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Magengeschwür (Ulcus ventriculi)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (23. Juni 2017)

© Jupiterimages/iStockphoto

Bei einem Magengeschwür (Ulcus ventriculi) ist die Magenschleimhaut an einer Stelle beschädigt. Ein Ulkus gehört zu den häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen und entsteht zumeist, wenn die Magenschleimhaut nicht mehr ausreichend gegen die aggressive Magensäure geschützt ist. Häufig ist auch eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori die Ursache.

Jeder zehnte Deutsche leidet im Laufe seines Lebens mindestens einmal an einem Magengeschwür. Damit zählt es zu den häufigsten Erkrankungen des Magens. Jedes Jahr erkranken ungefähr 50 von 100.000 Menschen daran. Die meisten Betroffenen sind über 50 Jahre alt und haben wiederkehrende Magengeschwüre.

Was ist ein Magengeschwür?

Bei einem Magengeschwür (Ulcus ventriculi) ist die Magenschleimhaut an einer Stelle beschädigt. In der Kurzform nennen Mediziner es verkürzt auch einfach nur Ulkus (von lat. ulcus = Geschwür).

Bei einem Magengeschwür sind tiefere Schichten der Magenwand geschädigt. Magengeschwüre entstehen vor allem in bestimmten Bereichen des Magens, in der sogenannten kleinen Kurvatur und im Antrum. Hierbei handelt es sich um die kleine Innenkrümmung des Magens beziehungsweise den Bereich vor dem Magenausgang.

Eine noch häufigere Magen-Darm-Erkrankung ist das Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni), an dem pro Jahr 150 von 100.000 Menschen erkranken.

Die Anatomie des Magens © LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese

Aufbau des Magens

Magengeschwür: Die typischen Symptome

Ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) kann sich durch sehr unterschiedliche Symptome bemerkbar machen:

  • Schmerzen im Oberbauch (bei oder nach der Nahrungsaufnahme)
  • Erbrechen
  • Unverträglichkeit bestimmter Lebensmittel
  • Gewichtsabnahme
  • Magenblutungen

Häufig drückt und schmerzt ein Magengeschwür im Oberbauch (sog. epigastrische Schmerzen; epigastrisch = den Oberbauch betreffend). Die Schmerzen bei einem Ulcus ventriculi können in Richtung Brustbein, Unterbauch oder auch in den Rücken ausstrahlen.

Bei vielen Betroffenen treten die charakteristischen Schmerzen dann auf, wenn sie Nahrung zu sich nehmen oder kurz darauf. Bei anderen ist genau das Gegenteil der Fall. Seltener klagen Patienten über Schmerzen bei leerem Magen (Nüchternschmerzen), die typischerweise nachts auftreten. Diese sind typisch für Patienten mit einem Zwölffingerdarmgeschwür.

Oberkörper mit hervorgehobenem Magen und Magengeschwür © iStock

Das häufigste Symptom bei einem Magengeschwür sind Schmerzen im Oberbauch.

Menschen mit einem Magengeschwür berichten außerdem gelegentlich über Symptome wie Erbrechen (z.B. bei Magengeschwüren nahe dem Magenausgang) und darüber, dass sie bestimmte Speisen nicht vertragen. Welche Nahrungsmittel das sind, ist jedoch bei Betroffenen mit Ulcus ventriculi individuell verschieden.

Erbrechen, eine Unverträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel oder auch Schmerzen bei der Nahrungsaufnahme können dazu führen, dass viele Betroffene an Gewicht verlieren. Kommt es infolge eines Magengeschwürs zu Magenblutungen, äußern sich diese entweder als Bluterbrechen (Hämatemesis) oder auch als schwarz gefärbter Stuhl (Teerstuhl, Meläna) durch das beigemischte, verdaute Blut.

Video: Magengeschwür

Verursacht ein Magengeschwür keine Symptome, erkennt der Arzt es meist nur als Zufallsbefund im Rahmen anderer Untersuchungen. Bei Personen, die bestimmte Schmerzmittel (nichtsteroidale Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure) einnehmen, ruft das Magengeschwür in den meisten Fällen keine Beschwerden hervor.

