Erschöpfung: Ursachen & Behandlung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (02. August 2017)

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Jeder Mensch fühlt sich hin und wieder müde, ermattet und abgeschlagen. Meist gibt es dafür Gründe: ein stressiger Arbeitstag, ein intensives Sporttraining, eine unruhige Nacht. Doch Erschöpfung kann auch als Symptom von Erkrankungen auftreten. Woran erkennt man diese? Und was kann man dagegen tun?

Körper und Geist haben ein begrenztes Energiekontingent. Ist es aufgebraucht, spürt man das sofort: Alltägliche Aufgaben erscheinen plötzlich mühsam und anstrengend. Tätigkeiten, die normalerweise leicht von der Hand gehen, werden zur Herausforderung. In der Regel ist Erschöpfung kein Grund zur Sorge. Doch wenn sie länger anhält und sich dafür zunächst keine einleuchtende Erklärung findet, können auch bestimmte Krankheiten dahinterstecken. Zu den häufigsten Ursachen von Müdigkeit und Erschöpfung zählen:

Was ist Erschöpfung?
Erschöpfung ist ein Zustand starker körperlicher und/oder psychischer Ermüdung, welche die körperliche und/oder geistige Leistungsfähigkeit einschränkt. Nach Atembeschwerden ist Erschöpfung das zweithäufigste Symptom, das Allgemeinmediziner von Patienten zu hören bekommen.

Erschöpfung: Häufige Ursachen

Es gibt zwei Typen von Ermüdung:

  • Zur körperlichen, sog.  "peripheren" Ermüdung kommt es, wenn es der Muskulatur an Energie mangelt. Das passiert zum Beispiel, wenn die Muskeln während eines intensiven Sporttrainings ihre Glykogendepots (vereinfacht gesagt: die Zuckerspeicher) aufgebraucht haben.
  • Die "zentrale", psychische Ermüdung geht vom zentralen Nervensystem aus. Sie entsteht, wenn sich das Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn verschiebt.

Die beiden Formen der Ermüdung lassen sich allerdings nicht klar voneinander abgrenzen. Häufig haben sie gemeinsame Ursachen. Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) zum Beispiel kann einerseits dazu führen, dass den Muskeln der Kraftstoff ausgeht. Andererseits kann der Zuckermangel den Stoffwechsel der Nervenzellen beeinträchtigen und somit zu einer zentralen Ermüdung führen.

Zudem stehen die beiden Formen der Ermüdung miteinander in Wechselwirkung: Ist die Skelettmuskulatur überlastet, kann sie das Zentralnervensystem hemmen, um den Körper somit vor einer Überbeanspruchung zu schützen.

Zunächst ist Erschöpfung also kein Zeichen für eine Erkrankung, sondern ein normaler körperlicher Zustand wie Hunger oder Durst. Wenn man sich allerdings ohne ersichtlichen Grund und über längere Zeiträume hinweg erschöpft fühlt, kann dies ein Warnsignal sein. 

Mediziner zählen Erschöpfung zu den "Allgemeinsymptomen", die bei vielen verschiedenen körperlichen und seelischen Krankheiten auftreten. Ähnlich wie Atembeschwerden oder Kopfschmerzen ist Erschöpfung ein unspezifisches, vieldeutiges Symptom, für das es zahllose Erklärungen geben kann.

Zu den psychische Leiden, die häufig zu Erschöpfung führen, zählen:

Mögliche körperliche Ursachen sind etwa:

Eine weitere Störung, die sich in Erschöpfung äußert, ist das chronische Müdigkeitssyndrom, auch bekannt als chronisches Erschöpfungssyndrom, Fatigue-Syndrom (franz. fatigue = Müdigkeit) oder myalgische Enzephalomyelitis.

Was ist das chronische Müdigkeitssyndrom?
Dabei handelt es sich um einen Zustand permanenter Müdigkeit und Leistungsschwäche, der mindestens ein halbes Jahr anhält. Charakteristisch für dieses Syndrom ist, dass sich die Betroffenen selbst nach dem Schlafen nicht besser fühlen und häufig Schmerzen in Muskeln, Gelenken, Hals und Kopf verspüren.

Manche klagen zudem über empfindliche oder geschwollene Lymphknoten an den Armen und im Nacken. Die Ursachen sind noch nicht geklärt. Da das Syndrom häufig nach Virusinfekten auftritt sowie bei chronisch-entzündlichen Autoimmunkrankheiten wie Morbus Crohn, vermuten Wissenschaftler, dass es mit einer Störung des Immunsystems zusammenhängen könnte.

