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Sehnenscheidenentzündung: Folge von Dauerbelastung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (21. Juli 2017)

© Jupiterimages/Stockbyte

Ob am Computerarbeitsplatz, beim Musizieren oder beim Sport: Wer bestimmte Bewegungen ständig wiederholt, riskiert eine Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis). Der entzündete Bereich schmerzt und schwillt an.

Was ist eine Sehnenscheidenentzündung?

Eine Sehnenscheidenentzündung ist eine Entzündung des Gewebes, das die Sehne umhüllt. Ärzte sprechen auch von einer Tendovaginitis oder Tenosynovitis. Typische Symptome sind Schmerzen und Schwellungen, zum Beispiel am Fuß oder an der Hand.

Grundsätzlich kann jede Sehnenscheide betroffen sein. Besonders häufig entsteht eine Sehnenscheidenentzündung am Gelenk der Hand, aber auch

  • im Fuß,
  • im Unterarm oder 
  • im Ellenbogen.

Sehnenscheidenentzündung als Berufskrankheit

Die Sehnenscheidenentzündung ist mittlerweile als Berufskrankheit anerkannt. Zu den häufig betroffenen Personengruppen zählen unter anderem

  • Menschen, die überwiegend am Computer arbeiten (v.a. Schreibkräfte)
  • Musiker (Pianisten, Gitarristen usw.)
  • Masseure und Physiotherapeuten

Sehnen und Sehnenscheiden: Was ist das eigentlich?

Überall dort, wo Sehnen direkt auf dem Knochen oder um einen Knochenvorsprung verlaufen, sind sie von Sehnenscheiden umhüllt, die sie vor übermäßiger Reibung schützen. Die Gelenkschmiere (Synovia) im Inneren der Sehnenscheiden verbessert außerdem die Gleitfähigkeit der Sehnen.

  • Sehnen bestehen aus Bindegewebe und verbinden die Muskeln mit den Knochen.
  • An besonders stark belasteten Stellen verlaufen die Sehnen in sogenannten Sehnenscheiden.
  • Stark belastete Stellen sind Gelenke, wie das Handgelenk, über das die Sehnen mit hoher Spannung verlaufen.

Eine Sehnenscheide ist ein doppelwandiger Schlauch: Die äußere Wand besteht aus einer Bindegewebsschicht, die innere Wand aus der sogenannten inneren Synovialhaut. Dazwischen befindet sich eine fadenziehende Flüssigkeit – die Gelenkschmiere (Synovia).

Die Sehne gleitet in der Schmierflüssigkeit durch die Sehnenscheide, was sie vor erhöhter Reibung schützt. Wenn jedoch die betroffene Sehne oft übermäßig stark über den Knochen reibt, zum Beispiel durch anhaltende monotone Bewegungen oder eine dauerhaft falsche Haltung, nutzt sich die Sehnenscheide auf Dauer ab: Ihre Wände rauen auf und kleine Verletzungen können zu einer Sehnenscheidenentzündung führen.

Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis): Symptome

Typische Symptome einer Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis) sind

  • starke ziehende oder stechende Schmerzen, die bei Bewegung oder von selbst auftreten,
  • ein deutlich hör- und fühlbares Knirschen im betroffenen Gelenk sowie
  • eine Schwellung der betroffenen Stelle, die nach einmaliger oder längerer Überbeanspruchung auftritt. Die Stelle kann auch gerötet und erwärmt sein.

Weitere Symptome sind zum Beispiel knotige Verdickungen, die insbesondere bei einer chronischen Sehnenscheidenentzündung sichtbar werden.

Schnellender Finger: Tendovaginitis stenosans

Bei einer chronischen Sehnenscheidenentzündung an der Hand können die Sehnenscheiden der Fingerbeugemuskulatur verdickt sein. Ärzte sprechen auch von einer Tendovaginitis stenosans (sog. schnellender Finger). Meist entsteht eine solche Verdickung über dem Fingergrundgelenk auf der Innenseite der Hand. Sind die Daumensehnen betroffen, liegt eine sogenannte Tendovaginitis stenosans de Quervain vor.

Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis): Ursachen

Eine Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis) kann viele Ursachen haben. In der Regel entsteht sie jedoch durch

  • überwiegend anhaltende monotone Bewegungen oder
  • eine dauerhaft falsche Haltung.

Führt man immer wieder die gleichen Bewegungen aus oder nimmt dauerhaft eine falsche Position ein, reibt die betroffene Sehne übermäßig stark über den Knochen. Dadurch nutzt sich die Sehnenscheide, in der sich die Sehne befindet, mit der Zeit ab. Die Folge: Die Wände der Sehnenscheide rauen auf und kleine Verletzungen können sich entzünden.

Bestimmte Faktoren begünstigen eine Sehnenscheidenentzündung. Dazu zählen unter anderem

  • ein ungeeigneter Arbeitsplatz, z.B. ein falsch eingestellter Tisch, die falsche Computer-Maus oder eine ungünstig eingestellte Tastatur
  • dauerhafte gleichförmige Bewegungen, etwa durch lange Arbeit am Computer, ausdauerndes Hanteltraining, Rudern und ähnliche Tätigkeiten, bei denen man die gleichen Bewegungen ständig wiederholt
  • starke Belastungen der Sehne, z.B. durch Sportarten wie Bodenturnen, Klettern oder Tennis, aber auch Musizieren (z.B. mit Gitarre, Geige oder Klavier).
Das Bild zeigt eine Hand, die auf einer Computer-Maus liegt. © Jupiterimages/Stockbyte

Langes Arbeiten am Computer begünstigt eine Sehnenscheidenentzündung.

Seltener entsteht eine Sehnenscheidenentzündung durch entzündliche Gelenkerkrankungen oder Infektionen. So können etwa Chlamydien, Mykoplasmen oder Gonokokken die Ursache sein. Letztere sind auch als Auslöser der Geschlechtskrankheit Tripper (Gonorrhoe) bekannt.

Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis): Diagnose

Oft ergibt sich der Verdacht auf die Diagnose Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis) bereits aus der Schilderung des Patienten – insbesondere, wenn dieser häufig immer die gleichen Bewegungen ausgeführt hat, etwa am Computer.

Um ein umfassendes Bild zu bekommen, wird der Arzt im Gespräch zunächst einige Fragen stellen. So wird er etwa wissen wollen,

  • welchen Beruf man ausübt,
  • wann die Beschwerden angefangen haben oder
  • ob sein Patient an eine entzündlichen Gelenkerkrankung oder einer bakterielle Infektion leidet.

Zudem wird der Arzt prüfen, ob Druck auf die betroffene Stelle Schmerz auslöst und ob das Gelenk knirscht, wenn man es bewegt – denn diese Symptome weisen auf eine Sehnenscheidenentzündung hin.

Wenn dies nicht ausreicht, um den Verdacht auf eine Sehnenscheidenentzündung sicher zu bestätigen, sind weitere Untersuchungen nötig, so zum Beispiel

Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis): Behandlung

Die Behandlung einer Sehnenscheidenentzündung ist vor allem davon abhängig, was die Erkrankung ausgelöst hat. In der Regel reichen nicht-operative (d.h. konservative) Maßnahmen aus. Dazu zählen vor allem

  • Behandlung mit Wärme oder Kälte,
  • Schonung der betroffenen Sehne und/oder
  • Medikamente.

Wenn Sie Anzeichen für eine Sehnenscheidenentzündung bemerken, kühlen Sie die betroffene Stelle: Damit wirken Sie der Entzündung entgegen. Wärme- oder Kältezufuhr von außen kann außerdem die Schmerzen lindern.

Zu den Medikamenten, die sich bei einer Sehnenscheidenentzündung zur Behandlung eignen, gehören zum Beispiel

  • nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), die entzündungshemmend und schmerzstillend wirken,
  • Kortisonpräparate und spezielle Salben, eie ebenfalls die Entzündung hemmen und einer Schwellung entgegenwirken, und
  • örtliche Betäubungsmittel, die der Arzt Ihnen bei akute Schmerzen spritzt; die Spritze setzt er möglichst nah an den Nerv, der den Schmerz verursacht (Nervenblockade).

