Leukämie (Blutkrebs): Welche Anzeichen gibt es?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (28. August 2017)

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Leukämie (Blutkrebs) tritt im Vergleich zu anderen Krebsarten wie Brustkrebs, Prostatakrebs oder Darmkrebs relativ selten auf. In Deutschland erkrankten im Jahr 2012 etwa 12.600 Menschen neu an Leukämie. Dank moderner Therapieverfahren ist Leukämie inzwischen in vielen Fällen heilbar.

Was ist Leukämie?

Als Leukämie bezeichnet man eine Gruppe von Krebserkrankungen des blutbildenden Systems, bei der sich eine bestimmte Sorte der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) unkontrolliert vermehrt. Umgangssprachlich bezeichnet man Leukämie deshalb häufig auch als "Blutkrebs".

Leukämie (Blutkrebs): Typische Symptome

Bei einer Leukämie (Blutkrebs) treten anfangs typischerweise eher allgemeine Symptome auf, wie zum Beispiel:

Bei einer akuten Leukämie entwickeln sich die Symptome rasch. Eine chronische Leukämie verläuft dagegen schleichend ohne typische Anzeichen und bleibt oft monate- bis jahrelang unentdeckt.

Hinweis: Im Falle einer Leukämie können diese Symptome einzeln oder kombiniert auftreten. Solche allgemeinen Beschwerden können auch harmlos sein und sind kein sicherer Beweis für das Vorliegen einer Leukämie sind. Ob die Symptome auf eine Leukämie hinweisen oder welche anderen Ursachen infrage kommen, kann nur ein Arzt sicher erkennen.

Symptome durch den Mangel an funktionsfähigen Blutzellen

Bei einer Leukämie ist die Produktion der normalen Blutzellen (rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen) gestört. Dadurch sinkt die Anzahl an funktionsfähigen Blutzellen. Das hat unterschiedliche Auswirkungen zur Folge.

Im Rahmen einer Leukämie treten durch den Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) Symptome wie diese auf:

Die Anfälligkeit für Infektionen entsteht, weil funktionstüchtige weiße Blutkörperchen (Leukozyten) fehlen. Denn diese spielen im Abwehrsystem eine wichtige Rolle.

Aufgrund des Mangels an Blutplättchen (Thrombozyten) bei Leukämie ist die Blutgerinnung herabgesetzt und es entsteht eine erhöhte Blutungsneigung. Anzeichen dafür sind

Weitere Symptome

Durch die die übermäßige Produktion von Leukämiezellen können lymphatische Organe wie die Lymphknoten, die Milz oder die Leber vergrößert sein.

Entwickelt sich im Rahmen der Leukämie eine Hirnhautentzündung (Meningitis), treten neurologische Symptome wie starke Kopfschmerzen oder Lähmungserscheinungen auf.

Leukämie (Blutkrebs): Das sind die Ursachen

Bei einer Leukämie (Blutkrebs) bildet das Knochenmark zu viele weiße Blutkörperchen. Diese sind zudem meist unreif und nicht funktionsfähig. Die entarteten Leukozyten nennt man auch Leukämiezellen.

Die Überproduktion stört die normale Blutbildung und führt zu einem Mangel

So erklärt sich auch der Begriff Leukämie, der übersetzt so viel wie  "weißes Blut" bedeutet.

Vom Knochenmark schwemmen die unreifen Leukozyten schließlich ins Blut aus und siedeln sich in verschiedenen Organen des lymphatischen Systems oder im Körpergewebe an. Als lymphatisches System bezeichnet man einen bestimmten Teil des Immunsystems. Zu den sogenannten lymphatischen Organen zählen zum Beispiel die Lymphknoten, die Milz und die Mandeln.

Man sieht eine Illustration der Blutzellenverteilung bei Leukämie. © iStock

Bei Leukämie bildet das Knochenmark zu viele Leukozyten. Als Folge gibt es weniger gesunde Leukozyten, aber auch weniger Erythrozyten und Thrombozyten.

Je nachdem von welcher Zellfamilie die Leukämiezellen abstammen, lässt sich die Leukämie in zwei Grundformen einteilen:

  • Myeloische Leukämie: Die Leukämiezellen stammen von Knochenmarkgewebe, aus dem sich verschiedene Blutzellen entwickeln – wie zum Beispiel die Granulozyten.
  • Lymphatische Leukämie: Die Leukämiezellen sind durch bösartige Entartung einer anderen Zellfamilie entstanden – den Lymphozyten.

