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Leberzirrhose: vernarbte Schrumpfleber

Veröffentlicht von: Till von Bracht (08. Mai 2017)

© Jupiterimages/iStockphoto

Die Leberzirrhose ist das Endstadium verschiedener Lebererkrankungen, bei dem die normale, gesunde Architektur der Leber zerstört und durch funktionsloses Bindegewebe ersetzt wurde. Wegen der stetigen Schädigung des Lebergewebes verhärtet die Leber, vernarbt und schrumpft. Eine Leberzirrhose bezeichnet man deshalb auch als "Schrumpfleber".

Meistens (in mehr als der Hälfte aller Fälle) entsteht eine Leberzirrhose durch übermäßigen Konsum von Alkohol über viele Jahre hinweg.

In etwa 20 bis 25 Prozent der Fälle ist die Leberzirrhose die Folge einer chronischen Leberentzündung – auch Virushepatitis genannt. Doch auch weitere Ursachen kommen infrage, zum Beispiel Diabetes mellitus

Gerade zu Beginn der Erkrankung sind die Symptome noch sehr unspezifisch – in manchen Fällen macht sich eine Leberzirrhose auch lange Zeit gar nicht bemerkbar. 

Als typische Anzeichen für eine Leberzirrhose gelten zum Beispiel folgende Allgemeinsymptome:

Durch den narbigen Umbau fließt weniger Blut durch die Leber und die Leberfunktion nimmt ab. Dies führt zum Beispiel dazu, dass Nährstoffe, Hormone, Medikamente, Giftstoffe und der Gallenfarbstoff Bilirubin nur noch verlangsamt abgebaut werden können. Die Folge: Das Augenweiß und die Haut verfärben sich gelblich (Ikterus bzw. Gelbsucht).

Zusätzlich staut sich vor der vernarbten Leber in der Pfortader das Blut, wodurch der Blutdruck im Leberkreislauf steigt (sog. Pfortaderhochdruck), was wiederum Krampfadern der Speiseröhre, des Magens, eine Vergrößerung der Milz oder eine Aszites (Bauchwassersucht) zur Folge haben kann. 

Im Endstadium kann die Leber ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen, was schließlich zum Leberversagen und zum Tod führt.

Generell gilt: Eine Leberzirrhose ist nicht heilbar! Bei rechtzeitiger und konsequenter Behandlung kann sich die Leber aber zumindest anteilig wieder erholen, sodass eine Leberzirrhose die Lebenserwartung der Betroffenen nicht unbedingt verkürzen muss! Menschen mit fortgeschrittener Leberzirrhose sterben allerdings im Durchschnitt deutlich früher als gesunde Menschen.

Schätzungsweise eine Million Menschen in Deutschland haben eine Leberzirrhose, wobei die Häufigkeit dieser Leberveränderung bei Übergewichtigen größer ist als bei Normalgewichtigen. Außerdem sind Männer doppelt so häufig betroffen wie Frauen. In Deutschland gehört die Leberzirrhose zu den 20 häufigsten Todesursachen.

Stadien einer Leberzirrhose

Der Schweregrad der Leberzirrhose bemisst sich nach dem sogenannten Child-Pugh-Score: Mit der Child-Pugh-Klassifikation können Ärzte die Leberfunktion anhand von fünf Kriterien bewerten, für die man nach einem festen Schema Punkte vergibt. Am Ende werden alle Punkte addiert. Je nach Gesamtpunktzahl lässt sich die Leberzirrhose in drei unterschiedliche Stadien einteilen:

  • Child A,
  • Child B
  • oder Child C.

Das Ergebnis Child C beschreibt das Endstadium einer Leberzirrhose und hat die schlechteste Prognose, Child A die beste.

