Rosacea (Rosazea): Ursachen & Behandlung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (25. Oktober 2017)

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"Creme vertrage ich nicht mehr": Von diesem Problem berichten viele Menschen mit Rosacea. Ihre Haut reagiert überempfindlich auf verschiedenste Reize, sie juckt und brennt häufig. Später bilden sich (vor allem im Gesicht) roten Flecken und Pusteln. Welche Behandlung hilft? Welchen Einfluss hat die Ernährung?

Was ist Rosacea (Rosazea)?
Rosacea ist eine entzündliche, schubweise verlaufende, chronische Hautkrankheit, die meist im Erwachsenenalter beginnt. Sie äußert sich durch juckende, brennende Hautrötungen im Gesicht, die sich im weiteren Verlauf zu Papeln und Pusteln entwickeln können. Deshalb nannte man die Erkrankung früher auch Gesichtsrose, Kupferrose, Couperose, Kupferfinnen oder Rotfinnen.

Die Haut juckt und brennt, später bilden sich rote Flecken und ein feines Geflecht aus Äderchen schimmert durch die Hautoberfläche: Das ist das typische Erscheinungsbild der Hautkrankheit Rosacea. In schweren Fällen entwickeln sich die Rötungen (Erythemen) mit der Zeit zu Pusteln und Papeln.

All diese Veränderungen sind sichtbare Symptome von krankhaften Vorgängen in der Haut: Die Blutgefäße in der Haut weiten sich dauerhaft und die Haut ist chronisch entzündet. Was diese Prozesse auslöst, ist noch nicht vollständig geklärt.

Fest steht, dass bestimmte Einflüsse Rosacea-Schübe auslösen können. Betroffene (meist Erwachsene über 30 Jahren) sollten zum Beispiel durchblutungsfördernde Reize wie Temperaturwechsel (heiße Getränke, heißes oder kaltes Wetter, heiße Bäder) sowie Alkohol, Gewürze und Stress meiden.

Man sieht eine Frau mit Rosazea. © Okapia

Bei der Rosacea ist die Haut gerötet und es bilden sich Knötchen. © Neufried/OKAPIA

Rosacea ist zwar eine chronische Erkrankung – in der Regel lässt sie sich jedoch durch die richtige Medikamenteneinstellung, Hautpflege und regelmäßige Arztbesuche gut behandeln.

Rosacea (Rosazea): Ursachen

Die Ursachen der Rosacea (auch: Rosazea) sind noch nicht hinreichend geklärt. Eine entscheidende Rolle spielt wohl die erbliche Veranlagung. Wahrscheinlich sind jedoch mehrere Faktoren an der Entstehung der Erkrankung beteiligt:

  • Die körpereigenen Abwehrmechanismen laufen nicht normal ab.
  • Die Kommunikation zwischen Nerven und Blutgefäßen ist gestört.

Störung der Immunantwort

Der Körper verfügt von Geburt an über Möglichkeiten, Krankheitserreger abzuwehren. Ein Teil dieser angeborenen Immunität sind sogenannte Cathelicidin-Peptide. Diese Eiweiß-Teilchen können etwa Wunden vor Eindringlingen und somit vor Infektionen schützen. In der Haut gesunder und unverletzter Menschen kommen die Peptide nur in äußerst geringer Zahl vor.

Bei Rosacea-Patienten hingegen

  • bildet die Haut erhöhte Mengen einer bestimmten Cathelicidin-Form, welche die Neubildung von Blutgefäßen fördert.
  • werden Cathelicidin-Peptide vermehrt gespalten. Einige der Bruchstücke regen bestimmte Hautzellen dazu an, Entzündungsstoffe freizusetzen. Das führt zu örtlich begrenzten Entzündungsreaktionen in der Haut.

Ein möglicher Auslöser der Immunreaktion ist die Haarbalgmilbe Demodex folliculorum.

