Mumps: Typisch sind die "Hamsterbacken"

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (09. November 2017)

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Mumps (Parotitis epidemica) gilt als klassische Kinderkrankheit. Aber auch Erwachsene können daran erkranken. Typisches Symptom sind die "Hamsterbacken": Sie entstehen, weil die Ohrspeicheldrüsen entzündet sind.

Was ist Mumps?

Mumps (Parotitis epidemica) – umgangssprachlich Ziegenpeter – ist eine akute Viruserkrankung. Sie ist meist mit einer schmerzhaften Schwellung der Ohrspeicheldrüsen und Fieber verbunden. Bei einem Teil der Infizierten verläuft Mumps ohne Beschwerden.

Mumps ist eine meldepflichtige Erkrankung. Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen wie Pflegeheimen, Schulen oder Kindergärten müssen das zuständige Gesundheitsamt informieren, wenn bei ihnen Fälle von Mumps auftreten.

Wie häufig ist Mumps?

Mumps ist weltweit verbreitet. Die meisten Personen stecken sich zwischen dem 4. und 15. Lebensjahr mit dem Virus an. Danach sind 90 Prozent von ihnen immun gegen die Erkrankung und können sich nicht erneut anstecken. Allerdings sind in den letzten Jahren gehäuft Fälle aufgetreten, bei denen die Erkrankten entweder geimpft oder deutlich älter waren.

Dank der Mumps-Masern-Röteln-Impfung erkranken in Deutschland immer weniger Menschen an Mumps.

Was passiert eigentlich im Körper, wenn man sich mit Mumps ansteckt? Und wie entstehen die typischen "Hamsterbacken"? Die Antworten finden Sie in unserem Video.

Mumps: Typische Symptome

Etwa 30 bis 40 von 100 Infizierten haben keine Symptome und merken somit nichts von der Erkrankung – sie können jedoch andere Menschen mit Mumps (Parotitis epidemica) anstecken.

Zu häufigen Symptomen von Mumps zählen vor allem Fieber und eine Schwellung der Ohrspeicheldrüsen ("Hamsterbacken").

Typische Symptome im Anfangsstadium von Mumps sind

Nach ein bis zwei Tagen entwickelt sich die schmerzhafte Schwellung der Ohrspeicheldrüsen (Parotitis). Es entstehen die charakteristischen "Hamsterbacken", wodurch sich die Ohrläppchen heben. Meist sind beide Ohrspeicheldrüsen betroffen. Bei etwa zwei bis drei von zehn Erkrankten tritt die Schwellung nur einseitig auf. Die zweite Seite schwillt gegebenenfalls erst nach weiteren zwei bis drei Tagen an. Das Kauen tut weh, und auch das Drehen des Kopfes ist mit Schmerzen verbunden.

Bei einigen Patienten schwellen auch andere Speicheldrüsen und die Lymphknoten in der Nähe der Ohrspeicheldrüsen an.

Bei Erwachsenen sind die Symptome häufig stärker ausgeprägt.

Man sieht ein Kind mit Mumps. © Okapia

Typische Schwellung der Speicheldrüsen bei Mumps (© NAS/Biophoto Associates/OKAPIA)

Man sieht einen jungen Mann mit Mumps. © Okapia

Einseitige Schwellung der Speicheldrüsen (© Clinica Clarós/ISM/OKAPIA)

Mumps kann zu verschiedenen Folgeerkrankungen führen. Dazu zählen vor allem

  • Hirnhautentzündung (Meningitis): Sie muss nicht unbedingt mit Beschwerden verbunden sein. Erster Hinweis auf eine Hirnhautentzündung können starke Kopfschmerzen, Fieber und ein steifer Nacken sein. Selten entsteht parallel dazu eine Entzündung des Gehirns (sog. Meningoenzephalitis).
  • Schwerhörigkeit: Entzünden sich zusätzlich zur Hirnhautentzündung der Hörnerv und das Innenohr, kann Schwerhörigkeit die Folge sein. Diese klingt in der Regel nach einiger Zeit wieder ab.
  • Hodenentzündung (Orchitis): Im Kindesalter kommt eine Hodenentzündung in der Regel nicht vor, sondern erst nach der Pubertät und bei schwer verlaufenden Infektionen im Erwachsenenalter. Mögliche Symptome sind geschwollene, schmerzende Hoden, eine gerötete, warme Haut am betroffenen Bereich und Harndrang.

