Norovirus-Infektion – kurz, aber heftig

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (09. Juni 2017)

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Hinter plötzlichen Durchfallerkrankungen steckt als Ursache oft das Norovirus. Vor allem kleine Kinder und ältere Menschen erkranken häufig durch Noroviren.

Was ist das Norovirus?

Das Norovirus (früher auch Norwalk-like-Virus genannt) ist ein hochansteckender Krankheitserreger, der beim Brechdurchfall auslösen kann. Bereits 10 bis 100 Noroviren genügen, um eine Erkrankung durch das Virus auszulösen.

Wer einer Norovirus-Infektion vorbeugen will, sollte auf eine gründliche Händehygiene achten. Denn das kann das Erkrankungsrisiko effektiv senken. Vor allem nach dem Toilettengang, aber auch vor dem Zubereiten von Speisen sowie vor dem Essen sollte man sich die Hände waschen.

Norovirus-Infektion: Typische Symptome

Bei einer Norovirus-Infektion beginnen die Symptome typischerweise plötzlich: Die ersten Anzeichen sind starker Durchfall und schwallartiges Erbrechen. Die Beschwerden treten meist aus völligem Wohlbefinden heraus auf. Noroviren können so innerhalb weniger Stunden einen erheblichen Flüssigkeitsverlust verursachen. Vereinzelt kann es auch nur zu Durchfall oder nur zu Erbrechen kommen (anstatt zu Brechdurchfall).

Daneben kann eine Norovirus-Infektion weitere Symptome auslösen, wie:

Zusätzlich kann die Körpertemperatur leicht erhöht sein. Richtiges Fieber ruft das Norovirus jedoch eher selten hervor. Im Allgemeinen klingen die Symptome nach 12 bis 48 Stunden wieder ab. Bei manchen Betroffenen führt eine Norovirus-Infektion auch nur zu schwachen Beschwerden oder ruft gar keine Symptome hervor.

Norovirus-Infektion: Das sind die Ursachen

Die Norovirus-Infektion zählt zu den häufigen Ursachen für plötzliche Durchfallerkrankungen. Der Erreger ist hochansteckend und vor allem bei Kindern oft für akuten Brechdurchfall verantwortlich: Man geht davon aus, dass Noroviren bei Kindern für fast jede dritte nicht-bakteriell verursachte Durchfallerkrankung verantwortlich sind, bei Erwachsenen für etwa jede zweite.

Infos zum Erreger

Noroviren wurden erstmals im Jahr 1972 nachgewiesen und gehören zur Familie der Caliciviridae. Die Bezeichnung dieser Virusfamilie leitet sich vom lateinischen Wort Calix (= Becher, Kelch) ab und bezieht sich auf die Oberflächenstruktur der Viren. Zu den Caliciviridae gehören vier Gruppen: Zwei davon – die Noroviren und die Sapoviren – können beim Menschen zu Erkrankungen führen, die beiden anderen bei Tieren.

Norovirus-Infektion: Elektronenmikroskopische Aufnahme von Noroviren © RKI

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Noroviren

So steckt man sich an

Das Norovirus führt überwiegend auf "fäkal-oralem Weg" zur Ansteckung: Das heißt, eine infizierte Person scheidet Noroviren über den Stuhl aus, ein anderer Mensch nimmt sie über den Mund auf. Zu solch einer "Schmierinfektion" kommt es in der Regel, indem das Virus von infizierten Menschen beziehungsweise deren Ausscheidungen (z.B. bei ungenügender Händehygiene nach dem Toilettengang)

  • auf Nahrungsmittel (v.a. Fisch und Meeresfrüchte)
  • oder in Trinkwasser (verunreinigtes Wasser) gelangt.
  • Auch fäkal verunreinigte Gegenstände kommen für eine Norovirus-Infektion als Ursache infrage.

Nicht nur der Stuhl, auch das Erbrochene enthält Noroviren und kann zur Ansteckung anderer Personen führen. Beim schwallartigen Erbrechen gelangen winzige virushaltige Tröpfchen in die Luft, die andere infizieren können, wenn sie in den Mundraum gelangen (sog. Tröpfcheninfektion).

Noroviren werden von Mensch zu Mensch übertragen. Nach bisherigen Erkenntnissen ist der Mensch das einzige Erregerreservoir für das Norovirus. Zwar hat man auch bei Katzen oder Schweinen bereits Noroviren nachgewiesen, sie scheinen für die Krankheitsübertragung aber keine Rolle zu spielen.

