Krätze (Scabies): Quälender Juckreiz durch Krätzmilben

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (04. Juli 2017)

© iStock

Krätze (Scabies) ist weltweit verbreitet – jedoch mit schwankender Häufigkeit. Während sie in den 1950er Jahren in den Industrieländern regelrecht verschwunden war, tritt sie seit dem Ende der 1960er Jahre wieder vermehrt auf. Schätzungen zufolge sind weltweit etwa 300 Millionen Menschen betroffen.

Was ist Krätze?

Krätze (von Medizinern auch Scabies oder Skabies genannt) ist eine ansteckende Hautkrankheit. Ihr Name leitet sich vom lateinischen Wort scabere ab, das kratzen bedeutet.

Auslöser der Krätze sind bestimmte Parasiten: sogenannte Krätzmilben (Sarcoptes scabiei). Da Betroffene die Milben beim Geschlechtsverkehr weitergeben können, gehört die Scabies zur Gruppe der sexuell übertragbaren Krankheiten.

Ist die Krätze meldepflichtig?

Für Krätze besteht zwar keine allgemeine Meldepflicht. Allerdings dürfen laut Infektionsschutzgesetz Menschen mit Krätze oder Verdacht auf Krätze nicht in Betreuungseinrichtungen für Säuglinge, Kinder oder Jugendliche tätig sein, wenn sie dabei Kontakt zu den Betreuten haben. Sind die Betreuten selbst an Scabies erkrankt, dürfen sie die Räume der Gemeinschaftseinrichtung nicht betreten und nicht an Veranstaltungen der Einrichtung teilnehmen.

Ein Verdacht auf Krätze ist sofort der Leitung der Gemeinschaftseinrichtung mitzuteilen, die dann wiederum das zuständige Gesundheitsamt benachrichtigen muss.

Krätze (Scabies): Ursachen

Krätzmilben

Die für Krätze (Scabies) verantwortliche Krätzmilbe Sarcoptes scabiei zählt wie alle anderen Milben zu den Spinnentieren und lebt beim Menschen in der obersten Hautschicht.

Das Bild zeigt eine Krätzmilbe unter einem Elektronenmikroskop. © Okapia

Die Milbe Sarcoptes scabiei ist der Auslöser der Krätze. © Prof. Dr. H. Mehlhorn/OKAPIA

Die Krätzmilbe ist rundlich, bis 0,4 Millimeter groß (die Weibchen sind größer als die Männchen), hat einen durchscheinenden Körper, vier Beinpaare und kräftige Mundwerkzeuge. Krätzmilben sind auf Sauerstoff angewiesen – das ist der Grund dafür, dass sie sich nur in der Hornschicht der Haut aufhalten und nicht weiter in den Körper eindringen. Die Parasiten ernähren sich von Lymph- und Hautzellen. Der Hautbefall durch die Milben schädigt die Haut und ruft eine Reaktion des Immunsystems hervor. So kommt es zu den für Krätze typischen Hautveränderungen.

Dabei entstehen die meisten Symptome durch die weiblichen Krätzmilben: Die Weibchen bohren täglich millimeterlange Gänge in die Hornschicht der Haut und legen in diesen Milbengängen ihre Eier ab. Aus den Eiern schlüpfen nach zwei bis vier Tagen Larven, die sich innerhalb von zwei bis drei Wochen zu geschlechtsreifen Milben umwandeln. Die männlichen Krätzmilben sind kleiner als die weiblichen und leben nur auf der Oberfläche der Haut. Sie haben nur eine kurze Lebensdauer, während die Weibchen etwa vier bis sechs Wochen alt werden.

Lebenszyklus der Krätzmilbe.

Der Lebenszyklus der Krätzmilbe.

Da sich die Krätzmilben stark vermehren, würden sie theoretisch nach wenigen Monaten zu Tausenden die Haut besiedeln. Nach einem Anstieg in den ersten Monaten nach der Infektion sinkt die Zahl der Milben jedoch langsam bis auf wenige Tiere ab. Das liegt möglicherweise zum einen daran, dass das Immunsystem auf die Krätze reagiert, zum anderen bringt der auftretende Juckreiz die Betroffenen dazu, sich stark zu kratzen und dadurch die Gänge in der Haut sowie die Milben zu zerstören.

