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Parkinson: Dopaminmangel im Gehirn

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (16. Mai 2017)

© Jupiterimages/iStockphoto

Morbus Parkinson zählt zu den häufigsten Krankheiten des Nervensystems. Typische Symptome sind Zittern, das in Ruhe auftritt, versteifte Muskeln und verlangsamte Bewegungen. Auch wenn Parkinson bislang nicht heilbar ist: Mit einer frühzeitigen Therapie lässt sich die Lebensqualität deutlich steigern.

Was ist Parkinson?

Parkinson (Morbus Parkinson, Parkinson-Syndrom) ist eine Erkrankung des Nervensystems, bei der vor allem die Beweglichkeit und der Bewegungsablauf gestört sind. Kennzeichnend für Parkinson ist ein stetiger Verlust von Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin enthalten. Schätzungen zufolge leben in Deutschland rund 220.000 Menschen mit Parkinson. Meist sind ältere Menschen betroffen.

Dopamin ist ein Botenstoff, der dafür sorgt, dass bestimmte Informationen von Nervenzelle zu Nervenzelle weitergegeben werden. Ist zu wenig Dopamin vorhanden – wie es bei Parkinson der Fall ist –, ist dieser Prozess gestört. Dies macht sich durch die charakteristischen Symptome bemerkbar.

Wer von Parkinson spricht, meint damit in der Regel den Morbus Parkinson (Parkinson-Krankheit bzw. parkinsonsche Krankheit, Parkinson-Syndrom). Morbus Parkinson ist das häufigste von verschiedenen Parkinson-Syndromen. Da die Ursachen von Morbus Parkinson sind, sprechen Ärzte auch von einem idiopathischen Parkinson-Syndrom (IPS): "Idiopathisch" bedeutet "ohne erkennbare Ursache".

Parkinson-Video: Botenstoffe aus dem Gleichgewicht

Von der Schüttellähmung zu Parkinson

Parkinson ist nach dem englischen Arzt und Sozialreformer James Parkinson (1755 bis 1824) benannt, der die Krankheit 1817 als Erster beschrieb. Er nannte das Krankheitsbild Shaking Palsy (Schüttellähmung, Paralysis agitans). Aus heutiger Sicht ist diese Bezeichnung allerdings irreführend: Morbus Parkinson ist keine Lähmung, sondern eine zunehmende Bewegungsverarmung, die auch ohne Schütteln beziehungsweise Zittern (Tremor) verlaufen kann.

Parkinson: Was sind die Ursachen?

Etwa 75 Prozent aller Patienten, die an einem Parkinson-Syndrom leiden, haben die Diagnose Morbus Parkinson erhalten. Die Ursachen von Morbus Parkinson sind unklar. Daher bezeichnen Ärzte die Erkrankung auch als idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS): "Idiopathisch" bedeutet "ohne erkennbare Ursache".

Fest steht, dass Parkinson mit einem Mangel am Botenstoff Dopamin im Gehirn einhergeht, was zu den typischen Beschwerden führt. Dieser Mangel kommt zustande, weil immer mehr dopaminhaltige Nervenzellen im Gehirn absterben.

Was passiert bei Parkinson im Gehirn?

Botenstoffe wie Dopamin werden bei Bedarf von Nervenzellen im Gehirn ausgeschüttet. Die Botenstoffe sind nötig, um Informationen von Nervenzelle zu Nervenzelle weiterzugeben – etwa die Informationen, die für eine Bewegung nötig sind. Herrscht ein Mangel an Botenstoffen, ist dieser Prozess gestört und Informationen können nicht mehr weitergeleitet werden. 

Bei Morbus Parkinson sterben dopaminreiche Nervenzellen in der sogenannten schwarzen Substanz (Substantia nigra) im Gehirn ab. Die Ursachen sind bisher nicht bekannt.

Die schwarze Substanz oder auch Substantia nigra liegt im Mittelhirn. Ihr Name geht auf den hohen Eisen- und Melaningehalt zurück, der ihre Zellen dunkel färbt. Die schwarze Substanz zählt zu den sogenannten Basalganglien. Dies sind spezielle Gebiete im Hirn, die eine wichtige Rolle bei der Kontrolle von Bewegungen spielen.

Die Zellen der schwarzen Substanz sind durch Nervenfasern mit einer anderen Region des Gehirns verbunden: mit dem Streifenkörper, auch Corpus striatum genannt. Dieser ist ebenfalls wichtig für die Bewegungskontrolle des Körpers. Nervenzellen aus der schwarzen Substanz setzen im Corpus striatum Dopamin frei. Das Dopamin sorgt normalerweise dafür, dass elektrische Impulse von einer Nervenzelle an die andere weitergeleitet werden und die Nervenzellen so im Austausch stehen können. 

