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Lungenkrebs (Lungenkarzinom, Bronchialkarzinom)

Veröffentlicht von: Till von Bracht (24. April 2017)

© iStock

Als Lungenkrebs bezeichnet man einen bösartigen Tumor, der aus den Schleimhautzellen der Bronchien oder den Zellen des Lungengewebes entstanden ist. Mediziner nennen einen solchen Krebs auch Lungenkarzinom oder Bronchialkarzinom. Hauptursache Nummer eins ist mit Abstand das Rauchen

Lungenkrebs tritt überwiegend zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf. Das mittlere Erkrankungsalter, in dem die Diagnose gestellt wird, liegt allerdings erst bei 69 Jahren. 

Das Tückische an Lungenkrebs ist, dass es zu Beginn wenig typische Anzeichen und Symptome gibt. Deshalb bleibt er oft so lange unentdeckt. Häufig entdecken Ärzte Lungenkrebs eher zufällig bei einer Röntgenuntersuchung der Lunge – etwa, weil der Betroffene unter chronischem Husten, Kurzatmigkeit oder Atemnot leidet.

Weitere Symptome von Lungenkrebs sind zum Beispiel

Gerade Raucher sollten bei diesen Anzeichen umgehend ihren Hausarzt aufsuchen. Er überweist den Patienten bei Verdacht auf Lungenkrebs dann zu einem Facharzt für Lungenerkrankungen – einem Pneumologen. Denn grundsätzlich gilt: Je früher Lungenkrebs behandelt wird, desto höher sind die Heilungschancen. 

Was ist Lunqenkrebs?

Lungenkrebs ist ein bösartiger Tumor der Lunge. Ein Bronchialkarzinom entwickelt sich aus den Zellen der Atemwege, den Bronchien. Die Zellen entarten und vermehren sich unkontrolliert. Sie sehen anders aus als "normale" Zellen der Bronchien, teilen sich schneller und zerstören durch ihr rasches Wachstum das gesunde Gewebe.

Lungenkrebs-Stadien im Überblick

Je nachdem, wie groß der Tumor ist und wie weit er sich bereits ausgebreitet hat, teilt man Lungenkrebs in vier verschiedene Stadien ein.

  • Im Stadium I ist das Lungenkarzinom noch relativ klein und hat weder benachbarte Lymphknoten noch andere Organe befallen. Hier können die meisten Betroffenen durch eine Operation oder gegebenenfalls durch eine punktgenaue Bestrahlung geheilt werden. 
  • Im Stadium IV – manchmal ist hier umgangssprachlich auch von "Endstadium" die Rede – hat der Lungenkrebs Metastasen gebildet. Mit anderen Worten: Krebszellen haben sich vom Ursprungstumor in der Lunge gelöst und Tochtergeschwülste entwickelt, zum Beispiel in der Leber, Nebennieren oder in dem anderen Lungenflügel. 

Lungenkrebs im Stadium IV gilt als nicht heilbar! Es gibt in der Praxis nur sehr wenige Fälle, in denen ein Patient in diesem Stadium noch geheilt werden konnte. Generell ist die Lebenserwartung also eher gering: Schätzungen zufolge überlebt nur einer von 100 Menschen mit Lungenkrebs im Stadium IV die nächsten fünf Jahre.

Wie entsteht Lungenkrebs? Unser Video veranschaulicht es Ihnen.

Die Einteilung des Lungenkarzinoms in verschiedene Stadien ist sehr wichtig, damit Ärzte entscheiden können, welche Behandlung für den jeweiligen Patienten die beste ist. Die Einteilung erfolgt nach der international geltenden TNM-Klassifikation:

  • "T" bezeichnet dabei die Größe des Tumors (T1 - T4)
  • "N" beschreibt die Zahl und die Lage befallener Lymphknoten (N0 - N3)
  • "M" das Vorhandensein (M1) oder das Fehlen (M0) von Metastasen

Beispiel: Wenn der Primärtumor zwar noch keine Metastasen gebildet hat, aber so groß ist, dass er benachbarte Strukturen wie das Herz, Blutgefäße, Luftröhre oder Wirbelkörper (T4) sowie die Lymphknoten im Mediastinum (Raum zwischen beiden Lungen) auf der gleichen Seite (N2) erfasst hat, befindet sich der Lungenkrebs medizinisch gesehen im Stadium 3B (T4, N2, M0). Bei Lungenkrebs im Stadium 1A hingegen ist der Tumor noch sehr klein (≤ 2 cm), hat keine Lymphknoten befallen und keine Metastasen gebildet (T1a, N0, M0). 

