FAQ Leberzirrhose – häufige Fragen und Antworten

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (05. Oktober 2017)

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Bis eine Leberzirrhose entsteht, vergehen Jahre. Anfangs macht sie sich oft kaum bemerkbar. Dennoch kann möglicherweise schon ein Leberschaden bestehen, der das lebenswichtige Organ in seiner Funktion einschränkt. Später treten mehr Beschwerden auf. Eine Leberzirrhose sollte immer behandelt werden, am besten so früh möglich.

1. Was ist eine Leberzirrhose?
2. Welche Ursachen hat eine Leberzirrhose?
3. Welche Symptome treten bei einer Leberzirrhose auf?
4. Wie häufig kommt eine Leberzirrhose vor?
5. Ist eine Leberzirrhose heilbar?
6. Wie behandelt man eine Leberzirrhose?
7. Darf man bei einer Leberzirrhose Alkohol trinken?
8. Was darf man bei Leberzirrhose essen?
9. Wie lange kann man mit einer Leberzirrhose leben?
10. Bei welchen Alkoholmengen besteht das Risiko einer Leberzirrhose?

1. Was ist eine Leberzirrhose?

Als Leberzirrhose bezeichnet man einen krankhaften Zustand der Leber, bei dem die Gewebe- und Gefäßstruktur des Organs zerstört ist. Die Leber verhärtet sich immer mehr und schrumpft dabei. Gleichzeitig verändert sich die ursprüngliche Struktur der Leber und geht zunehmend in narbiges Bindegewebe über. Mediziner sprechen dann von einer Schrumpfleber.

Durch die Veränderungen in der Leber kann diese nicht mehr normal funktionieren und für den Körper wichtige Aufgaben nicht mehr übernehmen. Das hat Folgen für den Stoffwechsel. Schädliche Stoffe und Abbauprodukte aus anderen Stoffwechselprozessen können zum Beispiel nicht mehr richtig aus dem Blut gefiltert werden. Auch Blutgerinnungsfaktoren werden nicht mehr ausreichend hergestellt. Unbehandelt schreitet die Leberzirrhose allmählich fort und kann einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen.

Grafische Darstellung der Unterschiede gesunder Leber und Leberzirrhose. © iStock

Bei einer Leberzirrhose geht das gesunde Gewebe immer mehr in narbiges Bindegewebe über und die Leber schrumpft.

2. Welche Ursachen hat eine Leberzirrhose?

In Deutschland ist Alkohol die häufigste Ursache für eine Leberzirrhose: In sechs von zehn Fällen entsteht sie als Folge von hohem Alkoholkonsum. Weitere häufige Ursachen sind:

Eher selten können auch diese Ursachen zu einer Leberzirrhose führen:

  • Reaktionen des Immunsystems gegen das Lebergewebe (Autoimmunhepatitis)
  • Erbkrankheiten (wie Morbus Wilson)
  • Mukoviszidose
  • Leberschäden durch Medikamente, Chemikalien oder Tropenkrankheiten

3. Welche Symptome treten bei einer Leberzirrhose auf?

Bei einer Leberzirrhose treten verschiedene Symptome auf, die unterschiedlich stark sein können. Sie unterscheiden sich vor allem abhängig davon, welches Stadium der Erkrankung bereits vorliegt. Gerade zu Anfang fehlen Symptome möglicherweise auch ganz. Im Endstadium treten dann deutliche Symptome auf, die durch die fortgeschrittene Leberschädigung entstehen.

Zu Beginn zeigen sich eher allgemeine Symptome, wie:

An der Haut kann es zu typischen Anzeichen einer Lebererkrankung kommen, wie:

  • sogenannte Gefäßspinnen, also rötliche Gefäßknötchen, von denen spinnennetzartige kleine Gefäße abgehen
  • rot gefärbte Daumen- und Kleinfingerballen
  • Juckreiz
  • Weißfärbung der Nägel

Schreitet die Leberzirrhose weiter fort, treten schließlich auch Symptome wie diese auf:

  • Gelbfärbung des Augenweiß und der Haut (Gelbsucht)
  • gestörte Blutgerinnung (auch kleine Schnitte bluten jetzt stark, Blutergüsse häufen sich)
  • starker Gewichtsverlust

4. Wie häufig kommt eine Leberzirrhose vor?

In Deutschland haben schätzungsweise eine Million Menschen eine Leberzirrhose, wobei die Leberveränderung bei Übergewichtigen häufiger auftritt als bei Normalgewichtigen. Insgesamt sind Männer doppelt so oft von Leberzirrhose betroffen wie Frauen. In Deutschland zählt die Leberzirrhose zu den 20 häufigsten Todesursachen.

