Scheidenpilz (Vaginalpilz)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (07. September 2017)

© iStock

Scheidenpilz (Vaginalpilz, Vaginalmykose) tritt bei drei von vier Frauen mindestens einmal im Leben auf und ist damit eine der häufigsten Infektionen der weiblichen Geschlechtsorgane.

Was ist ein Scheidenpilz?

Scheidenpilz ist eine Pilzinfektion (Mykose) der Scheide, durch die sich die Scheidenschleimhaut entzündet. Scheidenpilz ist auch unter anderen Bezeichnungen bekannt:

Soorvaginitis beziehungsweise Soorkolpitis weisen auf den häufigsten Erreger hin: Soor entsteht durch Pilze der Gattung Candida – daher auch Candidose genannt. Meist sind Candidosen auf den Pilz Candida albicans zurückzuführen. 

Die Begriffe Vaginitis und Kolpitis leiten sich vom lateinischen beziehungsweise griechischen Wort für Scheide ab (lat.: Vagina, griech.: Kolpium); die Endung -itis bezeichnet eine Entzündung.

Unter normalen Umständgen rufen Pilze keine Infektion in der Scheide hervor: Gewöhnlich herrscht dort ein saures, erregerfeindliches Milieu, das vor Infektionen schützt. Nur unter bestimmten Voraussetzungen können in die Scheide gelangte Pilze als Krankheitserreger wirken und einen Scheidenpilz verursachen.

Häufigkeit

Scheidenpilz (Vaginalpilz) gehört zu den mit größter Häufigkeit auftretenden Infektionen der Geschlechtsorgane bei Frauen: Etwa drei von vier Frauen sind mindestens einmal im Leben von Scheidenpilz betroffen. Damit ist die vaginale Pilzinfektion eine alltägliche Erkrankung.Allerdings ist die Häufigkeit je nach Altersgruppe unterschiedlich:

  • Insgesamt finden sich bei etwa 20 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter Scheidenpilze.
  • Während der Schwangerschaft sind Scheidenpilzinfektionen noch häufiger.
  • Nach den Wechseljahren sinkt das Risiko für eine Vaginalmykose hingegen, da dann das Scheidenmilieu für Pilze infolge des Östrogenmangels ungünstiger ist.
  • Gleiches gilt für Mädchen vor der Pubertät, weshalb Scheidenpilz bei Kindern auch deutlich seltener vorkommt.

Scheidenpilz: Ursachen

Soor (auch Candidose genannt) ist eine durch Pilze der Gattung Candida (meist Candida albicans) verursachte Pilzinfektion und die häufigste Ursache für einen Scheidenpilz.

Candida albicans gehört zur normalen Besiedlung der Scheide (sog. Scheidenflora). Gewöhnlich – bei einer normal funktionierenden Immunabwehr und ungestörtem Schutzmechanismus der Scheide – rufen sie keine Scheidenentzündung hervor. Durch die natürliche bakterielle Besiedlung der Scheide – vor allem durch die zugehörigen Milchsäurebakterien (Laktobazillen) – herrscht in der Scheide ein saures, erregerfeindliches Milieu. Dies verhindert, dass sich andere Mikroorganismen ansiedeln oder übermäßig vermehren und schützt die Scheide so vor Scheidenpilz.

In einigen Fällen können die Pilze jedoch als Krankheitserreger wirken:

  • geschwächtes Immunsystem, z.B. bei einer längeren Therapie mit Kortikosteroiden oder Breitbandantibiotika
  • Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Schilddrüsenüberfunktion, Schilddrüsenunterfunktion, Krebserkrankungen
  • beeinträchtigter Schutzmechanismus der Scheide, etwa durch übertriebene Körperhygiene mit Intimsprays und Scheidenspülungen
Außerdem können eng anliegende Kleidung aus synthetischen Stoffen und stark zuckerhaltige Nahrungsmittel die Entstehung von Vaginalpilz begünstigen.

Video Scheidenpilz: Juckreiz und Ausfluss können Anzeichen sein.

Häufig bereiten Veränderungen im Hormonhaushalt und damit einhergehende Veränderungen der Schleimhaut den Weg für einen Scheidenpilz. Folgende Ursachen kommen für ein vermehrtes Auftreten von Scheidenpilz durch hormonelle Veränderungen infrage:

Erreger

Die häufigste Ursache für einen Scheidenpilz (Vaginalpilz) ist der Erreger Candida albicans, ein Hefepilz der Gattung Candida. Ein weiterer Vertreter derselben Gattung, Candida glabrata, kann ebenfalls eine entzündliche Pilzinfektion der Scheide verursachen. Alle durch Pilze der Gattung Candida ausgelösten Infektionen tragen die Bezeichnung Candidose oder Soor: Die vaginale Pilzinfektion durch Candida heißt also auch Soorvaginitis oder Soorkolpitis.

