Schmerzgedächtnis: Wenn Schmerzen Spuren hinterlassen

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (19. April 2017)

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Wenn Schmerzen länger anhalten oder besonders stark sind, kann ein Schmerzgedächtnis entstehen. Der Patient hat auch dann noch Beschwerden, wenn die eigentliche Ursache des Schmerzes längst beseitigt ist.

Ob im Rücken, in den Gelenken oder im Kopf: Etwa jeder fünfte Patient, der den Hausarzt besucht, leidet unter chronischen Schmerzen. "Mitverantwortlich" für chronische Schmerzzustände ist das sogenannte Schmerzgedächtnis. Vereinfacht gesagt sensibilisiert sich der Körper dabei für den Schmerz, den er gelernt hat – und reagiert auch dann mit Schmerzen, wenn es eigentlich keinen Grund mehr dafür gibt.

Sehr starke Schmerzen oder Schmerzen, die über einen längeren Zeitraum bestehen, "merkt" sich der Körper – er bildet ein Schmerzgedächtnis. Dieser Prozess ist so ähnlich wie beim Lernen: Wer immer wieder die gleichen Vokabeln paukt, speichert diese Informationen irgendwann in seinem Langzeitgedächtnis ab, wo das Gelernte dauerhaft verankert ist. Dabei bilden sich regelrechte Gedächtnisspuren. Sie ermöglichen, dass wir uns wieder erinnern. Das Schmerzgedächtnis funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip: Auch Schmerzen können Spuren im Gehirn hinterlassen.

Schmerzen sind zunächst einmal eine überlebenswichtige Einrichtung der Natur. Sie sind aus biologischer Sicht notwendig, damit der Mensch auf Störungen seines Körpers reagieren kann. Akute Schmerzen warnen uns davor, dass mit dem Körper etwas nicht in Ordnung ist, etwa bei einer Verletzung oder einer Entzündung. Würde man keinerlei Schmerzen empfinden, könnte dies fatale Folgen haben: Man denke nur an eine akute Blinddarmentzündung, die unbehandelt lebensbedrohlich ist.

Auch wenn wir beispielsweise mit der Hand eine Herdplatte berühren, wird die schützende Warnfunktion von Schmerzen deutlich: Schmerzrezeptoren in der Haut senden an das Gehirn entsprechende Signale, die dazu führen, dass wir die Handlung als schmerzhaft wahrnehmen – und die Hand wieder von der Herdplatte nehmen. Der Schmerz ist zwar unangenehm, aber er bewahrt in diesem Fall vor körperlichem Schaden.

Akute Schmerzen sind also durchaus sinnvoll. Wenn Schmerzen aber über längere Zeit hinweg anhalten, können sie ihre Warnfunktion verlieren und chronisch werden. Der Schmerzzustand ist dann nicht mehr Symptom eines körperlichen Schadens, sondern hat sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickelt. Chronische Schmerzen können außerordentlich belastend sein und den Alltag regelrecht zur Qual machen.

Von chronischen Schmerzen sprechen Experten, wenn die Beschwerden länger als drei Monate anhalten – manche Mediziner legen auch einen Zeitraum von mindestens Monaten fest. Bei der Entstehung von chronischen Schmerzen spielt das Schmerzgedächtnis eine wichtige Rolle.


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