Ohrenschmerzen bei akuter Mittelohr­entzündung – was tun?

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (10. März 2017)

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Starke Ohrenschmerzen und Fieber sind typisch bei akuter Mittelohrentzündung. Besonders bei Babys und Kleinkindern kommt diese häufig vor und beschert sowohl den Kleinen als auch deren Eltern oft schlaflose Nächte. Was können Eltern tun, um ihrem kranken Kind zu helfen?

Eines vorweg: Wenn ein Kind fiebrig, unruhig und appetitlos ist, sich ständig ans Ohr greift und wegen der Ohrenschmerzen nachts kaum schlafen kann, wirkt das oft sehr beunruhigend. Meist heilt eine akute Mittelohrentzündung aber nach einigen Tagen folgenlos ab. Ernste Komplikationen sind sehr selten.

Dennoch ist es wichtig, dass Sie bei starken Ohrenschmerzen mit Ihrem Kind zum Arzt gehen und den Krankheitsverlauf gut beobachten, denn manchmal kann zur Behandlung mehr nötig sein als das, was Sie selbst tun können.

Auf einen Blick:

Was hilft gegen die Ohrenschmerzen?

Was können Sie sonst noch tun?

  • dem Kind viel liebevolle Zuwendung schenken
  • für Bettruhe sorgen
  • darauf achten, dass das Kind genug trinkt
  • Wärme zuführen
  • Nasentropfen oder -spray anwenden

Die Ohrenschmerzen können bei einer akuten Mittelohrentzündung sehr stark sein, klingen aber oft schon nach einem Tag wieder ab. Um die Schmerzen schnell zu lindern, eignen sich schmerzstillende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen in Form von Zäpfchen oder Saft. Sie wirken gleichzeitig fiebersenkend.

Geben Sie Ihren Kind auf keinen Fall Acetylsalicylsäure (ASS)! Bei Kindern und Jugendlichen darf ASS nur auf Anweisung eines Arztes zum Einsatz kommen, weil es bei fieberhaften Virusinfektionen eine seltene, aber ernste Komplikation verursachen kann: Das sogenannte Reye-Syndrom, bei dem es zu Leber- und Gehirnschäden kommen kann.

Ohrentropfen (z.B. mit den Wirkstoffen Phenazon und Procain) können zwar möglicherweise auch die Ohrenschmerzen lindern: Sie sind schmerz- und entzündungshemmend und wirken gleichzeitig örtlich betäubend. Allerdings macht es die Anwendung von Ohrentropfen für Ärzte schwieriger, den Zustand des Trommelfells zu beurteilen. Darum ist es besser, vorher immer einen Arzt zu fragen.

Wärme ist zwar nicht schmerzlindernd, kann bei einer Mittelohrentzündung aber wohltuend sein. Ein verbreitetes Hausmittel gegen Ohrenschmerzen ist das Zwiebelsäckchen: Dazu eine Zwiebel erwärmen, klein schneiden, in ein Tuch wickeln und aufs schmerzende Ohr legen. Rotlicht oder ein erwärmtes Traubenkernkissen erfüllen denselben Zweck (und stinken nicht).

Nasentropfen oder Nasensprays können die Schleimhäute abschwellen lassen und so die Belüftung des Mittelohrs verbessern. Ob das gegen die Ohrenschmerzen hilft oder ob die Mittelohrentzündung dadurch besser abheilt, ist jedoch nicht klar. Wenn das Kind auch eine verstopfte Nase hat, sorgen die Nasentropfen allerdings dafür, dass es einige Stunden lang besser durchatmen kann.

Aber Achtung: Nasentropfen und -sprays nur für wenige Tage und nur in der empfohlenen Dosierung anwenden! Sonst können die Mittel die Nasenschleimhaut dauerhaft schädigen.

Wichtig ist bei Ohrenschmerzen auch, dass kein Wasser in die Ohren gelangt. Verzichten Sie darum in den ersten Tagen am besten ganz darauf, Ihr Kind zu baden oder zu duschen. Besuche im Schwimmbad sind bei akuter Mittelohrentzündung grundsätzlich tabu!

Wenn die Ohrenschmerzen nicht besser werden: Was kann der Arzt tun?

Steckt eine bakterielle Mittelohrentzündung hinter den Ohrenschmerzen, verschreibt der Arzt gegebenenfalls Antibiotika, um die Bakterien abzutöten. Für einen bakteriellen Infekt spricht:

  • (bei Kindern unter zwei Jahren) eine beidseitige Entzündung oder
  • (unabhängig vom Alter) ein eitriger Ausfluss aus dem Ohr.

Hat sich aufgrund der Mittelohrentzündung Eiter im Ohr gebildet, wird der Arzt unter Umständen zudem das Trommelfell öffnen, damit der Eiter abfließen kann.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Ohrenschmerzen
Mittelohrentzündung (Otitis media)
Wenn das Kind krank ist

Quellen:

Akute Mittelohrentzündung. Online-Informationen des Deutschen Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V. (Hrsg.): www.hno-aerzte-im-netz.de (Abrufdatum: 10.3.2017)

Mittelohrentzündung. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 16.11.2016)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Ohrenschmerzen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 053/009 (Stand: 1.11.2014)

Stand: 10. März 2017


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