Beide Pilzarten sind regelmäßig auf Pflanzen und Gegenständen zu finden. Die Pilze können über die Nahrung auf die Mundschleimhaut und die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts und von dort durch verschiedene Übertragungswege in die Scheide gelangen. Am häufigsten ist eine Infektion beim Geschlechtsverkehr. Außerdem können die Erreger über eine Schmierinfektion (bei falscher Toilettenhygiene) vom Enddarm in die Scheide gelangen. Ein Vaginalpilz kann aber auch entstehen, wenn Menschen Textilien wie Badeanzüge, Unterwäsche oder Handtücher gemeinsam nutzen.

Scheidenpilz: Symptome

Scheidenpilz äußert sich über typische Symptome:

  • starker Juckreiz 
  • Brennen in der Scheide und an der Scham (Vulva)
  • Scheide und Scham meist rot und geschwollen
  • vermehrt weißlich-krümeliger Ausfluss (Fluor vaginalis)

In manchen Fällen bilden sich auch kleine Knötchen auf der Haut.

Außerdem können weitere Symptome hinzukommen, wie:

Da der Schambereich sehr empfindlich ist, fängt er meist schon an zu jucken, lange bevor die Scheidenpilzinfektion die Rötung oder Schwellung verursacht. Allerdings steckt hinter Juckreiz, Brennen und Ausfluss nicht zwingend ein Scheidenpilz – diese Symptome können auch andere Gründe haben (z.B. Filzläuse, Östrogenmangel, Allergie gegen Waschmittel oder Seife). Wenn die Beschwerden nicht bald von selbst wieder verschwinden, ist in jedem Fall ein Besuch beim Frauenarzt ratsam, um die Ursachen abklären und behandeln zu können.

Scheidenpilz: Diagnose

Um einen Scheidenpilz zu erkennen geht der Arzt gewöhnlich folgendermaßen vor:

  • Er befragt die Frau zunächst ausführlich über Beschwerden und Begleitumstände (sog. Anamnese).
  • Es folgt eine körperliche Untersuchung: Hierbei zeigt sich eine vaginale Pilzinfektion dadurch, dass die Schleimhaut der Scheide gerötet ist und grau-weißliche, meist krümelige Beläge aufweist.

Um zu klären, welche Pilze genau hinter der Entzündung stecken, nimmt der Arzt Abstriche von der Scheidenschleimhaut, die er anschließend mikroskopisch untersucht: Unter dem Mikroskop ist der Vaginalpilz häufig anhand von Pilzfäden oder Sprosszellen nachweisbar. 

Scheidenpilz: Therapie

Ein Scheidenpilz wird mit Antimykotika behandelt, speziellen Medikamenten gegen Pilze. Überwiegend werden Imidazole oder Nystatin in Form von Salben und speziellen Scheidenzäpfchen eingesetzt. Imidazole (z.B. Clotrimazol oder Miconazol) müssen je nach Dosierung ein bis sechs Tage verwendet werden. Tritt der Scheidenpilz zum ersten Mal auf, reicht eine kurze Behandlung in der Regel aus.

Neben den Antimykotika stehen sogenannte Antiseptika mit dem Wirkstoff Povidon-Jod zur Verfügung. Sie sind als Creme, Zäpfchen, Lösung oder Tabletten erhältlich. Antiseptika eignen sich bei einer leichteren oder beginnenden Scheidenpilzinfektion. Wenn Sie eine Erkrankung der Schilddrüse haben, dürfen Sie diese Mittel jedoch nicht einsetzen.

Mitbehandlung des Partners

Ein akuter Vaginalpilz heilt nicht schneller ab, wenn der Partner mitbehandelt wird. Besteht jedoch ein chronischer Scheidenpilz, ist es ratsam, auch beim Mann Penis und Sperma auf Pilze zu untersuchen. Wenn sich dabei derselbe Erreger wie bei Ihrer Scheidenpilzinfektion findet, ist neben Ihrer Behandlung eine Mitbehandlung des Partners empfehlenswert.

Hausmittel gegen Scheidenpilz

Wenn Sie einen Scheidenpilz haben, können Sie auf einige Dinge selber achten:

  • Sie können die Heilung unterstützen, indem Sie die Schamhaare rasieren.
  • Wechseln Sie Ihre Unterwäsche zweimal täglich und waschen Sie diese bei mindestens 70 Grad Celsius.
  • Im feuchtwarmen Milieu fühlen sich Pilze besonders wohl. Daher ist es wichtig, den Körper nach dem Waschen sorgfältig abzutrocknen, luftdurchlässige Unterwäsche zu tragen und keine kunststoffbeschichteten Slip-Einlagen oder Binden zu verwenden.
  • Liegt bei Ihnen eine akute Erkrankung vor oder neigen Sie allgemein zu Scheidenpilzinfektionen, ist es ratsam, sich zuckerarm und ballaststoffreich zu ernähren. Hefepilze wie Candida ernähren sich von Zucker.
  • Nach dem Stuhlgang ist es wichtig, sich mit dem Toilettenpapier immer von vorne nach hinten zu reinigen und nicht umgekehrt. Gleiches gilt für die Hygienemaßnamen. Waschen Sie den äußeren Bereich der Scheide täglich mit viel Wasser und höchstens einem milden Reinigungsmittel. Auf Intimlotionen oder Intimsprays verzichten Sie am besten grundsätzlich.
  • Wenn es bei Ihnen zu häufig wiederkehrenden Infektionen mit Scheidenpilz kommt und Sie mit der Antibabypille verhüten, kann es sinnvoll sein, auf mechanische Verhütungsmittel umzustellen.

