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Reizdarm: Wie man ihn erkennt und was dagegen hilft

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (10. Juli 2017)

© iStock

Durchfall, Verstopfung und Blähungen lassen sich nicht immer auf einen Infekt oder andere körperliche Ursachen zurückführen. Manchmal steckt auch das sogenannte "Reizdarmsyndrom (RDS)" dahinter, kurz "Reizdarm". Auch wenn die Symptome dieser Erkrankung sehr belastend sein können, ist diese in der Regel nicht gefährlich.

In Deutschland sind Schätzungen zufolge etwa 12 Millionen Menschen vom Reizdarmsyndrom betroffen, Frauen häufiger als Männer. Nicht immer äußert sich das Leiden in schweren Schmerzen, die Symptome sind vielfältig. Typisch sind:

Auch die Dauer und Häufigkeit, in der die Beschwerden auftreten, sind von Mensch zu Mensch verschieden. Viele Betroffenen verspüren die Symptome nur in besonderen Situationen (etwa bei oder nach Stress und Ärger), einige ständig.

Was ist das Reizdarmsyndrom?
Der Begriff Reizdarmsyndrom (RDS) steht für eine Reihe unterschiedlicher, immer wiederkehrender Beschwerden, die meist über mehrere Monate oder Jahre auftreten und keine erkennbare körperliche Ursache haben. Oft ist der Nahrungstransport im Dickdarm (Kolon) gestört. Daher bezeichnen Mediziner einen Reizdarm auch als Reizkolon. Aber auch der gesamte Verdauungstrakt einschließlich Dünndarm und Magen kann beim Reizdarmsyndrom betroffen sein.

Ob ein Reizdarm vorliegt, kann nur ein Arzt sicher feststellen – im Gespräch und mithilfe einer körperlichen Untersuchung. Bestimmte Symtpome lassen aber darauf schließen, dass wahrscheinlich kein Reizdarm, sondern eine andere Erkrankung vorliegt:

  • Blut im Stuhl
  • nächtliche Schmerzen und nächtlicher Durchfall
  • Gewichtsverlust

Diese Beschwerden können etwa auf entzündliche Darmleiden wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa hindeuten oder auch auf einen gut- oder bösartigen Tumor.

Reizdarm: Symptome

Beim Reizdarm erscheinen die einzelnen Symptome wenig charakteristisch. In ihrer Gesamtheit sind sie jedoch nahezu typisch für das Krankheitsbild.

Meist äußert sich ein Reizdarm durch Symptome wie stechende oder krampfartige Bauchschmerzen und Blähungen (sog. Flatulenz). Häufig fühlt sich der Bauch stark überbläht und gespannt an, da sich Luft beziehungsweise Gas im Darm sammelt (sog. Meteorismus). Bei einem Reizdarm können Symptome wie Schmerzen an verschiedenen Stellen im Bauch auftreten. Manche Menschen mit Reizdarm nennen Verstopfung, andere Durchfall als Hauptsymptom. Bei anderen wiederum wechseln sich beide Zustände ab. Häufig ist dem Stuhl Schleim beigemengt, aber typischerweise kein Blut.

Betroffene empfinden die Stuhlentleerung beim Reizdarm oft als schmerzhaft und unvollständig. Ein großer Teil der Menschen mit Reizdarm berichtet, dass Symptome wie Bauchschmerzen und andere Beschwerden sich meistens nach dem Stuhlgang bessern.

Zusammenfassend gelten als weit verbreitete Reizdarm-Symptome:

  • krampfartige, brennende oder stechende Bauchschmerzen, oft in Zusammenhang mit dem Stuhlgang
  • Druckgefühl im Unterbauch oder im rechten beziehungsweise linken Oberbauch
  • Veränderung der Stuhlentleerung in mindestens zwei der folgenden Aspekte:
    • Häufigkeit (mehr als dreimal pro Tag bzw. weniger als dreimal pro Woche)
    • Konsistenz (hart, breiig, wässrig, schafskotartig)
    • mühsame Stuhlentleerung
    • gesteigerter Stuhldrang
    • Gefühl der unvollständigen Entleerung
    • weißlicher Schleim beim Stuhlgang
  • Darmgeräusche

Bei einigen Personen mit Reizdarm treten auch Symptome auf, die für den Reizmagen typisch sind, etwa Völlegefühl nach dem Essen oder Schmerzen im Oberbauch. Neben diesen Beschwerden können beim Reizdarm weitere Symptome auftreten, zum Beispiel  Menstruationsbeschwerden oder Kopfschmerzen

Die Beschwerden eines Reizdarmsyndroms sind nicht gefährlich. Sie beeinträchtigen jedoch oft die Lebensqualität der Betroffenen erheblich und werden als quälend empfunden. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Patienten mit ihrem Arzt eine Strategie entwickeln, wie sich die Reizdarm-Symptome lindern lassen.