Magengeschwür: Körpereigene und äußere Ursachen

Ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) kann verschiedene Ursachen haben: körpereigene wie äußere Faktoren. Allen Entstehungsmechanismen gemeinsam ist ein gestörtes Gleichgewicht zwischen den aggressiven und den schützenden Mechanismen der Magenschleimhaut.

Die Magenschleimhaut, die den gesamten Mageninnenraum auskleidet, produziert den Magensaft. Die Zellen der Magendrüsen bilden die für den Verdauungsprozess nötigen Sekrete und Enzyme (Eiweiße, die biochemische Prozesse unterstützen) sowie die Magensäure. Ein weiteres Produkt der Magenschleimhaut ist der von den sogenannten Nebenzellen gebildete alkalische Schleim, der den Magen vor der aggressiven Magensäure schützt: Er bindet die Salzsäure des Magensafts und hindert den Magen so an einer Selbstverdauung. Sowohl körpereigene als auch äußere Faktoren können dieses Gleichgewicht stören und zu einem Magengeschwür führen.

Das Risiko, ein Magengeschwür zu entwickeln, ist bei Personen mit der Blutgruppe 0 erhöht. Die Ursachen hierfür sind bislang unbekannt. Ebenso haben Personen, deren Eltern bereits an einem Ulcus ventriculi erkrankt sind oder waren, ein erhöhtes Magengeschwür-Risiko. Frauen und Männer erkranken etwa gleich häufig am Magengeschwür.

Magenschleimhaut mit Magengeschwür © Jupiterimages/iStockphoto

Magenschleimhaut mit Schaden durch Magengeschwür

Körpereigene Faktoren

Übermäßige Bildung von Magensäure

Menschen, die ein Ulcus ventriculi im Bereich des Magenausgangs (Pylorus, sog. Pförtner) haben oder bei denen gleichzeitig ein Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür vorliegt, produzieren häufig zu viel Magensäure.

Störungen der Magenbewegungen

Gestörte Bewegungsabläufe im Magen (sog. Peristaltikstörungen) werden aktuell als wesentliche Magengeschwür-Ursachen diskutiert. Eine besondere Rolle spielt dabei die Bewegungskoordination zwischen dem Bereich vor dem Magenausgang (dem sog. Antrum) und dem Zwölffingerdarm, der sich unmittelbar an den Magen anschließt.

Bei Betroffenen mit solch einem gestörten Bewegungsablauf entleeren sich feste Speisen nur verzögert aus dem Magen. Gleichzeitig fließt vermehrt bereits mit Gallenflüssigkeit vermischte Nahrung aus dem Zwölffingerdarm in den Magen zurück. Dadurch ist die Magenschleimhaut den Gallensäuren ausgesetzt. Ein Magengeschwür kann entstehen.

Mangel an epidermalem Wachstumsfaktor

Einige Menschen mit Magengeschwür produzieren weniger epidermalen Wachstumsfaktor. Hierbei handelt es sich um ein bestimmtes Eiweiß, das die Reparatur von Schäden an der Magenschleimhaut fördert und die Säureproduktion des Magens hemmt. Fehlt dieser Wachstumsfaktor, entstehen häufiger Magengeschwüre.

Zollinger-Ellison-Syndrom und Nebenschilddrüsenüberfunktion

Zu den seltenen körpereigenen Faktoren, die ein Magengeschwür verursachen können, gehören das Zollinger-Ellison-Syndrom und die Nebenschilddrüsenüberfunktion.

Beim Zollinger-Ellison-Syndrom produziert ein Tumor in der Bauchspeicheldrüse oder im Zwölffingerdarm das Hormon Gastrin im Überschuss. Gastrin wiederum fördert eine übermäßige Säureproduktion im Magen und ein Ulcus ventriculi kann entstehen.

Bei einer Nebenschilddrüsenüberfunktion (Hyperparathyreoidismus) kommt es zu einem Überangebot an Calcium. Calcium stimuliert unter anderem ebenfalls Zellen, die Gastrin produzieren. Dadurch erhöht eine Nebenschilddrüsenüberfunktion letztendlich auch die Säureproduktion im Magen, was dazu führen kann, dass ein Ulcus ventriculi auftritt.

