Scharlach

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (12. Mai 2017)

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Scharlach beginnt gewöhnlich sehr plötzlich mit Symptomen wie hohem Fieber, Schluckbeschwerden und Halsschmerzen. Später bilden sich dann am ganzen Körper rote, etwa stecknadelkopfgroße Flecken. Typisches Symptom ist außerdem eine gerötete Zunge, die sogenannte Himbeerzunge.

Was ist Scharlach?
Scharlach ist eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit, die gewöhnlich im Kindesalter auftritt – darum zählt Scharlach zu den Kinderkrankheiten. Scharlach ist hochansteckend, verläuft aber – wenn mit Antibiotika behandelt wird – in der Regel harmlos und ohne Folgeschäden. 

Die Inkubationszeit, das heißt die Zeit zwischen Infektion und Auftreten der ersten Beschwerden, beträgt bei Scharlach meist zwei bis vier Tage(selten bis zu acht Tagen). Eine an Scharlach erkrankte Person kann während der Inkubationszeit schon ansteckend für andere sein.

Häufigkeit

Scharlach ist weltweit verbreitet:

  • Am häufigsten erkranken Kinder zwischen drei und zehn Jahren. Die Erkrankung kann aber auch in allen anderen Altersgruppen ausbrechen. 
  • Die meisten Erkrankungen treten in den Monaten Oktober bis März auf.
  • Babys, die jünger als sechs Monate sind, besitzen noch einen Immunschutz der Mutter in Form von Antikörpern und können sich für gewöhnlich nicht infizieren.
  • In Deutschland werden jährlich etwa 3.300 Infektionen mit Scharlach gemeldet. 

Scharlach: Ursachen

Ursache für Scharlach sind Bakterien, genauer A-Streptokokken (Streptococcus pyogenes). Sie werden meist durch Tröpfcheninfektionen (Niesen, Husten) übertragen, seltener durch Eiter, verunreinigte Lebensmittel und Wasser oder Gegenstände wie Spielzeug, Besteck oder Geschirr (Schmierinfektion).

Die typischen Symptome von Scharlach entstehen durch ein oder mehrere Gifte, die von den Bakterien abgesondert werden.

Das natürliche Reservoir für den Scharlach-Erreger ist der Mensch, das bedeutet, viele Menschen tragen diese Bakterien in sich. Insbesondere in den Wintermonaten lassen sich bei etwa jedem Fünften Streptokokken im Rachen nachweisen – was nicht bedeutet, dass derjenige dadurch erkrankt.

Es gibt mehrere Untergruppen von Streptokokken, die Scharlach hervorrufen können. Das ist die Ursache dafür, dass manche Menschen ein zweites Mal an Scharlach erkranken, obwohl sie gegen die Streptokokken-Untergruppe ihrer ersten Scharlach-Erkrankung immun sind.

Scharlach: Symptome

Typisch für Scharlach sind Symptome wie:

Die Mandeln vergrößern und röten sich und weisen kleine Eiterbelege auf (Tonsillitis). Die Lymphknoten am Hals schwellen an.

Besonders typisch für Scharlach: Die Zunge ist anfangs belegt und nimmt ungefähr ab dem zweiten Krankheitstag eine charakteristische Rötung an, die auch als Himbeerzunge bezeichnet wird.

Himbeerzunge bei Scharlach

Himbeerzunge bei Scharlach

Gleichzeitig mit der Himbeerzunge bildet sich außerdem am ganzen Körper ein rauer, dichter und sehr feinfleckiger Ausschlag (Exanthem), der an Sandpapier erinnert:

  • Der Hautausschlag beginnt am Brustkorb und weitet sich dann über den gesamten Körper aus.
  • Das Dreieck zwischen Mund und Kinn bleibt dabei ausgespart (periorale Blässe).
  • In der Leistengegend ist der Ausschlag besonders ausgeprägt.
  • Etwa zwei bis vier Wochen nach Krankheitsbeginn verschwindet dieser Ausschlag wieder und die Haut schuppt sich (besonders an Handflächen und Fußsohlen) ab.

Junge mit Scharlachausschlag im Gesicht © Okapia

Das Dreieck zwischen Mund und Kinn bleibt vom Ausschlag ausgespart. (© Okapia/imagebroker/Ulrich Niehoff)

In seltenen Fällen kündigt sich eine Scharlacherkrankung wenige Tage vor dem Fieber durch einen kurzfristigen Ausschlag in der Leiste oder an der Oberschenkelinnenseite an!

Scharlach: Diagnose

Spätestens, wenn Himbeerzunge und Hautausschlag sichtbar sind, ist die Diagnose bei Scharlach naheliegend. Einen weiteren wichtigen Hinweis liefert der für Scharlach typische, plötzlich einsetzende Krankheitsverlauf sowie die unter dem Unterkiefer auftretenden Lymphknotenvergrößerungen. 

Eventuell reichen die äußeren Krankheitszeichen für eine sichere Diagnose nicht aus, da nicht nur Streptokokken sondern ebenso verschiedene Viren ähnliche Symptome hervorrufen können. Aus diesem Grund kann der Arzt bei Verdacht auf Scharlach einen Abstrich aus dem Rachen nehmen. Dieser Abstrich kann mit einem Schnelltest auf A-Streptokokken getestet werden, um die Diagnose zu sichern.

Sind die Krankheitsanzeichen eindeutig, der Schnelltest jedoch negativ, muss ein Labor anhand einer Bakterienkultur den Erreger anzüchten und identifizieren. Ein Bluttest kann die Diagnose unterstützen.