Was sind die Ursachen das Reizdarmsyndrom?

Das Reizdarmsyndrom hat typischerweise keine erkennbaren organischen Ursachen. Da die Funktion des Darms beeinträchtigt ist, obwohl dieser keine krankhaften Veränderungen aufweist, bezeichnen Mediziner das Leiden auch als funktionelle Erkrankung.

Für eine Störung der Darmfunktion kann es zahlreiche mögliche Erklärungen geben. Mediziner vermuten unter anderem:

  • Störungen in der Darmmuskulatur
  • eine Überempfindlichkeit der Darmschleimhaut
  • Stress und psychische Krankheiten
  • eine gestörte Darmflora
  • die erbliche Veranlagung

Der Darmmuskulatur kommt bei der Verdauung eine zentrale Aufgabe zu: Sie muss dafür sorgen, dass der Nahrungsbrei den Verdauungstrakt im richtigen Tempo passiert. Wenn sie übereifrig arbeitet und die Nahrung zu schnell durch den Darm befördert, kann dieser dem Brei nicht rechtzeitig das Wasser entziehen – so entsteht Durchfall. Arbeitet die Muskulatur hingegen zu langsam, verbleibt der Nahrungsbrei zu lange im Darm und es kommt zur Verstopfung.

Auch die Darmschleimhaut spielt für eine gesunde Verdauung eine wichtige Rolle. Sie bildet die Innenauskleidung des Darms und enthält Zellen, die Nährstoffe aus dem Darm ins Blut aufnehmen sowie Immunzellen, die Krankheitserreger abwehren. Zu Schmerzen oder Krämpfen kann es kommen, wenn die Schleimhaut allzu sensibel auf Nahrungsbestandteile oder andere Reize reagiert – auch diese Überempfindlichkeit könnte das Reizdarmsyndrom hervorrufen, vermuten Mediziner.

Psyche und Verdauung sind eng miteinander verknüpft, doch die zahlreichen Wechselwirkungen zwischen Darm und Gehirn hat die Forschung längst noch nicht vollständig ergründet. Was man weiß, ist, dass der Verdauungstrakt von einem Geflecht aus Hunderten Millionen Nervenzellen durchzogen ist, dem sogenannten enterischen Nervensystem (ENS). Es ermöglicht es dem Darm, mit dem Gehirn zu kommunizieren. Umgekehrt kann auch das Gehirn Reize an das enterische Nervensystem senden. Das könnte erklären, warum das Reizdarmsyndrom oft in oder nach Stresssituationen auftritt und häufig bei Menschen, die ein Trauma erlitten haben oder an psychischen Leiden wie Depressionen erkrankt sind.

Eine gestörte Darmflora (sog. Dysbiose) kann ebenfalls Beschwerden wie Blähungen und Durchfall hervorrufen. Wenn die bakterielle Besiedlung des Darms aus dem Gleichgewicht gerät, etwa weil sich bestimmte Bakterienarten im Übermaß ausbreiten, kann das die Verdauung behindern.

Bei einem Teil der Betroffenen gehen dem Reizdarmsyndrom andere Erkrankungen voraus, die als mögliche Auslöser diskutiert werden:

  • eine bakterielle Darminfektion, (sog. bakterielle Enteritis); je schwerer sie verläuft, desto wahrscheinlicher entwickelt sich anschließend ein Reizdarm
  • eine Nahrungsmittelunverträglichkeit

Reizdarm: Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Medizinische Leitlinien fordern, dass folgende drei Punkte erfüllt sein müssen, um bei Reizdarm die Diagnose stellen zu können:

  1. Die Beschwerden (z.B. Bauchschmerzen, Blähungen) bestehen seit mindestens drei Monaten und gehen meist mit einem veränderten Stuhlgang einher.
  2. Die Beschwerden sind der Auslöser dafür, dass der Betroffene einen Arzt aufsucht. Die Lebensqualität leidet unter den Symptomen.
  3. Die Symptome sind nicht die Folge organischer Veränderungen, die für andere Krankheiten typisch sind.

Beispiele für andere Krankheiten sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa sowie gutartige oder bösartige Neubildungen wie Darmpolypen oder Darmkrebs. Eine Zöliakie (Sprue) kann Beschwerden hervorrufen, die denen beim Reizdarm ähneln.

