Blut im Urin (Hämaturie): Was sind die Ursachen?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (25. September 2017)

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Wer Blut im Urin (Hämaturie) entdeckt, bekommt wahrscheinlich erstmal einen Schreck. Ursachen für Blut im Urin gibt es jedoch viele – auch harmlose. Da Blut im Urin aber ebenso ein Zeichen von Erkrankungen sein kann, sollten Sie eine Hämaturie immer zeitnah ärztlich abklären lassen.

Was ist Blut im Urin?
Wer von Blut im Urin spricht, meint in der Regel, dass es durch Blut zu einer sichtbaren Verfärbung des Urins kommt. Allerdings kann Blut auch in so kleinen Mengen im Urin vorliegen, dass keine sichtbare Verfärbung auftritt.

Mediziner unterscheiden zwei Formen der Hämaturie:

  • Mikrohämaturie: Bei einer sog. Mikrohämaturie (mikro = klein) ist der Urin ist nicht rot verfärbt und das Blut im Urin nur mikroskopisch oder mittels Urinteststreifen erkennbar.
  • Makrohämaturie: Bei einer Makrohämaturie (makro = groß) färbt sich der Urin durch das enthaltene Blut mit bloßem Auge sichtbar rot.

Das Farbspektrum kann bei sichtbarem Blut im Urin außerdem variieren: Von rosa über rot bis braun ist alles möglich.

Damit sich der Urin verfärbt, genügt schon wenig Blut. Für 500 Milliliter Urin reichen zum Beispiel schon 0,2 Milliliter Blut aus, um eine Verfärbung hervorzurufen. Schmerzen treten dabei in der Regel nicht auf. Befinden sich jedoch nicht nur einzelne rote Blutkörperchen, sondern ganze Blutklümpchen im Urin, kann das Wasserlassen mit Schmerzen verbunden sein.

Blut im Urin (Hämaturie): Mögliche Ursachen

Für Blut im Urin (Hämaturie) gibt es verschiedene Ursachen. Es kann zum Beispiel ein Zeichen für Erkrankungen von Nieren, Nierenbecken, Blase, Harnleiter oder Harnröhre sein. Mögliche Erkrankungen, die mit einer Hämaturie einhergehen können, sind zum Beispiel:

Daneben gibt es für Blut im Urin auch Ursachen, die nur bei Frauen oder nur bei Männern infrage kommen. Generell zählen Harnwegsinfekte bei Frauen sehr viel häufiger zu den Ursachen für Blut im Urin als beim Mann.

Blut im Urin bei der Frau

Blut im Urin kann bei der Frau auch im Rahmen einer normalen Regelblutung auftreten. Wenn Blutreste beim Wasserlassen durch den Harnstrahl weggespült werden, kann sich der Urin verfärben.

Blut im Urin beim Mann

Beim Mann kann Blut im Urin zum Beispiel durch eine Prostataentzündung (Prostatitis) oder eine Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie) entstehen. Eher selten verursacht dagegen Prostatakrebs Blut im Urin.

Blut im Urin nach körperlicher Belastung

Hin und wieder tritt bei ansonsten gesunden Menschen nach extremer körperlicher Belastung Blut im Urin auf. Vor allem bei Langstreckenläufern kann dies passieren (sog. runner's bladder, engl. für "Läuferblase").

Verfärbung durch Nahrungsmittel

Nicht immer ist Blut für eine Rotfärbung des Urins verantwortlich: Nahrungsmittel wie Rote Beete, Rhabarber oder Beeren (z.B. Heidelbeeren) können vorübergehend zu rötlich verfärbtem Urin führen.

Blut im Urin (Hämaturie): Diagnose

Um die Ursache für Blut im Urin (Hämaturie) herauszufinden und die Diagnose zu stellen, stellt der Arzt in der Regel zunächst einige Fragen, zum Beispiel:

  • Wann ist Ihnen das Blut im Urin zum ersten Mal aufgefallen?
  • Welche Färbung hatte der Urin (z.B. rosa, rot, dunkelrot, braun)?
  • Haben Sie sich kürzlich verletzt oder hatten Sie einen Unfall?
  • Bestehen weitere Beschwerden wie Blasenschmerzen oder Brennen beim Wasserlassen ?
  • Haben Sie Vorerkrankungen?
  • Haben Sie Blasensteine oder Nierensteine?
  • Nehmen Sie zurzeit Medikamente ein?

