Rachenentzündung (Pharyngitis): Was hilft?

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (18. Dezember 2017)

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Eine Rachenentzündung (Pharyngitis) kann akut oder chronisch auftreten. Sie ist eine der häufigsten Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich.

Was ist eine Rachenentzündung?

Bei einer Rachenentzündung sind die Schleimhäute im Bereich des Rachens entzündet. Als Rachen bezeichnet man den Abschnitt, der sich an den Mundraum anschließt, nach oben bis in den Nasenraum (Nasopharynx) reicht und nach unten an Luft- und Speiseröhre grenzt.

Während eine akute Rachenentzündung (akute Pharyngitis) sehr ansteckend ist, besteht bei einer chronischen Rachenentzündung (chronische Pharyngitis) keine Ansteckungsgefahr.

Rachenentzündung: Man sieht eine grafische Darstellung des Nasenrachenraums.

Grafische Darstellung des Mund-Nasen-Rachen-Raumes

Rachenentzündung (Pharyngitis): Mögliche Ursachen

Für eine Rachenentzündung (Pharyngitis) kommen verschiedene Ursachen infrage.

Akute Rachenentzündung (akute Pharyngitis)

Eine akute Rachenentzündung (akute Pharyngitis) ist sehr ansteckend und hat ihre Ursache meist in einer Virusinfektion. Sie entsteht vor allem durch Grippeviren oder grippeähnliche Parainfluenza-Viren. Oft führt der Virusinfekt zu einer Folgeinfektion mit Bakterien (sog. Sekundärinfektion).

Ausschließlich durch Bakterien entsteht eine akute Pharyngitis dagegen eher selten (sog. bakterielle Rachenentzündung). In solchen Fällen sind meist bestimmte Streptokokken (A-Streptokokken, die Erreger von Scharlach), Pneumokokken oder die Bakterienart Haemophilus influenzae für die akute Rachenentzündung verantwortlich.

Chronische Rachenentzündung (chronische Pharyngitis)

Für eine chronische Rachenentzündung (chronische Pharyngitis) kommen als Ursache vor allem Reizstoffe infrage, die über längere Zeit beziehungsweise immer wieder Kontakt mit der Rachenschleimhaut haben. Daneben können auch verschiedene körperliche Störungen oder Veränderungen die Auslöser für eine chronische Rachenentzündung sein. Auslösende Faktoren können zum Beispiel sein:

Eine chronische Rachenentzündung findet sich vor allem ab einem Alter von 40 Jahren. Männer sind häufiger von der Erkrankung betroffen als Frauen. Eine chronische Rachenentzündung ist nicht ansteckend.

Anhand ihrer Entstehungsmechanismen lässt sich die chronische Rachenentzündung in verschiedene Formen einteilen:

  • Pharyngitis chronica respiratoria: Diese Form der chronischen Rachenentzündung ist die Folge einer behinderten Nasenatmung, von trockener bzw. staubhaltiger Luft, Tabakrauch oder anderer chemischer bzw. physikalischer krankheitserregender Faktoren (z.B. Umweltgifte, Strahlung).
  • Pharyngitis chronica digestiva: Sie entsteht durch Alkohol oder zu scharfes bzw. zu heißes Essen.
  • Pharyngitis chronica allergica: Dieser Form der chronischen Rachenentzündung liegen allergische Erkrankungen zugrunde.
  • Pharyngitis chronica metabolica: Sie entsteht durch Veränderungen im Hormonhaushalt oder durch Stoffwechselstörungen.

Rachenentzündung (Pharyngitis): Typische Symptome

Bei einer akuten Rachenentzündung (akute Pharyngitis) treten andere Symptome auf als bei einer chronischen Rachenentzündung (chronische Pharyngitis):

Akute Rachenentzündung (akute Pharyngitis)

Bei einer akuten Rachenentzündung (akute Pharyngitis) treten die Symptome plötzlich auf. Typische Beschwerden sind starke Halsschmerzen und schmerzhafte Schluckbeschwerden. Außerdem kratzt und brennt der Hals und fühlt sich trocken an. Die Rachenschleimhaut ist bei einer akuten Rachenentzündung deutlich gerötet. Auch Fieber und Kopfschmerzen können auftreten.

Manchmal ist eine akute Pharyngitis zudem mit Husten und anderen Anzeichen einer Erkältung wie einem Schnupfen oder einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) verbunden. Oft sind die Lymphknoten im Kieferbereich angeschwollen.       

