Muskelfaserriss: Stechende Schmerzen im Muskel

Veröffentlicht von: Till von Bracht (27. Juni 2016)

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Ein Muskelfaserriss gehört zu den häufigsten Verletzungen im Sport. Fast jeder Sportler war schon einmal von einem Muskelfaserriss betroffen – egal ob Fußballer, Tennisspieler oder Sprinter. Und Woche für Woche fallen in der Bundesliga viele Profifußballer wegen eines Muskelfaserrisses in der Wade oder im Oberschenkel aus.

Typisch für einen Muskelfaserriss sind plötzlich auftretende, stechende Schmerzen im Muskel – ähnlich wie ein Messerstich. Die Folge: Nichts geht mehr. Der Sportler kann das betroffene Bein oder den Arm nicht mehr richtig bewegen, geschweige denn belasten. Häufig lässt sich auch eine "Delle" im Muskel ertasten.

Bis der Sportler nach einem Muskelfaserriss wieder wie gewohnt Sport treiben darf, dauert es rund sechs Wochen – bei schweren Muskelfaserrissen kann es unter Umständen sogar bis zu 16 Wochen dauern, bis der Muskel vollständig verheilt ist. 

Egal ob Profi oder Amateur: Als Ursache für einen Muskelfaserriss liegt fast immer ein falsches Verhalten beim Sport zugrunde. Besonders häufig treten Muskelfaserrisse auf, wenn

  • man sich vor dem Sport nicht aufwärmt,
  • die Muskulatur übermüdet ist
  • und man sich beim Sport überfordert.

Daher kommen Muskelfaserrisse vor allem in den Sportarten vor, in denen die Sportler ständig beschleunigen und abbremsen – zum Beispiel beim Fußball. Durch einen schnellen Richtungswechsel kommt es ganz plötzlich zu einem Wechsel zwischen Maximalbelastung und Überdehnung, wodurch einige Muskelfasern zerreißen.

Das Bild zeigt einen Profifußballer, der mit einem Muskelfaserriss am Boden liegt. © Getty Images

Ein typisches Bild im Profifußball: Ein Spieler hat sich einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen und muss ausgewechselt werden.

Was passiert eigentlich bei einem Muskelfaserriss?

Jeder Skelettmuskel besteht aus vielen parallel angeordneten Muskelfasern, die zu mehreren Muskelfaserbündeln zusammengefasst werden. Diese Faserbündel wiederum sind von einer bindegewebsartigen Struktur, der Muskelfaszie, umhüllt und bilden so einen gut abgrenzbaren Einzelmuskel.

Anders als die Bezeichnung "Muskelfaserriss" vermuten lässt, reißt bei einem Muskelfaserriss meist nicht nur eine einzelne Muskelfaser, sondern in der Regel ein ganzes Muskelfaserbündel. Sind mehrere Muskelfaserbündel einschließlich der bindegewebigen Hüllen verletzt, spricht man von einem Muskelbündelriss.

Muskelfaserriss: Wie sieht die Behandlung aus?

Einen Muskelfaserriss behandelt man in der Regel konservativ – das bedeutet ohne Operation. Bewährt hat sich die Therapie nach dem sogenannten PECH-Schema. Die Buchstaben "PECH" stehen für die wichtigsten Erstmaßnahmen bei einem Muskelfaserriss:

  • Pause
  • Eis
  • Compression
  • Hochlagerung

Konkret bedeutet das: Stellen Sie den betroffenen Muskel umgehend nach der Verletzung für ein bis zwei Tage ruhig. Betrifft der Muskelfaserriss etwa die Wade oder den Oberschenkel, empfiehlt es sich, das betroffene Bein mithilfe einer Unterarmgehstütze zu entlasten. Nach 72 Stunden sind gegebenenfalls leichte aktive Muskelübungen ratsam.

Für Amateure und Profis gilt gleichermaßen: Eine gute Fitness und sorgfältiges Aufwärmen können vor einem Muskelfaserriss schützen. Ob auch Dehnübungen vor einem Muskelfaserriss schützen, ist wissenschaftlich nicht eindeutig bewiesen. Wenn Sie sich dehnen möchten, sollten Sie vorher Ihre Muskulatur aufwärmen. Daher stehen Dehnübungen häufig am Ende einer Trainingseinheit.

Ebenfalls wichtig: Sportler sollten ihren Muskelfaserriss nicht verharmlosen! Beginnen Sie nach einem Muskelfaserriss nicht zu früh mit dem Training. Falscher Ehrgeiz birgt die Gefahr weiterer Muskelverletzungen. Ein nicht verheilter Muskelfaserriss kann bei weiterer Belastung zu einem Muskelriss führen.

Stattdessen sollten Sie Ihrem Körper Zeit geben, die Verletzung auszukurieren. Vom Arzt empfohlene Sportpausen sind Teil der Muskelfaserriss-Behandlung – Betroffene sollten sich an die Empfehlungen halten!