Äußere Faktoren

Nikotin und Alkohol

Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Genuss von Nikotin und Alkohol und der Entstehung von Magengeschwüren (Ulcus ventriculi) ist bisher nicht eindeutig nachgewiesen. Es ist jedoch bekannt, dass Rauchen die nächtliche Produktion der Magensäure fördert. Höherprozentiger Alkohol führt zu oberflächlichen Schleimhautentzündungen im Magen. Sowohl Nikotin als auch Alkohol sind demnach in der Lage, das Gleichgewicht zwischen aggressiven Faktoren (Magensäure) und schützenden Faktoren (gesunde Magenschleimhaut) zu stören.

Helicobacter pylori

Eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori kann eine chronische Magenschleimhautentzündung (Gastritis) hervorrufen. Zu den Folgeerkrankungen beziehungsweise Komplikationen gehört auch die Entstehung von Magengeschwüren. Bei circa 75 von 100 Menschen mit einem Ulcus ventriculi findet man Helicobacter pylori im Magen. Andererseits sind diese Bakterien häufig auch bei Menschen vorhanden, die keine Magengeschwüre haben und keine entsprechenden Symptome zeigen.

Medikamente

Für ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) können auch Medikamente wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) die Ursachen sein. Sie werden bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, aber auch bei Schmerzen, Fieber oder allgemein bei Entzündungen eingesetzt. NSAR-Schmerzmittel wie etwa die Acetylsalicylsäure schädigen die Magenschleimhaut und können dadurch zu Entzündungen und Geschwüren führen.

Kortison kann in seltenen Fällen ebenfalls Magengeschwüre verursachen. Bei einer Kortison-Therapie hängt die Entstehung von Magengeschwüren allerdings von der Dauer beziehungsweise der eingenommenen Kortisonmenge ab.

Nichtsteroidale Antirheumatika alleine erhöhen das Risiko, ein Magengeschwür zu entwickeln, um den Faktor 4. Werden NSAR allerdings mit Kortisonpräparaten kombiniert, steigt das Risiko auf das 15-Fache.

Hintergrund zu NSAR-Schmerzmitteln: Nichtsteroidale Antirheumatika hemmen ein Enzym, das Fettsäuren des Zellstoffwechsels in Prostaglandine umwandelt. Prostaglandine sind Hormone, die die Säureabgabe hemmen und so die Magenschleimhaut schützen. NSAR fördern auch die Bildung von Sauerstoffradikalen (in größeren Mengen möglicherweise schädliche Formen des Sauerstoffs), welche die Entstehung eines Magengeschwürs zusätzlich begünstigen. Die Einnahme von NSAR-Schmerzmitteln über einen längeren Zeitraum sollte man deshalb stets mit seinem behandelnden Arzt besprechen, um das Risiko für ein Ulcus ventriculi einzuschätzen.

Psychische Faktoren/Stress

Menschen, die unter Depressionen leiden, scheinen häufiger Magengeschwüre zu entwickeln. Ähnliches gilt für Menschen, die einem erhöhten beruflichen oder privaten Stress ausgesetzt sind. Auch akute Stress- und Schocksituationen, wie schwere Unfälle und große Operationen, gehören vermutlich zu den Ursachen von Magengeschwüren. Diese Patienten erhalten daher in der Regel vorbeugend Medikamente.

Wie Ärzte ein Magengeschwür diagnostizieren

Für die Diagnose fragt der Arzt den Patienten bei der Untersuchung in der Regel zuerst nach seinen Beschwerden und erhält damit bereits Hinweise auf die Erkrankung. Zur weiteren Diagnose eines Ulcus ventriculi tastet der Arzt den Oberbauch ab, was für Patienten mit einem Magengeschwür meist schmerzhaft ist. Hinzu kann noch eine Blutuntersuchung und gegebenenfalls eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kommen, um den Befund zu erhärten. Letztlich kann aber nur eine Magenspiegelung die Magengeschwür-Diagnose sichern.