Sobald sich Lungenkrebs ausbreitet und sich in anderen Organen Metastasen abgesiedelt haben, befindet sich der Lungenkrebs im Stadium 4. Die Größe des Tumors und Zahl und die Lage befallener Lymphknoten spielen dann keine Rolle mehr. 

Manchmal fällt im Zusammenhang mit Lungenkrebs auch der Begriff "Endstadium". Aus medizinischer Sicht macht diese Bezeichnung allerdings wenig Sinn. Endstadium bedeutet, dass ein Patient definitiv nicht mehr heilbar ist – konkrete Aussagen zur Prognose sind aber individuell unterschiedlich und können nur von den behandelnden Ärzten getroffen werden.

Nicht-kleinzelliges und kleinzelliges Bronchialkarzinom

Mediziner unterscheiden grob zwei Arten von Lungenkrebs:

  • Das kleinzellige (SCLC: small cell lung cancer) und
  • das nicht-kleinzellige (NSCLC: non small cell lung cancer) Bronchialkarzinom.

Diese Unterteilung richtet sich nach dem Erscheinungsbild des Tumorgewebes unter dem Mikroskop. Die Tumorart ist wichtig für die Wahl der Therapieverfahren.

Die meisten Menschen mit Lungenkrebs (etwa 80 Prozent) leiden unter einem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom. Wie der Name schon sagt, besteht der nicht-kleinzellige Lungenkrebs bei mikroskopischer Betrachtung aus größeren Zellen. Diese Tumoren wachsen relativ langsam und überwiegend in begrenzten Bereichen der Lunge. Sie bilden langsamer Metastasen. Daher lassen sich nicht-kleinzellige Bronchialkarzinome im Anfangsstadium oft operativ entfernen. 

Bei etwa jedem Fünften mit Lungenkrebs liegt ein kleinzelliges Bronchialkarzinom vor. Der kleinzellige Lungenkrebs ist aggressiver: Er wächst besonders schnell und breitet sich schon frühzeitig mit Metastasen in andere Organe aus. Daher ist die Lebenserwartung der Betroffenen eher gering. Die besten Überlebensaussichten bestehen, wenn Ärzte mehrere Therapien miteinander kombinieren – etwa Chemotherapie plus Strahlentherapie oder Operation.

Die Prognose ist bei Lungenkrebs insgesamt ungünstig. Die Lebenserwartung hängt bei einem Lungenkarzinom vor allem von der Art des Tumors (kleinzelliges oder nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom) und dem Stadium ab. Bei frühen Stadien und besonders dann, wenn der Lungentumor vollständig entfernt wurde, überlebt die Mehrzahl der Betroffenen die ersten fünf Jahre nach der Diagnose.

Häufigkeit

Lungenkrebs ist in Deutschland die dritthäufigste bösartige Tumorerkrankung. Jährlich erkranken hierzulande rund 50.000 Menschen an Lungenkrebs. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 68 bis 69 Jahren. Männer sind dabei mehr als doppelt so häufig betroffen wie Frauen – die Erkrankung ist bei Männern die häufigste krebsbedingte Todesursache.

Die häufigsten Ursachen

Die Hauptursache für Lungenkrebs ist mit Abstand das RauchenUngefähr 90 Prozent aller Bronchialkarzinom-Patienten sind oder waren Raucher. Dabei hängt das Risiko vor allem davon ab, wie viel der Betroffene geraucht hat. Fachleute drücken dies anhand der Packungsjahre aus: Je mehr Zigaretten geraucht wurden, desto höher ist das Krebsrisiko. 

Doch nicht nur selber zu rauchen macht krank, auch Passivrauchen erhöht das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken – und zwar um den Faktor 1,3 bis 2. Wer also das Rauchen aufgibt, kann das Risiko für Lungenkrebs deutlich senken – vor allem für sich, aber auch für seine Mitmenschen! 

Wie entsteht Lungenkrebs?
Bei Krebs entarten bestimmte Zellen des Körpers und vermehren sich unkontrolliert. Sie bilden eine Geschwulst, die – wenn sie sich in der Lunge befindet – als bösartiger Lungentumor bezeichnet wird. Bei Lungenkrebs geht die Zellveränderung hauptsächlich von den Schleimhautzellen der Bronchien aus.