Ist nicht ausreichend Dopamin vorhanden, können wichtige Informationen zu den Muskelbewegungen nicht mehr von Nervenzelle zu Nervenzelle weitergegeben werden, sodass die typischen Parkinson-Symptome auftreten: Die Betroffenen bewegen sich zum Beispiel verlangsamt und entwickeln eine Bewegungsarmut. Mediziner bezeichnen dies auch als Hypokinese. Ist diese sehr ausgeprägt oder kommt es zur völligen Bewegungslosigkeit, heißt der Zustand Akinese. Hypokinese und Akinese sind typisch für die Parkinson-Krankheit.

Durch den Dopaminmangel verschiebt sich auch das Gleichgewicht anderer Botenstoffe wie Acetylcholin und Glutamat. Dies wiederum führt zu weiteren Beschwerden. Zu viel Acetylcholin führt zum Beispiel zu Symptomen wie Zittern und Muskelsteifheit.

Seltenere Formen von Parkinson: Ursachen

Neben dem Morbus Parkinson unterscheidet man drei weitere seltenere Parkinson-Syndrome. Ihre Ursachen sind weitgehend erforscht:

  • Familiäre Parkinson-Syndrome entstehen durch Veränderungen im Erbgut, sie sind also vererbbar. Die ersten Beschwerden treten meist bereits im jungen Erwachsenenalter auf.
  • Symptomatische (sekundäre) Parkinson-Syndrome entstehen durch Umwelteinflüsse oder bestimmte Erkrankungen. Beispielsweise können Vergiftungen mit "Nervengiften" wie Kohlenmonoxid oder Mangan Parkinson-Symptome auslösen. Auch Medikamente wie Neuroleptika oder blutdrucksenkende Mittel können möglichen Ursachen sein, ebenso wie verschiedene Erkrankungen. Hierzu zählen beispielsweise HirntumorenStoffwechselstörungen (Morbus Wilson) oder häufig wiederkehrende Verletzungen des Gehirnsn wie sie zum Beispiel beim Boxen entstehen (sog. Boxerparkinson).
  • Atypische Parkinson-Syndrome treten im Rahmen anderer Erkrankungen auf, die mit einem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen einhergehen (sog. neurodegenerative Erkrankungen).

Parkinson: Typische Symptome

Typische Symptome von Parkinson (Morbus Parkinson, Parkinson-Krankheit) sind:

  • Verlangsamung / Verarmung der Bewegungen (sog. Hypo- bzw. Akinese),
  • Muskelsteifheit durch erhöhte Muskelanspannung (sog. Rigor),
  • Zittern, das in Ruhe auftritt (sog. Tremor) sowie
  • eine gestörte Stabilität der Körperhaltung.

Die Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. In seltenen Fällen treten sie bereits zu Beginn der Erkrankung auf, in der Regel machen sie sich aber erst in späteren Stadien von Morbus Parkinson bemerkbar.

Parkinson-Symptome im Frühstadium

Anfangs sind die Symptome von Parkinson wenig charakteristisch und es treten noch keine Bewegungsstörungen auf. Im Frühstadium können die Beschwerden an eine rheumatische Erkrankung erinnern. So leiden Betroffene zum Beispiel an schmerzhaften, überwiegend einseitigen Muskelverspannungen der Schulter-Arm-Region.

Weitere unspezifische Symptome, die im Frühstadium von Parkinson vorkommen können, sind

Man sieht eine ältere Frau im Gespräch mit einer Ärztin. © Jupiterimages/iStockphoto

Zu Beginn sind die Symptome von Morbus Parkinson noch unspezifisch.

Im weiteren Verlauf von Morbus Parkinson fallen erste Bewegungsstörungen auf. Zunächst wirken sich diese Beschwerden kaum auf das Alltagsleben aus. Mit der Zeit fällt es den Betroffenen jedoch zunehmend schwerer, feinmotorische Tätigkeiten wie Schreiben, Kämmen, Zähneputzen oder das Zuknöpfen einer Hose zu bewältigen. Es gelingt ihnen immer schlechter, mehrere Bewegungen abzustimmen.