Berechnung des Child-Pugh-Scores

Beurteilungs­kriteri­um 1 Punkt 2 Punkte 3 Punkte
INR (Maß für die Blutgerinnung)

< 1,7

1,7 - 2,3

> 2,3

Albumin im Serum (g/l)

> 35

28 - 35

< 28

Bilirubin im Serum (µm­ol/l) < 34 34 - 52 > 52
Aszites nein mäßig viel
Enzephalo­pathie (Grad) nein I - II III - IV

Stadien und Aussagen zur Prognose

Gesamtpunktzahl Child-Pugh-Klassifikation 1-Jahres-Überlebensraten 2-Jahres-Überlebensraten
5 - 6 A 95 % 90 %
7 - 9 B 80 % 70 %
10 - 15 C 45 % 38 %

Leberzirrhose: Typische Ursachen

Eine Leberzirrhose kann verschiedene Ursachen haben. In Deutschland entstehen die meisten Leberzirrhosen infolge

Die Ursache Nummer eins ist Alkohol: In bis zu 60 Prozent der Fälle entsteht die Leberzirrhose infolge einer alkoholbedingten Fettlebererkrankung. Alkohol schädigt einzelne Bestandteile der Leberzellen, wodurch der Fettsäure- und Tri­gly­ce­rid­stoffwech­sel in der Leber gestört wird. Dies führt dazu, dass sich die Fette in den Leberzellen ansammeln. Bei fortgesetztem Alkoholkonsum wird die Leber so stark geschädigt, dass das gesunde Lebergewebe in funktionsloses Bindegewebe umgebaut wird. 

Nicht immer ist Alkohol der Grund für eine Fettleber. Die wichtigsten Ursachen für eine nicht-alkoholische Fettleber sind starkes Übergewicht (Adipositas) und Diabetes mellitus: Fast jeder fünfte übergewichtige Diabetiker entwickelt im Laufe seines Lebens eine Leberzirrhose.

Etwa 20 bis 25 Prozent der Fälle gehen auf eine chronische Virushepatitis zurück. Eine Virushepatitis entsteht – wie der Name schon sagt – durch eine Infektion mit Viren. Je nachdem welcher Virus die Leberentzündung auslöst, unterscheidet man Hepatitis A, B, C, D oder E. Hepatitis A und Hepatitis E führen allerdings nur sehr selten zu einer Leberzirrhose. 

Manchmal kommt es auch zu einer Leberentzündung, weil der Körper die eigene Leber als Fremdkörper ansieht und dementsprechend gegen die Leber ankämpft (sog. Autoimmunhepatitis). Unbehandelt kann eine autoimmune Hepatitis ebenfalls in eine Leberzirrhose übergehen. 

Das Bild zeigt die Illustration einer normalen Leber und einer Leber bei Leberzirrhose. © iStock

Eine Leberzirrhose ist das Endstadium verschiedener Lebererkrankungen. Wegen der stetigen Schädigung des Lebergewebes verhärtet die Leber, vernarbt und schrumpft – bis sie irgendwann ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen kann.

Nur in wenigen Fällen hat eine Leberzirrhose andere Ursachen. Zu den seltenen Auslösern einer Zirrhose der Leber gehören beispielsweise bestimmte vererbbare Stoffwechselerkrankungen wie:

Darüber hinaus kann eine Leberzirrhose ihre Ursachen vereinzelt auch in Schäden durch Medikamente, Chemikalien oder Tropenerkrankungen (z.B. Amöbenruhr oder Cholera) haben oder weil der Blutabfluss der Leber gestört ist (sog. Stauungsleber) – vor allem bei Rechts­herz­in­suf­fi­zienz, lokaler Thrombose oder dem Budd-Chiari-Syndrom.

Leberzirrhose: Symptome

Eine Leberzirrhose verursacht verschiedene Symptome, die ganz unterschiedlich stark ausgeprägt sein können – je nachdem, in welchem Stadium der Leberzirrhose der Patient ist. Gerade im Anfangsstadium können Symptome auch ganz fehlen. Dagegen ist eine Leberzirrhose im Endstadium durch deutliche Anzeichen der Leberschädigung gekennzeichnet.