Fachleute gehen davon aus, dass bei der Entstehung von Lungenkrebs viele verschiedene Einflüsse zusammenwirken. In erster Linie sind dies schädigende Substanzen, die mit der Atemluft in die Lunge gelangen. Sie tragen entscheidend dazu bei, dass sich die Schleimhautzellen der Bronchien oder Zellen des Lungengewebes nach und nach in Krebszellen umwandeln.

An oberster Stelle steht hier mit Abstand das Rauchen! An Lungenkrebs erkranken jährlich in Deutschland rund 50.000 Menschen. Ungefähr 90 Prozent der Betroffenen sind oder waren Raucher. Das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, ist bei männlichen Rauchern 24-mal höher als bei Männern, die nie geraucht haben.

Dabei gilt: Je mehr Zigaretten Sie in Ihrem Leben geraucht haben, desto höher ist Ihr Lungenkrebs-Risiko. 

Kontakt mit krebserregenden Stoffen im Berufsleben

Etwa fünf Prozent aller Lungenkrebs-Erkrankungen werden durch krebserregende Stoffe ausgelöst, mit denen die Betroffenen während ihrer Arbeit Kontakt hatten. Vor allem der Arbeitsstoff Asbest steht hier im Mittelpunkt: Er ist in dieser Gruppe für die allermeisten Krebsfälle verantwortlich.

Folgende Stoffgruppen gelten als krebserregend:

  • Asbeststaub (z.B. Bremsbeläge, Feuerschutzisolation)
  • Arsenverbindungen (z.B. in Schädlingsbekämpfungsmitteln)
  • Chrom-VI-Verbindungen (Galvanik)
  • Nickel
  • Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (z.B. Benzol im Kraftstoff, Kokereirohgase)
  • Radioaktive Stoffe
  • Quarzstaub
  • Halogenäther

Weitere Ursachen

Lungennarben, die als Folge von Entzündungen oder Verletzungen entstanden sind, bergen ebenfalls ein erhöhtes Krebsrisiko. Auch erbliche Vorbelastung kann die Gefahr für Lungenkrebs erhöhen: Wenn ein Elternteil an einem Bronchialkarzinom erkrankt ist, steigt das Risiko der Kinder um das Zwei- bis Dreifache.

Mehrstufenkonzept: Von den Risikofaktoren zur Krebserkrankung

  • Auf der ersten Stufe als Lungenkrebs-Ursachen steht der Kontakt mit krebserregenden Giftstoffen (Karzinogen), zum Beispiel Nikotin oder Asbest.
  • Auf der zweiten Stufe schädigt der krebserregende Giftstoff das Erbgut der Lungenzellen.
  • Auf der dritten Stufe entarten – nach einer Ruhephase (Latenzzeit) von bis zu 30 Jahren – die geschädigten Zellen: Sie wachsen ungehemmt, vermehren sich und bilden Geschwulste (Tumoren) in der Lunge.

Anzeichen und Symptome

Typische Symptome von Lungenkrebs sind

Die ersten Anzeichen für Lungenkrebs können aber ebenso bei einer normalen Erkältung auftreten. Daher wird ein Bronchialkarzinom oft erst relativ spät entdeckt. Scheinbar harmlose Erkältungen mit Husten, die länger als drei Wochen anhalten, sollte daher ein Lungenfacharzt untersuchen. 

Im fortgeschrittenen Stadium verlieren die Betroffenen häufig innerhalb kurzer Zeit viel Körpergewicht und haben – zum Teil blutigen – Auswurf. Außerdem fällt ihnen das Atmen schwer und es können Fieber und Nachtschweiß auftreten.

Je früher Lungenkrebs behandelt wird, desto besser sind auch die Heilungschancen. Vor allem Raucher über 40 Jahre sollten deshalb die ersten möglichen Anzeichen für Lungenkrebs nicht auf die leichte Schulter nehmen!

Ist der Lungenkrebs weiter fortgeschritten, können sich Metastasen (Tochtergeschwülste) bilden. Vor allem das kleinzellige Bronchialkarzinom bildet oft Metastasen. Am häufigsten treten

Bei Tochtergeschwülsten im zentralen Nervensystem wie dem Gehirn kann es zu Nervenschädigungen kommen. Die Betroffenen mit Lungenkrebs entwickeln dann Symptome wie:

Außerdem geben einige der Tumoren Hormone ins Blut ab und beeinflussen dadurch den natürlichen Hormonhaushalt (sog. paraneoplastische Syndrome).