Bereits im Frühstadium kann Parkinson das Erscheinungsbild beeinflussen: Zum einen ändert sich der Gang – Menschen mit Morbus Parkinson bewegen sich in kleinen Schritten und vornübergebeugt voran. Die Arme schwingen weniger mit, was sich anfangs besonders auf einer Seite zeigt. Zum anderen erstarrt die Gesichtsmimik bei der Parkinson-Krankheit zunehmend (sog. Maskengesicht), außerdem kann die Stimme etwas leiser werden. Zeitweilig zittern die Hände in Ruhe (sog. Ruhetremor). Darüber hinaus wird die Handschrift bei Morbus Parkinson zunehmend kleiner und unleserlicher.

Parkinson-Symptome im fortgeschrittenen Stadium

Wenn die Parkinson-Erkrankung weiter fortgeschritten ist, treten nicht nur die typischen verlangsamten Bewegungen auf. Auch die Muskeln versteifen zunehmend.

Schnelle Bewegungen sind nicht mehr möglich. So fällt es den Betroffenen zum Beispiel schwer, rasch loszugehen oder abrupt abzubremsen. Vor allem in engen Räumen sind sie in ihrer Bewegung plötzlich gehemmt – die Füße scheinen nahezu am Boden zu kleben.

Die Körperhaltung wird zunehmend instabil, sodass die Betroffenen leichter hinfallen. Wenn ein Arm entspannt liegt oder hängt, wird das typische Zittern der Hände sichtbar – der sogenannte Ruhetremor. Später entwickelt sich das vorübergehende Zittern zum ständigen Anzeichen der Parkinson-Krankheit.

Parkinson und Demenz

Im Laufe von Parkinson können Gedächtnisstörungen auftreten, die auf eine beginnende Demenz hinweisen. Etwa 3 bis 4 von 10 Patienten mit Parkinson entwickeln im Laufe der Zeit eine Demenz: Ihre Aufmerksamkeit ist zunehmend gestört, das Denkvermögen verlangsamt. Weitere mögliche Anzeichen einer Demenz sind Gedächtnisstörungen, Persönlichkeitsveränderungen und Depressionen.

Weitere mögliche Symptome eines fortgeschrittenen Morbus Parkinson sind zum Beispiel

Eine grafische Abbildung der Parkinson-Symptome.

Typische Haltung und Beschwerden bei Parkinson

Parkinson-Symptome im Spätstadium

Im Spätstadium von Morbus Parkinson kann der Patient zunehmend schlechter gehen und stehen – im weiteren Verlauf ist er oft auf den Rollstuhl angewiesen.

In seltenen Fällen entwickelt sich im Spätstadium eine sogenannte akinetische Krise. Die akinetische Krise ist durch eine vollkommene Bewegungsunfähigkeit gekennzeichnet, die plötzlich auftritt oder sich innerhalb weniger Tage entwickelt. Zuletzt können die Betroffenen weder sprechen noch schlucken.

Eine akinetische Krise kann verschiedene Gründe haben: Zum einen kann die Krise auftreten, wenn man die Parkinson-Medikamente plötzlich absetzt oder reduziert. Zum anderen können plötzliche, schwere Erkrankungen, operative Eingriffe und Flüssigkeitsmangel diesen Zustand verursachen. Bei Menschen, die an Parkinson erkrankt ist, sollte man daher immer besonders darauf achten, dass sie ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen.

Die akinetische Krise bei Parkinson ist ein lebensgefährlicher Notfall, der eine sofortige Einweisung in eine Klinik erfordert.

Parkinson: Diagnose

Trotz großer medizinischer Fortschritte ist es nach wie vor nicht immer einfach, die Diagnose Parkinson (Morbus Parkinson, Parkinson-Syndrom) zweifelsfrei zu stellen. Im Frühstadium der Erkrankung sind die Symptome oft so unspezifisch, dass viele Ursachen dahinterstecken können. Möglicherweise zieht der Arzt die Diagnose Parkinson zunächst gar nicht in Betracht.

Wichtig für die Diagnose ist zum einen das Gespräch beim Arzt und zum anderen die körperlich-neurologische Untersuchung. Weiterführende Untersuchungen dienen in erster Linie dazu, andere Gründe für die Symptome auszuschließen.

Nur wenn der Arzt andere Ursachen für die Beschwerden ausschließen kann, gilt die Diagnose Morbus Parkinson (Idiopathisches Parkinson-Syndrom) als gesichert.

