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Sperma: Des Mannes Saft

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (28. Januar 2014)

© Jupiterimages/iStockphoto

Sperma ist die leicht klebrige Flüssigkeit, die ein Mann während des Samenergusses (Ejakulation) aus dem Penis absondert. Dass diese wenigen Milliliter so viel Interesse auf sich ziehen, mag daran liegen, dass das Thema "Sperma" häufig in sexuellem Zusammenhang steht. Oder daran, dass die darin enthaltenen Spermien der männliche Beitrag zur Fortpflanzung sind. Wie auch immer – Fragen zum männlichen Samen gibt es etliche: Woraus besteht Sperma, woher kommt es, wonach riecht es, wie viel produziert der Mann ...?

Ohne Sperma keine Befruchtung, ohne Befruchtung kein neues Leben: Der biologische Zweck der milchig-trüben Samenflüssigkeit lässt sich schnell abhandeln (von der komplexen modernen Fortpflanzungsmedizin einmal abgesehen). Was Sperma zudem – von der Natur wohl geschickt daran gekoppelt – für den einzelnen Mann in aller Regel recht bedeutsam macht: Sperma entsteht als Folge eines Orgasmus, hängt also mit Lust und Sexualität zusammen. Im Gegensatz dazu vollzieht sich der weibliche Eisprung losgelöst vom sexuellen Höhepunkt der Frau; und er lässt sich nicht derart offensichtlich von außen erkennen wie ein Samenerguss.

Dass um Sperma viel Bohei gemacht wird, liegt vielleicht auch daran, dass es teils einen schwierigen Stand hat: Viele riechen es nicht gerne, finden es zu glitschig, klebrig – schlicht eklig; andere gar unanständig.

Rein wissenschaftlich gesehen ist Sperma eine ganz beachtliche Flüssigkeit! In gesundem Samen tummeln sich Abermillionen von Spermien (Samenzellen), die nur darauf warten, ihre etwa 20 Zentimeter lange Reise von der Scheide durch die Gebärmutter in die Eileiter anzutreten, um dort im Idealfall – zumindest aus Sicht der Evolution – auf eine Eizelle zu treffen und sie zu befruchten. Die Spermien rackern sich ab, um die genetische Information des Mannes zur Eizelle zu bringen.

Um diese Aufgabe erfüllen zu können, enthält Sperma außer den aus den Hoden stammenden Samenzellen Begleitsekrete aus ...

  • ... den beiden etwa 5-10 Zentimeter langen sog. "Bläschen-Drüsen" oder Samenblasen, die oberhalb der Prostata hinter der Harnblase liegen (ca. 60-70 Prozent der Spermamenge, vor allem Eiweiß),
  • aus der etwa kastaniengroßen Prostata, die direkt unterhalb der Blase liegt (ca. 15-30 Prozent),
  • aus den beiden etwa linsen- bis erbsengroßen "Cowper-Drüsen", auch Bulbourethraldrüsen genannt, die unterhalb der Prostata liegen und in die Harnröhre münden (ca. 5 Prozent), sowie
  • aus den Nebenhoden: Sie steuern inkl. der Samenzellen ca. 5-10 Prozent der Spermamenge bei.
Geschlechtsorgane des Mannes © LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese

Anatomie der männlichen Geschlechtsorgane

Die Sekrete helfen dabei, die Spermien zu transportieren, schützen sie vor dem sauren Milieu und Abwehrzellen in der Scheide und sichern ihre Beweglichkeit. Sie enthalten unter anderem folgende Stoffe:

  • Fruktose (Fruchtzucker): Stammt aus den Samenblasen und liefert Energie für die Spermien; 1 Milliliter Sperma enthält etwas mehr als 1 tausendstel Gramm (Milligramm) Fruktose.
  • PSA (prostata-spezifisches Antigen): verflüssigt das Sperma
  • Proteine und Enzyme: Sie helfen u.a. dabei, dass die Spermien in der Vagina nicht zu schnell als fremd erkannt und abgetötet werden, dass sie den Schleim im Gebärmutterhals durchdringen können und dass ein Spermium in die Eizelle eindringen kann.
  • Abwehrzellen (Leukozyten, also weiße Blutkörperchen)

Die kleine Menge Flüssigkeit, die ein Mann vor der Ejakulation in manchen Fällen über die Harnröhre ausscheidet, stammt aus den Cowper-Drüsen. Dieses sogenannte "Freudentröpfchen" dient als Gleitmittel und kann einzelne Spermien enthalten und somit – sofern es in die Scheide gelangt – eventuell auch zu einer Befruchtung führen.

