Hospitalismus – wenn das Krankenhaus krank macht

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (04. Dezember 2014)

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Ein Krankenhausaufenthalt dient im Normalfall dazu, dass kranke Menschen gesund werden. Ein Krankenhaus ist jedoch gleichzeitig auch ein Ort, der selbst bestimmte Krankheiten begünstigen kann – zum Beispiel durch verschiedene Erreger, die dort vermehrt vorkommen, oder durch psychische Belastungen. Wenn sich Patienten während ihrer Zeit in einem Krankenhaus oder in einem Heim einen zusätzlichen gesundheitlichen Schaden zuziehen, spricht man von Hospitalismus.

Ein Krankenhausaufenthalt trägt nicht immer ausschließlich zur Genesung der Patienten bei. Vielmehr treffen hier viele Kranke und damit auch verschiedenste Keime aufeinander. Dies birgt das Risiko, sich mit weiteren Krankheiten wie zum Beispiel sekundären Infektionen anzustecken. Auch durch Ernährungs- oder Pflegefehler können zusätzliche Erkrankungen entstehen. Dazu gehören unter anderem Wundliegen (Dekubitus), Verstopfung oder Thrombose. Alle körperlichen Schäden, die während eines Krankenhausaufenthalts entstehen, fasst man unter dem Begriff physischer Hospitalismus zusammen.

Die wenig heimelige Umgebung und fehlende emotionale Zuneigung während des Krankenhausaufenthaltes können außerdem psychische Belastungen hervorrufen. Vor allem Kinder leiden darunter, wenn in der fremden Umgebung und der besonderen Situation eine konstante Bezugsperson, liebevolle Fürsorge und das Gefühl von Geborgenheit fehlen – beispielsweise wenn Eltern sich nicht entsprechend kümmern können und das Pflegepersonal ihnen nicht genügend Aufmerksamkeit entgegenbringt.

Infolgedessen kann es zu psychischen Auffälligkeiten wie Apathie, Angst und Depressionen kommen. Kinder zeigen mitunter Sprachentwicklungsstörungen und / oder allgemeine psychomotorische und somatische Entwicklungsverzögerungen. Auch Bindungs- oder Kontaktstörungen können als Folge von Einsamkeit und Vernachlässigung auftreten.

Alle psychischen Beeinträchtigungen, die durch einen Krankenhausaufenthalt entstehen, bezeichnet man allgemein als psychischen Hospitalismus.

Der Begriff Hospitalismus umschreibt alle gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die sich Menschen durch oder während eines Krankenhaus- oder Heimaufenthalts zuziehen. Dabei unterteilt man

  • körperliche Schädigungen (physischer Hospitalismus)
  • und psychische Beeinträchtigungen (psychischer Hospitalismus).