Anamnese

Im ersten Schritt wird der Arzt seinen Patienten ausführlich nach seinen Beschwerden fragen (sog. Anamnese). So wird er beispielsweise wissen wollen,

  • ob sein Patient Schmerzen hat und wenn ja, wo und wie lange,
  • wann die ersten Beschwerden aufgetreten sind,
  • ob bestimmte Vorerkrankungen bestehen,
  • ob der Patient Probleme hat, beim Gehen das Gleichgewicht zu halten,
  • ob feinmotorische Tätigkeiten zunehmend schwerer fallen (z.B. Zuknöpfen eines Hemds),
  • ob sich die Muskulatur angespannt anfühlt,
  • ob der Patient schlecht schläft,
  • ob der Betroffene Medikamente einnimmt,
  • ob der Patient in Händen und / oder Beinen zittert und wenn ja, wie lange schon, und /oder
  • ob noch weitere Beschwerden vorliegen.

Die Angaben der Angehörigen können dem Arzt ebenfalls wichtige Anhaltspunkte geben. Im fortgeschrittenen Stadium sind die Anzeichen von Morbus Parkinson so ausgeprägt, dass der Arzt die Krankheit oft auf den ersten Blick erkennt.

Körperliche Untersuchung

Der nächste Schritt zur Diagnose ist eine umfangreiche medizinische Untersuchung mithilfe verschiedener Tests. Wenn der Arzt bei der Untersuchung

  • eine Bewegungsunfähigkeit (Akinese) feststellt und er darüber hinaus
  • ein Zittern (Tremor),
  • eine Muskelsteifheit (Rigor)
  • oder die typische Körperhaltung beobachtet,

deutet dies auf Morbus Parkinson hin – insbesondere, wenn die Symptome zunächst nur auf einer Körperseite auftreten.

L-Dopa-Test

Ein weiteres Verfahren, das bei der Diagnose von Parkinson hilfreich ist, ist der sogenannte Levodopa-Test (L-Dopa-Test): Levodopa (L-Dopa) ist eine Vorstufe von dem Stoff, der bei Parkinson nicht ausreichend gebildet wird: Dopamin. L-Dopa sorgt dafür, dass im Gehirn wieder mehr Dopamin zur Verfügung steht. Gehen die Symptome zurück, gilt dies als Hinweis auf die Parkinson-Krankheit. Mit diesem Test ist allerdings keine endgültige Aussage möglich. Alternativ ist es auch möglich, den Wirkstoff Apomorphin zu geben. 

Weitere Untersuchungen

Bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) dienen vor allem dazu, andere Erkrankungen auszuschließen, die zu sichtbaren Veränderungen des Gehirns führen. In manchen Fällen – etwa wenn der Arzt Hinweise auf Komplikationen wie kognitive Störungen hat – kommen weitere Methoden zur Diagnose zum Einsatz, so zum Beispiel eine umfangreiche neuropsychologische Untersuchung oder ein EEG.

Manchmal ist es nötig, ein unklares Parkinson-Syndrom genauer zu untersuchen, zum Beispiel mithilfe einer Positronen-Emissions-Tomographie (PET) oder der sogenannten Single Photon Emission Computed Tomography (SPECT). Beide Verfahren können die Stoffwechselaktivität bestimmter Nervenzellen sichtbar machen.

Parkinson: Therapie

Bei der Therapie von Parkinson (Morbus Parkinson, Parkinson-Syndrom) gilt: Je früher die Behandlung beginnt, desto besser.

Heilen kann man Morbus Parkinson mit einer Therapie bislang nicht. Dennoch ist eine gezielte Behandlung sinnvoll.

Ziel der Therapie von Morbus Parkinson kann es zum Beispiel sein,

  • die motorischen, geistigen und psychischen Beschwerden zu lindern,
  • die Lebensqualität beziehungsweise die Selbstständigkeit bei den Tätigkeiten des täglichen Lebens langfristig zu erhalten,
  • die Selbstständigkeit in der Familie und der Gesellschaft zu erhalten, also Pflegebedürftigkeit so lange wie möglich hinauszuzögern,
  • die Berufsfähigkeit so lange wie möglich zu erhalten,
  • Begleiterkrankungen und Komplikationen zu vermeiden oder
  • die Nebenwirkungen einer medikamentösen Behandlung möglichst gering zu halten.

Nicht nur für Betroffene, auch für Angehörige kann Parkinson eine besondere Belastung bedeuten. Dieser Punkt sollte bei der Therapie berücksichtigt werden. Ist Parkinson fortgeschritten, kann man beispielsweise über eine zeitweise Tagesbetreuung des Patienten nachdenken, was der Familie oder dem Lebenspartner etwas Entlastung bringen kann.

