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Schlafphasen

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (25. März 2015)

© Jupiterimages/Goodshoot

Schlaf ist ein physiologischer Zustand, in dem sich der Körper erholt und Gedächtnisinhalte festigen. In der Regel tritt er nachts auf und umfasst unterschiedliche Schlafphasen.

Während des Schlafs verändern sich Bewusstseinszustand und Körperfunktionen. Schlafende reagieren weniger auf äußere Reize als im Wachzustand, sind aber dennoch weckbar (anders als z.B. in der Narkose).

In einem Schlaflabor kann man die Hirnströme im EEG (Elektroenzephalogramm) ableiten und als Kurven aufzeichnen. Das Kurvenbild gibt Aufschluss darüber, wie tief die untersuchte Person schläft und welche Schlafphasen sie gerade durchläuft.

Unabhängig davon, wie lange der Einzelne schläft, bleibt die Einteilung des Schlafs in verschiedene Schlafphasen gleich. Wissenschaftler unterteilen den Schlaf in

  • REM-Schlaf und
  • Non-REM-Schlaf, der sich wiederum in mehrere Phasen gliedern lässt:
    • Schlafphase 1,
    • Schlafphase 2 und
    • Schlafphase 3.

Diese Schlafphasen wiederholen sich mehrfach pro Nacht.

Non-REM-Schlaf

Jeder Schlaf beginnt mit dem Non-REM-Schlaf. Der Name bezieht sich darauf, dass es in diesem Schlafstadium nur zu wenig Augenbewegung kommt (engl. Non Rapid Eye Movement = keine schnelle Augenbewegung).

Während des Non-REM-Schlafs folgend drei Schlafphasen aufeinander – vom Einschlafen über den Leichtschlaf bis hin zum Tiefschlaf. Die Gehirnaktivität nimmt währenddessen immer weiter ab und die Muskeln entspannen sich zunehmend. Non-REM-Phase 1 und 2 gelten dabei als Leichtschlaf, Non-REM-Phase 3 bezeichnet man auch als Tiefschlafphase

Ein Schlafzyklus, also eine Abfolge der verschiedenen Schlafphasen kann zum Beispiel so aussehen:

Schlafphase 1 → Schlafphase 2 → Schlafphase 3 → Schlafphase 2 → Schlafphase 3 → REM-Schlaf

Das Durchlaufen eines kompletten Schlafzyklus von Schlafphase 1 bis zum REM-Schlaf dauert durchschnittlich 90 bis 110 Minuten.

Pro Nacht treten circa vier bis fünf Schlafzyklen auf, wobei vor allem die ersten beiden Zyklen für den Schlaf wichtig sind – sie gelten als Kernschlaf, die nachfolgenden Zyklen als Füllschlaf.

Non-REM-Phase 1 (Schlafphase 1, Stadium N1, Leichtschlaf)

Während der Non-REM-Phase 1 nimmt die Frequenz der Gehirnaktivität ab – man könnte auch sagen, das Gehirn kommt langsam zur Ruhe – die Augen beginnen wegzurollen und die Muskelspannung lässt nach. Die Hirnströme verändern sich: Sie gehen von Alpha-Wellen (Wachzustand, 8 bis 13 Hertz) in Theta-Wellen (4 bis 7 Hertz) über. In dieser Phase kann es auch zu plötzlichen Zuckungen kommen. Schlafphase 1 dauert circa zehn Minuten.

Non-REM-Phase 2 (Schlafphase 2, Stadium N2, Leichtschlaf)

In Non-REM-Phase 2 kommt es im EEG vor allem zu Theta-Wellen (4 bis 7 Hertz). Außerdem erkennt man typischerweise sogenannte K-Komplexe. Diese speziellen Wellenformen treten spontan auf – aber auch, wenn das Gehirn im Schlaf Reize von außen bemerkt, wie zum Beispiel ein Geräusch oder ein Lichtreiz. Daher rührt auch der Begriff "K-Komplexe" – das K steht für das englische Wort für Klopfen: knock.

Daneben sind immer wieder Schlafspindeln zu erkennen, so nennt man eine typische Abfolge mehrerer abgrenzbarer Wellen im Bereich von 11 bis 16 Hertz. Diese gehen vor allem von den sensomotorischen Bereichen des Gehirns aus. Schlafspindeln sollen verhindern, dass äußere Reize den Schlaf stören – sie schirmen das Gehirn förmlich ab und stabilisieren den Schlaf.