Diese beiden Formen wiederum können akut oder chronisch auftreten. Als akute Form entwickelt sich die Erkrankung plötzlich. Bei chronischen Formen entwickelt sich der Blutkrebs schleichend über viele Monate oder Jahre, in denen sich kaum Symptome zeigen.

Experten unterscheiden bei der Leukämie deshalb diese vier Formen:

  1. akute lymphatische Leukämie (ALL)
  2. akute myeloische Leukämie (AML)
  3. chronische myeloische Leukämie (CML)
  4. chronische lymphatische Leukämie (CLL)

Akute lymphatische Leukämie (ALL)

Die akute lymphatische Leukämie (ALL) tritt vor allem bei Kindern auf. Im Verlauf der Erkrankung kann die akute lymphatische Leukämie Organe wie das Gehirn und die Hirnhäute (Meningen) befallen. Eine andere Bezeichnung für ALL ist akute lymphoblastische Leukämie.

Akute myeloische Leukämie (AML)

Bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) gehen die entarteten weißen Blutkörperchen aus unreifen myeloischen Zellen hervor. Darunter versteht man bestimmten Stammzellen der weißen Blutkörperchen. Die AML kann aber auch als sogenannte Erythroleukämie auftreten, bei der entartete rote Blutkörperchen (Erythrozyten) entstehen. Die akute myeloische Leukämie tritt am häufigsten bei Erwachsenen auf.

Chronische myeloische Leukämie (CML)

Die chronische myeloische Leukämie (CML) tritt vor allem bei Erwachsenen ab dem 60. Lebensjahr auf. Bei dieser Form der Erkrankung vermehren sich die Granulozyten sehr stark. Granulozyten sind eine bestimmte Form der weißen Blutkörperchen. Im Unterschied zur akuten Formen der myeloischen Leukämie sind diese Zellen jedoch zunächst noch funktionstüchtig. Erst wenn die chronische myeloische Leukämie nach Jahren in ein Akutstadium übergeht, tauchen massenhaft unreife Leukozyten im Blut auf: die sogenannten Blasten. Mediziner bezeichnen diesen Zeitpunkt als Blastenkrise.

Bei der chronischen myeloischen Leukämie finden sich Leukämiezellen im Knochenmark und im Blut, aber auch in verschiedenen Organen. Daher vergrößern sich bei dieser Leukämie-Form meist die Leber und die Milz.

Chronische lymphatische Leukämie (CLL)

Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) gehört zu den sogenannten "niedrigmalignen Non-Hodgkin-Lymphomen" und tritt vor allem bei Erwachsenen ab dem 50. Lebensjahr auf. Im Unterschied zu hochmalignen Lymphomen wachsen niedrigmaligne Formen langsamer, weniger aggressiv und rufen zunächst geringere Beschwerden hervor.

Bei der chronischen lymphatischen Leukämie häufen sich funktionslose B-Lymphozyten (B-Zellen), also eine bestimmte Form der weißen Blutkörperchen, sowohl im Blut als auch in folgenden lymphatischen Organen an:

  • im Knochenmark,
  • in den Lymphknoten,
  • in der Leber und
  • in der Milz.

Durch die krankhafte Vermehrung der B-Lymphozyten sind die Lymphknoten, die Leber und die Milz bei den Betroffenen vergrößert. Typisch sind auch Hauterscheinungen wie kleine, punktförmige Hautblutungen.

Intakte B-Zellen sind zudem wichtig für das Immunsystem. Werden sie aktiviert, wandeln sie sich zu Plasmazellen um. Als solche erkennen sie körperfremde Strukturen und stellen dagegen gezielt Antikörper her. Durch Antikörper kann das Immunsystem gezielt Krankheiterreger wie Viren oder Bakterien bekämpfen.

Bei einer chronischen lymphatischen Leukämie sind die B-Zellen jedoch fast vollständig defekt. Sie können also ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen und stellen keine Antikörper mehr her. Die Folge ist das sogenannte Antikörpermangelsyndrom: Die Immunabwehr des Betroffenen ist hierbei gestört, weshalb vor allem bakterielle Infekte häufiger auftreten.