Das Bild zeigt einen älteren Mann mit einem Rollator, der sich mit einer Ärztin unterhält. © Jupiterimages/Comstock Images

Die geeignete Therapie kann die Lebensqualität für Menschen mit Morbus Parkinson deutlich verbessern.

Medikamente

Medikamente können Parkinson zwar nicht heilen. Jedoch können sie den Mangel an Dopamin im Gehirn, der für die typischen Symptome verantwortlich ist, ausgleichen und so die Beschwerden lindern.

Zur medikamentösen Therapie von Parkinson stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung. Hierzu zählen insbesondere:

  • Levodopa (L-Dopa), eine Vorstufe des Botenstoffs Dopamin
  • Dopamin-Agonisten, welche die Wirkung von Dopamin nachahmen
  • MAO B-Hemmer und COMT-Hemmer, die den Abbau von Dopamin verhindern
  • Anticholinergika, die den Botenstoff Acetylcholin beefinlussen, der bei Parkinson im Übermaß vorhanden ist
  • NMDA-Agonisten, welche Botenstoffe wie Glutamat im Hirn hemmen, die bei Parkinson vermehrt aktiv sind

Wie die medikamentöse Therapie im Einzelnen aussieht, hängt unter anderem vom Alter und von eventuellen Begleitstörungen ab.

Levodopa (L-Dopa): Vorstufe des Dopamins

Man könnte meinen, der bei Parkinson herrschende Dopaminmangel ließe sich einfach durch Medikamente ausgleichen, die Dopamin enthalten. Eine solche Therapie wäre aber wirkungslos, denn: Von außen zugeführtes Dopamin kann nicht direkt in das Gehirn gelangen und dort wirken, weil es die sogenannte Blut-Hirn-Schranke nicht durchdringen kann.

Was ist die Blut-Hirn-Schranke?

Die Blut-Hirn-Schranke ist die Barriere zwischen Blutkreislauf und Gehirn / Rückenmark. Sie verhindert, dass fremde Substanzen – zum Beispiel Krankheitserreger, aber auch Arzneimittel – in das zentrale Nervensystem vordringen können.

Dopamin kann die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden. Dies kann jedoch eine seiner Vorstufen: das Levodopa. Levodopa (L-Dopa, L-3,4-Dihydroxyphenylalanin) durchdringt die Blut-Hirn-Schranke, gelangt ins Gehirn und wandelt sich dort in den Botenstoff Dopamin um. Bei Nervenimpulsen setzt der Körper das Dopamin dann frei. Es kann nun wieder an Andockstellen anderer Nervenzellen binden, sodass die Beschwerden deutlich zurückgehen. 

Schematische Darstellung des Dopaminstoffwechsels

Kurzüberblick: Stoffwechsel des Dopamins

Tabletten, Kapseln oder Tropfen mit Levodopa enthalten immer auch sogenannte Decarboxylase-Hemmer. Der Grund: Solange sich Levodopa außerhalb des Gehirns befindet, wird es von dem Enzym Decarboxylase zu unwirksamen Substanzen abgebaut. Dies führt dazu, weniger Levodopa das Gehirn erreicht.

Decarboxylase-Hemmer bremsen diesen unerwünschten Abbauprozess außerhalb des Gehirns und erhöhen so auf indirektem Wege die Wirkung im Gehirn, da mehr L-Dopa die Blut-Hirn-Schranke durchdringen kann.

Levodopa gilt als wirksamstes Medikament zur Behandlung der typischen Bewegungsverlangsamung und erhöhten Muskelspannung. In der Regel können diese Beschwerden durch Levodopa rasch gelindert werden.

In den ersten Jahren verläuft die Therapie mit L-Dopa meist problemlos. L-Dopa ist besonders zu Beginn der Behandlung gut verträglich. Allerdings kann L-Dopa nicht verhindern, dass Parkinson voranschreitet.

Im Laufe der Therapie nimmt die Wirkdauer der Medikamente häufig ab: Dann lässt die Wirkung von Levodopa schon etwa vier bis sechs Stunden nach der Einnahme nach und die Symptome von Parkinson treten wieder in den Vordergrund. Mediziner sprechen von einem sogenannten Wearing-off oder End-of-Dose-Phänomen (engl. wearing off = abnutzend, abschwächend; engl. dose = Dosis).

Die Nebenwirkungen hingegen nehmen mit der Zeit oft deutlich zu. Mögliche Nebenwirkungen sind beispielsweise:

L-Dopa ist zu Beginn der Therapie gut wirksam, im Laufe der Behandlung nimmt die Wirksamkeit jedoch ab und es treten vermehrt Nebenwirkungen auf.