Des einen Freund, des and'ren Feind: Paare mit Kinderwunsch setzen viel daran, genau den Moment abzupassen, in dem Eizelle und Sperma aufeinandertreffen können. Paare ohne Kinderwunsch oder Sexualpartner, die mit Familienplanung nichts im Sinn haben, konzentrieren sich im Gegensatz dazu darauf, dass das Sperma unter keinen Umständen in die Nähe einer gesprungenen Eizelle gerät. Andernfalls wäre eine ungewollte Schwangerschaft die mögliche Folge.

Gelangt der Mann beim Geschlechtsverkehr zum Höhepunkt, gibt er den Samen meist in das sogenannte "hintere Scheidengewölbe" ab, das an den Gebärmutterhals grenzt. Von dort aus starten die Spermien ihren Weg in Richtung Eizelle. Dabei legen sie, unterstützt durch Muskelbewegungen der Gebärmutter und der Eileiter, wenige Millimeter pro Minute zurück – in einer Stunde schaffen sie eine Strecke von circa 15 Zentimetern. Im Eileiter kommen schließlich nur einige Hundert Spermien an, unter denen sich entscheidet, welches die Eizelle befruchten wird.

Wichtig: Sperma kann Erreger wie das HI-Virus (Auslöser von AIDS) übertragen. Daher sollte man zumindest beim Geschlechtsverkehr mit neuen oder wechselnden Partnern stets Kondome verwenden – sie schützen vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Ärzte können mithilfe eines sogenannten Spermiogramms (Spermauntersuchung) die Zeugungsfähigkeit eines Mannes abklären. Es ermittelt unter anderem, wie viele Spermien das Sperma enthält, ob sie regelrecht aufgebaut sind, wie viele davon sich bewegen und wie schnell sie das tun.

Informationen über Sperma

MerkmalBeschreibung
Farbemilchig-weißlich bis gelblich-grau; trübe
Geruchmeist kastanienblütenartig
Konsistenzzähflüssig bis flockig; verflüssigt sich nach ca. 15-30 Minuten
Menge pro Samenergussnach einigen Tagen sexueller Karenz zwischen 2-6 Milliliter (ml), im Schnitt ca. 3-4 ml; Finden sich gar keine reifen Spermien im Samen, spricht man von einer Azoospermie.
Spermienanzahlnormal: > 20 Millionen / ml, meist ca. 40 Mio. / ml
HerkunftHoden, Nebenhoden, Bläschendrüsen, Prostata und Cowper-Drüsen
ÜberlebensdauerSpermien können im weiblichen Genitaltrakt etwa drei bis fünf Tage lang überleben. In flüssigem Stickstoff tiefgefroren bleiben Spermien lange Zeit befruchtungsfähig und können zu einem späteren Zeitpunkt für eine künstliche Befruchtung aufgetaut werden.
pH-Wert7-7,8 (schwach alkalisch)

Zahlenspiel

Je nachdem, wie aktiv ein Mann sexuell ist, gibt er über sein Sperma im Laufe seines Lebens etliche Milliarden von Samenzellen ab.

Beispiele:

  • Wer 100 Mal im Jahr einen Samenerguss mit im Schnitt 3 Milliliter Volumen hat, von dem jeder Milliliter 40 Millionen Spermien enthält, kommt auf 12 Milliarden Spermien jährlich (100 x 3 x 40.000.000).
  • Erfolgt einmal wöchentlich ein Samenerguss, sind es noch 52 x 3 x 40.000.000 = 6,24 Milliarden.
  • bei 1 Samenerguss pro Monat ca. 1,4 Milliarden Spermien jährlich (12 x 3 x 40.000.000)

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