Bauchschmerzen: Symptom mit vielen Ursachen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (20. Oktober 2017)

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Bauchschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden. Die Ursachen sind vielfältig – und nicht immer sind sie tatsächlich im Bauchraum zu finden.

Bauchschmerzen können sich ganz unterschiedlich anfühlen: Sie können rechts, links, mittig oder diffus auftreten. Sie können dumpf, krampf- und kolikartig, stechend oder ziehend sein. Sie können eher im Ober- oder eher im Unterbauch zu spüren sein und mit weiteren Beschwerden eingehen. Und sie können kurz oder lang anhalten oder immer wiederkehren. So groß die Bandbreite von Bauchschmerzen sind, so lang ist auch die Liste der möglichen Ursachen.

Die lateinische Bezeichnung für den Bauch lautet Abdomen – Ärzte verwenden für Bauchschmerzen daher auch Begriffe wie Abdominalschmerzen oder abdominelle Beschwerden.

Was sind akute, was sind chronische Bauchschmerzen?

Wenn Schmerzen im Bauchraum plötzlich und relativ stark einsetzen, sprechen Ärzte von akuten Bauchschmerzen. Halten Schmerzen dagegen über einen längeren Zeitraum an und/oder kehren immer wieder, handelt es sich um chronische Bauchschmerzen. Chronische Bauchschmerzen sind in der Regel weniger intensiv als akute Bauchschmerzen.

Oft sind Bauchschmerzen nicht das einzige Symptom. Häufig treten sie zusammen mit Beschwerden auf wie:

Wann sind Bauchschmerzen ein Notfall?

Bauchschmerzen sind oft harmlos. Sie können jedoch auch auf eine Notfallsituation hinweisen: Beginnen die Bauchschmerzen aus heiterem Himmel, sind sehr heftig und verstärken sich innerhalb kurzer Zeit (Minuten bis Stunden), kann dies ein Hinweis auf eine ernsthafte, möglicherweise lebensbedrohliche Erkrankung sein. Oft verschlechtert sich gleichzeitig auch der allgemeine Zustand sehr rasch treten zum Beispiel Symptome wie Blässe, Übelkeit, Schweißausbrüche oder Kreislaufprobleme hinzu. In solchen Fällen ist es sehr wichtig, umgehend einen Notarzt zu informieren.

Bauchschmerzen: Mögliche Ursachen

Meist sind Bauchschmerzen harmlos. Zu häufigen Ursachen zählen das Reizdarm-Syndrom, Magen-Darm-Infekte oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Aber auch ernstere Erkrankungen (z.B. Darmkrebs) können mit Schmerzen im Bauch einhergehen.

In den meisten Fällen liegen die Ursachen der Bauchschmerzen tatsächlich im Bauchraum – also zum Beispiel im Magen, im Darm, in der Bauchspeicheldrüse oder in der Gallenblase. Gelegentlich strahlt der Schmerz aber auch von einem anderen Organ (z.B. Herz) in den Bauch aus. Vor allem bei Frauen können Bauchschmerzen etwa ein Zeichen für einen Herzinfarkt sein.

Überblick: Mögliche Ursachen von Bauchschmerzen

Zu den Erkrankungen beziehungsweise Störungen, die bei akuten und chronischen Bauchschmerzen als Ursachen infrage kommen, gehören:

Bei Kindern treten Bauchschmerzen häufig infolge von Infektionskrankheiten auf. Dazu zählen unter anderem:

Bauchschmerzen links oder rechts?

Wichtig für den Arzt ist auch, wo sein Patient die Bauchschmerzen wahrnimmt – etwa eher links oder eher rechts, eher mittig oder eher diffus.

Beachten Sie: Die Lokalisation der Bauchschmerzen ist lediglich ein Anhaltspunkt für die mögliche Ursache. Im Einzelfall können die Schmerzen auch in einen ganz anderen Bereich ausstrahlen. So schließen etwa Schmerzen auf der linken Seite eine Blinddarmentzündung nicht vollständig aus – auch wenn die Schmerzen meist eher auf der rechten Seite auftreten.

Sind akute Bauchschmerzen links, sind mögliche Ursachen zum Beispiel

  • ein Herzinfarkt,
  • eine Divertikulitis oder
  • eine Entzündung des linken Eierstocks.

Akute Schmerzen im rechten Bauchbereich können zum Beispiel auf

  • eine Blinddarmentzündung,
  • eine Gallenblasenentzündung.
  • Nierensteine oder
  • eine Entzündung des rechten Eierstocks (rechter Unterbauch)

hinweisen.

Bauchschmerzen im Ober- oder Unterbauch

Mögliche Ursachen von Schmerzen im oberen Bauchbereich sind zum Beispiel

  • Herz- oder Lungenkrankheiten, z.B. Herzinfarkt,
  • eine besonders üppige Mahlzeit oder
  • Gallensteine.