Rachenentzündung: Eine Lehrerin fasst sich an den Hals. © iStock

Bei einer akuten Rachenentzündung treten plötzlich Halsschmerzen auf.

Chronische Rachenentzündung (chronische Pharyngitis)

Bei einer chronischen Rachenentzündung (chronische Pharyngitis) treten dagegen über längere Zeit eher leichtere, aber dennoch oft belastende Beschwerden auf. Die Betroffenen haben ein trockenes Gefühl im Hals, müssen sich ständig räuspern und husten zähen Schleim ab. Unter Umständen kommt es infolge der Rachenentzündung zu Reizhusten sowie zu einem Fremdkörpergefühl im Hals (Globussyndrom). Durch das trockene Gefühl im Rachen und den Schleim kann es zu Schlafproblemen kommen.

Anhand der Symptome unterscheidet man drei Unterformen der chronischen Rachenentzündung:

  • Pharyngitis chronica simplex: Die Rachenschleimhaut sieht normal bis entzündlich gereizt aus.
  • Pharyngitis chronica hyperplastica: Die Schleimhaut sieht (v.a. im hinteren Rachenbereich) durch die vergrößerten Lymphknötchen körnig verdickt aus. Oft ist das Gaumensegel schlaff und das Gaumenzäpfchen vergrößert.
  • Pharyngitis chronica sicca: Die Rachenschleimhaut glänzt und ist dünn, trocken und glatt. Manchmal ist sie mit einer klümpchenartigen Schleimschicht belegt. Betroffene berichten von einem trockenen Gefühl im Rachen.

Rachenentzündung (Pharyngitis): Diagnose

Bei Verdacht auf eine Rachenentzündung (Pharyngitis) untersucht der Arzt den Rachenraum. In Verbindung mit den beschriebenen Beschwerden erhält der Arzt so meist bereits genügend Hinweise darauf, ob es sich um eine akute oder eine chronische Rachenentzündung handelt. Je nachdem können weitere Untersuchungen sinnvoll sein.

Akute Rachenentzündung (akute Pharyngitis)

Liegt eine akute Rachenentzündung (akute Pharyngitis) vor, stellt der Arzt bei der Untersuchung des Rachenraums in der Regel eine gerötete Rachenwand mit Belägen fest. Besteht der Verdacht, dass Bakterien die akute Rachenentzündung verursacht haben, kann zur Sicherung der Diagnose ein Schnelltest auf A-Streptokokken erfolgen. Mithilfe eines Rachenabstrichs kann außerdem eine Bakterienkultur zur genauen Erregerbestimmung angelegt werden.

Chronische Rachenentzündung (chronische Pharyngitis)

Liegt eine chronische Rachenentzündung (chronische Pharyngitis) vor, kann der Arzt mithilfe einer Spiegeluntersuchung feststellen, um welche Form der chronischen Rachenentzündung es sich handelt. In der Regel gibt jedoch schon die Krankengeschichte des Betroffenen Aufschluss über die Art der chronischen Rachenentzündung. Um festzustellen, ob eventuell eine behinderte Nasenatmung die chronische Rachenentzündung verursacht, untersucht der Arzt meist auch die Nase.

Um sicherzugehen, dass es sich um eine chronische Rachenentzündung handelt, sollte der Arzt zudem andere Erkrankungen mit einem ähnlichen Beschwerdebild ausschließen, wie zum Beispiel:

Rachenentzündung (Pharyngitis): Therapie

Bei einer Rachenentzündung (Pharyngitis) hängt die Therapie vor allem davon ab, ob die Schleimhaut im Rachen akut oder chronisch entzündet ist.

Akute Rachenentzündung (akute Pharyngitis)

Handelt es sich um eine akute bakterielle Rachenentzündung, hilft eine Behandlung mit Antibiotika. Normalerweise kommen bei einer akuten Rachenentzündung jedoch keine Antibiotika zum Einsatz, denn sie entsteht nur selten durch Bakterien. In den meisten Fällen stecken Viren hinter einer Rachenentzündung und gegen diese wirken Antibiotika nicht.

Bei einer akuten Rachenentzündung zielt die Therapie deshalb vor allem darauf ab, die Symptome zu lindern. Betroffene können hierfür einiges selbst tun, wie zum Beispiel:

  • Mundspülungen und Gurgeln (z.B. mit Kamille oder Salbei)
  • schmerzhemmende, desinfizierende Lutschtabletten (z.B. mit der Wirkstoffkombination Tyrothricin+Benzalkoniumchlorid+Benzocain)
  • zusätzliche Halsreizungen vermeiden (also z.B. möglichst aufs Rauchen verzichten, sehr heiße oder sehr scharfe Getränke vermeiden

Viele Betroffene empfinden es bei einer Rachenentzündung zudem als angenehm, warme Getränke zu trinken, zum Beispiel in Form von Kräutertees.