Der Arzt hat verschiedene Möglichkeiten, um diese und andere körperliche Erkrankungen als Ursachen für die bestehenden Symptome auszuschließen. Der wichtigste Schritt, um bei einem Reizdarm eine Diagnose stellen zu können, ist zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Betroffenen (Anamnese). Dieser sollte im Gespräch möglichst detailliert schildern, unter welchen Beschwerden leidet und seit wann, damit der Arzt die richtige Diagnose stellen kann.

Nach dem Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung. Der Arzt tastet und hört den Bauch ab. Besteht der Verdacht auf eine Krankheit des Darms, tastet er eventuell den Enddarm mit dem Finger aus (rektale Untersuchung).

Das Bild zeigt einen älteren Mann beim Arzt. © Jupiterimages/iStockphoto

Ein ausführliches Gespräch hilft, um die Diagnose Reizdarm zu stellen.

Verschiedene Untersuchungen können sinnvoll sein, wenn der Arzt vermutet, dass andere Erkrankungen die Beschwerden auslösen. Da die Symptome bei Reizdarm von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sind, entscheidet der Arzt individuell, welche Untersuchungen bei Verdacht auf Reizdarm für die genaue Diagnose notwendig sind.

Eine Möglichkeit besteht darin, das Blut, den Urin (sog. Urinstatus) und den Stuhl zu untersuchen. Die Blutwerte geben Aufschluss, ob eine Entzündung vorliegt. Hierfür sind Parameter wie die Blutsenkung oder der Wert des C-reaktiven Proteins (CRP) wichtig. Außerdem lassen sich im Blutbild die Leber- und Nierenwerte bestimmen und somit mögliche Erkrankungen an diesen Organen ausschließen. Der Stuhl wird auf Blutspuren (Blut im Stuhl) und – vor allem, wenn Durchfall besteht – auf Krankheitserreger untersucht.

Gegebenenfalls ordnet der Arzt zudem eine oder mehrere dieser Maßnahmen zur Reizdarm-Diagnose an:

Betroffene mit einem Reizdarm können zudem ein Tagebuch führen, in dem sie zum Beispiel Zeitpunkt, Dauer und Stärke der Beschwerden eintragen. Dies erleichtert dem Arzt unter Umständen die Reizdarm-Diagnose und hilft zudem dabei, den Erfolg der Behandlung zu beurteilen.

Wozu dienen die Rom-Kriterien?

Beim Reizdarmsyndrom waren lange Zeit die sogenannten Rom-Kriterien für die Diagnose wichtig. Trafen sie zu, ging man davon aus, dass es sich um einen Reizdarm handelt. Nach heutigem Stand spielen die Rom-Kriterien bei der Diagnose von Reizdarm bei Erwachsenen keine große Rolle mehr.

Die Rom-III-Kriterien sind aber weiterhin gültig, um bei Kindern und Jugendlichen die Diagnose Reizdarm zu stellen. Die Kriterien fordern hierzu, dass

  • wiederkehrende Bauchschmerzen oder Unwohlsein beziehungsweise Missempfindungen im Bauch an mindestens drei Tagen pro Monat in den letzten drei Monaten auftraten.

Dabei müssen diese Symptome vor mindestens sechs Monaten begonnen haben und mit mindestens zwei weiteren der folgenden Tatsachen einhergehen:

  • Die Beschwerden bessern sich nach dem Stuhlgang.
  • Die Häufigkeit des Stuhlgangs hat sich seit Beginn der Beschwerden geändert.
  • Die Form und das Aussehen des Stuhls haben sich seit Beginn der Beschwerden geändert.

Reizdarm: Behandlung

Die genauen Ursachen des Reizdarmsyndroms sind nicht bekannt. Deshalb zielt die Behandlung vor allem darauf ab, die Beschwerden zu lindern. Da von Mensch zu Mensch unterschiedliche Symptome im Vordergrund stehen können, gibt es keine standardisierte Reizdarm-Behandlung, die jedem weiterhilft.

Für die Betroffenen ist es wichtig, herauszufinden, in welchen Situationen der Reizdarm verstärkt Probleme macht. Die Behandlung konzentriert sich auch darauf, Auslöser – die sogenannten Trigger –, die die Probleme verstärken, zu identifizieren, um diese künftig meiden zu können. Mögliche Auslöser sind beispielsweise:

Medikamente und psychische Unterstützung können Betroffenen helfen, die Beschwerden besser in den Griff zu bekommen. Die Reizdarm-Behandlung kann zudem bei der Ernährung ansetzen. 

