Übersäuerung (Azidose): Alles über Symptome und Behandlung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (23. November 2017)

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Eine Übersäuerung (Azidose) des Körpers kann sich durch unterschiedliche Symptome bemerkbar machen. Welche Anzeichen auftreten, hängt vor allem von der jeweiligen Ursache der Übersäuerung ab.

Was ist eine Übersäuerung?

Bei einer Übersäuerung ist der Säure-Basen-Haushalt des Körpers so gestört, dass der pH-Wert im arteriellen Blut unter 7,36 sinkt, also saurer wird. Der Fachausdruck hierfür lautet Azidose.

Puffersystem für das Säuren-Basen-Gleichgewicht

Um zu funktionieren, benötigt der Körper Energie, die er über die Nahrung erhält. Verschiedene Stoffwechselvorgänge machen die Energie für Muskeln und Organe nutzbar. Im Laufe des Stoffwechsels fallen Abfallprodukte an, die der Körper über Nieren, Leber, Haut, Lunge und Darm ausscheidet. Diese Abfallprodukte können sauer oder basisch sein.

Für den Körper ist es wichtig, dass das Blut einen stabilen pH-Wert hat. Normalerweise liegt deshalb im Blut ein mehr oder weniger gleichbleibender pH-Wert zwischen 7,36 und 7,44 vor. Dafür sorgen verschiedene Puffersysteme, die den Säure-Basen-Haushalt ausgleichen:

  • chemische Pufferung
  • Ausgleich durch die Atmung (sog. respiratorische Kompensation)
  • Ausgleich durch die Nieren (sog. renale Kompensation)

Saure Stoffwechselabfallprodukte scheidet der Körper über die Niere oder durch Abatmung über die Lunge aus. Ist diese Regulierung (z.B. infolge einer Lungen- oder Nierenfunktionsstörung) gestört, entsteht ein Säureüberschuss und es kommt zu einer Übersäuerung im Körper.

Was sind die Ursachen für eine Übersäuerung?

Eine Übersäuerung (Azidose) des Körpers kann verschiedene Ursachen haben. Je nach Ursache unterscheidet man zwei akute Formen der Übersäuerung:

  • atmungsbedingte Übersäuerung und
  • stoffwechselbedingt Übersäuerung

Atmungsbedingte Übersäuerung (respiratorische Azidose)

Eine atmungsbedingte Übersäuerung nennt man auch respiratorische Azidose. Sie entsteht durch eine zu oberflächliche und/oder zu langsame Atmung (sog. Hypoventilation). Der Körper atmet dabei zu wenig Kohlendioxid (CO2) ab. Das überschüssige saure Kohlendioxid lagert sich in Form von Bikarbonat im Körper an.

Für eine respiratorische Azidose sind unter anderem folgende Ursachen möglich:

Stoffwechselbedingte Übersäuerung (metabolische Azidose)

Der Fachausdruck für eine stoffwechselbedingte Übersäuerung lautet metabolische Azidose. Sie geht mit einer zu hohen Konzentration saurer Stoffwechselprodukte im Blut einher und überlastet die Puffersysteme. Als Folge sinkt der pH-Wert schlagartig. Diese Form der Übersäuerung ist häufig lebensbedrohlich.

Folgende Ursachen kommen für eine metabolische Azidose infrage:

  • Im Körper bilden sich vermehrt Säuren oder der Körper erhält zu viel Säure von außen (sog. Additionsazidose). Mögliche Gründe sind:
    • Der Körper scheidet zu wenig Säuren über die Nieren aus (sog. Retentionsazidose). Dies ist zum Beispiel der Fall bei:
    • Der Körper scheidet vermehrt Basen aus (sog. Subtraktionsazidose). Mögliche Auslöser hierfür sind zum Beispiel:

    Mögliche Symptome bei Übersäuerung

    Bei einer Übersäuerung (Azidose) können unterschiedliche Symptome auftreten. Wie sich eine Übersäuerung des Körpers bemerkbar macht, hängt davon ab, weshalb das Säure-Basen-Gleichgewicht gestört ist.