Typisch für eine Leberzirrhose sind eher allgemeine Symptome. Die Betroffenen

Oft verursacht eine Leberzirrhose zudem ein Druck- oder Völlegefühl im Bereich oberhalb des Bauchnabels. Außerdem können die sogenannten Leberhautzeichen auftreten. Dies sind unter anderem:

  • Gefäßspinnen (Spider naevi), die besonders am Oberkörper, Hals und Gesicht auftreten und aus punktartigen Gefäßknötchen bestehen, von denen sich kleine Gefäße wie ein Spinnennetz nach außen ziehen
  • deutlich rot gefärbte Daumen- und Kleinfingerballen (Palmarerythem)
  • auffallend glänzende und gerötete Lippen und Zunge (Lacklippen und Lackzunge)
  • Juckreiz
  • totale Weißfärbung der Nägel (Weißnägel)
  • Geldscheinhaut – die Haut ist sehr dünn und wirkt knittrig, Gefäße zeichnen sich deutlich ab

Eine Leberzirrhose kann zusätzliche Symptome wie Schmerzen in der Lebergegend und Fieber verursachen. Zudem bilden sich vermehrt blaue Flecken und Blutungen. Auch eine Wasseransammlung in Beinen (sog. Ödem) oder Bauch (sog. Aszites) ist bei Leberzirrhose ein häufiges Anzeichen.

Hinter all diesen Symptomen muss allerdings nicht zwangsläufig eine ernsthafte Erkrankung stecken – es handelt sich lediglich um Hinweise für eine Leberzirrhose. So bilden sich zum Beispiel in etwa der Hälfte aller Schwangerschaften ebenfalls Gefäßspinnen und ein Palmarerythem aus, die meist nach der Schwangerschaft wieder verschwinden. Auch die Geldscheinhaut findet man oft unabhängig von einer Lebererkrankung.

Darüber hinaus können bei Männern hormonelle Störungen wie Potenzprobleme und ein veränderter männlicher Behaarungstyp auftreten – hierbei entsteht unter anderem eine sogenannte Bauchglatze. Eventuell kann sich die Brustdrüse des Mannes vergrößern (sog. Gynäkomastie). Bei Frauen treten manchmal Unregelmäßigkeiten bei der Regelblutung auf (Menstruationsstörungen).

Im fortgeschrittenen Stadium zeigt sich eine Leberzirrhose oft durch folgende Symptome:

  • Gelbfärbung des Augenweiß und der Haut (Gelbsucht bzw. Ikterus)
  • gestörte Blutgerinnung
  • starker Gewichtsverlust
  • erhöhter Blutdruck im Leberkreislauf (sog. Pfortaderhochdruck) und dessen Folgen wie Krampfadern der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) oder Milzvergrößerung (Hypersplenie)
  • die hepatische Enzephalopathie, die entsteht, wenn die Leber ihre Entgiftungsfunktion nicht mehr ausreichend wahrnehmen kann und sich für das Nervengewebe giftige Stoffe in hoher Konzentration im Blut sammeln

Leberzirrhose: Diagnose durch den Arzt

Bei einer Leberzirrhose ist zur sicheren Diagnose streng genommen eine Leberbiopsie nötig: Hierbei punktiert der Arzt die Leber mit einer Nadel, um eine Probe des Lebergewebes zu gewinnen. Nur so ist es möglich, den krankhaften Zustand der Leber, der eine Leberzirrhose kennzeichnet, direkt festzustellen.

In der Regel reicht es aber, die Leberzirrhose anhand ihrer Symptome zu diagnostizieren: Hierzu erkundigt sich der Arzt zunächst zur Vorgeschichte der Beschwerden (sog. Anamnese) und führt eine körperliche Untersuchung durch. Außerdem helfen bildgebende Verfahren und verschiedene Laborwerte, den Zustand der Leber zu beurteilen:

Im frühen Stadium einer Leberzirrhose bietet sich zur Diagnose eine Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs an: Im Ultraschallbild erscheinen das Lebergewebe ungleichartig und die Leberoberfläche unregelmäßig; außerdem ist einer der kleinen Leberlappen (sog. Lobus caudatus) vergrößert. Um eine Leberzirrhose zu diagnostizieren, ist außerdem das neuere Ultraschallverfahren namens transiente Elastographie hilfreich: Hiermit kann der Arzt feststellen, wie groß der Anteil an Bindegewebe in der Leber ist (bei einer Leberzirrhose wandelt sich die Leber zunehmend in narbiges Bindegewebe um).