Diagnose

Bei Verdacht auf Lungenkrebs beginnt der Arzt die Diagnose in der Regel mit bildgebenden Untersuchungen wie Röntgenuntersuchungen oder einer Computertomographie (CT) der Lunge – besonders wenn der Patient regelmäßig raucht und gleichzeitig über Symptome wie Husten, blutigen Auswurf, Atemnot, Fieber und Gewichtsverlust klagt. 

Die wichtigste diagnostische Maßnahme bei Verdacht auf ein Lungenkarzinom ist eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie). Hierbei schiebt der Arzt ganz vorsichtig einen dünnen und biegsamen Schlauch durch den Mund bis in die Atemwege vor. Am Endes des Schlauches befinden sich eine kleine Kamera und winzige Instrumente zur Entnahme von Gewebeproben. 

Die Lungenspiegelung ist an sich nicht schmerzhaft, kann für den Patienten aber sehr unangenehm sein. Daher werden die Atemwege vor der Untersuchung mithilfe eines Sprays örtlich betäubt. Auf Wunsch können die Betroffenen auch eine leichte Narkose und ein Beruhigungsmittel erhalten. 

Für eine weiterführende Lungenkrebs-Diagnose und die spätere Behandlung veranlassen Mediziner in der Regel folgende Untersuchungen:

  • Computertomographie des Brustkorbs: Der Arzt sieht, wo der Tumor liegt und kann seine Ausbreitung abschätzen.
  • Computertomographie oder Magentresonanztomographie (MRT) des Kopfes: Treten bei Lungenkrebs Symptome wie Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen, Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen auf, können Mediziner mithilfe dieser Untersuchung nach Metastasen im Gehirn suchen.
  • Ultraschall (Sonographie): Mit der Ultraschalluntersuchung des Bauchs kann der Arzt Tochtergeschwülste in der Leber ausschließen.
  • Knochen-Szintigraphie: Bei der Szintigraphie spritzt man eine schwach radioaktive Substanz in die Vene, die sich dann über das Blut im Körper verteilt und in den Knochen ansammelt. Mithilfe anschließender Röntgenaufnahmen können Mediziner Knochenmetastasen ausschließen.
  • Knochenmarkbiopsie: Eine Gewebeprobe des Knochenmarks soll klären, ob sich dort bereits Metastasen abgesiedelt haben.
  • Funktionsdiagnostik der Lunge: Vor allem vor einer Operation kann der Arzt mithilfe einer Spiro­er­go­metrie feststellen, wie leistungsfähig die Lunge des Patienten ist. 

Therapie

Bei Lungenkrebs hängt die Therapie unter anderem

  • vom Stadium der Erkrankung
  • und von der Art des Tumors

ab.

Der Grund: Kleinzellige und nicht-kleinzellige Tumoren der Lunge sprechen unterschiedlich auf die verschiedenen Therapieverfahren an – besonders auf die Chemotherapie.

Therapie des nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms

Die meisten Menschen mit Lungenkrebs leiden unter einem sogenannten nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom. Ein nicht-kleinzelliger Lungenkrebs lässt sich in der Regel operativ behandeln, solange keine Tochtergeschwülste (Metastasen) vorliegen. Gelingt es, ein nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom bei einer Operation vollständig zu entfernen, bestehen gute Heilungschancen.

Sind die Lymphknoten in der Umgebung befallen oder ist der Tumor in benachbartes Gewebe eingewachsen, kann nach der Operation eine Bestrahlung sinnvoll sein. Liegen Fernmetastasen oder besonders große Tumoren vor, erhalten die Betroffenen neben der Strahlentherapie in bestimmten Fällen zusätzlich eine Chemotherapie.

Ein Arzt blickt von der OP auf. © Jupiterimages/iStockphoto

Ein nicht-kleinzelliges Karzinom können Ärzte mithilfe einer Operation entfernen.

Manchmal erhalten Betroffene mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs zunächst eine Chemotherapie oder eine Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie (sog. Radiochemotherapie). Der Tumor wird dadurch oft kleiner und kann anschließend in einer Operation besser entfernt werden. Bei diesem Vorgehen sprechen Mediziner von einer neoadjuvanten Therapie.