Auch, wenn es immer wieder als Hausmittel gegen Scheidenpilz genannt wird: Einen mit Naturjoghurt getränkten Tampon in die Scheide einzuführen, hilft nicht gegen Scheidenpilz und lindert auch nicht den Juckreiz. Experten raten von dieser Selbstbehandlung ausdrücklich ab.

Scheidenpilz in der Schwangerschaft

Wenn Sie schwanger sind und einen Scheidenpilz haben, ist eine Therapie auf jeden Fall noch in der Schwangerschaft wichtig – auch wenn Sie keine Beschwerden haben. Auch eine Pilzprophylaxe kann in dieser Zeit sinnvoll sein.

Schwangere sind aufgrund der hormonellen Veränderungen besonders anfällig für Vaginalpilze: Etwa 30 von 100 werdenden Müttern haben am Ende ihrer Schwangerschaft Hefepilze im Genitalbereich. Wenn Sie einen Scheidenpilz in der Schwangerschaft nicht behandeln, kann sich der Pilz bei der Geburt auf das Kind übertragen. Da Neugeborene noch keine ausreichende Immunabwehr haben, kann eine Pilzinfektion negative Auswirkungen auf das Kind haben. Dies gilt vor allem für Frühchen, die bei der Geburt weniger als 1.500 Gramm wiegen: Bei ihnen kann eine Pilzinfektion zu einer Blutvergiftung (Candida-Sepsis) führen, die tödlich enden kann.

Bei der Behandlung von Scheidenpilz in der Schwangerschaft sollte man ein paar Dinge beachten:

  • Antimykotika sind in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten nur in besonders schweren Fällen erlaubt.
  • Mittel, die zur oralen Einnahme bestimmt sind, dürfen während der Schwangerschaft gar nicht eingenommen werden.
  • Vaginaltabletten sollten Sie nicht mit einem Applikator in die Scheide einführen, da dies bei falscher Anwendung eine Fehlgeburt auslösen kann.

Scheidenpilz: Verlauf

Ein konsequent behandelter Vaginalpilz verläuft in der Regel schnell und unkompliziert. In 95 von 100 Fällen tritt eine Scheidenpilzinfektion nach ihrer Heilung nicht wieder auf.

Wenn Erkrankungen vorliegen, die eine Pilzinfektion begünstigen, kann ein Scheidenpilz jedoch einen hartnäckigeren Verlauf nehmen. Um zu verhindern, dass ein Pilz die Scheide erneut infiziert, ist es daher besonders wichtig, solche begünstigenden Erkrankungen zu behandeln und auch sonstige Risikofaktoren konsequent auszuschalten: Dies trägt dazu bei, chronische Scheidenpilze zu verhindern. Darüber hinaus ist es für Frauen mit Vaginalpilz sowie ihre Partner wichtig, auf eine sorgfältige Sexualhygiene zu achten.

Scheidenpilz: Vorbeugen

Mit diesen Tipps können Sie einem Scheidenpilz vorbeugen:

  • Achten Sie auf eine regelmäßige, aber keinesfalls übertriebene Intimhygiene achten: Häufige Schaumbäder und parfümierte Seifen schaden dem natürlichen Schutzmechanismus der Scheide.
  • Verzichten Sie auf eng anliegende, synthetische Kleidung.
  • Verwenden Sie keine kunststoffbeschichteten Slip-Einlagen oder Binden.
  • Achten Sie bei der Toilettenhygiene stets darauf, von vorne nach hinten zu wischen – niemals umgekehrt.

Wenn Sie zu häufig wiederkehrendem Vaginalpilz neigen, können Sie weitere Maßnahmen für den Erhalt des natürlichen Schutzmechanismus der Scheide ergreifen: Setzen Sie hierzu Mittel ein, die Milchsäurebakterien (Lactobacillus grasseri, Lactobacillus acidophilus) enthalten. Die Milchsäurebakterien können einem Scheidenpilz vorbeugen, da sie die Schleimhaut der Scheide besiedeln und krankheitserregende Pilze verdrängen. Zusätzlich senken sie den pH-Wert der Scheidenschleimhaut und tragen so zum Erhalt der Scheidenflora bei.

Scheidenpilz: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Scheidenpilz (Vaginalpilz)":


Onmeda-Lesetipps:

Arzneimittelinformationen zu Pilzinfektionen der Scheide
Scheidenpilz-Test

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 7.9.2017)

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie in der Gynäkologie und Geburtshilfe (AGII), Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft (DMyKG): Die Vulvovaginalkandidose (außer chronisch mukokutaner Kandidose). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 015/072 (Stand: 31.12.2013)

Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Diedrich, K., Holzgreve, W., et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer, Berlin 2007

Mendling, W.: Vaginose, Vaginitis, Zervizitis und Salpingitis. Springer, Berlin 2006

Aktualisiert am: 7. September 2017

Wie steht es um Ihre Gesundheit?



Apotheken-Notdienst