Bei der Blutuntersuchung kann zum Beispiel eine zu geringe Anzahl Blutplättchen (Thrombozyten) im Blut auf eine fortgeschrittene Lebererkrankung mit beginnender Leberzirrhose hindeuten. Zur Diagnose sind außerdem die Leberwerte interessant: So sind zum Beispiel die Werte für die Enzyme Albumin und Cholinesterase erniedrigt, wenn die Funktion der Leber durch die Zirrhose gestört ist. Und wenn die Leber ihre Entgiftungsfunktion aufgrund der Leberzirrhose nicht mehr ausreichend erfüllen kann, sind im Blut beispielsweise die Werte für den Gallenfarbstoff Bilirubin erhöht.

Bei Verdacht auf eine Leberzirrhose gehört es stets zur Diagnose, auch die zugrunde liegende Ursache abzuklären: Eine Leberzirrhose, die durch Alkoholmissbrauch, Medikamente oder giftige Stoffe (z.B. Chemikalien) entstanden ist, kann der Arzt meist bereits anhand der Angaben zur Vorgeschichte der Beschwerden diagnostizieren. Ist hingegen eine chronische Virushepatitis für die Leberzirrhose verantwortlich, finden sich im Blut entsprechende Antikörper gegen diese Viren und sogenanntes aktives Virusmaterial. In einigen Fällen ist es allerdings schwierig, den Grund für den krankhaften Zustand der Leber zu finden.

Je nachdem, wie die Leber genau aussieht, können Ärzte die Leberzirrhose in drei verschiedene Typen unterteilen:

  • kleinknotiger Typ (gleichförmig auftretende Knoten mit einem Durchmesser von weniger als 3 Millimetern)
  • großknotiger Typ (unterschiedlich große Knoten mit einem Durchmesser von mindestens 3 Millimetern)
  • Mischtyp, der sowohl klein- als auch großknotige Anteile aufweist

Bei Alkoholmissbrauch entsteht meist die kleinknotige Form der Leberzirrhose, bei einer Virushepatitis die großknotige oder gemischte Form.

Leberzirrhose: Therapie

Hat der Arzt eine beginnende Leberzirrhose festgestellt, besteht die Therapie vor allem darin, leberschädigende Substanzen wie Alkohol oder Zigaretten zu vermeiden. Darüber hinaus sollte man auf eine

  • ausgewogene,
  • vitamin- und eiweißreiche
  • sowie kochsalzarme Ernährung

achten. 

Bei Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose sind spezielle hochkalorische Nahrungsergänzungsmittel mit einem hohen Anteil verzweigkettiger Aminosäuren (VKAS: Isoleucin, Leucin, Lysin, Valin) und einem niedrigen Anteil aromatischer Aminosäuren (Phenylalanin, Tyrosin, Tryptophan). Betroffene sollten diese Präparate möglichst spätabends oder nachts einnehmen – dann können sie den Körpereiweißstatus wirksamer verbessern.

Um die Entgiftungsfunktion der Leber und den Stuhlgang zu unterstützen, sollte man sich möglichst ballaststoffreich ernähren, sich viel bewegen und ausreichend trinken

Wenn eine vermehrte Eisenaufnahme und -speicherung (durch die Erbkrankheit Hämochromatose) hinter der Leberzirrhose steckt, ist es notwendig, das überschüssige Eisen durch Aderlässe aus dem Körper zu entfernen. Hat die Kupferspeicherkrankheit Morbus Wilson die Leberzirrhose ausgelöst, zielt die Therapie darauf ab, die Kupferaufnahme zu vermindern und die Kupferausscheidung zu erhöhen. Dies gelingt mit dem Wirkstoff D-Penicillamin, der das überschüssige Kupfer im Blut bindet – der Körper scheidet es dann über den Urin aus.

Treten akute Komplikationen wie zum Beispiel neurologische Symptome (hepatische Enzephalopathie) oder eine Blutung aus Krampfadern der Speiseröhre im Zusammenhang mit einer Leberzirrhose auf, ist sofort eine ärztliche Therapie einzuleiten.