5. Ist eine Leberzirrhose heilbar?

Vollkommen heilbar ist eine Leberzirrhose nicht. Das heißt, es ist nicht möglich, die entstandenen Leberschäden vollständig zu beheben. Bei entsprechender Behandlung kann sich die Leber aber zumindest teilweise wieder erholen. Welchen Verlauf eine Leberzirrhose nimmt, hängt davon ab, welche Ursachen sie hat und wie weit fortgeschritten sie ist – aber auch davon, ob der Betroffene eine angemessene und frühzeitige Therapie erhält.

6. Wie behandelt man eine Leberzirrhose?

Bei der Behandlung der Leberzirrhose versucht man vor allem, das Risiko für mögliche Komplikationen zu verringern und das Fortschreiten der Leberschädigung aufzuhalten. Symptome wie Juckreiz lassen sich durch Medikamente lindern. Das oberste Gebot bei Leberzirrhose heißt jedoch: Kein Alkohol. Daneben ist es wichtig, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Liegt der Leberzirrhose eine andere Erkrankung zugrunde, muss diese behandelt werden. In schweren Fällen hilft bei einer Leberzirrhose manchmal nur eine Lebertransplantation.

7. Darf man bei einer Leberzirrhose Alkohol trinken?

Bei einer Leberzirrhose ist Alkohol absolut zu meiden. Selbst auf alkoholfreies Bier oder alkoholfreien Sekt sollte verzichtet werden, da diese noch geringe Mengen Alkohol enthalten.

8. Was darf man bei Leberzirrhose essen?

Die Ernährung sollte bei einer Leberzirrhose gesund und ausgewogen sein. Treten bei der Leber bereits Funktionseinbußen auf, sollte das Essen außerdem möglichst wenig Eiweiß und Kochsalz enthalten. Befindet sich die Leberzirrhose bereits im Endstadium, muss die Ernährung möglicherweise mit hochkalorischen Nahrungsergänzungsmitteln unterstützt werden, die einen hohen Anteil verzweigkettiger Aminosäuren enthalten.

9. Wie lange kann man mit einer Leberzirrhose leben?

Diese Frage lässt sich nicht exakt beantworten, da hier viele individuelle Faktoren eine Rolle spielen. Wichtig zu wissen ist: Damit die Leber alle Funktionen aufrechterhalten kann, genügen bereits 15 Prozent gesundes Lebergewebe. Frühzeitig und angemessen behandelt muss eine Leberzirrhose die Lebenserwartung also nicht verkürzen. Menschen mit fortgeschrittener Leberzirrhose sterben allerdings im Durchschnitt deutlich früher als gesunde Menschen.

10. Bei welchen Alkoholmengen besteht das Risiko einer Leberzirrhose?

Die häufigste Ursache für eine Leberzirrhose ist ein langjähriger hoher Alkoholkonsum. Das Risiko für diese Lebererkrankung steigt bei Frauen, die täglich 20 bis 40 Gramm reinen Alkohol zu sich nehmen bzw. bei Männern, die täglich 60 Gramm reinen Alkohol zu sich nehmen. Das entspricht zum Beispiel

  • bei Frauen täglich
    • 0,5 bis 1 Liter Bier oder
    • 0,2 bis 0,4 Liter Rotwein.
  • bei Männern täglich
    • 1,5 Liter Bier oder
    • 0,6 Liter Wein.

Eine Leberzirrhose ist eine chronische Erkrankung der Leber, die die Gesundheit und Lebensqualität stark beeinträchtigen kann. Erfahren Sie im Video mehr!

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Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2017

Arastéh, K., et al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Hahn, J. M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Wenn Kalorien auf die Leber schlagen. Online-Informationen der Pharmazeutischen Zeitung: www.pharmazeutische-zeitung.de (Stand: 2009)

Aktualisiert am: 5. Oktober 2017