Hat das Bronchialkarzinom bereits gestreut – sind also Tochtergeschwülste vorhanden – besteht die Behandlung meist aus einer Chemotherapie, teilweise in Kombination mit einer Bestrahlung. Bei der Chemotherapie kommen Zytostatika zum Einsatz – also Medikamente, die das schnell wachsende Tumorgewebe zerstören. Ein typischerweise beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom eingesetzter Wirkstoff ist Cisplatin, das mit anderen Zytostatika kombiniert wird. Bei bestimmten Patienten kommen auch neuere, sogenannte zielgerichtete Medikamente infrage. Dazu gehören unter anderem Bevacizumab oder Gefitinib.

Therapie des kleinzelligen Bronchialkarzinoms

Betroffene, die an einem kleinzelligen Bronchialkarzinom erkrankt sind, werden in der Regel nicht operiert. Denn zum Zeitpunkt der Diagnosestellung hat ihr Tumor in 75 Prozent der Fälle bereits Fernmetastasen gebildet.

Das kleinzellige Bronchialkarzinom ist ein Lungenkrebs, der besonders empfindlich auf eine Chemotherapie reagiert. Die Medikamente, die bei einer Chemotherapie eingesetzt werden, heißen Zytostatika. Es sind Zellgifte, die besonders schnell wachsende Zellen – wie Krebszellen – in ihrem Wachstum stoppen können. Der Vorteil der Chemotherapie liegt beim kleinzelligen Bronchialkarzinom unter anderem darin, dass auch die Krebszellen in den Fernmetastasen mitbehandelt werden.

Meistens ergänzt eine Bestrahlung die Therapie des kleinzelligen Bronchialkarzinoms. Die Strahlentherapie kann zum Beispiel einer Chemotherapie nachfolgen und Lymphknotenmetastasen oder Lungenbeschwerden aufgrund des Tumors lindern.

Die Bestrahlung hat auch zum Ziel, möglichen Hirnmetastasen vorzubeugen – hierzu wird der Kopf bestrahlt. Diese Behandlung führen Mediziner auch dann durch, wenn bislang keine Hinweise auf Hirnmetastasen bestehen.

Operativ lässt sich der kleinzellige Lungenkrebs nur dann entfernen, wenn der Tumor noch sehr klein ist – also wenn er bereits früh entdeckt wurde (Stadium I). Dies ist bei dieser Form von Lungenkrebs allerdings nur selten der Fall.

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Verlauf

Prognose

Bei Lungenkrebs ist die Lebenserwartung insgesamt eher gering – allerdings hängen Verlauf und Prognose auch von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem:

  • von der Art des Tumors,
  • von dem Tumorstadium,
  • von seiner Lage,
  • und vom Allgemeinzustand des Betroffenen, dem Alter sowie dem Geschlecht.

So haben Frauen beispielsweise eine günstigere Prognose als Männer. Beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs sind Lebenserwartung und Heilungschancen in der Regel höher als beim kleinzelligen Bronchialkarzinom. 

Generell gilt: Lungenkrebs gehört mit etwa 50.000 Neuerkrankungen pro Jahr zu den häufigeren Krebserkrankungen in Deutschland. Aufgrund der allgemein eher ungünstigen Prognose ist Lungenkrebs allerdings die häufigste Krebstodesursache bei Männern (mit einem Anteil von 25 Prozent) und die zweithäufigste bei Frauen (15 Prozent).

Besonders auffällig: Seit Ende der 1990er Jahre erkranken und sterben immer mehr Frauen an Lungenkrebs, wohingegen die Raten der Männer im gleichen Zeitraum zurückgingen. Dieser Trend spiegel den zunehmenden Zigarettenkonsum bei Frauen und den rückläufigen Zigarettenkonsum bei Männern wider. 

Lungenkrebs: Lebenserwartung und Heilungschancen

Bei Lungenkrebs sind die Lebenserwartung und die Heilungschancen in frühen Stadien am besten: Nach 5 Jahren leben noch 40 bis 50 Prozent der Betroffenen mit früh erkanntem Bronchialkarzinom. In späteren Lungenkrebs-Stadien sinkt die Lebenserwartung allerdings.

Insgesamt beträgt die relative 5-Jahres-Überlebensrate bei Männern mit Lungenkrebs etwa 16 Prozent, bei Frauen etwa 21 Prozent. Das bedeutet: 16 von 100 Männern und 21 von 100 Frauen sind 5 Jahre nach der Erstdiagnose noch nicht an ihrer Krebserkrankung verstorben. Die Überlebensrate bei Lungenkrebs ist vergleichsweise gering, da der Tumor oft erst spät erkannt wird. 

