gliederschmerzen der Arme – die sogenannte Brachialgie – treten manchmal als Begleitsymptom

  • bei Nervenschmerzen (Neuralgie),
  • einer Entzündung (Neuritis) des Plexus brachialis
  • oder bei zusammengedrückten Nerven (wie z.B. beim Karpaltunnel-Syndrom)

auf.

Außerdem kann eine solche Brachialgie entstehen, wenn die Schmerzen von der Wirbelsäule oder den Ellenbogen in die Arme ausstrahlen. Darüber hinaus können sich Gliederschmerzen in den Armen nach einer Röntgenbestrahlung der Achselhöhle bei Brustkrebs oder einer radikalen Entfernung der weiblichen Brust (Mastektomie) entwickeln.

Gliederschmerzen: So stellt der Arzt die Diagnose

Bei Gliederschmerzen ist meist keine komplizierte Diagnose erforderlich: Oft reicht es schon aus, den körperlichen Zustand kurz zu prüfen und nach weiteren Symptomen und der Krankengeschichte zu fragen, um eine Infektion als Ursache für die Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen der Arme und Beine festzustellen.

Um den genauen Erreger der Infektionskrankheit zu bestimmen, kann der Arzt allerdings eine Blutuntersuchung veranlasse – so lassen sich Antikörper oder Viren im Blut nachweisen. In manchen Fällen ist es auch sinnvoll, das Hirnwasser (Liquor) und den Urin zu untersuchen.

Kann der Arzt keine Infektionskrankheit als Ursache für die Gliederschmerzen feststellen, sind zur Diagnose weitere Untersuchungen nötig. Dazu zählt beispielsweise eine sogenannte neurologische Untersuchung, die darin besteht, Sensibilität, Muskelkraft und Reflexe zu testen. Um die Diagnose zu unterstützen, können auch

sinnvoll sein.

Gliederschmerzen: Was tun?

Was bei Gliederschmerzen zu tun ist, hängt in erster Linie davon ab, welche Ursachen für die Schmerzen verantwortlich sind. 

Steckt eine Erkältung oder eine Grippe hinter den Gliederschmerzen, helfen manchmal schon altbekannte Hausmittel wie kalte Wadenwickel oder Tees. Generell ist es bei einer Infektionskrankheit wie der Grippe wichtig, dass Sie

  • Ihrem Körper viel Ruhe gönnen,
  • viel schlafen und
  • sich schonen!

Sie können auch Medikamente gegen die Beschwerden einnehmen: Hilfreiche Mittel gegen starke Gliederschmerzen sind Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Paracetamol.

Sind Ihre Gliederschmerzen Begleitsymptom einer anderen Grunderkrankung, ist die gezielte Therapie dieser Krankheit notwendig. Wenn beispielsweise eine Nervenentzündung für die Gliederschmerzen verantwortlich gemacht werden kann, helfen Medikamente: Geeignet sind entzündungshemmende Mittel (sog. Antiphlogistika) wie Phenylbutazon, oder Plexusblockaden, bei denen der Arzt den betroffenen Nerv örtlich betäubt. Auch hier können Sie kurzfristig Schmerzmittel (Analgetika) einnehmen, um Ihre Muskel- und/oder Gelenkschmerzen in den Extremitäten zu lindern.

Nur in seltenen Fällen ist eine Operation zur Behandlung von Gliederschmerzen nötig – zum Beispiel bei einem hartnäckigen Karpaltunnelsyndrom.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Gliederschmerzen":

Quellen:

Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2016

Thiel, H., Roewer, N.: Anästhesiologische Pharmakotherapie. Von den Grundlagen der Pharmakologie zur Medikamentenpraxis. Thieme, Stuttgart 2014

Würtemberger, G., et al.: Duale Reihe Anamnese und Klinische Untersuchung, Thieme, Stuttgart 2014

Imhoff, A.B., Baumgarten, R., Linke, R.D.: Checkliste Orthopädie. Thieme, Stuttgart 2014

Hahn, J.M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Aktualisiert am: 10. Oktober 2017

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