Norovirus-Infektion: Man sieht die elektronenmikroskopische Aufnahme einer Stuhlprobe mit Noroviren. © RKI

Stuhlprobe eines Patienten mit Norovirus-Infektion. Die Pfeile zeigen auf Bereiche mit Noroviren. Die größeren Formen sind unterschiedliche Darmbakterien.

Inkubationszeit

Wie lange es dauert, bis ein mit dem Norovirus infizierter Mensch Krankheitssymptome entwickelt, ist unterschiedlich: Im Durchschnitt beträgt die Inkubationszeit 6 bis 50 Stunden.

Wie lange ist eine Norovirus-Infektion ansteckend?

Solange akute Krankheitssymptome auftreten, gelten Betroffen mit Norovirus-Infektion als hochansteckend. Aber auch in den 48 Stunden nachdem die Symptome abgeklungen sind, ist die Gefahr einer Ansteckung groß.

Manche Betroffene scheiden nach einer überstandenen Infektion sogar noch etwa ein bis zwei Wochen lang Noroviren aus, in Einzelfällen auch länger.

Wie lange ist man nach einer Norovirus-Infektion immun?

Nach einer durchgemachten Norovirus-Infektion sind Betroffene nur vorübergehend immun und deshalb nur für kurze Zeit vor weiteren Infektionen mit dem Erreger geschützt.

Häufigkeit

Grundsätzlich kann das Norovirus in jedem Alter zur Erkrankung führen. Allerdings ist es besonders häufig bei Kindern unter 5 Jahren und älteren Menschen über 70 Jahren für akuten Brechdurchfall verantwortlich. Aus diesem Grund haben häufen sich insbesondere in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen, aber auch in Krankenhäusern oder Alten- und Pflegeheimen immer wieder Norovirus-Fälle: So kam es zum Beispiel im Herbst 2012 in Deutschland zu einem großen lebensmittelbedingten Ausbruch, der mehrere Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen betraf und hinter dem mit Noroviren verunreinigte Tiefkühlerdbeeren (bzw. daraus hergestellte Produkte) steckten.

Durchfallerkrankungen durch das Norovirus können das ganze Jahr über auftreten. Die Norovirus-Infektion tritt jedoch mit saisonaler Häufung in den Monaten November bis April auf; sie erreicht also im Winter ihren Häufigkeitsgipfel. Bislang zeichnete sich in Deutschland eine stetige Zunahme der Infektionen durch Noroviren ab; erst in den letzten Jahren sind die Zahlen wieder leicht zurückgegangen.

Warum erkrankt man vor allem im Winter am Norovirus?
Warum sich Norovirus-Infektionen gerade im Winter häufen, ist noch nicht vollends geklärt. Einige Wissenschaftler vermuten, dass die Noroviren in der trockenen, kalten Winterluft stabiler sind. Im Winter gibt es zudem weniger Sonnenlicht und damit auch weniger UV-Strahlung, welche das Norovirus inaktiv machen kann. Dadurch kann das Norovirus im Winter häufiger übertragen werden und häufiger zu Infektionen führen.

Wer eine Norovirus-Infektion durchgemacht hat, ist außerdem kurzzeitig immun gegen eine erneute Infektion mit demselben Virusstamm. Je mehr Menschen durch eine Infektion immun sind, desto weniger nicht-immune Menschen stecken sich an – das Norovirus kann sich nicht weiter ausbreiten. Auf diese Weise erreicht die sogenannte Herdenimmunität im Frühjahr ihren Höhepunkt und führt dazu, dass die Infektionshäufigkeit für diesen Virusstamm sinkt – neue Infektionen sind erst dann möglich, wenn sich das Norovirus genetisch verändert und einen neuer Virusstamm entsteht. Dieser kann dann im nächsten Winter wieder zu neuen Norovirus-Ausbrüchen führen.

Pro Jahr gemeldete Norovirus-Fälle in Deutschland

Jahr Erkrankungen durch Noroviren
2015 89.045
2014 75.040
2013 89.322
2012 113.286
2011 116.109
2010 171.489
2009 175.378
2008 218.420
2007 206.119
2006 75.345
2005 62.632
2004 64.965
2003 41.740
2002 51.607
2001 9.223

Meldepflicht für Norovirus-Infektionen

Laut Infektionsschutzgesetz besteht für den direkten Nachweis des Norovirus im Stuhl eine Meldepflicht. Der Verdacht auf eine Norovirus-Infektion und die Erkrankung an einer akuten Durchfallerkrankung sind dagegen nur dann meldepflichtig, wenn die betroffene Person eine Tätigkeit nach § 42 (d.h. in der Lebensmittelbranche, wie z.B. Küchen, Imbiss, Gaststätten oder der Lebensmittelherstellung) ausübt oder wenn mindestens zwei oder mehr gleichartige Erkrankungen auftreten, bei denen ein epidemiologischer Zusammenhang wahrscheinlich oder zu vermuten ist.