Nachahmer des Dopamins: Dopamin-Agonisten

Je länger L-Dopa eingenommen wird, desto mehr Nebenwirkungen treten in der Regel auf. Daher erhalten vor allem jüngere Menschen in der Frühphase von Parkinson andere Medikamente: Statt L-Dopa erhalten sie einen Nachahmer des Dopamins: einen sogenannten Dopamin-Agonisten.

Was ist ein Dopamin-Agonist?

Ein Dopamin-Agonist ist ein Arzneimittel, das die Wirkung des Botenstoffs Dopamin nachahmt. Dopamin-Agonisten ersetzen im Prinzip die Funktion von Dopamin. L-Dopa und Dopamin-Agonisten können auch miteinander kombiniert werden.

Vorrangiges Ziel der Therapie mit Dopamin-Agonisten ist es, die Lebensqualität und Selbstständigkeit trotz Parkinson langfristig zu erhalten.

Als erster Dopamin-Agonist kam 1974 Bromocriptin auf den Markt. Seither wurden zahlreiche weitere Dopamin-Agonisten zur Therapie von Parkinson entwickelt. Pharmazeutisch unterteilt man diese Medikamente in zwei Gruppen:

  • Ergot-Präparate gewinnt man aus sogenannten Mutterkornalkaloiden. Ergot steht dabei für Mutterpilz. Mutterkornalkaloide sind Naturstoffe, die der Mutterkornpilz bildet. Beispiele sind die Wirkstoffe BromocriptinLisurid und Pergolid.
  • Nicht-Ergot-Präparate enthalten Wirkstoffe wie Ropinirol oder Pramipexol. Sie stehen nicht in Zusammenhang mit den Mutterkornalkaloiden.

Anders als L-Dopa sind Dopamin-Agonisten auch im weiteren Verlauf der Parkinson-Therapie wirksam. Vor allem zu Beginn der Behandlung können die Medikamente jedoch Nebenwirkungen auslösen, so zum Beispiel

Selten können Ergot-Präparate zu einem krankhaftem Bindegewebswachstum der Herzklappen (Herzklappen-Fibrose) führen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie keine Ergot-Dopamin-Agonisten einnehmen, wenn Sie eine Herzklappen-Erkrankung haben.

Aufgrund des erhöhten Risikos für eine Herzklappen-Fibrose kommen Ergot-Präparate seltener zum Einsatz als Nicht-Ergot-Präparate.

L-Dopa oder Dopamin-Agonisten?

Sowohl Dopamin-Agonisten als auch L-Dopa haben Vor- und Nachteile:

  • L-Dopa ist verträglicher und wirkungsvoller als Dopamin-Agonisten. Allerdings verliert es mit der Zeit an Wirkung. L-Dopa-Präparate werden meist älteren Parkinson-Patienten empfohlen.
  • Dopamin-Agonisten haben stärkere Nebenwirkungen, jedoch können sie Bewegungsstörungen oft noch lange hinauszögern. Sie werden vor allem Menschen unter 60 bis 70 Jahren empfohlen.

L-Dopa und der Dopamin-Agonist Apomorphin können auch als sogenannte Pumpentherapie verabreicht werden. Die Pumpentherapie bietet den Vorteil, Medikamente gleichmäßig an den Körper abzugeben. So können etwa Schwankungen der Beweglichkeit vermindert werden.

Blockieren den Dopamin-Abbau: MAO B- und COMT-Hemmer

Während L-Dopa und Dopamin-Agonisten dafür sorgen, dass mehr Dopamin gebildet wird, können andere Medikamente bewirken, dass Dopamin im Gehirn nicht so schnell abgebaut wird. Dazu zählen MAO-B- und COMT-Hemmer.

Die Wirkstoffe blockieren bestimmte Enzyme, die Dopamin im Gehirn abbauen: die Monoaminoxidase-B beziehungsweise die Catechol-O-Methyl-Transferase. Auf diesem Wege kann das Dopamin im Gehirn länger wirken.

Zur Behandlung von Parkinson können MAO-B-Hemmer wie zum Beispiel die Wirkstoffe Selegilin und Rasagilin zum Einsatz kommen. Zu COMT-Hemmern zählen zum Beispiel die Wirkstoffe Entacapon und Tolcapon.

Gegenspieler des Acetylcholins: Anticholinergika

Eine weitere Möglichkeit zur Therapie von Parkinson bieten sogenannte Anticholinergika. Sie hemmen die Wirkung des Botenstoffs Acetylcholin im Gehirn.