    Symptome bei respiratorischer Azidose

    Die atmungsbedingte Übersäuerung des Körpers (sog. respiratorische Azidose) ist die häufigere Form der Azidose. Sie ist immer mit einer sogenannten Hypoxie verbunden. Das bedeutet, das Körpergewebe ist infolge der verringerten Atmung vollständig oder teilweise mit Sauerstoff unterversorgt. Das macht sich typischer weise durch Atemnot und blau gefärbte Lippen bemerkbar.

    Darüber hinaus kann eine respiratorische Azidose weitere Symptome auslösen, die von Schwäche über Desorientiertheit bis hin zum Koma reichen. Da die Nieren versuchen, die Übersäuerung auszugleichen, ist zudem ein vermehrtes Wasserlassen typisch.

    Symptome bei metabolischer Azidose

    Die seltenere stoffwechselbedingte Übersäuerung (sog. metabolische Azidose) löst andere Symptome aus. Typischerweise tritt eine beschleunigte Atmung (sog. Hyperventilation) auf, die ungewöhnlich tief ist: die sogenannte Kußmaulatmung (benannt nach dem Arzt Adolf Kußmaul). Hierdurch versucht der Körper, mehr saures Kohlendioxid abzuatmen. Ist ein Diabetes mellitus dafür verantwortlich, dass der Körper übersäuert ist, kann der Atem des Betroffenen außerdem obstähnlich nach Azeton riechen.

    Darüber hinaus wirkt sich jede akute Azidose auch auf das Herz und die Blutgefäße aus. Ist der Körper übersäuert, sinkt die Herzleistung und es weiten sich die Gefäße in Armen und Beinen. Dadurch sind bei einer Übersäuerung folgende weitere Symptome möglich:

    Diagnose: So stellt der Arzt eine Übersäuerung fest

    Bei einer akuten Übersäuerung (Azidose) gelingt die Diagnose mithilfe einer Blutgasanalyse: Hierbei misst der Arzt den pH-Wert und den Säure-Basen-Haushalt des Blutes sowie die Gasverteilung von Sauerstoff und Kohlendioxid.

    Ob die Übersäuerung des Körpers atmungsbedingt ist (also z.B. durch eine Lungenerkrankung, eingeschränkte Atmung infolge eines Rippenbruchs oder Lähmung des Atemzentrums im Gehirn entstand) oder ob der Körper stoffwechselbedingt übersäuert ist (wie z.B. eine Azidose bei Diabetes mellitus, Nierenversagen oder Durchfall), zeigen die Bikarbonatwerte und der Kohlendioxid-Partialdruck im Blut:

    • Ein hoher Kohlendioxid-Partialdruck weist auf eine atmungsbedingte Übersäuerung (bzw. respiratorische Azidose) hin.
    • Niedrige Bikarbonatwerte weisen auf eine stoffwechselbedingte Übersäuerung (bzw. metabolische Azidose) hin.

    Außerdem stehen Teststreifen zur Verfügung, die jedoch nur bei Verdacht auf eine chronische Übersäuerung des Gewebes zur Diagnose zum Einsatz kommen. Mit diesen Teststreifen kann man den pH-Wert im Urin messen.

    Therapie gegen Übersäuerung

    Bei der Therapie einer akuten Übersäuerung (Azidose) gibt es vor allem zwei Ziele:

    1. die Ursache für den Säureüberschuss im Körper zu beseitigen (d.h. die Grunderkrankung zu behandeln) und
    2. mit Sofortmaßnahmen gegen die akuten Symptome der Übersäuerung des Körpers anzugehen.

    Therapie bei respiratorischer Azidose

    Bei einer respiratorischen Azidose,  also einer Übersäuerung durch zu geringe Abatmung von Kohlendioxid, besteht die symptomatische Therapie darin, die Atemfrequenz zu steigern. Auf diese Weise lässt sich mehr saures Kohlendioxid (CO2) abatmen.