Auch die Bauchspeicheldrüse, die Eierstöcke und die Brustdrüsen können sich bei Mumps entzünden. In sehr seltenen Fällen sind auch andere Organe betroffen, zum Beispiel:

Mumps: Ursachen

Mumps (Parotitis epidemica) wird durch Viren ausgelöst. Mumps-Viren gehören zur Familie der sogenannten Paramyxoviren. Im Gegensatz zum Menschen können sich Tiere mit dem Mumps-Virus nicht infizieren.

Mumps wird hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion übertragen: Wenn eine erkrankte Person hustet, niest oder spricht, können kleinste, virushaltige Speicheltröpfchen in die Luft gelangen. Wenn eine andere Person diese Tröpfchen einatmet, kann sie sich mit dem Mumps-Virus anstecken.

Auch durch direkten Speichelkontakt ist eine Infektion möglich, zum Beispiel beim Küssen. In seltenen Fällen können auch gemeinsam benutztes Geschirr und Besteck eine Infektionsquelle sein.

Nach der Ansteckung dauert es zwischen 12 und 25 Tage (im Durchschnitt: 16-18 Tage), bis sich die ersten Symptome von Mumps zeigen.

Schon vor den ersten Symptomen ansteckend

Mumps-Infizierte sind bereits bis zu 7 Tage vor dem erkennbaren Ausbruch der Mumps-Erkrankung ansteckend. Die höchste Ansteckungsgefahr besteht 1 bis 2 Tage vor und bis zu 4 Tage nach Auftreten der ersten Symptome.

Wer einmal an Mumps erkrankt war, ist in der Regel lebenslang gegen das Virus immun. Nur in seltenen Fällen tritt die Erkrankung ein zweites Mal auf.

Neugeborene und Säuglinge, deren Mutter bereits Mumps hatte oder dagegen geimpft ist, sind für einige Monate vor Mumps geschützt und können sich nicht anstecken. Der Grund: Die Antikörper, die die Mutter gegen das Virus gebildet haben, gehen über die Plazenta auf das Ungeborene über. Dieser "Nestschutz" baut sich allerdings mit der Zeit wieder ab.

Mumps: Diagnose

Häufig kann der Arzt Mumps (Parotitis epidemica) bereits anhand der charakteristischen Ohrspeicheldrüsenschwellung und den sogenannten "Hamsterbacken" erkennen.

Sind die Symptome nicht typisch und fehlt die Schwellung der Ohrspeicheldrüsen, wird der Arzt gegebenenfalls Blut abnehmen, um die Diagnose zu sichern. Bei einer einer Mumps-Infektion lassen sich im Blut spezifische Eiweiße (Antikörper) gegen das Mumps-Virus nachweisen. In besonderen Fällen ist auch ein Erregernachweis aus einem Rachenabstrich, Speichel, Gehirnflüssigkeit, Urin oder Gewebeproben möglich.

Mumps: Therapie

Mumps klingt in der Regel von allein wieder ab. Bei der Behandlung geht es in erster Linie darum, die Symptome zu lindern, zum Beispiel mit

  • fiebersenkenden Medikamente (Antipyretika),
  • Schmerzmitteln (Analgetika) oder
  • warmen Ölverbänden.

Kommt es im Verlauf zu Folgeerkrankungen, müssen diese entsprechend behandelt werden. So ist beispielsweise bei einer schweren Hirnhautentzündung (Meningitis) eine Therapie im Krankenhaus nötig. Bei einer durch Mumps verursachen Hodenentzündung helfen das Hochlagern der Hoden, Schmerzmittel und Kortisonpräparate.

Ist ein schwerer Verlauf zu erwarten oder tritt Mumps bei Personen auf, die besonders gefährdet für Komplikationen sind, wird der Arzt unter Umständen auf ein sogenanntes Mumps-Immunglobulin zurückgreifen. Dieses enthält spezielle Antikörper gegen das Mumps-Virus und kann den Verlauf der Erkrankung möglicherweise mildern.