In schweren Fällen hilft bei einer Leberzirrhose nur eine Therapie: die Lebertransplantation. Voraussetzung für die Operation ist, dass die von einem Transplantationszentrum festlegten Kriterien für eine Transplantation erfüllt sind.

Eine Leberzirrhose ist eine chronische Erkrankung der Leber, die die Gesundheit und Lebensqualität stark beeinträchtigen kann. Erfahren Sie im Video mehr!

Therapie einer Hepatitis

Hat eine chronische, durch Viren ausgelöste Leberentzündung (z.B. Hepatitis B oder C) die Leberzirrhose verursacht, richtet sich die Therapie der Hepatitis nach bestimmten Kriterien: Eine Hepatitis-Behandlung ist bei einer Leberzirrhose in der Regel nur dann empfehlenswert, wenn

  • die Entzündung der Leber fortbesteht und
  • die Konzentration an Viren im Blut (sog. Viruslast) hoch ist.

In dem Fall erhalten die Patienten zur ursächlichen Leberzirrhose-Therapie ein Medikament, das die Vermehrung der Hepatitisviren hemmt. Bei Hepatitis B kommen vor allem Interferon Alpha, Peginterferon Alpha 2a und Mittel gegen Viren (sog. Virostatika) wie Lamivudin, Entecavir, Telbivudin; Adefovir oder Tenofovir zum Einsatz. 

Bei Hepatitis C gelten in Abhängigkeit vom Virusgenotyp Sofos­bu­vir, Riba­virin und Peg­in­ter­fe­ron alfa-2 als empfehlenswert – un­ter Umständ­en bei Leberzirrhose zusammen mit Daclatas­vir. 

Mögliche Nebenwirkungen dieser Hepatitis-Behandlungen sind ein vorübergehend verändertes Blutbild, grippeähnliche Symptome und erhöhte Leberwerte.

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Leberzirrhose: Verlauf

Bei einer Leberzirrhose hängt der Verlauf von der Ursache, dem Stadium der Leberschädigung sowie von einer angemessenen und rechtzeitigen Therapie ab: Es ist zwar nicht möglich, die entstandenen Schäden ganz zu beheben (d.h. die Leberzirrhose ist nicht völlig heilbar). Bei entsprechender Behandlung kann sich die Leber aber zumindest anteilig erholen.

Ist beispielsweise ein übermäßiger Alkoholkonsum verantwortlich für die Leberzirrhose, ist es für den Verlauf entscheidend, zukünftig auf Alkohol zu verzichten: Bei vollständiger Abstinenz ist die Prognose gut.

Es genügen bereits 15 Prozent gesundes Lebergewebe, um alle Funktionen der Leber aufrechtzuerhalten. Rechtzeitig und konsequent behandelt verkürzt eine Leberzirrhose die Lebenserwartung also nicht unbedingt! Menschen mit fortgeschrittener Leberzirrhose sterben allerdings im Durchschnitt deutlich früher als gesunde Menschen.

Um den Schweregrad einer Leberzirrhose (und somit ihren Verlauf bzw. ihre Prognose) einschätzen zu können, ist die sogenannte Child-Pugh-Klassifikation hilfreich: Mit ihr kann der Arzt die Leberfunktion anhand von fünf Kriterien bewerten, für die man nach einem festen Schema Punkte vergibt. Je nach Punktwert lautet das Ergebnis Child A, Child B oder Child C. Die günstigste Prognose hat eine Leberzirrhose bei Child A.

Komplikationen

Die Funktionsfähigkeit der Leber nimmt bei einer unbehandelten Leberzirrhose im weiteren Verlauf immer mehr ab. In fortgeschrittenen Stadien kann die Leberzirrhose außerdem verschiedene Komplikationen verursachen. Ohne Gegenmaßnahmen wirkt sich eine Leberzirrhose so negativ auf die Lebenserwartung und Lebensqualität der Betroffenen aus.