Nach der Anamnese folgt meist eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt den Bauch und die Flanken abklopft und abtastet. Außerdem misst er Körpertemperatur, Blutdruck und Puls. Mittels Ultraschall (Sonographie) untersucht er Blase, Nieren und Harnleiter.

Bei Blut im Urin spielen Urinuntersuchungen eine wichtige Rolle für die Diagnose. Mittels Teststreifen lassen sich weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und rote Blutkörperchen (Erythrozyten) sowie weitere mögliche Urinbestandteile (z.B. Eiweiße) nachweisen.

Der Arzt lässt außerdem einen Teil der Urinprobe unter dem Mikroskop untersuchen, um noch genauere Ergebnisse zu erhalten. Ist der Urin nicht rot verfärbt, erkennt der Labormediziner mithilfe eines Mikroskops, ob sich dennoch Blut im Urin befindet.

  • Zählt er bei einer 400fachen Vergrößerung in einem bestimmten Volumen mehr als 5 rote Blutkörperchen pro Gesichtsfeld unter dem Mikroskop, liegt eine Mikrohämaturie vor.
  • Liegt bereits eine sichtbare rötliche Färbung vor, befinden sich mehr als 50 rote Blutkörperchen pro Gesichtsfeld im Urin. Man spricht dann von einer Makrohämaturie.

Die Form der Hämaturie sagt jedoch nichts darüber aus, warum es zu einer Blutung gekommen ist beziehungsweise an welcher Stelle im Harntrakt das Blut austritt.

Bei einer Harnwegsinfektion liegen neben den roten auch zu viele weiße Blutkörperchen (Leukozyten) im Urin vor. Leukozyten im Urin können aber auch ein Hinweis auf eine ernsthafte Nierenerkrankung sein.

Je nach Ergebnis sind weitere Untersuchungen sinnvoll, um den Befund weiter abzuklären, wie zum Beispiel:

Blut im Urin (Hämaturie): Therapie

Welche Therapie bei Blut im Urin (Hämaturie) infrage kommt, hängt von der jeweiligen Ursache ab. Eine kurzfristige Hämaturie nach sportlicher Anstrengung erfordert in der Regel keine Behandlung. Bei Erkrankungen kann dagegen eine gezielte Therapie notwendig sein. Hier einige Beispiele:

  • Verursacht beispielsweise eine bakterielle Infektion (z.B. eine Blasenentzündung) das Blut im Urin, können Antibiotika helfen. Sobald die Entzündung sich bessert, sollte auch kein Blut mehr im Urin auftreten.
  • Sind Blasensteine oder Nierensteine die Ursache für das Blut im Urin, kann eine Behandlung notwendig werden, falls die Steine nicht von alleine abgehen. Eine mögliche Methode ist die Stoßwellentherapie (extrakorporale Stoßwellenlithotripsie, ESWL).
  • Bei Tumoren, zum Beispiel Nierenkrebs, sind in der Regel zunächst eine Operation sowie gegebenenfalls weitere Therapien (Chemotherapie, Bestrahlung) notwendig.

Blut im Urin (Hämaturie): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Blut im Urin (Hämaturie)":

Onmeda Lesetipps:

Urinwerte: Was ist normal?
Was Urinveränderungen bedeuten
Eiweiß im Urin
Leukozyten im Urin

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Hämaturie. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 29.6.2017)

Battegay, E. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose. Thieme, Stuttgart 2013

Arastèh, K., et al.: Duale Reihe Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Heidelberg 2011

Sturm, A., Zidek, W.: Checkliste XXL Differenzialdiagnose Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2003

Stand: 25. September 2017

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