Kommunikationsprobleme zwischen Nerven und Blutgefäßen

Die Durchblutung der Haut wird von Nerven gesteuert: Diese können die Blutgefäße dazu bringen, sich zu weiten (etwa bei Hitze) oder zu verengen (z.B. bei Kälte). Bei Rosacea-Patienten ist die Kommunikation zwischen Nerven und Blutgefäßen jedoch gestört.

Ihre Nerven sind entzündet und machen – vereinfachend formuliert – Fehler bei der Steuerung der Blutgefäße. So kann es passieren, dass sich die Blutgefäße bereits bei schwachen Reizen weiten und danach nicht mehr zusammenziehen. Die geweiteten Äderchen zeichnen sich dann unter der Hautoberfläche ab (Teleangiektasien).

Zu den typischen Auslösern akuter Rosacea-Schübe (sog. Trigger) zählen:

Welche Faktoren den Krankheitsverlauf beeinflussen, ist individuell sehr unterschiedlich. Für Menschen mit Rosacea ist es darum ratsam, selbst herauszufinden, was bei ihnen die Hautprobleme auslöst beziehungsweise verstärkt – damit sie die entsprechenden Auslöser vermeiden können.

Rosacea (Rosazea): Symptome

Rosacea (Rosazea) tritt vorrangig im Gesicht auf: Am häufigsten sind Stirn, Nase, Kinn und Wangen betroffen. In einigen Fällen sind zusätzlich Brust, Nacken und Kopfhaut beteiligt. Die Hautkrankheit verläuft zumeist chronisch.

Die wichtigsten Symptome der Rosacea sind:

  • anfallsartiges Erröten der Gesichtshaut (Flush)
  • dauerhafte rote Flecken im Gesicht (Erytheme)
  • sichtbare Erweiterungen kleiner Blutgefäße der Haut (Teleangiektasien)
  • Papeln und Pusteln
  • Ansammlungen von Lymphflüssigkeit (Lymphödeme)

Zu Beginn (im Vorstadium) passiert es häufig, dass die Haut wiederholt vorübergehend errötet – oft unter dem Einfluss bestimmter Reize (wie Hitze oder Kälte, scharfe Mahlzeiten, heiße Getränke und Alkohol) oder von Stress. Zudem kann die Haut bei der Rosacea jucken, brennen oder stechend schmerzen.

Typischerweise treten die Symptome in Schüben auf, wobei die Hauterkrankung unterschiedliche Schweregrade durchlaufen kann:

  • Schweregrad I – Rosacea erythematosa-teleangiectatica: Die Hautrötungen bleiben dauerhaft bestehen. Die Haut schuppt leicht und im Gesicht werden rote Äderchen sichtbar (Teleangiektasien).
  • Schweregrad II – Rosacea papulopustulosa: Typische Symptome für dieses Stadium sind Pusteln, Papeln (Knötchen) und polsterartige Schwellungen durch Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme).
  • Schweregrad III – glandulär-hyperplastische Rosacea: Die Haut wird dicker und gröber. Durch Verdickungen der Talgdrüsen entstehen knollige Vergrößerungen (Phymen) der Haut, z.B. an der Nase (Rhinophym). In schweren Fällen können sich die Symptome auch auf die Ohren, den Hals und die Brustregion ausbreiten.

Im Gegensatz zur Akne bilden sich bei der Rosacea keine Mitesser (Komedonen). Treten dennoch Mitesser auf, kann es sich auch um eine Mischform beider Erkrankungen handeln.

Bei 30 bis 50 von 100 Erkrankten betrifft die Rosacea auch die Augen. Mögliche Symptome hierfür sind:

Durch die Vermehrung von Talgdrüsen an der äußeren Nasenhaut kann sich bei der Rosacea zudem eine sogenannte Knollennase (Rhinophym) bilden. Dies passiert überwiegend bei Männern im höheren Alter.

Rosacea (Rosazea): Diagnose

Um die Rosacea (bzw. Rosazea) zu diagnostizieren, reicht oft schon das typische Erscheinungsbild der Gesichtshaut. Indem der Arzt die Lebensgewohnheiten in der sogenannten Anamnese erfasst, kann er außerdem ermitteln, welche Faktoren das Krankheitsbild verschlechtern.