    Bei einer respiratorischen Azidose ist das Körpergewebe infolge der verminderten Atmung gänzlich oder teilweise mit Sauerstoff unterversorgt (sog. Hypoxie). Je nachdem, welches Ausmaß die Hypoxie hat, kann das die Behandlung beeinflussen. In schweren Fällen ist eine Beatmung erforderlich.

    Therapie bei metabolischer Azidose

    Bei einer metabolischen Azidose, also eine Übersäuerung durch eine zu hohe Konzentration saurer Stoffwechselprodukte im Blut, ist eine symptomatische Therapie dringend nötig, sobald der pH-Wert im Blut unter 7,15 liegt. Ein geeignetes Mittel gegen die Übersäuerung des Körpers ist Bikarbonat (Natriumhydrogencarbonat). Sofern die Atemfunktion ungestört ist, erhält der Betroffene das Bikarbonat über eine Infusion. Auf diese Weise kann er vermehrt Kohlendioxid (CO2) über die Lunge abatmen.

    Besteht allerdings die Chance, die für eine metabolische Azidose verantwortliche Grunderkrankung schnell behandeln zu können, setzen Ärzte Bikarbonat-Infusionen zur Therapie nur zurückhaltend ein. Dies trifft zum Beispiel auf Diabetiker zu, die eine diabetische Ketoazidose haben, deren akute Symptome sich durch eine Insulin-Behandlung zumindest verbessern lassen.

    Bikarbonat steht aber auch in Form von Tabletten zur Verfügung. Mit deren Einnahme lassen sich bei einer Übersäuerung die natürlichen Puffersysteme unterstützen, die für das Säure-Basen-Gleichgewicht im Körper sorgen.

    Ist eine chronische Nierenerkrankung für die metabolische Azidose verantwortlich, kann zur Therapie möglicherweise eine Dialyse notwendig sein. Langfristig ist es zur Behandlung der Übersäuerung ratsam, die Ernährung umzustellen. Außerdem ist es wichtig, viel zu trinken, wenn der Körper übersäuert ist.

    Verlauf bei Übersäuerung

    Bei einer Übersäuerung (Azidose) des Körpers hängt der Verlauf davon ab, ob frühzeitig Maßnahmen gegen den Säureüberschuss und seine möglichen Folgen zum Einsatz kommen. Wenn die Puffersysteme des Körpers pausenlos arbeiten müssen, weil der Körper übersäuert ist, lösen sich vermehrt Mineralsalze und Phosphate aus den Knochen, um die Säuren zu neutralisieren. Das kann auf Dauer zu Osteoporose (Knochenschwund) führen.

    Wenn der Säure-Basen-Haushalt entgleist und eine daraus entstandene Übersäuerung unbehandelt bleibt, können im weiteren Verlauf zudem folgende Krankheiten entstehen:

    Übersäuerung vorbeugen

    Wer einer Übersäuerung (Azidose) vorbeugen will, muss vor allem frühzeitig und konsequent gegen mögliche Auslöser einer Übersäuerung des Körpers vorgehen. Dazu zählen:

    Daneben ist es allgemein ratsam, folgende Tipps zu beachten:

    Übersäuerung: Weitere Informationen

    ICD-10-Diagnoseschlüssel:

    Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Übersäuerung (Azidose)":

    Quellen:

    Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2017

    Behrends, J., et al.: Duale Reihe Physiologie. Thieme, Stuttgart 2017

    Azidose. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 14.6.2017)

    Battegay, E., et al.: Siegenthaler's Differenzialdiagnose. Thieme, Stuttgart 2013

    Kraske, E.: Säure-Basen-Balance. Gräfe und Unzer, München 2009

    Lang, F., Lang, P.: Basiswissen Physiologie. Springer, Berlin 2007

    Sander, F.: Der Säure-Basenhaushalt des menschlichen Organismus. Hippokrates, Stuttgart 1999

    Aktualisiert am: 23. November 2017

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