Häufig treten bei einer Leberzirrhose unter anderem folgende Komplikationen auf:

  • Stoffwechselstörungen
  • Ansammlung von Flüssigkeit im Bauch (sog. Aszites)
  • Blutungen in den Verdauungstrakt, meist als Blutungen aus Krampfadern der Speiseröhre (sog. Ösophagusvarizen)
  • Gehirnerkrankung infolge der unzureichenden Entgiftungsfunktion der Leber (sog. hepatische Enzephalopathie)

Die Leberzirrhose kann in ihrem Verlauf auch zu Leberkrebs und zu Leberversagen führen. In schweren Fällen sind die Veränderungen des Lebergewebes bei Leberzirrhose im Endstadium so weit fortgeschritten, dass die Leber ihre Funktion nicht mehr erfüllen kann. Letztlich endet die Leberzirrhose durch diese Komplikationen tödlich.

Leberzirrhose: Vorbeugen

Einer Leberzirrhose vorbeugen bedeutet vor allem: Alles meiden, was eine Lebererkrankung auslösen könnte!

Sie können Ihre Leber schützen, indem Sie zum Beispiel folgende Tipps befolgen:

  • Verzichten Sie auf Alkohol oder konsumieren Sie ihn nur in Maßen.
  • Lassen Sie sich gegebenenfalls gegen Hepatitis B impfen.
  • Vermeiden Sie ungeschützten Kontakt mit Lösungsmitteln.

Gegen eine weitere häufige Ursache der Leberzirrhose – Hepatitis C – steht bisher keine Impfung zur Verfügung. Sie können einer Ansteckung mit Hepatitis-C-Viren (wie auch Hepatitis-B-Viren) und einer nachfolgenden Leberzirrhose jedoch vorbeugen, indem Sie allgemeine hygienische Maßnahmen ergreifen (z.B. beim Geschlechtsverkehr Kondome verwenden, bei der Versorgung von Verletzten Handschuhe tragen usw.).

Haben Sie eine vererbbare Erkrankung, die mit einer Leberschädigung einhergehen und somit eine Leberzirrhose verursachen könnte, ist es vorbeugend empfehlenswert, dass Sie sich genetisch beraten und frühzeitig untersuchen zu lassen.

Leberzirrhose: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Leberzirrhose":

Linktipps:

Selbsthilfe Lebertransplantierter Deutschland e.V. Der Verein richtet sich an Patienten und Angehörige sowie Interessierte, die sich über die Themen Leber, Lebererkrankungen und Organspende informieren möchten. Es besteht nicht nur die Möglichkeit, sich im Forum oder Chat auszutauschen, sondern darüber hinaus einen persönlichen Ansprechpartner in der Region zu finden.

Quellen:

Leberzirrhose. Online-Informationen des Pschyrembel: www,pschyrembel.de (Stand: 7.2.2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2017

Andreae, S., Weniger, J., von Hayek, D.: Gesundheits- und Krankheitslehre für die Altenpflege. Thieme, Stuttgart 2015

Leitline der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V.: Klinische Ernährung in der Gastroenterologie (Teil 1) – Leber. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 073 - 024 (Stand: 30.4.2014)

Hahn, J. M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Wiegand, J., Berg, T.: The etiology, diagnosis and prevention of liver cirrhosis – part 1 of a series on liver cirrhosis. Deutsches Ärzteblatt International 2013; 110(6): 85-91

Sauerbruch, T., Appenrodt, B., Schmitz, V., Spengler, U.: Conservative and interventional treatments for liver cirrhosis – part 2 of a series on liver cirrhosis. Deutsches Ärzteblatt International 2013; 110(8): 126-32

Gerok, W., Huber, C., Meinertz, T., Zeidler, H. (Hrsg.): Die Innere Medizin: Referenzwerk für den Facharzt. Schattauer, Stuttgart 2007

D'Amico, G., Garcia-Tsao, G., Pagliaro, L.: Natural history and prognostic indicators of survival in cirrhosis: a systematic review of 118 studies. Journal of hepatology, Vol. 44, Iss. 1, pp. 217-231 (2006)

Stand: 8. Mai 2017

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