Tipps für Eltern

Ist Ihr Kind an Mumps erkrankt, können folgende Ratschläge hilfreich sein:

  • Behalten Sie Ihr Kind zu Hause, damit sich – z.B. in Schule oder Kindergarten – niemand ansteckt. Ihr Kind darf nicht in Gemeinschaftseinrichtungen gehen, solange die typischen Beschwerden bestehen. Bis zu 9 Tage nach Beginn der Schwellung können Infizierte noch ansteckend sein. Fragen Sie Ihren Arzt, wann Ihr Kind wieder in die Schule oder in den Kindergarten gehen darf!
  • Hat ihr Kind Fieber oder andere stärkere Beschwerden, sollte es im Bett bleiben.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind ausreichend trinkt, wenn es Fieber hat.
  • Um das Fieber zu senken, können Sie kühle Wadenwickel machen.
  • Kühlen Sie die Ohrspeicheldrüsen. In einigen Fällen helfen auch warme Ölverbände.
  • Geben Sie Ihrem Kind breiige Nahrung und vermeiden Sie saure Flüssigkeiten, da sonst die Speicheldrüsen vermehrt arbeiten müssen.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind regelmäßig die Zähne putzt bzw. putzen Sie sie und lassen Sie Ihr Kind mit desinfizierenden Substanzen gurgeln. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten.

Mumps: Verlauf

In den meisten Fällen heilt Mumps (Parotitis epidemica) ohne Komplikationen wieder ab. Die Symptome sind nach ein bis zwei Wochen verschwunden. Bei manchen Personen entwickelt sich eine Hirnhautentzündung (Meningitis), die oft unbemerkt verläuft und praktisch immer eine gute Prognose hat.

Welche Komplikationen sind möglich?

Komplikationen kommen bei Mumps eher selten vor. Dazu zählen unter anderem

  • eine meist vorübergehende Schwerhörigkeit durch eine Entzündung von Hörnerven und Innenohr
  • eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) mit dem Risiko, dass bleibende Hirnschäden entstehen. In seltenen Fällen verläuft die Enzephalitis tödlich
  • eine Hoden- oder Nebenhodenentzündung, die in seltenen Fällen zur Unfruchtbarkeit führen kann
  • eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), die einen ernsten Verlauf nehmen kann

Bislang konnte nicht bewiesen werden, dass Mumps in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten das Risiko für eine Fehlgeburt erhöht. Auch scheinen Missbildungen oder Frühgeburten nicht häufiger vorzukommen als bei Müttern, die während der Schwangerschaft nicht an Mumps erkrankt waren.

Mumps: Vorbeugen mit Mumps-Masern-Röteln-Impfstoff

Mumps (Parotitis epidemica) kann man wirksam mit einer Schutzimpfung vorbeugen. Diese verabreicht der Arzt als Kombinationsimpfung mit einem Mumps-Masern-Röteln-Impfstoff.

Bei der Impfung wird ein sogenannter Lebendimpfstoff in abgeschwächter Form verwendet. In der Regel werden Kinder zweifach geimpft. Die erste Dosis erhalten sie zwischen dem 11. und 14. Monat in Kombination mit einem Masern- und Röteln-Impfstoff. Häufig verabreicht der Arzt auch gleichzeitig einen Impfstoff gegen Windpocken (Varizellen).

Die zweite Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln und Windpocken bekommt das Baby im Alter von 15 bis 23 Monaten.  Die Impfung gilt als gut verträglich. Die Einstichstelle kann für einige Tage gerötet und geschwollen sein. Auch können allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber oder Müdigkeit die Folge sein. Zu schweren Erkrankungen kommt es nach einer Mumps-Impfung nur in sehr seltenen Fällen.

Nach der zweiten Impfung ist man für Jahrzehnte bis lebenslang gegen das Mumps-Virus immun. In seltenen Fällen kann Mumps jedoch trotz vollständiger Impfung auftreten.

In Deutschland wird die zweifache Mumps-Masern-Röteln-Impfung (MMR) von der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts (STIKO) für alle Kinder empfohlen. Auch im Erwachsenenalter ist eine einmalige MMR-Impfung bei bestimmten Personengruppen sinnvoll. Dazu zählen vor allem ungeimpfte Personen, die nach 1970 geboren sind und in Gesundheitsdienstberufen in der unmittelbaren Patientenversorgung, in Ausbildungseinrichtungen für junge Erwachsene oder in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten oder Schulen arbeiten.

Mumps: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Mumps (Parotitis epidemica)":


Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Mumps-Impfung bei Kindern. Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.impfen-info.de (Abrufdatum: 9.11.2017)

Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin Nr. 34/2017. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 24. August 2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Mumps. Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.infektionsschutz.de (Stand: 25.4.2016)

Mumps (Parotitis epidemica). RKI-Ratgeber für Ärzte. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 20.12.2013)

Kerbl, R., Kurz, R., Roos, R., Wessel, L.: Checkliste Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2015

Aktualisiert am: 9. November 2017

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