Die Muskelspannung nimmt während der Non-REM-Phase 2 weiter ab, auch die bewusste Wahrnehmung der äußeren Umgebung lässt langsam nach. Diese Schlafphase dauert etwa 15 Minuten.

Non-REM-Phase 3 (Schlafphase 3, Stadium N3, Tiefschlafphase)

In Non-REM-Phase 3 kommt es zum Tiefschlaf, der auch Slow Wave Sleep (SWS) oder Delta-Schlaf genannt wird – sie zeichnet sich durch Delta-Wellen (0,1 bis 4 Hertz) aus. Während dieser Schlafphase kann es zu Phänomenen wie Schlafwandeln oder Zähneknirschen kommen. Schlafphase 3 dauert ungefähr 20 bis 30 Minuten. Aus ihr wacht man nicht mehr so leicht auf wie aus Phase 1 oder 2.

Bis vor Kurzem wurden die Non-REM-Phasen noch in vier Schlafphasen unterteilt. Non-REM-Phase 4 entsprach dabei von ihren Eigenschaften her im Prinzip der 3. Schlafphase, nur in gesteigert Form: Der Schlaf in Phase 4 ist noch tiefer, die Frequenzen der Hirnströme noch niedriger. Mittlerweile schließt man jedoch Phase 4 in Phase 3 mit ein.

REM-Schlaf

Beim REM-Schlaf bewegen sich die Augen unter den Lidern rasch hin und her. Das lässt sich von Außenstehenden deutlich beobachten. Der Name REM ist die Abkürzung des englischen Begriffs Rapid Eye Movement (= schnelle Augenbewegung).

Die erste REM-Phase einer Nacht dauert meist nur fünf bis zehn Minuten und wird dann zunehmend länger, zuletzt dauert sie etwa 20 bis 30 Minuten. Sie kann sich vier- bis sechsmal pro Nacht wiederholen.

Die Gehirntätigkeit steigt in der REM-Phase deutlich an, bis sie sich kaum vom Wachsein unterscheidet, um dann erneut in einer weiteren Non-REM-Phase abzusinken. Während des REM-Schlafs zeichnet das EEG vor allem Beta-Wellen (14 bis 30 Hertz) und Gamma-Wellen (über 30 Hertz) auf, unterbrochen von Theta-Wellen (4 bis 7 Hertz).

Schlafforscher stellten in Versuchen fest, dass Personen, die in der REM-Phase geweckt werden, häufiger von Träumen berichten als Personen, die in anderen Phasen geweckt werden. Daraus folgerten sie, dass die REM-Phase gleichzusetzen sei mit einer Traumphase.

Inzwischen hat sich jedoch herausgestellt, dass man in allen Schlafphasen träumt, nur auf unterschiedliche Weise. Im REM-Schlaf haben Träume meist emotionale Inhalte mit aktiver Handlung, in den Non-REM-Schlafphasen träumt man dagegen eher abstrakt und gedanklich beziehungsweise ohne aktive Handlung. Die Traumqualität verändert sich zudem mit zunehmender Schlafdauer: Je länger man schläft, desto realitätsferner und gefühlsgeladener wird der Trauminhalt.

Je länger der Schlaf dauert, desto surrealer werden Träume mit jeder REM-Phase. Träume gegen Morgen haben deswegen oft "verrückte" Inhalte. © iStock

Je länger der Schlaf dauert, desto surrealer werden Träume mit jeder REM-Phase. Träume gegen Morgen haben deswegen oft "verrückte" Inhalte.

In der REM-Phase erfolgt vor allem die sensorische Entspannung. Die Muskulatur ist stark erschlafft und schützt den Schlafenden dadurch davor, Träume körperlich auszuleben und sich selbst zu verletzen.

Trotz der Erschlaffung des Körpers können sich Puls und Atmung während der REM-Phase beschleunigen. Das Gesicht kann sich röten oder Finger beginnen zu zucken. Bei Männern kommt es währen einer REM-Phase häufig zu spontanen Erektionen, wobei diese unabhängig vom Trauminhalt auftreten und keinen sexuellen Zusammenhang haben müssen.



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