Was ist Acetylcholin?

Acetylcholin ist wie Dopamin ein Botenstoff des Nervensystems (Neurotransmitter). Bei Morbus Parkinson produziert der Körper vermehrt Acetylcholin – was Symptome wie Zittern oder verlangsamte Bewegungen zu Folge hat. Anticholinergika können diese Beschwerden mildern.

Anticholinergika sind die ältesten Medikamente zur Therapie von Morbus Parkinson. Da Anticholinergika mit einigen Nebenwirkungen verbunden sind, kommen diese Mittel eher zurückhaltend zum Einsatz. Der Arzt greift zum Beispiel auf Anticholinergika zurück, wenn sein Patient in Ruhe stark zittert und die herkömmliche Therapie nicht ausreichend wirkt.

NMDA-Agonisten

Sogenannte NDMA-Agonisten wie Amantadin und Budipin hemmen Botenstoffe wie Glutamat, die bei Parkinson vermehrt aktiv sind. Zu möglichen Nebenwirkungen von Amantadin zählen HalluzinationenVerwirrtheit, bläuliche Streifen unter der Haut oder geschwollene Knöchel. Budipin kann das Zittern bei Parkinson lindern, macht aber eine engmaschige ärztliche Kontrolle erforderlich, da es zu Herzrhythmusstörungen führen kann.

Tiefe Hirnstimulation

Bei der tiefen Hirnstimulation (THS) erzeugen Elektroden, die in einen bestimmten Bereich im Gehirn implantiert werden, elektrische Impulse. Durch die Impulse werden vorübergehend gewisse Gehirnregionen angeregt, ohne dass dabei Gewebe Schaden nimmt. Mit dieser Methode können die Symptome der Parkinson-Krankheit gemindert werden.

Die tiefe Hirnstimulation kommt bei Parkinson nur dann infrage, wenn andere Therapien nicht ausreichend Wirkung gezeigt haben und spezielle Kriterien erfüllt sind. So muss der Patient etwa gut auf L-Dopa ansprechen und es muss feststehen, dass es sich tatsächlich um Morbus Parkinson handelt und nicht um ein anderes Parkinson-Syndrom.

Die tiefe Hirnstimulation lindert die Symptome von Parkinson über viele Jahre hinweg. Sie kann den Erkrankungsprozess jedoch nicht aufhalten. 

Physiotherapie und Sport

Je weiter Parkinson voranschreitet, desto mehr ist der Bewegungsablauf gestört. Die Betroffenen können Bewegungen nicht mehr so gut koordinieren und das Gleichgewicht schlechter halten. Da die Bewegungen immer mehr eingeschränkt sind, werden auch die Muskeln schwächer.

Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt es sich, die medikamentöse Therapie durch eine Physiotherapie und / oder sportliche Aktivitäten zu ergänzen. Ziel ist es unter anderem, Beweglichkeit, Stabilität und Reaktionsfähigkeit zu trainieren. Die Behandlung besteht zum Beispiel darin, gezielt Alltagsaktivitäten wie das aufrechte Gehen, das Aufstehen oder das Aufrichten im Bett zu üben.

Ob mit oder ohne physiotherapeutische Anleitung: Die Bandbreite eines Bewegungstrainings zur Therapie von Parkinson ist groß. Sie reicht von Dehnungsübungen über Gleichgewichtstraining bis hin zu Tai-Chi. Wie intensiv das Training jeweils ist und welche Übungen infrage kommen, richtet sich unter anderem danach, wie weit Morbus Parkinson bereits fortgeschritten ist. Während es zu Beginn der Erkrankung vor allem wichtig ist, so lange wie möglich beweglich zu bleiben, geht es im weiteren Verlauf eher darum, der zunehmenden Gelenkversteifung ein Stück entgegenzuwirken und Stürzen vorzubeugen.

Weitere Therapiemöglichkeiten

Es gibt noch viele weitere Behandlungen, die im Rahmen einer Parkinson-Therapie zum Einsatz kommen können, so zum Beispiel:

  • Sprechtherapie (Logopädie): Der Patient trainiert Aussprache, Atemtechnik und die Muskeln
  • Psychotherapie: In manchen Fällen kann eine Psychotherapie hilfreich sein, so zum Beispiel, wenn der Patientin im Rahmen der Erkrankung eine Depression entwickelt.