Ihre Mithilfe trägt wesentlich zum Therapieerfolg bei: Vermeiden Sie bei akuten Beschwerden die belastende Tätigkeit, die die Sehnenscheidenentzündung ausgelöst hat. Stellen Sie das Gelenk ruhig, gegebenenfalls kann Ihnen der Arzt hierzu eine Gipsschiene anlegen.

Ist die Sehnenscheidenentzündung durch eine Infektion entstanden, zielt die Behandlung darauf ab, den Erreger zu bekämpfen. Damit dies gelingt, wird der Arzt mithilfe einer Blutuntersuchung den genauen Erreger bestimmen. Sobald das Ergebnis vorliegt, wird der Arzt die weitere Behandlung planen. Bei einer bakteriellen Infektion wird er Ihnen ein passendes Antibiotikum verschreiben.

Wenn eine Sehnenscheidenentzündung besonders schwer verläuft und die konservative Behandlung nicht den erwünschten Erfolg bringt, kann eine Operation helfen: Hierbei spaltet der Operateur die verengte Stelle der Sehnenscheide auf und entlastet sie so.

Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis): Verlauf

Eine Sehnenscheidenentzündung kann recht langwierig sein. Die Prognose ist jedoch in der Regel gut, sofern keine anderen Begleiterkrankungen wie Rheuma oder eine Gelenkentzündung vorliegen.

Komplikationen

Eine Sehnenscheidenentzündung sollte man nicht verharmlosen. Wird sie zu spät erkannt beziehungsweise zu spät behandelt, kann dies verschiedene Komplikationen nach sich ziehen. So kann es beispielsweise passieren, dass die Entzündung bestehen bleibt und chronisch wird. Man spricht dann von einer sogenannten Repetitive Strain Injury (RSI). Dabei handelt es sich um ein Krankheitsbild, das durch immer wiederkehrende Belastungen entsteht.

Bei einer Sehnenscheidenentzündung der Hand (genauer: der Fingerbeugesehnenscheiden) kann im weiteren Verlauf ein sogenannter schnellender Finger (bzw. Tendovaginitis stenosans) entstehen: Hierbei verdicken sich die Sehnenscheiden der Fingerbeugemuskulatur. Am häufigsten entwickelt sich eine solche Verdickung über dem Fingergrundgelenk auf der Innenseite der Hand.

Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis): Vorbeugen

Einer Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis) können Sie vorbeugen, indem Sie ein paar einfache Maßnahmen ergreifen:

  • Machen Sie Pausen! Gönnen Sie sich bei langfristigen monotonen Bewegungen (z.B. wenn Sie als Schreibkraft, Musiker, Masseur oder Physiotherapeut tätig sind) öfter eine Auszeit.
  • Sorgen Sie für Entlastung! Platzieren Sie beim Arbeiten am Computer ein Polster vor die Computer-Tastatur und achten Sie darauf, dass die Tastatur flach auf dem Tisch liegt. Beides entlastet die Handgelenke (da diese sich so in gerader Stellung befinden).
  • Wärmen und Dehnen nicht vergessen! Wärmen Sie sich vor starker Beanspruchung auf und dehnen Sie die entsprechenden Körperpartien.
  • Sorgen Sie für Abwechslung! Wandeln Sie Ihre Bewegungsabläufe – wenn möglich – immer mal ab.

Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Sehnenscheiden­entzündung (Tendovaginitis)":


Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Tendopathie. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 12.6.2017)

Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014

Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013

Henne-Bruns, D., Barth, H.: Duale Reihe Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2012

Ruchholtz, S., Wirtz, D.C.: Orthopädie und Unfallchirurgie essentials. Thieme, Stuttgart 2012

Mayer, C., Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie. Springer, Heidelberg 2011

Aktualisiert am: 21. Juli 2017

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