Wichtig ist zudem, dass der Arzt die Rosacea von Hautkrankheiten mit ähnlichen Symptomen abgrenzt – etwa von der Akne und der Mundrose. Denn verschiedene Hautkrankheiten erfordern unterschiedliche Therapien.

In seltenen Fällen entnimmt der Arzt eine Hautprobe und lässt diese unter dem Mikroskop untersuchen (sog. Biopsie). Das kann sinnvoll sein, wenn das Erscheinungsbild der Haut nicht eindeutig auf Rosacea hindeutet. Zudem kann der Arzt mithilfe der Biopsie den Schweregrad der Erkrankung ermitteln.

Rosacea (Rosazea): Behandlung – welche Cremes und Medikamente helfen?

Mit der richtigen Behandlung lässt sich die Rosacea (Rosazea) meist gut in den Griff bekommen. Allerdings wirkt keine Therapie bei allen Patienten gleichermaßen. Daher ist es manchmal notwendig, unterschiedliche Behandlungswege zu kombinieren.

Bei einer leicht ausgeprägten Rosacea kann eine örtliche Behandlung mit Antibiotika oder anderen entzündungshemmenden Cremes helfen. Bewährt haben sich zum Beispiel Salben mit Metronidazol oder Erythromycin

Bei einer stärker ausgeprägten Rosacea reicht eine Creme zur Behandlung nicht aus: Dann bekommen Sie Antibiotika in Tablettenform – zum Beispiel die Wirkstoffe Tetracyclin, Erythromycin oder Minocyclin. Auch bei Komplikationen (z.B. Augenproblemen) infolge der Rosacea ist eine solche systemische Therapie sinnvoll.

Wenn sich der Hautzustand dadurch nicht bessert oder die Hauterkrankung besonders schwer verläuft (z.B. mit knolligen Wucherungen an der Nase bzw. Rhinophym), kommt unter Umständen die Gabe von Isotretinoin in Betracht.

Ein Rhinophym lässt sich auch in einem operativen Eingriff behandeln – zum Beispiel mithilfe einer Lasertherapie. Die bei der Rosacea als rote Äderchen erscheinenden Teleangiektasien (Couperose) können Sie ebenfalls durch Lasern entfernen lassen.

Was Sie selbst tun können

Bei der Rosacea gibt es neben der Behandlung durch den Arzt einiges, was Sie selbst tun können, um die Hautprobleme in den Griff zu bekommen.

So ist bei Rosacea die richtige Pflege des Gesichts wichtig: Reinigen Sie Ihr Gesicht regelmäßig, aber hautschonend – mit einem seifenfreien, milden und pH-neutralen Reinigungsschaum. Ungeeignet sind dagegen aggressive oder alkoholhaltige Salben und Waschzusätze sowie eine fettreiche Hautpflege.

Zudem ist es ratsam, das Gesicht möglichst kühl zu halten, um die Rosacea zu kontrollieren. Für die Ernährung bedeutet das: Verzichten Sie nach Möglichkeit darauf, heiße oder scharf gewürzte Mahlzeiten sowie heiße Getränke zu sich zu nehmen. Auch hohe Raumtemperaturen sowie heißes Baden, Duschen und Saunabesuche wirken sich ungünstig auf die Hautkrankheit aus.

Um die Rosacea erfolgreich zu behandeln, ist es auch wichtig, dass Sie herausfinden, welche Faktoren das Erscheinungsbild Ihrer Haut verschlechtern oder neue Schübe auslösen können – und diese dann konsequent vermeiden. Typische Auslöser sind zum Beispiel:

Rosacea (Rosazea): Verlauf

Rosacea (auch: Rosazea) verläuft in der Regel chronisch und schubweise. Mit einer geeigneten Therapie gelingt es aber meist, den Verlauf so günstig zu beeinflussen, dass die Symptome zumindest nur noch gering ausgeprägt und neue Schübe selten sind.