Norovirus-Infektion: Diagnose

Die einzige Möglichkeit, bei einer Norovirus-Infektion eine sichere Diagnose zu stellen, besteht darin, die ursächlichen Viren nachzuweisen. Das ist bisher nur in Speziallaboren möglich. Es stehen drei Methoden zur Verfügung, mit der sich Noroviren im Stuhl nachweisen lassen:

  • Nachweis von Virus-Erbinformationen (RT-PCR)
  • Nachweis von Virus-Eiweißen (ELISA)
  • optischer Nachweis mit dem Elektronenmikroskop

Die Anzüchtung von Noroviren in Zellkulturen ist nicht möglich.

Diese aufwendigen Nachweismethoden kommen jedoch normalerweise nur dann zum Einsatz,

  • wenn keine andere Ursache für den Durchfall (mit oder ohne Erbrechen) bekannt ist.
  • wenn Symptome wie Durchfall und Erbrechen mehrere Menschen in Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Altenheimen oder Krankenhäusern betreffen.

Norovirus-Infektion: Behandlung – was kann man tun?

Bislang gibt es kein Medikament, das speziell gegen eine Norovirus-Infektion wirkt. Antibiotika eignen sich nicht zur Behandlung, da diese Medikamente nur gegen Bakterien wirken. Man versucht daher bei einer Norovirus-Infektion vor allem, die Symptome zu lindern.

Bei einer leichten Norovirus-Infektion sind zur Behandlung folgende Maßnahmen empfehlenswert:

Geht die Norovirus-Infektion mit starkem Erbrechen einher, können zur Behandlung – nach ärztlicher Absprache – Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen (sog. Antiemetika) zum Einsatz kommen, um die Beschwerden zu bessern.

Für Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere, ältere und geschwächte Menschen kann eine Durchfallerkrankung wie die Norovirus-Infektion Risiken mit sich bringen. Bei ihnen sollte deshalb ein Arzt hinzugezogen werden, wenn der Durchfall länger als zwei bis drei Tage anhält – insbesondere wenn zusätzlich weitere Symptome wie Fieber und / oder Erbrechen auftreten.

Kinder reagieren empfindlicher als Erwachsene auf den mit Durchfall und Erbrechen einhergehenden Flüssigkeitsverlust – und zwar umso stärker, je jünger sie sind. Für sehr junge, aber auch für ältere Menschen ist der Wasserverlust mitunter sogar lebensbedrohlich. Sie benötigen als Behandlung deshalb unter Umständen nicht nur ausreichend Wasser, sondern eine spezielle Elektrolytlösung, um die Verluste auszugleichen.

Elektrolytlösungen (sog. orale Rehydratationslösungen) erhalten Sie auch freiverkäuflich in der Apotheke, meist als Pulver oder Granulat zum Auflösen in Wasser. Diese Präparate enthalten zum Beispiel eine Mischung aus Natriumchlorid (Kochsalz), Kaliumchlorid oder Natriumcitrat sowie Traubenzucker. Selbsthergestellte Mischungen aus Saft, Salz, Zucker und Wasser sind bei einer Infektion mit dem Norovirus dagegen nicht empfehlen.

Generell sollten Kinder während einer Norovirus-Infektion mehr trinken als sonst. Je nach Alter und vorheriger Kost eignet sich zum Beispiel ungesüßter Kräutertee oder Wasser. Soweit möglich, stillen oder füttern Sie das Kind außerdem normal – eine spezielle Schon- oder Aufbaukost oder längere Nahrungspausen während der Behandlung sind nicht nötig.

Keine Cola-Getränke für Kinder bei Durchfall

Cola-Getränke eignen sich für Kinder nicht als "Hausmittel" gegen Durchfall. Cola-Getränke enthalten sehr viel Zucker, welcher die bei Durchfall ohnehin schon gesteigerte Abgabe von Wasser aus dem Körper in den Darmkanal fördert. Zudem verstärkt das in der Cola enthaltene Koffein den Kaliumverlust. Cola-Getränke können daher den Durchfall sowie den Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten verstärken.