Magenspiegelung (Gastroskopie)

Die entscheidende Untersuchung beim Magengeschwür ist die Magenspiegelung (Gastroskopie). Mit ihr kann der Arzt einen direkten Blick auf die Schleimhaut des Magens werfen und sie so eingehend untersuchen. Während der Untersuchung kann er außerdem gleich mehrere Gewebeproben (Biopsien) für die feingewebliche Untersuchung entnehmen. Eine Magenspiegelung ermöglicht so, zwischen einer Magenschleimhautentzündung, einem Magengeschwür und Magenkrebs zu unterscheiden. Außerdem stellt der Arzt anhand der Gewebeproben fest, ob der Magen mit dem Bakterium Helicobacter pylori besiedelt ist.

Für eine Magenspiegelung beim Verdacht auf ein Ulcus ventriculi muss der Patient nüchtern sein, also über eine gewisse Zeit keine Nahrung und keine Getränke zu sich genommen haben. Um den Würgereiz beim Einführen des Endoskops über den Mund zu unterdrücken, besprüht der Arzt die Rachenschleimhaut mit einem örtlichen Betäubungsmittel (z.B. mit einem Lidocain-Spray).

Grafik einer Magenspiegelung mit Endoskop © Jupiterimages/Hemera

Biegsam: Bei einer Magenspiegelung schiebt der Arzt ein flexibles Endoskop über die Speiseröhre in den Magen.

Ein Endoskop ist ein biegsames, schlauchartiges Instrument mit integrierter Kamera. Auf Wunsch erhält der Patient vor der Untersuchung auch ein Beruhigungsmittel, das ihn in einen schlafähnlichen Zustand versetzt. Falls ein Magengeschwür entdeckt wird, sollte die Magenspiegelung spätestens nach zwölf Wochen wiederholt werden, um den Therapieerfolg zu überprüfen.

Wenn ein Ulcus ventriculi unter der gewählten Behandlung nicht vollständig abgeheilt ist, muss der Arzt weitere Gewebeproben entnehmen, um sicher abzuklären, ob nicht doch Magenkrebs vorliegt.

Bei Personen, die eine Magenspiegelung ablehnen oder bei denen ein erhöhtes Risiko mit der Untersuchung verbunden ist, kann eine Röntgenaufnahme des Magens mit Kontrastmittel erfolgen. Diese Untersuchung ist allerdings nicht so aussagekräftig wie die Magenspiegelung, da der Arzt die Magenschleimhaut nicht direkt begutachten und keine Gewebeproben entnehmen kann.

Therapie: Wie ein Magengeschwür behandelt wird

Die Behandlung eines Magengeschwürs richtet sich vor allem nach der jeweiligen Ursache.

Meiden von magenschädlichen Substanzen

Um ein Magengeschwür zu behandeln, ist es ratsam, zumindest vorübergehend alles zu meiden, was die Schleimhaut des Magens schädigt und reizt und damit die Entstehung eines Ulcus ventriculi begünstigt. Dazu gehören zum Beispiel:

Medikamente sollten Sie aber nur in Rücksprache mit Ihrem Arzt absetzen!

Hemmung der Säureproduktion mit Medikamenten

Weil der saure Magensaft eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Magengeschwüren spielt, setzt man vor allem solche Medikamente zur Therapie ein, die die Magensäureproduktion hemmen – sogenannte Säureblocker. Durch die verminderte Magensäureproduktion werden zum einen die Schmerzen gelindert, zum anderen kann sich die Magenschleimhaut erholen.

Protonenpumpenhemmer

Protonenpumpenhemmer (wie die Wirkstoffe Omeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol) hemmen die Säureproduktion im Magen.

Hintergrund zur Protonenpumpe:

Magensäure besteht chemisch gesehen aus Salzsäure (HCl), also aus einer Verbindung von Wasserstoffionen (H+) mit Chloridionen (Cl-). In der Magensäure liegt der Wasserstoff in Form von Protonen vor, das heißt als positiv geladene Teilchen (H+). Die Magenzellen geben die Wasserstoff- und Chloridionen getrennt ins Mageninnere ab, erst hier entsteht durch das gleichzeitige Vorliegen dieser Ionen die Magensäure. Die Wasserstoffionen gelangen über einen speziellen Mechanismus ins Mageninnere: die sogenannte Protonenpumpe. An dieser Stelle setzen verschiedene Medikamente an, welche die Protonenpumpe und damit die Produktion von Magensäure und die Entstehung eines Ulcus ventriculi hemmen.

