Wadenkrämpfe: Ursachen & Behandlung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (10. November 2017)

© iStock

Wadenkrämpfe rufen heftige Schmerzen hervor. Häufig treten diese beim Sport oder nachts auf. Meist sind sie ungefährlich. Doch Wadenkrämpfe können auch ein Warnzeichen für eine Erkrankung sein. Welche? Und was kann man dagegen tun?

Was sind Wadenkrämpfe?
Eine plötzliche, starke und unwillkürliche Anspannung der Wadenmuskulatur, auf die zunächst keine Entspannung folgt, bezeichnet man als Wadenkrampf. Wadenkrämpfe gehen in der Regel mit akuten Schmerzen einher.

Krämpfe in der Wade treten häufig in äußerst unpassenden Situationen auf: Beim Schwimmen, wenn man sich bereits weit vom Beckenrand entfernt hat. Nachts, wenn man gerade erst eingeschlafen ist. Jeder Dritte hat gelegentlich Muskelkrämpfe, ohne sich zuvor körperlich angestrengt zu haben. Grundsätzlich können sie Menschen aller Altersgruppen ereilen – besonders häufig treffen sie jedoch Frauen in der Schwangerschaft und ältere Menschen.

So lästig und schmerzhaft die Krämpfe sind: In der Regel sind sie harmlos. Nicht immer lässt sich die Ursache klären. Manchmal steckt ein Mangel an bestimmten Elektrolyten wie Magnesium oder Kalium dahinter. Wadenkrämpfe können aber auch ein Warnsignal für bestimmte Erkrankungen sein, etwa für:

Tipp: Um einen akuten Krampf rasch zu lösen, reicht häufig, den Muskel zu dehnen.

Wer regelmäßig Wadenkrämpfe hat, sollte die Ursache durch einen Arzt abklären lassen. Denn ist eine Grunderkrankung für die Krämpfe  verantwortlich, ist es wichtig, diese gezielt zu behandeln.

Wadenkrämpfe: mögliche Ursachen

Oft lässt sich die Ursache von Muskelkrämpfen nicht eindeutig klären. Dann sprechen Ärzte von "idiopathischen Wadenkrämpfen" (griech. idios = eigen, pathos = Leiden, idiopathisch = selbstständiges, ohne erkennbare Ursache entstandenes Leiden).

Manchmal können die Krämpfe auf Erkrankungen, körperliche Veränderungen und Belastungen hindeuten. Zu den möglichen Ursachen zählen:

Störungen im Elektrolythaushalt

Elektrolyte sind in Körperflüssigkeit gelöste Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium und Kalium. Im Körper sind diese Stoffe unter anderem dafür zuständig, Erregung von Nerven an Muskeln weiterzuleiten. Nur wenn sich der Elektrolythaushalt im Körper im Gleichgewicht befindet, kann die Muskelkontraktion und -entspannung optimal ablaufen.

Ein Mangel an Elektrolyten (insbesondere an Magnesium) ist häufig die Ursache von Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft. Schwangere haben einen leicht erhöhten Bedarf an einigen Elektrolyten und Vitaminen. Sie benötigen zum Beispiel 310 Milligramm Magnesium pro Tag, und damit 10 Milligramm mehr als nicht schwangere Frauen.

Gefäßerkrankungen

Auch Krampfadern gehen oft mit nächtlichen Wadenkrämpfen einher. Dann fühlen sich die Beine zusätzlich meist müde und schwer an, auch ein Spannungsgefühl kann auftreten. Abends schwellen oft die Knöchel an.

Andere Gefäßerkrankungen wie Thrombosen oder die sogenannte Schaufensterkrankheit (periphere arterielle Verschlusskrankheit) können ebenfalls zu starken Schmerzen in der Wade führen. Allerdings ist die Ursache in diesem Fall eine Durchblutungsstörung, nicht eine unwillkürliche Anspannung der Wadenmuskulatur.

Wadenkrämpfe: Was sind typische Anzeichen?

Wadenkrämpfe setzten in der Regel einseitig auf, häufig nachts. Typische Anzeichen für einen Krampf in der Wade sind:

  • ein plötzlicher, starker, messerstichartiger Schmerz in der Wade, der für Sekunden bis Minuten anhalten kann, sowie
  • verhärtete Wadenmuskeln.

Manchmal wandert der Krampf bis in den Fuß, sodass sich die Zehen zur Fußsohle hin zusammenziehen. Durch die Verkrampfung winkelt sich der Unterschenkel unter Umständen an.

In der Regel gelingt es durch Dehnen, die Wadenmuskulatur zu entspannen. Manchmal bleiben nach einem sehr heftigen Wadenkrampf aber noch eine Zeit lang Beschwerden bestehen, die einem Muskelkater gleichen.

Bei einem Wadenkrampf zieht sich die Wadenmuskulatur ganz plötzlich stark zusammen, was mit einem starken Schmerzen in der Wade einhergeht. © Jupiterimages/Stockbyte

Bei einem Wadenkrampf zieht sich die Wadenmuskulatur ganz plötzlich stark zusammen, was mit einem starken Schmerzen in der Wade einhergeht.

Wadenkrämpfe: Diagnose

Wer häufig an Wadenkrämpfen leidet, sollte diese ärztlich abklären lassen. Der Arzt kann im besten Fall die Ursache der Krämpfe feststellen und eine passende Therapie vorschlagen. Dazu stellt er dem Betroffenen zunächst eine Reihe von Fragen, zum Beispiel:

  • In welchen Situationen treten die Krämpfe auf?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?
  • Kommen Wadenkrämpfe in Ihrer Familie häufig vor?