Leukämie: Blutzellenbildung, Knochenmark, Leukozyten, Erythrozyten, Thrombozyten © iStock

Aus den Stammzellen im Knochenmark gehen alle Blutzellen des Körpers hervor.

Risikofaktoren für Leukämie

Zwar weiß man, aus welchen Zellen Blutkrebs hervorgeht, nicht jedoch warum sich die Leukämiezellen bilden. Die eigentlichen Ursachen für Leukämie sind bislang nicht geklärt. Verschiedene Einflüsse können allerdings das Risiko für eine Leukämie erhöhen.

Als Risikofaktoren gelten beispielsweise:

  • Erbliche bzw. genetische Einflüsse, zum Beispiel wenn
    •  es bereits andere Krebsfälle in der Familie gibt.
    •  eine erbliche Vorerkrankung wie das Down-Syndrom vorliegt.
    •  das sogenannte Philadelphia-Chromosom beim Betroffenen vorkommt.
  • Strahlung (wie Röntgenstrahlung, radioaktive Strahlung)
  • Chemische Einflüsse, zum Beispiel
    • organische Lösungsmittel (wie Benzol)
    • Pflanzenschutzmittel
    • Insektenschutzmittel
    • bestimmte Krebsmedikamente (z.B. Zytostatika oder Immunsuppressiva, also Mittel, die das Immunsystem unterdrücken)
  • Rauchen: Schätzungen zufolge sind 10 von 100 Leukämie-Fällen die Folge von Zigarettenrauchen.
  • Alter: Ein höheres Lebensalter scheint ein Risikofaktor für die chronische lymphatische Leukämie, die chronische myeloische Leukämie und die akute myeloische Leukämie zu sein.
  • Viren: Bei der sehr seltenen humanen T-Zell-Leukämie spielt eine Infektion mit den HTL-Viren I und II eine Rolle. Sie kommt vor allem in Japan vor. Für andere Leukämie-Formen ist kein Zusammenhang mit Virusinfektionen bekannt.

Risikofaktor Philadelphia-Chromosom

Das sogenannte Philadelphia-Chromosom findet sich häufig bei Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML). Als Philadelphia-Chromosom bezeichnet man das bei einer CML veränderte Chromosom 22 des menschlichen Erbguts. Es kommt bei den Betroffenen besonders häufig in Leukämiezellen vor.

Häufigkeit von Leukämie

Leukämie ist eine seltene Erkrankung. Auch im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen wie Brustkrebs, Prostatakrebs oder Dickdarmkrebs tritt sie eher selten auf. Insgesamt erkrankten in Deutschland im Jahr 2016 etwa 13.390 Menschen neu an Leukämie, Männer dabei etwas häufiger als Frauen.

Akute lymphatische Leukämie (ALL)

Jedes Jahr gibt es etwa 1,5 neue ALL-Fälle pro 100.000 Einwohner. Sie tritt am häufigsten bei Kindern bis fünf Jahren auf. Seltener sind auch ältere Kinder oder Erwachsene davon betroffen. Die ALL hat von allen Leukämie-Formen die günstigsten Heilungschancen.

Akute myeloische Leukämie (AML)

Jährlich kommt es zu etwa 3,7 AML-Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Die akute myeloische Leukämie tritt vor allem bei älteren Erwachsenen auf. Etwa jeder zweite AML Betroffene ist zum Zeitpunkt der Diagnose über 70 Jahre.

Chronische myeloische Leukämie (CML)

Jedes Jahr gibt es etwa vier neue CML-Fälle pro 100.000 Einwohner. Die chronische myeloische Leukämie kann zwar in jedem Alter auftreten, am häufigsten zeigt sie sich jedoch zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr.

Chronische lymphatische Leukämie (CLL)

Pro Jahr kommt es zu etwa zwei CLL-Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Die chronische lymphatische Leukämie tritt vor allem bei älteren Erwachsenen um die 60 Jahre auf.

Leukämie: Ein Mädchen mit Kopftuch schaut aus dem Fenster und hält ein Stofftier im Arm. © iStock

An der sogenannten akuten lymphatischen Leukämie erkranken vor allem Kinder.

Leukämie (Blutkrebs): Diagnose

Für die  Diagnose einer Leukämie (Blutkrebs) spielt neben dem kleinen Blutbild auch das Differentialblutbild. eine wichtige Rolle.