Bei ansonsten gesunden Erwachsenen bessern sich die Symptome einer Norovirus-Infektion meist auch ohne spezielle Therapie; Medikamente sind oft nicht nötig. Dennoch ist es auch für Erwachsene wichtig, ausreichend zu trinken. Bei einer schwereren Norovirus-Infektion können Elektrolyt-Präparate aus der Apotheke auch für Erwachsene sinnvoll sein.

Cola-Getränke und Salzstangen für Erwachsene?

Cola-Getränke und Salzstangen sind für Erwachsene, die nur leichten Durchfall und Erbrechen haben, als "Hausmittel" zwar nicht unbedingt schädlich – aber auch nicht wirklich zu empfehlen. Salzstangen liefern vor allem Natrium, während der Körper auch Kalium benötig. Wer auf Cola und Salzstangen nicht verzichten will, sollte zusätzlich Bananen essen, da diese viel Kalium enthalten.

Bei einer schweren Norovirus-Infektion kann unter Umständen eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich sein. Dort erhalten die Betroffenen die benötigte Flüssigkeit sowie Elektrolyte und Nährstoffe über eine Vene als Infusion oder über eine Nasensonde direkt in den Magen.

Verlauf & Dauer von Norovirus-Infektionen

Eine Norovirus-Infektion beginnt in der Regel plötzlich und aus völligem Wohlbefinden heraus mit starkem Durchfall und Erbrechen. Innerhalb weniger Stunden kann es so zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust kommen. Meist nimmt die Norovirus-Infektion einen leichten bis mittelschweren Verlauf und bessert sich nach etwa 12 bis 24 Stunden von selbst. Bei schweren Verläufen kann aber auch eine Behandlung im Krankenhaus notwendig werden.

Mögliche Komplikationen

Bei schweren Verläufen kann es durch den teils starken Flüssigkeits- und Elektrolytverlust zu möglicherweise lebensbedrohlichen Komplikationen kommen, wie zum Beispiel:

Norovirus-Infektion: Vorbeugen

Einer Norovirus-Infektion können Sie zwar nicht direkt vorbeugen – Sie können jedoch Maßnahmen ergreifen, die das Infektionsrisiko senken. Das lässt sich bereits mit der Einhaltung einfacher Hygieneregeln – wie zum Beispiel regelmäßigem Händewaschen – effektiv erreichen: Wer sich beim Händewaschen 30 Sekunden lang die Hände einseift, verringert die Keimzahl auf den Händen um 90 bis 99 Prozent. 

Waschen Sie sich die Hände am besten immer

  • nach dem Toilettengang.
  • bevor Sie Speisen zubereiten.
  • vor dem Essen.

Eine Schutzimpfung gegen Noroviren gibt es bislang nicht.

Norovirus-Infektion: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Norovirus-Infektion":

Onmeda-Linktipps:

Händewaschen
Forum Reizdarm & Durchfall (expertenbetreut)

Quellen:

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Epidemiologisches Bulletin Nr. 19/2014: Epidemiologische und molekular-epidemiologische Aspekte in Deutschland ab der Saison 2009/2010 bis Ende 2013. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 12.5.2014)

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Epidemiologisches Bulletin Nr. 41/2012: Großer Gastroenteritis-Ausbruch durch eine Charge mit Noroviren kontaminierter Tiefkühlerdbeeren in Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen in Ostdeutschland, 09 – 10/2012. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 15.10.2012)

Epidemiologisches Bulletin Nr. 4/09: Deutschland erlebt das dritte Jahr in Folge eine Norovirus-Winterepidemie. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 26.01.2009)

Koletzko, S., et al.: Akute infektiöse Durchfallerkrankung im Kindesalter. Deutsches Ärzteblatt Jg. 106, Bd. 33, pp. 539-47 (Stand: 2009)

Noroviren-Infektionen. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 26.7.2008)

Lopman, B., et al.: The Evolution of Norovirus, the "Gastric Flu". PLoS Medicine, Vol. 5, Iss. 2 (e42), pp. 0187-0189 (Februar 2008)

Bachmann, S.: Hausmittel in der modernen Medizin. Urban & Fischer, München 2005

Burkart, G.: Durchfall: Vorsicht vor den "Hausmitteln". Deutsches Ärzteblatt, Jg. 94, Bd. 21, Supplement (Stand: 23.5.1997)

Aktualisiert am: 9. Juni 2017