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Parkinson: Verlauf der Erkrankung

Der Verlauf von Parkinson (Morbus Parkinson, Parkinson-Syndrom) lässt sich nicht ohne Weiteres vorhersagen. Typischerweise schreitet Parkinson langsam fort – wie rasch dies passiert und welche Beeinträchtigungen damit verbunden sind, kann von Person zu Person ganz unterschiedlich sein. Manche Betroffene sind durch die Erkrankung über viele Jahre hinweg kaum beeinträchtigt. Andere hingegen haben schon früh mit Beschwerden zu kämpfen und sind im weiteren Verlauf auf Pflege angewiesen.

Gut zu wissen: Bei einer geeigneten Therapie ist die Lebenserwartung von Menschen mit Parkinson in etwa mit der Lebenserwartung der Normalbevölkerung vergleichbar.

Parkinson ist bislang nicht heilbar und auch eine frühzeitige Therapie kann nicht verhindern, dass die Krankheit fortschreitet. Aber: Eine individuell zugeschnittene Behandlung wirkt sich günstig auf die Prognose aus. Die Lebensqualität steigt deutlich – und auch die der pflegenden Angehörigen. So kann beispielsweise eine Tagesbetreuung des Patienten die Angehörigen erheblich entlasten und ihnen etwas Druck nehmen. 

Der Verlauf einer Parkinson-Erkrankung ist fortschreitend – wie schnell sich die Krankheit weiterentwickelt, ist jedoch von Person zu Person unterschiedlich. © Jupiterimages/Creatas Images

Der Verlauf einer Parkinson-Erkrankung ist fortschreitend – wie schnell sich die Krankheit weiterentwickelt, ist jedoch von Person zu Person unterschiedlich.

Je weiter Parkinson fortgeschritten ist, desto höher ist das Risiko für Komplikationen. Hierzu zählen etwa Infektionen der Atemwege – zum Beispiel eine  Lungenentzündung –, schwere Stürze oder Schluckstörungen. Diese Komplikationen können mitunter lebensbedrohlich sein.

Parkinson: Wie kann man vorbeugen?

Bisher sind keine Maßnahmen bekannt, mit denen Sie Parkinson (Morbus Parkinson, Parkinson-Syndrom) gezielt vorbeugen könnten.

Aber: Je früher Parkinson erkannt wird, desto besser sind auch die Chancen, die Lebensqualität langfristig zu erhalten.

Mögliche erste Hinweise auf Parkinson sind zum Beispiel

Solche Symptome können viele Ursachen haben – sie können aber auch auf einen beginnenden Morbus Parkinson hinweisen. Zögern Sie daher nicht, bei Beschwerden den Arzt aufzusuchen.

Parkinson: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Parkinson (Morbus Parkinson, Parkinson-Syndrom)”:

Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

www.kompetenznetz-parkinson.de
Das Kompetenznetzwerk Parkinson-Syndrom ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes nationales Projekt mit dem Ziel, Forschungs- und Versorgungsaktivitäten zu optimieren.

www.parkinson-selbsthilfe.de
Informationen der Deutschen Parkinson Vereinigung sowie weitere Selbsthilfe-Angebote.

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Parkinson Schweiz
Gewerbestraße 12a
Postfach 123, CH-8132 Egg
+41 43 277 20 77
www.parkinson.ch
info@parkinson.ch

Parkinson Selbsthilfe Österreich
Hauptstr. 2a
A-7442 Lockenhaus/Hochstraß
+43 (0)664 -78 222 03
www.parkinson-oesterreich.at

Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung

Postfach 70 04 32
D 60554 Frankfurt am Main
+49 (0) 69 67 77 80 21
hilde-ulrichs-stiftung@parkinsonweb.com
www.parkinsonweb.com

Deutsche Parkinson Vereinigung, Bundesverband e.V.
Moselstraße 31
D-41464 Neuss
+49 (0) 2131 - 740 270
bundesverband@parkinson-mail.de
www.parkinson-vereinigung.de

Quellen:

Online-Informationen der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V.: www.parkinson-vereinigung.de (Abrufdatum: 16.5.2017)

Online-Informationen vom Kompetenznetz Parkinson: www.kompetenznetz-parkinson.de (Abrufdatum: 16.5.2017)

Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 8.4.2015)

Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Idiopathisches Parkinson-Syndrom. AWMF-Leitlinien-Register-Nr. 030/010 (Stand: 1. Januar 2016)

Pérez-González, P.: Ambulante videounterstützte Parkinsontherapie. e-Health 2010, pp. 222-226. Medical Future, Solingen 2010

Stand: 16. Mai 2017

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