Beim kleinen Blutbild untersucht man das Blut darauf, wie hoch die Konzentration der verschiedenen Blutzellen (also rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen, Blutplättchen) und des Blutfarbstoffs Hämoglobin ist. Außerdem lässt sich hier feststellen, wie hoch der Anteil der Blutzellen am Gesamtblut ist (sog. Hämatokrit). Beim Differentialblutbild untersucht man dagegen, in welchen Mengen die einzelnen Unterarten der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) vorkommen. Dafür untersucht man das Blut unter anderem unter dem Mikroskop und zählt die verschiedenen Blutzellen. Im Differentialblutbild lassen sich die Anteile der unterschiedlichen Blutzellarten sowie deren Reifungsstadien feststellen. Die verschiedenen Formen von Leukämie weisen jeweils ein typisches Blutbild auf.

Ist die Zahl der weißen und roten Blutkörperchen und der Blutplättchen im Blutbild normal, ist eine Leukämie sehr unwahrscheinlich. Bei einer Leukämie befinden sich hingegen sehr viele unreife Blutzellen in der Blutprobe. Dies und die typischen Beschwerden erhärten den Verdacht auf Leukämie.

Die Diagnose sichert der Arzt letztlich durch eine Knochenmarkbiopsie. Dabei entnimmt er unter örtlicher Betäubung eine Knochenmarkprobe aus dem Hüftknochen oder dem Brustbein. Die Probe wird anschließend im Labor untersucht.

Eine Lumbalpunktion kann Aufschluss darüber geben, ob sich die Leukämiezellen in das zentrale Nervensystem (also Gehirn und Rückenmark) ausgebreitet haben.

Mithilfe von bildgebenden Verfahren wie Computertomographie (CT), Kernspintomographie (MRT) oder Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kann der Arzt krebsbefallene Lymphknoten aufspüren.

Leukämie (Blutkrebs): Behandlung

Bei einer Leukämie (Blutkrebs) hängt die genaue Behandlung vor allem davon ab, welche Form der Leukämie vorliegt.

Chemotherapie

Die Chemotherapie ist bei Blutkrebs die häufigste Form der Behandlung. Die Medikamente, die der Arzt hierfür auswählt, heißen Zytostatika. Das sind Zellgifte, die das Wachstum und die Vermehrung von Krebszellen hemmen. Zytostatika greifen vor allem Zellen an, die sich häufig teilen. Da sich Krebszellen rasch und häufig teilen, sind sie das bevorzugte Ziel dieser Medikamente. Allerdings kommen im Körper auch gesunde Zellen vor, die sich rasch teilen (z.B. Schleimhautzellen). Die Chemotherapie kann deshalb auch gesunde Organe beziehungsweise Körpergewebe vorübergehend schädigen. Bei einer Chemotherapie kommen Wirkstoffe aus der Gruppe der Zytostatika einzeln oder auch kombiniert zu Einsatz. Die Chemotherapie wird in regelmäßigen Abständen (Zyklen) durchgeführt. Während der Behandlung kontrolliert der Arzt regelmäßig das Blutbild.

Die Chemotherapie schädigt vorübergehend das Knochenmark, was die Bildung von neuen Blutzellen und Zellen des Immunsystems eine Zeitlang beeinträchtigt. In der Folge kommt es zur Blutarmut (Anämie) mit einem erhöhten Blutungsrisiko und einer erhöhten Infektionsgefahr.

Weitere Nebenwirkungen einer Chemotherapie können sein:

Diese Nebenwirkungen lassen sich aber teilweise recht gut durch zusätzliche Medikamente unterdrücken. Ein typisches Beispiel sind Antiemetika, also Wirkstoffe, die gegen Übelkeit und Brechreiz wirken.

Zytostatika haben auch selbst eine gewisse krebserregende (kanzerogene) Wirkung. Die behandelnden Ärzte müssen daher im Vorfeld einer Therapie die Nutzen und Risiken einer Behandlung immer gegeneinander abwägen. Die Chemotherapie stellt bei einer Leukämie jedoch meist die einzige Möglichkeit dar, die Krankheit zu bekämpfen.

Stärke, Form und Umfang der Chemotherapie hängen unter anderem davon ab, um welche Art der Leukämie es sich handelt.