Medikamente

Ob und welche Medikamente der Arzt bei einem Reizdarmsyndrom empfiehlt, richtet sich individuell nach den Beschwerden:

Verstopfung

Verstopfung lässt sich häufig mit Bewegung, ballaststoffreicher Ernährung und ausreichend Flüssigkeit in den Griff bekommen. Wenn diese einfachen Maßnahmen nicht wirken, können sanfte Abführmittel helfen. Gängige Wirkstoffe sind zum Beispiel:

Diese sollten jedoch nicht über einen längeren Zeitraum und nur in Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Durchfall

Bei Durchfall kann kurzzeitig der Wirkstoff Loperamid zum Einsatz kommen – er hemmt die Darmbewegung. Loperamid sollte ohne ärztliche Anweisung nicht länger als zwei Tage eingenommen werden. Auch Wirkstoffe wie Cholestyramin, Probiotika, lösliche Ballaststoffe und Pflanzenpräparate können hilfreich sein.

Bauchschmerzen und Krämpfe

Bei Reizdarm-Symptomen wie Bauchschmerzen und Krämpfen kommen verschiedene Medikamente für die Therapie infrage:

  • krampflösende Schmerzmittel (sog. Spasmolytika), z.B. der Wirkstoff Butylscopolamin
  • Medikamente, welche die Darmmuskulatur entspannen, z.B. der Wirkstoff Mebeverin
  • pflanzliche Mittel wie Pfefferminzöl

In Einzelfällen eignen sich auch Antidepressiva, um starke Schmerzen zu therapieren. Ob diese Option infrage kommt, kann aber nur der Arzt entscheiden.

Blähungen

Gegen Blähungen und Spannungsgefühl im Darm können Probiotika und das örtlich angewendete Antibiotikum Rifaximin helfen. Zudem vermindern sich durch die Behandlung eines bestehenden Durchfalls oder einer Verstopfung gleichzeitig auch die Blähungen.

Psychische Unterstützung

Bei manchen Menschen treten die Beschwerden des Reizdarmsyndroms verstärkt auf, wenn sie Stress haben oder Konflikte durchleben. Deshalb erscheint es sinnvoll, bei ihnen auch die Psyche in die Behandlung miteinzubeziehen. In einigen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass Entspannungstechniken zuträglich sein könnten. Auch bestimmte Formen der Psychotherapie (z.B. die kognitive Verhaltenstherapie) haben sich in Studien als hilfreich erwiesen.

Wenn neben dem Reizdarm eine psychische Erkrankung besteht, kommen mitunter auch Medikamente, welche die Psyche beeinflussen (Psychopharmaka: Antidepressiva und Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) zum Einsatz.

Das Bild zeigt ein Paar, das Fahrrad fährt. © Jupiterimages/Creatas Images

Bewegung hilft beim Stressabbau und fördert die Verdauung.

Was ist die optimale Reizdarm-Ernährung?

Es gibt keine Ernährungsweise, die erwiesenermaßen gegen das Reizdarmsyndrom hilft. Nichtsdestotrotz machen viele Betroffene positive Erfahrung mit einer Ernährungsumstellung. Im Allgemeinen entlastet es die Verdauung, sich für die Mahlzeiten ausreichend Zeit zu nehmen und keine großen Mengen auf einmal zu verspeisen, sondern lieber mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt zu essen. Auch ist es für eine gesunde Verdauung wichtig, ausreichend Wasser zu trinken.

Darüber hinaus empfiehlt es sich, zu beobachten, ob sich die Beschwerden nach bestimmten Speisen verschlimmern. So geht es einigen Patienten besser, wenn sie sich an die sogenante FODMAP-Diät halten. Diese sieht den Verzicht auf fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und Polyole vor. Das sind Zuckerstoffe, zu denen unter anderem Fructose, Laktose sowie Zuckeralkohole wie Erythrit, Isomalt, Xylit und Sorbitol zählen, welche häufig als Süßstoff in zuckerfreien Lebensmitteln stecken. Für den Darm können diese Stoffe belastend sein, weil sie im Dünndarm nur schlecht resorbiert werden und somit unverändert in den Dickdarm gelangen, wo sie von Bakterien fermentiert werden. Die Bakterien produzieren dabei Gase, was Blähungen verursachen kann.