Erschöpfung: Diagnose

Wer sich über einen längeren Zeitraum sehr erschöpft, schwach und abgeschlagen fühlt, sollte die Beschwerden von seinem Hausarzt abklären lassen. Da die möglichen Ursachen der Erschöpfung sehr vielfältig sind, stellt der Arzt bei der sogenannten Anamnese zunächst einige Fragen:

  • Wie lange fühlen Sie sich schon erschöpft?
  • Wie genau äußert sich die Schwäche?
  • Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Muskeln schwächer sind als gewöhnlich?
  • Fühlen Sie sich tagsüber schläfrig und passiert es dann, dass Sie einnicken? 
  • Gab es einen bestimmten Auslöser?
  • Bestehen Vorerkrankungen?
  • Treten in ihrer Familie bestimmte Krankheiten häufig auf?
  • Wie empfinden Sie Ihre berufliche Belastung?
  • Leiden Sie unter Schlafstörungen?
  • Wie ernähren Sie sich?
  • Haben Sie Gewicht verloren?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?
  • Rauchen Sie, oder nehmen Sie Drogen?
  • Haben Sie weitere Beschwerden wie Fieber, Lymphknotenschwellungen, Luftnot, Schmerzen?

Anschließend führt der Arzt eine körperliche Untersuchung durch. Er misst etwa den Blutdruck und nimmt dem Patienten Blut ab. An den Blutwerten kann der Arzt gegebenenfalls verschiedene Erkrankungen erkennen, zum Beispiel eine Blutarmut (Anämie), erhöhte Blutzuckerwerte oder Entzündungen. Zudem begutachtet er die Haut des Patienten, da eine ungewöhnlich stark ausgeprägte und zunehmende Hautbräunung (Pigmentierung) auf eine Nebenniereninsuffizienz hindeuten kann.

Meist (in rund 80 Prozent der Fälle) gelingt es dem Arzt, auf Grundlage der Anamnese sowie der körperlichen Untersuchung eine Diagnose zu stellen. Dennoch sind mitunter weitere Untersuchungen notwendig, um die Diagnose zu sichern oder bestimmte Befunde aus der Untersuchung abzuklären.

Erschöpfung: Behandlung

Geht die Erschöpfung auf eine körperliche oder psychische Erkrankung zurück, wird der Arzt diese gezielt behandeln.

Wenn eine Depression die Erschöpfung hervorgerufen hat, so können eine Psychotherapie oder Antidepressiva helfen. 

Ist die Ursache etwa eine Schilddrüsenunterfunktion, kann der Arzt ein Medikament mit dem Wirkstoff Levothyroxin oder L-Thyroxin verschreiben, welches das fehlende Schilddrüsenhormon Thyroxin ersetzt. Wenn sich die Hormonwerte wieder normalisieren, lässt in der Regel auch die Erschöpfung nach.

Bei Diabetikern rührt die Erschöpfung häufig daher, dass es ihren Zellen an Energie mangelt, weil sie nicht dazu in der Lage sind, Zucker aus dem Blut aufzunehmen. Wenn der Diabetes behandelt wird (wobei sich die Therapie nach dem Diabetes-Typ richtet), verschwindet dieses Problem normalerweise wieder. 

Das chronische Erschöpfungssyndrom lässt sich bisher nicht heilen. Einige Untersuchungen legen zwar nahe, dass Ausdauersport wie Schwimmen, Walken, Fahrradfahren oder Tanzen bei manchen Betroffenen die Beschwerden mildern kann. Auch eine spezielle Form der Physiotherapie, das sogenannte angepasste Ausdauertraining ("graded exercise therapy", kurz GET) hat sich in einigen Studien bewährt.

Allerdings sind diese Behandlungsformen unter Ärzten und Patienten noch umstritten. Wenn das Syndrom tatsächlich eine Folge organischer Störungen ist, so könnte körperliche Anstrengung auch Risiken bergen, befürchten manche. In den bisherigen Studien haben jedoch sehr wenige Teilnehmer berichtet, dass sich ihr Befinden durch das Training verschlechtert hätte.

Erschöpfung: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Erschöpfung (Abgeschlagenheit, Schwäche)":


Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2017)

Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 2017)

Clark, L. V., et al.: Guided graded exercise self-help plus specialist medical care versus specialist medical care alone for chronic fatigue syndrome (GETSET): a pragmatic randomised controlled trial. The Lancet Jg. 390, Nr. 10092, S. 363-373 (Juli 2017)

Larun, L., et al.: Exercise therapy for chronic fatigue syndrome. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 2. Art. No.: CD003200 (Februar 2016)

Behrends, J. C., et al.: Duale Reihe Physiologie. Thieme, Stuttgart 2016

Füeßl, H., et al.: Duale Reihe Anamnese und Klinische Untersuchung. Thieme, Stuttgart 2014

Battegay, E. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose. Thieme, Stuttgart 2012

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM): Demenz. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 053/002 (Stand:  30.9.2011)

Aktualisiert am: 1. August 2017

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