Strahlentherapie

Zusätzlich zu einer Chemotherapie kann bei manchen Leukämie-Fällen auch eine Strahlentherapie angebracht sein. Im Rahmen der Behandlung werden jeweils bestimmte Körperregionen bestrahlt. Haben Leukämiezellen beispielsweise auch das Gehirn befallen, sollte der Schädel bestrahlt werden. So lassen sich die Leukämiezellen im Hirn sicher zerstören. Denn Medikamente werden durch die sogenannte Blut-Hirn-Schranke behindert und gelangen dort nicht hin.

Wichtig zu wissen: Die ionisierende Strahlung unterscheidet nicht zwischen gesunden und entarteten Zellen. Deshalb schädigt eine Strahlenbehandlung sowohl Leukämiezellen als auch gesunde Zellen. Gesunde Zellen können sich jedoch erholen, da sie über Reparaturmechanismen verfügen und Strahlenschäden bis zu einem gewissen Maß ausgleichen können. Leukämiezellen sind dagegen anfälliger. Sie sterben ab und werden von Zellen des körpereigenen Abwehrsystems entsorgt. Damit die gesunden Zellen genug Zeit haben, sich zu erholen, führt man die Strahlentherapie mit etwas Abstand in mehreren Sitzungen durch.

Bei einer Strahlentherapie können verschiedene Nebenwirkungen auftreten, wie zum Beispiel:

Stammzelltransplantation

Eine Stammzelltransplantation kommt meist zum Einsatz, wenn eine Chemotherapie alleine zur Behandlung nicht ausreicht. Bei dieser Therapieform zerstört man das Knochenmark des Leukämie-Patienten und tauscht es gegen gesundes Spendermaterial aus. Denn die Stammzellen des Knochenmarks sind die Vorstufe aller Blutzellen, also der roten und weißen Blutkörperchen sowie der Blutplättchen.

Eine Stammzelltherapie ist in der Regel sehr wirksam. Allerdings ist sie auch eine körperlich sehr belastende Behandlung, die mit Risiken einhergehen kann. Denn in der Phase, in der das Knochenmark zerstört wurde, besitzt der Betroffene keine körpereigene Abwehr. Es besteht deshalb die Gefahr, sich mit normalerweise harmlosen Keimen zu infizieren. Deshalb erhält er in dieser Zeit zusätzlich Medikamente wie Antibiotika, um schweren Infektionen vorzubeugen. Zudem müssen besondere hygienische Bedingungen eingehalten werden.

Mediziner unterscheiden zwei Formen der Stammzelltransplantation:

  • die allogene Stammzelltransplantation und
  • die autologe Stammzelltransplantation.

Allogene Stammzelltransplantation

Bei der allogenen Stammzelltransplantation sind Spender und Empfänger nicht identisch. Man spricht deshalb auch von einer Fremdspende. Die gespendeten Zellen müssen trotzdem so ähnlich wie möglich sein und möglichst viele identische Oberflächenmerkmale aufweisen. Die größte Chance, Spenderzellen mit identischen Merkmalen zu finden, ist deshalb innerhalb einer Familie gegeben.

Voraussetzung für die Stammzelltransplantation: Das blutbildende Knochenmark des Patienten muss zuvor mithilfe einer intensiven Chemotherapie oder Strahlentherapie komplett zerstört werden. Ziel dieser Therapie ist es, erst alle Tumorzellen abzutöten, um dem Körper dann wieder gesunde, zur Blutbildung befähigte Zellen zuzuführen.

Nach der Chemo- oder Strahlentherapie überträgt man die gesunden Stammzellen des Spenders mit einer Transfusion. Die gesunden Spenderzellen siedeln sich dann im Knochenmark des Empfängers an. Um zu verhindern, dass das Immunsystem die Spenderzellen abstößt, erhält der Leukämie-Patient zusätzlich Medikamente, die sein Immunsystem unterdrücken (sog. Immunsuppressiva).

Autologe Stammzelltransplantation

Bei der sogenannten autologen Stammzelltransplantation gewinnt der Arzt das Stammzellen enthaltende Knochenmark vom Patienten selbst (sog. Eigenspende). Das Spendermaterial erhält er dabei über eine Punktion des Hüftknochens (Beckenkamm). Zunächst ist es auch hier notwendig, das Knochenmark des Betroffenen durch eine Chemotherapie oder Strahlentherapie zu zerstören. Im Anschluss erhält der Patient die gesunden Stammzellen über eine Transfusion. Diese Form der Stammzelltransplantation kommt bei Leukämie jedoch im Grunde so gut wie nie zum Einsatz.