5-Jahres-Überlebensrate beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs

Das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom kommt wesentlich häufiger vor. Diese Form ist weniger aggressiv: Die Tumore wachsen langsamer und bilden seltener Metastasen. Die nachfolgende Tabelle zeigt die absolute 5-Jahres-Überlebensrate – das heißt, es werden auch die Sterbefälle gezählt, die auf eine andere Ursache zurückzuführen sind (z.B. wenn jemand mit Lungenkrebs an Herzinfarkt stirbt). 

Absolute 5-Jahres-Überlebensrate beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs

Stadium 5-Jahres-Überlebensrate
IA 49 Prozent
IB 45 Prozent
IIA 30 Prozent
IIB 31 Prozent
IIIA 14 Prozent
IIIB 5 Prozent
IV 1 Prozent

5-Jahres-Überlebensrate beim kleinzelligen Lungenkrebs

Der kleinzellige Lungenkrebs ist aggressiver: Er breitet sich schneller aus (z.B. in den Raum zwischen den beiden Lungenflügeln) und bildet schon früh Metastasen. Die Prognose ist bei dieser Tumorform daher entsprechend schlechter. 

Absolute 5-Jahres-Überlebensrate beim kleinzelligen Lungenkrebs

Stadium 5-Jahres-Überlebensrate
I 31 Prozent
II 19 Prozent
III 8 Prozent
IV 2 Prozent

Nachsorgeuntersuchungen

Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen dienen dazu, ein Wiederauftreten des Lungenkrebses (sog. Rezidiv) rechtzeitig zu erkennen und eventuelle Folgen der Strahlen- oder Chemotherapie zu behandeln. Neben der körperlichen Untersuchung und der Blutuntersuchung röntgt der Arzt hierbei auch die Lunge. In manchen Fällen können auch weitere Untersuchungen wie eine erneute Spiegelung der Lunge (Bronchoskopie), eine Ultraschalluntersuchung oder eine Computertomographie zur Tumornachsorge bei Lungenkrebs sinnvoll sein.

Die Kontrolluntersuchungen finden in den ersten zwei Jahren nach Abschluss der Behandlung alle drei Monate statt; ab dem dritten Jahr halbjährlich. Liegt die Lungenkrebs-Therapie bereits 5 Jahre zurück und gab es in der Zwischenzeit keinen Rückfall, genügen Kontroll-Untersuchungen in längeren Abständen.

Rehabilitation

Für viele Menschen mit Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) besteht nach der Operation die Möglichkeit, Rehabilitationsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen. Die entsprechenden Maßnahmen sollten allerdings nur in Kliniken erfolgen, die auf Tumorerkrankungen spezialisiert sind. Die Betroffenen erhalten während ihres Aufenthalts Hilfe dabei, ihre körperliche und psychische Lebensqualität zu verbessern und wieder ins Berufsleben zurückzukehren.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Lungenkrebs (Lungenkarzinom, Bronchialkarzinom)":

Linktipps:

Deutsche Krebshilfe: Lungenkrebs - Ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Interessierte

www.krebshilfe.de

Bundesweite Selbsthilfegruppe für Lungenkrebs-Erkrankte: www.selbsthilfe-lungenkrebs.de

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

KID Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums
0 800/420 30 40
Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Kuno-Fischer-Straße 8
14057 Berlin
030/322 93 29 0
030/322 93 29 66


Quellen:

Häufigste Krebstodesursachen. Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrum: www.dkfz.de (Abrufdatum: 13.3.2017)

Lungenkrebs. Online-Informationen des Helmholtz Zentrum München: www.lungeninformationsdienst.de (Abrufdatum: 7.3.2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Online-Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG): www.krebsgesellschaft.de (Abrufdatum: 2.3.2017)

Lung cancer. Online-Informationen der American Cancer Society: www.cancer.org (Abrufdatum: 28.2.2017)

Lungenkarzinom. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 20.2.2017)

Schütte, W. et al.: Multimodalität von Vorteil. Behandlung des kleinzelligen Lungenkarzinoms. Im Fokus Onkologie 2016, Vol. 19, Iss. 1, pp. 50-55 (2016)

Ewig, S., Hecker, E., Behringer, D.M.: Lungenkrebs: Individuelle Therapie im zertifizierten Thoraxzentrum. Thieme, Stuttgart 2014

Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut: Krebs in Deutschland 2007/2008. Häufigkeiten und Trends. 8. überarbeitete, aktualisierte Ausgabe, Berlin 2012

Stand: 24. April 2017

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