Allerdings kann – auch, wenn man eigentlich eine akute virale Rachenentzündung hat – unter Umständen trotzdem eine Antibiotika-Behandlung angebracht sein: Denn eine virale Rachenentzündung setzt die Immunabwehr herab, sodass sich möglicherweise zusätzlich eine bakterielle Infektion entwickelt hat.

Chronische Rachenentzündung (chronische Pharyngitis)

Bei einer chronischen Rachenentzündung (chronische Pharyngitis) hängt die Behandlung vom jeweiligen Auslöser ab (z.B. trockene Luft, Tabakrauch oder Alkohol). Denn die wichtigste Therapiemaßnahme besteht darin, die auslösenden Faktoren im Alltag so weit wie möglich zu meiden. Zusätzlich sind gegen eine chronische Rachenentzündung alle Maßnahmen hilfreich, die den Rachenraum und die Atemwege feucht halten – wie zum Beispiel:

  • Inhalationen mit Salbei und Kamille oder salzhaltigen Lösungen
  • Erhöhung der Luftfeuchtigkeit durch Luftbefeuchter
  • Lutschtabletten

Ist eine behinderte Nasenatmung Auslöser der Rachenentzündung, kann unter Umständen auch eine Operation angebracht sein, um die Verengungen zu beseitigen. Liegt der chronischen Rachenentzündung eine andere Erkrankung zugrunde (z.B. Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion, Sjögren-Syndrom), sollte diese behandelt werden.

Rachenentzündung (Pharyngitis): Verlauf

Bei einer Rachenentzündung (Pharyngitis) kann der Verlauf akut oder chronisch sein. Bei entsprechender Behandlung ist die Prognose für beide Verlaufsformen gut.

Akute Rachenentzündung (akute Pharyngitis)

Die akute Rachenentzündung (akute Pharyngitis) ist eine plötzlich auftretende und heftig verlaufende Entzündung der Rachenschleimhaut. Eine virusbedingte akute Pharyngitis nimmt in der Regel einen unkomplizierten Verlauf: Die Rachenentzündung heilt unbehandelt meist nach einer Dauer von einigen Tagen von selbst ab. Sind Bakterien für die akute Pharyngitis verantwortlich oder hat der Virusinfekt zusätzliche bakterielle Infektionen begünstigt, kann eine Therapie mit Antibiotika angebracht sein.

Chronische Rachenentzündung (chronische Pharyngitis)

Im Unterschied zu einer akuten Rachenentzündung ist der Verlauf einer chronischen Rachenentzündung meist langwieriger. Zwar lassen sich die Beschwerden bei einer chronischen Rachenentzündung häufig nicht vollständig beseitigen, in der Regel aber lindern. Kann der eigentliche Auslöser ermittelt und vermieden werden, ist es möglich, dass die Rachenentzündung im weiteren Verlauf ganz abheilt.

Rachenentzündung (Pharyngitis): Vorbeugen

Einer akuten Rachenentzündung (akuten Pharyngitis) können Sie nur indirekt vorbeugen, indem Sie Ihre Abwehrkräfte stärken – zum Beispiel durch eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung.

Das Risiko für eine chronische Rachenentzündung (chronische Pharyngitis) können Sie verringern, indem Sie den Rachenbereich möglichst nicht dauerhaft reizen. Vermeiden Sie zum Beispiel Tabakrauch und genießen Sie Alkohol nur in Maßen. Am besten sorgen Sie in Ihrer privaten oder beruflichen Umgebung außerdem für eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit. Ist dies nicht möglich, weil etwa die Luft im Büro durch Klimaanlagen recht trocken ist, können Sie Ihre Rachenschleimhaut zum Beispiel durch ausreichendes Trinken feucht halten.

Rachenentzündung (Pharyngitis): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Pharyngitis (Rachenentzündung)":

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Quellen:

Pharyngitis. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 5.7.2017)

Arnold, W., Ganzer, U.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011

Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde – Differenzierte Diagnostik und Therapie. Springer, Berlin 2009

Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008

Boenninghaus, H.-G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2007

Aktualisiert am: 18. Dezember 2017

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