Biologika

Bei manchen Formen der Leukämie setzt man sogenannte Biologika zur Therapie ein. Darunter versteht man biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe, die in körpereigene Prozesse eingreifen und bestimmte krankhafte Vorgänge dadurch aufhalten.

Wirkstoffe aus der Gruppe der Tyrosinkinasehemmer greifen zielgerichtet in das Zellwachstum von Krebszellen ein und stoppen es. Angriffspunkt der Tyrosinkinasehemmer sind die Tyrosinkinasen. Das sind spezielle Enzyme, die eine wichtige Rolle bei der Zellvermehrung spielen. Der Wirkstoff Imatinib erzielt vor allem bei der chronischen myeloischen Leukämie (CML) sehr gute Ergebnisse. Mittlerweile stehen neben Imatinib auch weitere Tyrosinkinasehemmer wie Nilotinib oder Dasatinib zur CML-Therapie zur Verfügung. Welchen Wirkstoff der Arzt einsetzt, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab.

Bei der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) kommen begleitend zu einer Chemotherapie die Wirkstoffe Rituximab und Alemtuzumab infrage. Beide Wirkstoffe sind künstliche Antikörper, die spezielle Oberflächenstrukturen der weißen Blutkörperchen erkennen und so deren Zerstörung einleiten.

Leukämie (Blutkrebs): Verlauf

Bei Leukämie (Blutkrebs) hängt der Verlauf unter anderem davon ab, ob eine chronische oder eine akute Form der Erkrankung vorliegt.

Akute Leukämien entwickeln sich schnell und gehen mit starken Beschwerden einher während sich chronische Verlaufsformen schleichend und langsamer entwickeln.

Komplikationen

Weil bei Blutkrebs das Immunsystem stark geschwächt ist, können Komplikationen auftreten. Leukämie-Patienten sind sehr anfällig für Infektionen. Das trifft für alle Formen der Leukämie zu.

Bei der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) sind die B-Lymphozyten geschädigt. Diese bilden normalerweise die für die Abwehr von Krankheitserregern wichtigen Antikörper. Das Risiko für Infektionen steigt daher, wenn die B-Lymphozyten nicht mehr funktionstüchtig sind. Auch das Risiko für einen Gefäßverschluss durch Blutgerinnsel (Thrombosen) steigt, da zu Beginn der CLL die Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten) zunimmt. Wenn die Zahl der Blutplättchen im weiteren Verlauf wieder sinkt, kann es dagegen rascher zu Blutungen kommen.

Prognose

Die bei Kindern häufige akute lymphatische Leukämie (ALL) hat gute Heilungschancen: Fünf Jahre nach der Therapie leben noch circa acht von zehn betroffenen Kinder.

Nachsorge

Bei Blutkrebs ist nach abgeschlossener Behandlung eine langfristig angelegte Nachsorge sehr wichtig. Hier gilt es insbesondere, das Blut mittels Blutbild und Differenzialblutbild regelmäßig zu untersuchen. Die Nachsorge dient vor allem dazu, ein Wiederauftreten der Leukämie (sog. Rezidiv) sowie Folgeschäden rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Leukämie (Blutkrebs): Vorbeugen

Bisher sind keine Maßnahmen bekannt, mit denen man einer Leukämie (Blutkrebs) direkt vorbeugen könnte. Auch Möglichkeiten zur Früherkennung gibt es derzeit nicht.

Sie können jedoch versuchen, das Erkrankungsrisiko auf indirekte Weise zu senken. Dazu sollten Sie zum Beispiel auf folgende Dinge achten:

  • Rauchen Sie nicht. Etwa jeder zehnte Leukämie-Fall geht wahrscheinlich auf Rauchen zurück.
  • Gehen Sie mit chemischen Schadstoffen vorsichtig um, insbesondere mit Benzol und benzolhaltigen Substanzen.
  • Ionisierende Strahlung (wie Röntgenstrahlung) ist ein Risikofaktor. Um überflüssige Röntgenuntersuchungen zu vermeiden, können Sie sich einen Röntgenpass zulegen. In diesem werden alle Röntgenuntersuchungen eingetragen. Jede Arztpraxis, die Röntgenuntersuchungen vornimmt, kann Ihnen solch einen Röntgenpass ausstellen.