Scharlach: Therapie

Scharlach wird über einen Zeitraum von zehn Tagen mit dem Antibiotikum Penicillin behandelt. Ziel der Therapie ist es, die Symptome zu lindern und Komplikationen zu verhindern. Ist Penicillion aufgrund einer Allergie oder aus anderen Gründen unverträglich, können alternativ Erythromycin oder Cephalosporine eingesetzt werden.

Ist ein Kind an Scharlach erkrankt, sollten Eltern außerdem folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind sich schont, wenn es Fieber hat.
  • Halten Sie Ihr Kind möglichst von anderen Personen fern, damit diese sich nicht anstecken.
  • Geben Sie Ihrem Kind möglichst viel zu trinken, damit sich der Schleim in der Lunge besser lösen und abgehustet werden kann.
  • Da die Hustenanfälle vor allem in der Nacht auftreten, sollten Sie für kühle und feuchte Raumluft sorgen. Hängen Sie dafür beispielsweise feuchte Handtücher im Zimmer auf.

Scharlach: Verlauf

Scharlach ist zwar hochansteckend, verläuft jedoch – besonders wenn es mit Antibiotika behandelt wird – gewöhnlich komplikationslos und ohne spätere Folgen:

  • Scharlach ist unbehandelt bis zu drei Wochen ansteckend.
  • Werden Antibiotika eingesetzt, ist Scharlach nach 24 Stunden nicht mehr ansteckend.
  • Wenn die Antibiotika wie vorgegeben eingenommen werden und keine Symptome mehr auftreten, ist eine Krankmeldung gewöhnlich nur für 48 Stunden nötig. Danach ist keine Ansteckung mehr zu erwarten, und Kinder dürfen wieder Kindergarten oder Schule besuchen.

Etwa sechs bis acht Wochen nach dem Beginn der Erkrankung bildet sich eine typische Nagellinie.(Feersche Nagellinie). Dabei handelt es sich um eine Querfurche im Nagel, die besonders an den Daumen deutlich zu sehen ist. Sie bildet sich bei vielen Erkrankungen, ist nach dem Scharlach aber besonders gut zu erkennen. Die Nagellinie wächst mit dem Nagel mit und kann nach einer Weile beim Nägelschneiden entfernt werden.

Außerdem beginnt die Haut, besonders an Hand- und Fußflächen, sich mit der Zeit zu schuppen und kann oft großflächig abgezogen werden.

Scharlach in der Schwangerschaft

Scharlach ist, wenn sich eine Frau während der Schwangerschaft infiziert, vergleichsweise harmlos. Bei Scharlach in der Schwangerschaft ist im Gegensatz zu anderen Kinderkrankheiten wie Röteln nicht mit Komplikationen zu rechnen – weder für das ungeborene Kind noch für die werdende Mutter.

Mögliche Komplikationen

Wenn Scharlach nicht entsprechend behandelt wird, können gelegentlich Komplikationen auftreten, wenn die Erkrankung aufgrund der Bakterien-Gifte toxisch verläuft. Folgen können dann beispielsweise sein:

Die Infektion kann sich auch über das Blut im gesamten Körper ausbreiten (septischer Verlauf). Dann kann es zu einer Gehirnhautentzündung oder vereiternden Nasennebenhöhlen kommen.

Eine mögliche Spätfolge kann das sogenannte rheumatische Fieber sein, bei dem sich Antikörper gegen Herzklappengewebe richten. Auch eine Entzündung des Nierengewebes (Poststreptokokken-Glomerulonephritis) ist in der Folge möglich.

Scharlach: Vorbeugen

Bei Scharlach ist das Risiko für eine Ansteckung mit den verursachenden A-Streptokokken in Gemeinschaftseinrichtungen – wie zum Beispiel in Kindergärten oder Grundschulen – erhöht. An Scharlach Erkrankte sollten Gemeinschaftseinrichtungen deshalb noch während der ersten zwei Tage der Therapie mit Antibiotika, beziehungsweise solange Symptome bestehen, fernbleiben. 

Es gibt keine Scharlach-Impfung, es ist also nicht möglich, der Erkrankung ursächlich vorzubeugen. Wenn ein Kind an Scharlach erkrankt, sollten Eltern daher bestimmte Maßnahmen ergreifen, um das Umfeld zu schützen:

  • Halten Sie Ihr Kind von anderen Personen fern, damit diese sich nicht anstecken.
  • Bei Scharlach ist die Gefahr einer Ansteckung anderer Personen solange gegeben, bis die Symptome abgeklungen sind. Lassen Sie Ihr Kind möglichst solange zu Hause. Wird Ihr Kind mit Antibiotika behandelt, endet die Ansteckungsgefahr 24 Stunden nach Beginn der Einnahme.

Selbst nach einer überstandenen Infektion können sich Kinder und auch Erwachsene erneut anstecken, da ein lebenslanger Schutz nur gegen die auslösende Bakterienuntergruppe besteht. Eine Infektion mit anderen Untergruppen ist trotzdem möglich.

Scharlach: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Scharlach":

    Onmeda-Lesetipps:

    Arzneimittelinformationen zu Infektionen durch Streptokokken
    Forum Kinderkrankheiten
    Steckbrief Scharlach

    Quellen:

    Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 12.3.2017)

    Wessel, L. et al.: Checkliste Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2016

    Hof, H., Dörries, R.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014

    Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

    Streptococcus pyogenes (Scharlach). RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 12.3.2009)

    Aktualisiert am: 12. Mai 2017

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