Die Krätzmilbe ist auf den Menschen als Lebensraum spezialisiert und kann von der Haut entfernt nur wenige Tage überleben.

Übertragung

Normalerweise besiedeln bei Krätze nur wenige Milben die Haut. Die Übertragung eines einzigen Milbenweibchens reicht jedoch schon aus, um Scabies zu verursachen. Das kann auch bei guten persönlichen hygienischen Verhältnissen passieren und bei Menschen jeder Altersgruppe vorkommen.

„Ich krieg die Krätze!“ Wann kommt es zur Ansteckung?

Allgemein gilt bei Krätze: Das Risiko einer Ansteckung ist umso höher, je mehr Krätzmilben sich auf der Hautfläche befinden. Direkt von Mensch zu Mensch ist die gewöhnliche Krätze nur dann ansteckend, wenn ein enger, großflächiger Haut-zu-Haut-Kontakt über einen Zeitraum von mindestens fünf bis zehn Minuten besteht. Beispiele hierfür sind:

  • gemein­sames Schlafen in einem Bett
  • ausgiebiges Kuscheln, Lieb­kosen
  • Körper­pflege von anderen (wie Klein­kindern, Kranken)
  • Geschlechtsverkehr

Da vor allem Geschlechtsverkehr bei Krätze zur Übertragung der Krätzmilben führen kann, gehört die Hautkrankheit zu den sexuell übertragbaren Krankheiten. Aber auch in der Familie, in Gemeinschaftseinrichtungen, Wohngemeinschaften oder Altersheimen kann es zur Ansteckung kommen.

Bei zurückhaltenderem Umgang mit Sozialkontakten, Händeschütteln oder auch einer Umarmung und Küsschen zur Begrüßung besteht in der Regel kein Risiko, die Krätzmilben zu übertragen. Einzige Ausnahme ist die Scabies crustosa (früher auch Scabies norvegica genannt): Diese schwere Form der Krätze ist extrem ansteckend!

Anfällig für die Scabies crustosa sind zum Beispiel Menschen mit einem geschwächten Immunsystem (wie bei HIV): Bei ihnen können sich die Krätzmilben ungehindert vermehren und kommen in großen Mengen auf beziehungsweise in der Haut vor. Hier können schon kurze Hautkontakte den Parasiten übertragen.

Theoretisch ist bei Krätze auch eine indirekte Übertragung über Textilien wie Bettwäsche, Wolldecken, Unterwäsche oder Verbandsstoffe möglich. Tatsächlich passiert das aber bei der gewöhnlichen Scabies nur selten. Das hat mehrere Ursachen:

  • Das Ansteckungsrisiko durch Krätzmilben nimmt außerhalb der Haut schnell ab: Beim in Deutschland üblichen Raumklima (21 °C Raumtemperatur, 40–80% relative Luftfeuchtigkeit) sind die Milben wahrscheinlich höchsten 48 Stunden ansteckend.
  • Bei Menschen mit funktionierendem Immunsystem finden sich nur wenige Milben auf der Haut.
  • Krätzmilben bewegen sich nur sehr langsam fort.

Inkubationszeit

Bei Krätze beträgt die Inkubationszeit (d.h. die Zeit von der Übertragung bis zur Ausbildung der Hautkrankheit) in der Regel einige Wochen. Werden viele Krätzmilben übertragen, dauert es manchmal auch nur wenige Tage, bis sich die ersten Symptome zeigen.

Hygiene und die Fitness des Immunsystems spielen bei Krätze für die Dauer der Inkubationszeit eine entscheidende Rolle: Ein guter Immunstatus sowie häufiges Baden oder Duschen können die Vermehrung der Milben erschweren. Vollständig aufhalten lässt sich die Scabies auf diese Weise jedoch nicht.

Krätze (Scabies): Symptome

Die für Krätze (Scabies) typischen Symptome sind:

  • ein starker Juckreiz, der hauptsächlich nachts im warmen Bett auftritt
  • eine schuppig-krustige Haut mit Knötchen beziehungsweise Papeln

Wie sieht Krätze aus?