Suchen Sie darüber hinaus bei länger anhaltenden Beschwerden wie Schwäche, Unwohlsein, Abgeschlagenheit und Fieber immer einen Arzt auf, um mögliche Ursachen abklären zu lassen. Glücklicherweise wird sich meist herausstellen, dass die Beschwerden eine harmlose Ursache haben. Denn die Wahrscheinlichkeit für Blutkrebs ist im Vergleich zu anderen Erkrankungen gering. Dennoch gilt: Je früher eine Leukämie entdeckt wird, desto besser sind in der Regel die Heilungschancen.

Leukämie (Blutkrebs): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Leukämie (Blutkrebs)":

Onmeda-Lesetipps:

Themeninsel Krebs
Forum Krebserkrankungen

Linktipps:

www.krebshilfe.de Die Deutsche Krebshilfe will Betroffenen und Angehörigen helfen. Deshalb fördert sie "Projekte zur Verbesserung der Prävention, Früherkennung, Diagnose, Therapie, medizinischen Nachsorge und psychosozialen Versorgung einschließlich der Krebs-Selbsthilfe". Ein Hauptanliegen ist es, über Krebserkrankungen zu informieren.

www.kinderkrebsstiftung.de Die Deutsche Kinderkrebsstiftung hat als Ziel, Heilungschancen, Behandlungsmethoden und die Lebensqualität krebskranker Kinder zu verbessern.

www.kompetenznetz-leukaemie.de Ziel des Kompetenznetzwerks "Akute und chronische Leukämien" ist der Aufbau eines weltweit führenden kooperativen Leukämie-Netzwerks für die Verbesserung der bevölkerungsbezogenen Versorgung und der gesundheitsbezogenen Forschung bei akuten und chronischen Leukämien.

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe e.V. (DLH)
Bundesverband der Selbsthilfeorganisationen
Thomas-Mann-Str. 40
53111 Bonn
+49 / 228 / 33 889 200
info@leukaemie-hilfe.de
www.leukaemie-hilfe.de

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Leukämie. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 7.4.2017)

Wendtner, C.-M., et al.: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO): Chronisch Lymphatische Leukämie (CLL) (Stand: Januar 2017)

Leukämie – Ursachen und Risikofaktoren. Online-Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft: Leukämie. www.krebsgesellschaft.de (Stand: 21.3.2017)

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO): Akute lymphatische Leukämie (ALL) – Leitlinie. www.dgho-onkopedia.de (Stand: März 2017)

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO): Akute Myeloische Leukämie (AML) – Leitlinie. www.dgho-onkopedia.de (Stand: März 2017)

Die blauen Ratgeber 10: Leukämie. Stiftung Deutsche Krebshilfe, Bonn 2016

Robert-Koch-Institut (Hg.): Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland 2016. Robert-Koch-Institut, Berlin 2016

Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft und der Gesellschaft für Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie: Akute lymphoblastische (ALL) im Kindesalter, AWMF-Leitlinien-Register Nr. 025/014 (Stand: April 2016)

Robert Koch-Institut (Hg.): Krebs in Deutschland 2011/2012. Robert Koch-Institut, Berlin, 2015

Leukämien: Online-Informationen des Kompetenznetzes Leukämie: www.kompetenznetz-leukaemie.de (Stand: 2015)

Behandlung: Online-Informationen des Kompetenznetzes Leukämie: www.kompetenznetz-leukaemie.de (Stand: 2015)

Hof, H., Dörries, R.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014

Hahn, J. H., et al.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Hochhaus, A., et al.: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO): Chronisch Myeloische Leukämie (CML) (Stand: Januar 2013)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie: Akute myeloische Leukämie – AML – im Kindesalter. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 025/031 (Stand: Februar 2013)

Leukämien bei Erwachsenen: Häufigkeit, Auslöser, Symptome. Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums: www.krebsinformationsdienst.de (Stand: 21.9.2012)

Siegmund-Schultze, N.: Leukämien: Womit therapieren und wie lange? Deutsches Ärzteblatt, Jg. 107, Heft 10, S. A-432-433 (12.3.2010)

Stand: 28. August 2017