Die Ausprägung der Rosacea kann sehr unterschiedlich sein. Sie reicht von leichten Rötungen im Wangenbereich bis zu ausgeprägter Pustelbildung ähnlich einer Akne. Gelegentlich treten auch Pusteln am übrigen Körper auf, besonders an Brust und Rücken.

Die Rosacea kann zügig fortschreiten, aber auch in jedem Stadium zum Stillstand kommen.

Komplikationen

Rosacea kann mit verschiedenen Komplikationen verbunden sein. Eine Komplikation, die nur im dritten Schweregrad der Hautkrankheit – dem glandulär-hyperplastischen Stadium – vor allem bei Männern auftritt, ist die Wucherung der Talgdrüsen: Dies passiert überwiegend an der Nase – die Folge ist eine sogenannte Knollennase (bzw. Rhinophym). Gelegentlich wuchern auch die Talgdrüsen an Stirn, Kinn oder Ohrläppchen.

Zuweilen kommen diese Talgdrüsenwucherungen auch alleine vor – also ohne weitere Symptome einer Rosacea. Zu beachten ist: In einem vermeintlich harmlosen Rinophym kann sich leicht eine spezielle Form von Hautkrebs – das Basaliom – verbergen. Ob Rhinophyme Basaliome begünstigen, ist aber unklar.

Eine weitere Komplikation bei Rosacea ist der Befall der Augen. Dies äußert sich durch trockene Augen, Bindehaut- und Lidrandentzündungen bis hin zu Entzündungen der Hornhaut und Regenbogenhaut (Iris). In seltenen Fällen kann die Augenbeteiligung zur Erblindung führen.

Prognose

Eine vollständige Heilung der Rosacea ist zwar meist nicht möglich. Die Prognose ist bei konsequenter Therapie trotzdem recht gut: In der Regel lassen sich die Symptome gut kontrollieren und eindämmen.

Rosacea (Rosazea): Vorbeugung & Ernährung

Einer Rosacea (Rosazea) lässt sich nicht vorbeugen, da die Ursache der Hautkrankheit weitgehend ungeklärt ist. Die Betroffenen können jedoch einiges tun, um ihre Hautprobleme zu mildern, indem sie nach Möglichkeit alle Faktoren vermeiden, die ihre Hautprobleme verstärken beziehungsweise Schübe auslösen können. Hierzu zählen vor allem:

  • intensive Sonneneinstrahlung
  • Hitze
  • Alkohol
  • bestimmte Cremes und Kosmetika, welche die Haut zusätzlich reizen
  • aggressive Reinigungsmittel

Auch die Ernährung kann einen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung haben: Heiße oder scharfe Speisen und Getränke können akute Rosacea-Schübe auslösen.

Wenn die Rosacea die Augen betrifft, sollte man diese regelmäßig von einem Augenarzt untersuchen lassen. So lassen sich eventuelle Komplikationen verhindern.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Rosacea":

Linktipps:

www.rosazeahilfe.de
Die Deutsche Rosazea Hilfe e.V. ist die erste Selbsthilfeorganisation in Deutschland, die Betroffenen gezielte Informationen bietet.

www.rosazea.net
Rosazea.net ist eine private, unabhängige und nichtkommerzielle Internetseite von Patienten für Patienten mit vielen Informationen rund um das Thema Rosacea.

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Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2017)

Moll, I.: Duale Reihe Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2016

Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Rosazea. AWMF-Leitlinien-Register Nr.013/065 (Stand. März 2013)

Schauber, J., et al.: Aktuelles Verständnis der Pathophysiologie der Rosazea. Der Hautarzt, Jg. 64, Nr. 7, S. 481-488 (Juli 2013)

Reinholz, M.: Cathelicidin LL-37: An Antimicrobial Peptide with a Role in Inflammatory Skin Disease. Annals of Dermatology, Jg. 24, Nr. 2, S. 126-135 (May 2012)

Yamasaki, K., et al.: Rosacea as a Disease of Cathelicidins and Skin Innate Immunity. Journal of Investigative Dermatology Symposium Proceedings, Jg. 15, Nr. 1, S. 12-15 (Dezember 2011)

Aktualisiert am: 25. Oktober 2017

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