Histamin-Rezeptorenblocker

Daneben können sogenannte Histamin-Rezeptorenblocker (auch H2-Blocker oder H2-Rezeptorenblocker genannt) helfen. Dazu gehören zum Beispiel die Wirkstoffe Cimetidin oder Ranitidin. Sie blockieren den Histamin-H2-Rezeptor an den säureproduzierenden Magenzellen, sodass diese keine weiteren Wasserstoffionen abgeben und nicht zu viel Magensäure gebildet werden kann.

Antazida

Auch säurebindende Mittel (sog. Antazida) können bei einem Magengeschwür im Rahmen der Therapie zum Einsatz kommen. Antazida neutralisieren die abgesonderte Magensäure.

Prokinetika

Wenn der Magen stark verkrampft ist, helfen Medikamente, welche die Magenbewegungen anregen (sog. Prokinetika, z.B. Metoclopramid (MCP) und Domperidon).

Eradikationstherapie (Keim-Eliminierung mit Medikamenten)

Wenn das Bakterium Helicobacter pylori die Ursache für eine Infektion der Magenschleimhaut ist, umfasst die Therapie eine mehrtägige Behandlung mit Antibiotika, die das Bakterium Helicobacter pylori abtöten. Mediziner nennen diese Form der Magengeschwür-Therapie auch Eradikationstherapie. Dabei muss der Patient über einen Zeitraum von sieben Tagen gleichzeitig die Antibiotika Amoxicillin und Clarithromycin (alternativ Metronidazol) sowie einen Protonenpumpenhemmer in genau festgelegter Dosierung einnehmen. Sie töten das Bakterium ab, und das Magengeschwür kann dadurch abheilen.

Nahaufnahme eines Magengeschwürs mit Helicobacter pylori © iStock

Bei diesem Magengeschwür war der Auslöser das Bakterium Helicobacter pylori (Kreis).

Operation und Magenspiegelung

Unter Umständen ist bei einem Ulcus ventriculi eine Operation sinnvoll oder sogar unumgänglich – beispielsweise wenn ein Magengeschwür trotz Medikamenten nach mehreren Monaten nicht abheilt. Auch bei Komplikationen wie Blutungen, Magenverengung, Magendurchbruch oder beim Verdacht auf Magenkrebs ist eine Operation die geeignete Therapieform.

Je nach Notwendigkeit kommen verschiedene Verfahren in Betracht:

  • Operation nach Billroth: Der Chirurg entfernt zwei Drittel des Magens.
  • selektive proximale Vagotomie: Der Operateur durchtrennt einen bestimmten Nerv (Nervus vagus). Dieser Nerv stimuliert normalerweise säurebildende Zellen im Magen. Nach der Durchtrennung produziert der Magen weniger Magensäure.

Magenblutung

Blutet das Magengeschwür, kann der Arzt im Rahmen einer Magenspiegelung versuchen, die Blutungsquelle mit einem Medikament zu unterspritzen. Der eingespritzte Wirkstoff verengt die Blutgefäße und stoppt so die Blutung aus dem Ulcus ventriculi. Der Arzt kann ebenfalls die Blutungsquelle mit einem sogenannten Fibrinkleber verkleben sowie die Blutung mithilfe eines Lasers stillen.

Massive Blutungen, die mittels einer Magenspiegelung nicht zu kontrollieren sind, lassen sich oft nur im Rahmen einer offenen Operation stoppen. Magendurchbrüche (sog. Perforationen) machen ebenfalls oft eine Operation notwendig – manchmal ist es möglich, den Magendurchbruch mit Hilfe einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) gewebeschonend und ohne großen Bauchschnitt zu behandeln (minimal-invasives Vorgehen).