Mögliche Ursachen von Schmerzen im unteren Bauchbereich (unterhalb des Bauchnabels) sind zum Beispiel

  • Erkrankungen der Geschlechtsorgane (bei Frauen), z.B. Eierstockentzündung,
  • Erkrankungen der Harnwege, z.B. Blasenentzündung oder
  • Erkrankungen des Dickdarms, z.B. Blinddarmentzündung.

Bauchschmerzen: Diagnose

Um bei Bauchschmerzen die richtige Diagnose zu ermitteln, wird der Arzt zunächst einiges wissen wollen, zum Beispiel:

  • Wann sind die Bauchschmerzen erstmals aufgetreten?
  • Sind die Bauchschmerzen plötzlich gekommen oder bestehen sie schon länger?
  • Wo genau tut es weh? Spüren Sie die Bauchschmerzen eher links, eher rechts oder eher mittig im Bauch? Ist eher der Ober- oder der Unterbauch betroffen?
  • Sind die Bauchschmerzen dauerhaft oder kommen und gehen sie (Kolik)?
  • Gab es ein bestimmtes Ereignis, das den Bauchschmerzen vorausgegangen ist (z.B. eine Verletzung)?
  • Haben Sie Appetit?
  • Werden die Bauchschmerzen nach dem Essen oder einer bestimmten Speise (wie fettreiches Essen, Milchprodukte, Obst etc.) stärker?
  • Wann haben Sie zuletzt etwas gegessen und was war das?
  • Wie ist der Stuhlgang (DurchfallVerstopfung, Farbe) und wann hatten Sie zum letzten Mal Stuhlgang?
  • Haben Sie weitere Beschwerden, z.B. ÜbelkeitErbrechenBlut im StuhlFieberSchmerzen im Brustbereich?
  • Treten die Bauchschmerzen auch nachts auf?
  • Wie fühlen Sie sich insgesamt?
  • Haben Sie in der letzten Zeit Gewicht verloren?
  • Trinken Sie regelmäßig Alkohol?
  • Sind Vorerkrankungen bekannt (wie MagengeschwürGallensteineHerzinfarkt)?
  • Bei Frauen: Wann war Ihre letzte Regelblutung?

Nachdem der Arzt so die möglichen Ursachen für die Bauchschmerzen näher eingegrenzt hat, folgt eine gründliche körperliche Untersuchung.

Je nach vermuteter Diagnose misst der Arzt Temperatur, Puls und Blutdruck und verschafft sich einen ersten äußeren Eindruck über den Gesundheitszustand. Aufschluss geben ihm auch Körperhaltung (krümmt der Betroffene sich vor Bauchschmerzen?) und Gesichtsfarbe. Den schmerzenden Bauch betrachtet der Arzt besonders genau. So achtet er zum Beispiel darauf, ob der Bauch aufgebläht ist oder ob Vorwölbungen zu sehen sind (z.B. in der Leiste bei einem Leistenbruch).

Besonders wichtig, um bei Bauchschmerzen die richtige Diagnose zu stellen: das Abtasten des Bauchs. © iStock

Besonders wichtig, um bei Bauchschmerzen die richtige Diagnose zu stellen: das Abtasten des Bauchs.

Bei der sogenannten Auskultation horcht der Arzt den Bauch mit dem Stethoskop ab. So prüft er, ob die Darmgeräusche normal, vermindert oder verstärkt sind. Bei der sogenannten Palpation, die bei Bauchschmerzen ein wichtiger Teil der Diagnose ist, tastet er den Bauch mit den Händen ab. Dabei fallen eventuelle Verhärtungen auf. Außerdem kann der Arzt feststellen, ob die Bauchschmerzen sich durch Druck auf die Bauchdecke verstärken. Auch das plötzliche Wegziehen der Hände kann Schmerzen verursachen (sog. Loslass-Schmerz) und damit Hinweise auf die Ursache der Bauchschmerzen geben. Gegebenenfalls tastet der Arzt in einer rektalen Untersuchung den Enddarm mit dem Finger ab.

Je nach Ergebnis der vorangegangenen Untersuchungen und je nachdem, ob es sich um akute oder chronische Bauchschmerzen handelt, sind zur endgültigen Diagnose weitere Untersuchungen notwendig. Dazu zählen unter anderem:

Bauchschmerzen: Therapie

Bauchschmerzen können viele Ursachen haben – die Therapie richtet sich daher jeweils nach der zugrundeliegenden Erkrankung oder Störung. Die therapeutische Bandbreite ist dementsprechend groß. Einige Beispiele:

Bauchschmerzen: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Bauchschmerzen":

Linktipps:

Auf der Website Dr-Gumpert.de finden Sie weitere Informationen zum Thema Bauchschmerzen.

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2017)

Füeßl, H., Middeke, M.: Duale Reihe Anamnese und Klinische Untersuchung. Thieme, Stuttgart 2014

Arastéh, K., et al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2013

Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2011

Aktualisiert am: 20. Oktober 2017

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