Auch wenn die FODMAP-Diät manchen Betroffenen hilft, ist sie unter Ärzten umstritten. Zum Beispiel kritisieren einige Fachleute, dass diese Diät das Risiko einer Mangelernährung birgt: Wer auf Fructose und Laktose verzichten möchte, muss zahlreiche Obst- und Gemüsesorten sowie Milchprodukte von seinem Speiseplan streichen, und nimmt somit womöglich zu geringe Mengen bestimmter Vitamine und Nährstoffe zu sich.

Eine Frau sitzt lächelnd vor einem Teller Spaghetti. © Jupiterimages/Stockbyte

Beim Reizdarm gilt für die Ernährung: Essen Sie, was Sie gut vertragen!

Manche Reizdarmpatienten verspüren weniger Beschwerden, wenn sie mehr Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Diese Nahrungsbestandteile, an denen vor allem pflanzliche Lebensmittel besonders reich sind, kann der Körper nur zu einem geringen Anteil oder gar nicht verdauen. Sie regen aber die Darmtätigkeit an und fördern die Verdauung und beugen somit Verstopfungen vor.

Da eine gestörte Darmflora als mögliche Ursachen des Reizdarmsyndroms diskutiert wird, vermuten einige Fachleute, dass sogenannte probiotische Lebensmittel wie Joghurt, Kefir und Buttermilch gegen das Leiden helfen könnten. Diese Speisen enthalten lebende Bakterien und kommen der Darmflora zugute – so jedenfalls lautet die Hoffnung. Ob probiotische Nahrungsmittel für die Reizdarm-Behandlung nützlich sind, darüber sind sich Mediziner allerdings noch nicht einig. Zum einen weisen nicht alle Reizdarmptatienten eine gestörte Darmflora auf. Zum anderen enthalten die Produkte verschiedene Bakterienstämme. Welche davon zuträglich sind, hängt wohl auch von der bestehenden Darmflora ab – und die ist von Mensch zu Mensch verschieden. Wer von welchen Bakterien profitiert, lässt sich also nicht voraussagen.

Wie verläuft das Reizdarmsyndrom?

Ein Reizdarm hat keinen Einfluss auf die Lebenserwartung. Die Beschwerden beim Reizdarm und der Verlauf der Erkrankung sind prinzipiell nicht gefährlich. Jedoch bleiben die Symptome meist über lange Zeit bestehen und erfordern oftmals ein großes Maß an Geduld und Nervenstärke, da sie die Lebensqualität beeinträchtigen. Ein Teil der Menschen mit Reizdarmsyndrom wird mit der Zeit beschwerdefrei, manchmal verschwindet die Erkrankung spontan wieder. Bei anderen nimmt der Reizdarm einen chronischen Verlauf.

Lässt sich einem Reizdarm vorbeugen?

Da die Ursachen nicht geklärt sind, weiß man nicht, welche Maßnahmen sich zur Vorbeugung des Reizdarms eignen. Grundsätzlich ist es für eine gesunde Verdauung wichtig, ausreichend zu trinken, sich täglich zu bewegen, ballaststoffreich zu essen und keine großen Mengen auf einmal zu verspeisen.

Reizdarm: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Reizdarm":


Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und StoffwechselkrankheitenGemeinnützige Organisation, die 1913 von Fachärzten für Innere Medizin gegründet wurde und Leitlinien zu den einzelnen Krankheitsbildern publiziert, qualitativ hochwertige Links bietet, u.v.m.

Dt. Reizdarm Selbsthilfe e.V. Die Deutsche Reizdarmselbsthilfe hat die Betreuung Betroffener als Anliegen und bietet eine Datenbank mit Ärzten, die sich gut mit dem Reizdarmsyndrom auskennen

Quellen:

Reizdarmsyndrom. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Abrufdatum: 7.7.2017)

Reizdarmsyndrom. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 7.7.2017)

Online-Informationen des Berufsverbands Deutscher Internisten e.V.: www.internisten-im-netz.de (Abruf: 7.7.2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Rao, S. S. C., et al.: Systematic review: dietary fibre and FODMAP-restricted diet in the management of constipation and irritable bowel syndrome. Alimentary Pharmacology and Therapeutics Jg. 41, Nr. 12, S. 1256–1270 (Juni 2015)

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Andresen, V. et al.: Reizdarmsyndrom – die wichtigsten Empfehlungen. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 108, Heft 44, S. 751-60 (4.11.2011)

Layer, P. et al.: S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM). Zeitschrift für Gastroenterologie, Jahrgang 49, S. 237-293 (1.2.2011)

Aktualisiert am: 10. Juli 2017

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