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Schmerzgedächtnis: Wenn Schmerzen Spuren hinterlassen

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (05. November 2014)

© Jupiterimages/iStockphoto

Wer immer wieder die gleichen Vokabeln paukt, speichert diese Informationen irgendwann in seinem Langzeitgedächtnis ab, wo das Gelernte dauerhaft verankert ist. Dabei bilden sich regelrechte Gedächtnisspuren. Sie ermöglichen, dass wir uns wieder erinnern. Ähnlich funktioniert auch das Schmerzgedächtnis: Schmerzen können im Nervensystem Spuren hinterlassen – und sich auch dann noch bemerkbar machen, wenn die eigentliche Ursache des Schmerzes längst beseitigt ist.

Ob im Rücken, in den Gelenken oder im Kopf: Etwa jeder fünfte Patient, der den Hausarzt besucht, leidet unter chronischen Schmerzen. Die Schmerzen sind schier unerträglich – obwohl die körperliche Ursache oft schon behoben ist.

"Mitverantwortlich" dafür ist das sogenannte Schmerzgedächtnis. Vereinfacht gesagt sensibilisiert sich der Körper dabei für den Schmerz, den er gelernt hat – und reagiert unter Umständen auch dann mit Schmerzen, wenn es eigentlich keinen Grund mehr dafür gibt.

Schmerzen sind zunächst einmal eine überlebenswichtige Einrichtung der Natur. Sie sind aus biologischer Sicht notwendig, damit der Mensch auf Störungen seines Körpers reagieren kann. Akute Schmerzen warnen uns davor, dass mit dem Körper etwas nicht in Ordnung ist – etwa bei einer Verletzung oder einer Entzündung. Würde man keinerlei Schmerzen empfinden, könnte dies fatale Folgen haben: Man denke nur an eine akute Blinddarmentzündung, die unbehandelt lebensbedrohlich ist.

Auch, wenn wir beispielsweise mit der Hand eine Herdplatte berühren, wird die schützende Warnfunktion von Schmerzen deutlich: Schmerzrezeptoren in der Haut senden an das Gehirn entsprechende Signale, die dazu führen, dass wir die Handlung als schmerzhaft wahrnehmen – und die Hand wieder von der Herdplatte nehmen. Der Schmerz ist zwar unangenehm, aber er bewahrt in diesem Fall vor körperlichem Schaden.

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Akute Schmerzen sind also durchaus sinnvoll. Wenn Schmerzen aber über längere Zeit hinweg anhalten, können sie ihre Warnfunktion verlieren und chronisch werden. Der Schmerzzustand ist dann nicht mehr Symptom eines körperlichen Schadens, sondern hat sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickelt. Chronische Schmerzen können außerordentlich belastend sein und den Alltag regelrecht zur Qual machen.

Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn Schmerzen länger als drei Monate anhalten. Bei der Entstehung von chronischen Schmerzen spielt das Schmerzgedächtnis eine wichtige Rolle.

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