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Leberzirrhose: vernarbte Schrumpfleber

Veröffentlicht von: Till von Bracht (21. Februar 2017)

© Jupiterimages/iStockphoto

Die Leberzirrhose ist das Endstadium verschiedener Lebererkrankungen, bei dem die normale, gesunde Architektur der Leber zerstört und durch funktionsloses Bindegewebe ersetzt wurde. Wegen der stetigen Schädigung des Lebergewebes verhärtet die Leber, vernarbt und schrumpft. Eine Leberzirrhose bezeichnet man deshalb auch als "Schrumpfleber".

Durch den narbigen Umbau fließt weniger Blut durch die Leber und die Leberfunktion nimmt ab. Dies führt dazu, dass Nährstoffe, Hormone, Medikamente und Giftstoffe nur noch verlangsamt oder gar nicht mehr abgebaut werden können. 

Gerade zu Beginn der Erkrankung sind die Symptome noch sehr unspezifisch – in manchen Fällen macht sich eine Leberzirrhose auch lange Zeit gar nicht bemerkbar. Als typische Anzeichen für eine Leberzirrhose gelten zum Beispiel folgende Allgemeinsymptome:

Oft verursacht eine Leberzirrhose zudem ein Druck- oder Völlegefühl im Bereich oberhalb des Bauchnabels. Zusätzlich können die sogenannten Leberhautzeichen auftreten. Dies sind unter anderem:

  • punktförmige, rote Gefäßknötchen (Gefäßspinnen),
  • rot gefärbte Daumen- und Kleinfingerballen (Palmarerythem) und
  • knallrote, glänzende Lippen und Zunge (sog. Lacklippen und Lackzunge)

Hinter all diesen Symptomen muss allerdings nicht zwangsläufig eine ernsthafte Erkrankung stecken – es handelt sich lediglich um Hinweise für eine Leberzirrhose. So bilden sich zum Beispiel in etwa der Hälfte aller Schwangerschaften ebenfalls Gefäßspinnen und ein Palmarerythem aus, die meist nach der Schwangerschaft wieder verschwinden. 

Generell gilt: Eine Leberzirrhose ist nicht heilbar. Bei rechtzeitiger und konsequenter Behandlung kann sich die Leber aber zumindest anteilig wieder erholen, sodass eine Leberzirrhose die Lebenserwartung der Betroffenen nicht unbedingt verkürzen muss! Menschen mit fortgeschrittener Leberzirrhose sterben allerdings im Durchschnitt deutlich früher als gesunde Menschen.

Wenn die Leber durch die Vernarbungen nicht mehr ausreichend funktioniert, steigt die Konzentration des Gallenfarbstoffs Bilirubin im Gewebe an. Dies führt zu einer gelblichen Verfärbung des Augenweiß und der Haut (Ikterus bzw. Gelbsucht). Zusätzlich staut sich vor der vernarbten Leber in der Pfortader das Blut, wodurch der Blutdruck im Leberkreislauf steigt (sog. Pfortaderhochdruck), was wiederum Krampfadern der Speiseröhre, des Magens, eine Vergrößerung der Milz oder eine Aszites (Bauchwassersucht) zur Folge haben kann. 

Im Endstadium kann die Leber ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen, was schließlich zum Leberversagen und zum Tod führt.

Das Bild zeigt die Illustration einer normalen Leber und einer Leber bei Leberzirrhose. © iStock

Eine Leberzirrhose ist das Endstadium verschiedener Lebererkrankungen. Wegen der stetigen Schädigung des Lebergewebes verhärtet die Leber, vernarbt und schrumpft – bis sie irgendwann ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen kann.

Eine Leberzirrhose kann verschiedene Ursachen haben. In Deutschland entstehen die meisten Leberzirrhosen infolge

Meistens (in mehr als der Hälfte aller Fälle) entsteht eine Fettleber durch übermäßigen Konsum von Alkohol über viele Jahre hinweg. Daneben führen oft auch starkes Übergewicht und Diabetes mellitus zu einer Fettlebererkrankung. Eine Virushepatitis entsteht – wie der Name schon sagt – durch eine Infektion mit Viren. Je nachdem welcher Virus die Leberentzündung auslöst, unterscheidet man Hepatitis A, B, C, D oder E. Hepatitis A und Hepatitis E führen allerdings nur sehr selten zu einer Leberzirrhose. 

Seltener tritt die Leberzirrhose zum Beispiel im Rahmen von erblichen Stoffwechselerkrankungen auf – wie bei:

Vereinzelt können auch Schädigungen der Leber durch Medikamente oder Chemikalien eine Leberzirrhose verursachen.

Video: Leberzirrhose

Bei einer Leberzirrhose ist es wichtig, möglichst frühzeitig mit der Behandlung zu beginnen, um weitere Leberschädigungen zu vermeiden – daher sollte man bei Verdacht auf eine Leberzirrhose die Symptome ärztlich abklären lassen.

Zur Diagnose sind eine körperliche Untersuchung, Labortests und eine Ultraschalluntersuchung hilfreich. Zudem sind für den Arzt Informationen zu Beruf, Lebensgewohnheiten und eingenommenen Medikamenten wichtig, da sich hieraus mögliche Risikofaktoren für eine Lebererkrankung ergeben können.

Hat der Arzt eine beginnende Leberzirrhose festgestellt, besteht die Therapie vor allem darin, leberschädigende Substanzen wie Alkohol oder Zigaretten zu vermeiden. Darüber hinaus sollte man auf eine

  • ausgewogene,
  • vitamin- und eiweißreiche
  • sowie kochsalzarme Ernährung

achten. 

Bei Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose sind spezielle hochkalorische Nahrungsergänzungsmittel mit einem hohen Anteil verzweigkettiger Aminosäuren (VKAS: Isoleucin, Leucin, Lysin, Valin) und einem niedrigen Anteil aromatischer Aminosäuren (Phenylalanin, Tyrosin, Tryptophan). Betroffene sollten diese Präparate möglichst spätabends oder nachts einnehmen – dann können sie den Körpereiweißstatus wirksamer verbessern.

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Stadien einer Leberzirrhose

Der Schweregrad der Leberzirrhose bemisst sich nach dem sogenannten Child-Pugh-Score: Mit der Child-Pugh-Klassifikation können Ärzte die Leberfunktion anhand von fünf Kriterien bewerten, für die man nach einem festen Schema Punkte vergibt. Am Ende werden alle Punkte addiert. Je nach Gesamtpunktzahl lässt sich die Leberzirrhose in drei unterschiedliche Stadien einteilen:

  • Child A,
  • Child B
  • oder Child C.

Das Ergebnis Child C beschreibt das Endstadium einer Leberzirrhose und hat die schlechteste Prognose, Child A die beste.

Berechnung des Child-Pugh-Scores

Beurteilungs­kriteri­um 1 Punkt 2 Punkte 3 Punkte
INR (Maß für die Blutgerinnung)

< 1,7

1,7 - 2,3

> 2,3

Albumin im Serum (g/l)

> 35

28 - 35

< 28

Bilirubin im Serum (µm­ol/l) < 34 34 - 52 > 52
Aszites nein mäßig viel
Enzephalo­pathie (Grad) nein I - II III - IV

Stadien und Aussagen zur Prognose

Gesamtpunktzahl Child-Pugh-Klassifikation 1-Jahres-Überlebensraten 2-Jahres-Überlebensraten
5 - 6 A 95 % 90 %
7 - 9 B 80 % 70 %
10 - 15 C 45 % 38 %

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