Um der Ursache für die Wadenkrämpfe weiter auf den Grund zu gehen, kann der Arzt außerdem das Blut des Patienten untersuchen. Dabei ermittelt er etwa:

Legen Vorerkrankungen und weitere Beschwerden nahe, dass eine Nervenerkrankung (Polyneuropathie) für die Wadenkrämpfe verantwortlich ist, überweist der Arzt den Patienten an einen Facharzt für Erkrankungen des Nervensystems (Neurologen). Um eine Diagnose zu stellen, kann dieser weitere Untersuchungen vornehmen, zum Beispiel die Elektromyographie.

Jedoch steckt nicht immer ein Krampf hinter plötzlichen Schmerzen in der Wade: So können zum Beispiel eine Thrombose oder Muskelverletzungen ähnliche Symptome wie Wadenkrämpfe hervorrufen. Dies ist bei der Diagnose zu bedenken: Wenn also ein scheinbarer Wadenkrampf vorbei ist, die Wadenschmerzen danach aber länger anhalten, ist es wichtig, andere Ursachen für die Schmerzen auszuschließen.

Wadenkrämpfe: Was tun?

Gegen häufige Wadenkrämpfe ist eine Therapie ratsam, die auf die Ursache für die Krämpfe abzielt. Ein wirksames Mittel gegen akute Wadenkrämpfe besteht darin, vorsichtig den Wadenmuskel zu dehnen und zu massieren.

Welche Medikamente helfen?

Viele Menschen glauben, Wadenkrämpfe mit Magnesiumtabletten lindern zu können. Doch obwohl Magnesiummangel Wadenkrämpfe verursachen kann, lassen sich diese durch Magnesium wohl nicht wirksam lindern. Darauf deuten jedenfalls bisherige Untersuchungen hin.

Allein gegen Muskelkrämpfe in der Schwangerschaft könne Magnesium "möglicherweise" helfen, heißt es in der medizinischen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Dennoch rät die Gesellschaft Ärzten dazu, auch nicht schwangeren Patienten mit Muskelkrämpfen Magnesium zu empfehlen. Denn im Vergleich zu Chinin, dem einzigen bekannten wirksamen Mittel gegen Krämpfe, hat Magnesium kaum Nebenwirkungen.

Chinin ist ein Wirkstoff, der über verschiedene Mechanismen eine Entspannung der Muskulatur herbeiführt und Wadenkrämpfe wirksam lindern kann. Zudem kann Chinin auch die Krampfneigung senken und Wadenkrämpfen vorbeugen. Allerdings dürfen Ärzte Chininpräparate nur bei häufigen und sehr schmerzhaften, nächtlichen Wadenkrämpfen verordnen. Denn in seltenen Fällen ruft Chinin schwere Nebenwirkungen wie Störungen der Blutgerinnung hervor.

Wichtig: Magnesium kann mit anderen Medikamenten wechselwirken. Nehmen Sie neben dem Magnesium am selben Tag noch andere Arzneimittel ein (z.B. Tetracycline, Digoxin oder Isoniazid), tun Sie dies nicht gleichzeitig, sondern zeitlich versetzt zum Magnesium.

Wadenkrämpfe: Verlauf

Wadenkrämpfe selbst zeigen in der Regel einen harmlosen Verlauf: Sie klingen meist nach einigen Sekunden oder Minuten ab. In bestimmten Situationen kann ein plötzlicher und heftiger Krampf in der Wade jedoch gefährlich sein, zum Teil sogar lebensbedrohlich:

  • Beim Skifahren kann ein Wadenkrampf zu schweren Stürzen führen.
  • Beim Autofahren oder Motorradfahren kann es durch einen Muskelkrampf in der Wade zu Unfällen kommen.
  • Beim Flaschentauchen ist die mögliche Gefährdung durch Wadenkrämpfe so groß, dass der richtige Umgang mit solchen Krämpfen Bestandteil der Tauchausbildung ist.
  • Treten Wadenkrämpfe beim Schwimmen (v.a. im Meer oder in Seen) auf, können die Betroffenen in Panik geraten und ertrinken.

Wadenrkämpfe: Vorbeugen

Sogenannte passive Dehnübungen können helfen, nächtlichen Wadenkrämpfen vorzubeugen:

  • Beugen Sie Ihren Oberkörper vor, ohne dabei mit den Fersen vom Boden abzuheben.
  • Wenn Sie leicht aus dem Gleichgewicht geraten, stützen Sie sich dabei an einer etwa ein Meter entfernten Wand ab.
  • Wiederholen Sie diese Übung mehrmals täglich.

Auf lange Sicht ist es wichtig, dass Sie sich ausgewogen zu ernähren, um einen Mangel an Mineralstoffen und/oder Vitaminen zu vermeiden. Auch sollten Sie nicht zu viel Alkohol trinken. Denn dieser kann den Wasser- und Elektrolythaushalt des Körpers durcheinanderbringen.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Wadenkrämpfe":


Quellen:

Magnesium. Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: www.dge.de (Abrufdatum 9.11.2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2017

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2017)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Crampi/Muskelkrampf. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/037 (Stand: 30.9.2017)

Muscle cramp. Online-Informationen der Mayo-Clinic: www.mayoclinic.org (Stand: 8.8.2017)

A review of nocturnal leg cramps in older people. Age and Ageing, Jg. 45, Nr. 6, S. 776-782 (November 2016)

Aktualisiert am: 9. November 2017

Wie steht es um Ihre Gesundheit?



Apotheken-Notdienst