Komplikationen bei Magengeschwür: Blutungen und Durchbruch

Blutungen und ein Durchbruch des Geschwürs durch die Schichten der Magenwand (Perforation), die bei einem Magengeschwür (Ulcus ventriculi) auftreten können, sind lebensbedrohliche Komplikationen. Personen mit wiederkehrenden Magengeschwüren haben dafür ein größeres Risiko als Menschen, die zum ersten Mal unter einem Magengeschwür leiden.

Weitere Risikofaktoren für Komplikationen bei einem Ulcus ventriculi sind:

  • Durchmesser des Geschwürs größer als zwei Zentimeter
  • Alter des Betroffenen über 60 Jahre
  • vorangegangene Komplikationen bei Magengeschwüren

Eine weitere Komplikation, die als Folge eines Magengeschwürs auftreten kann, ist die Magenverengung (Stenose) durch Narbenbildung. Dabei wird die Magenwand eingeengt oder sie schrumpft, wodurch ein sogenannter Sanduhrmagen entsteht.

Bei chronischen Magengeschwüren ist zudem das Risiko, Magenkrebs zu entwickeln, um etwa drei Prozent erhöht.

Magengeschwür: Verlauf und Prognose

Bei einem Magengeschwür ist die Prognose ohne Behandlung recht gut, da es oft von selbst abheilt.

Bei einer wirksamen medikamentösen Therapie eines Ulcus ventriculi beträgt die Heilungsrate über 90 Prozent. Trotz erfolgreicher Behandlung kommt es häufig zu einem erneuten Magengeschwür. Risikofaktoren dafür sind:

  • höheres Alter
  • männliches Geschlecht
  • die Einnahme von bestimmten Schmerzmitteln (wie Acetylsalicylsäure)

Wie kann man einem Magengeschwür vorbeugen?

Wer einem Magengeschwür (Ulcus ventriculi) vorbeugen möchte, sollte alle Speisen und Getränke weglassen, die den Magen reizen und die nicht gut verträglich sind. Das gilt beispielsweise für sehr scharfes und heißes Essen sowie für hochprozentigen Alkohol und größere Mengen Kaffee. Da die Verträglichkeit der meisten Getränke und Speisen individuell starken Schwankungen unterliegt, ist es wichtig, dass Betroffene mit einem Ulcus ventriculi selbst austesten, was und welche Mengen ihnen bekommen.

Wer unter einem stressbedingten Magengeschwür leidet, sollte versuchen, Stress abzubauen. Hier können sich zum Beispiel Entspannungsübungen eignen. Weil Rauchen die Magenschleimhaut ebenfalls angreift, ist es sinnvoll, auch darauf zu verzichten, um einem Ulcus ventriculi vorzubeugen. Wer regelmäßig magenschädigende Medikamente einnimmt (nichtsteroidale Antirheumatika wie z.B. Acetylsalicylsäure), sollte diese nach Absprache mit dem Arzt gegebenenfalls absetzen und besprechen, welche Alternativen es gibt. Bei einem durch den Keim Helicobacter pylori verursachten Magengeschwür muss der Erreger mit Medikamenten bekämpft werden. Ansonsten kann das Magengeschwür erneut auftreten.

Führen diese Maßnahmen zu keinem Erfolg, ist zusätzlich eine vorbeugende Einnahme spezieller Medikamente (Säureblocker, Protonenpumpenhemmer) denkbar. Säureblocker können vorbeugend auch für Personen sinnvoll sein, die aufgrund rheumatischer Gelenkerkrankungen mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) behandelt werden müssen.

Tritt ein Magengeschwür erneut auf, obwohl alle vorbeugenden Maßnahmen getroffen wurden, kann ein chirurgische Eingriff (Magenteilentfernung) empfehlenswert sein. Dies trifft auch dann zu, wenn der Betroffene aufgrund von Nebenwirkungen die Medikamente absetzen muss. Allerdings können nach einer solchen Operation in einigen Fällen erneut Magengeschwüre auftreten.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Magengeschwür (Ulcus ventriculi)":

Onmeda-Lesetipps:

Ratgeber Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni)
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Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 23.6.2017)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) et al.: Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/001 (Stand: 10.2.2016)

Leitlinien der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE): Gastritis und Ulkus. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 068/007 (Stand: März 2005)

Aktualisiert am: 23. Juni 2017

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