  • Durch den starken Juckreiz ist die von Krätze betroffene Haut außerdem mit Kratzspuren übersät.
  • Bei näherer Betrachtung der Haut sind die Milbengänge zu sehen: feine, gewundene, rötlich bis schieferfarbene Linien, in deren Ende die Milbe sitzt – erkennbar durch die leicht erhabene Haustelle, den sogenannten Milbenhügel.
  • Teilweise finden sich bei Scabies auch nur vereinzelte, von einem roten Hof umgebene Papeln.
  • In manchen Fällen kann sich (infolge einer Sensibilisierung durch Milbenantigene) ein Hautausschlag am ganzen Körper bilden.

Bei Krätze kommt es zu ausschlagähnlichen Hautveränderungen in Form von kleinen Knötchen und Papeln. © CDC

Bei Krätze kommt es zu ausschlagähnlichen Hautveränderungen in Form von kleinen Knötchen und Papeln. (Quelle: CDC, J. Miller)

Die mit der Krätze verbundenen Symptome entstehen vor allem durch eine Hautentzündung. Denn wenn Krätzmilben die Haut besiedeln, wird diese direkt geschädigt. Als Folge reagiert das Immunsystem und es kommt zu entzündlichen Prozessen mit den für Scabies typischen Hautveränderungen.

Beim ersten Befall durch Krätzmilben dauert es etwa drei bis sechs Wochen, bis das Immunsystem aktiviert ist und die Krätze ausbricht. Bei einer Wiederbesiedlung vergehen dagegen nur ein bis zwei Tage, bis erste Symptome auftreten.

Dabei sind vor allem die weiblichen Krätzmilben für die Symptome verantwortlich: Während die männlichen Krätzmilben auf der Hautoberfläche bleiben, bohren die weiblichen jeden Tag millimeterlange Gänge in die Hornschicht der Haut und legen dort ihre Eier ab. Dafür bevorzugen sie Körperstellen mit hoher Temperatur und dünner Hornschicht. Deshalb treten die Krätze-Symptome hauptsächlich in bestimmten Hautbereichen auf, so zum Beispiel:

  • an den Handgelenken
  • zwischen den Fingern und Zehen
  • in Bereich des Bauchnabels
  • im Brust- und Achselbereich
  • im Genitalbereich

Das Bild zeigt die Krätze an einem Finger. © Okapia

Die für Krätze typischen Symptome treten hauptsächlich an Körperstellen mit dünner Hornschicht auf. © Neufried/OKAPIA

Hautveränderungen im Gesicht und an den Handflächen beziehungsweise Fußsohlen sind für Krätze – außer bei kleinen Kindern – nicht typisch.

Doch nicht immer verursacht Krätze dieselben Symptome. Bei bestimmten Scabies-Sonderformen weicht das Erscheinungsbild der Haut etwas ab:

Scabies-Sonderformen

Sonderform Symptome
Gepflegte Krätze (Scabies incognita) Die Symptome sind eher unauffällig – es finden sich nur wenige oder keine Hautverletzungen. Der auftretende Juckreiz erscheint wegen der fehlenden sichtbaren Hautveränderungen oft grundlos. Die gepflegte Krätze kann bei häufig badenden Menschen auftreten.
Granulomatöse Krätze (Scabies granulomatosa) Zusätzlich zu den typischen Anzeichen der Krätze finden sich hier erbsengroße, knotige und tief entzündliche Veränderungen in der Genitalregion und anderen Körperbereichen. Sie bilden ein bis zwei Zentimeter große, braunrote Knoten, die auch lange nach erfolgreicher Behandlung weiterbestehen können. Sie entstehen vermutlich, wenn Milben durch das Kratzen in die unteren Hautschichten gelangen – wahrscheinlich als Reaktion des Immunsystems auf tote Milben.
Scabies crustosa Diese schwere Form der Krätze mit starkem Milbenbefall kann besonders bei Kindern, alten und immungeschwächten Menschen (z.B. durch HIV) auftreten. Typisch ist eine extreme Krustenbildung, die vor allem Hände, Füße, Ellenbogen und Knie befällt. Auch Körperregionen, in denen die Krätze normalerweise nicht auftritt, etwa das Gesicht, können von der Scabies crustosa betroffen sein. Aufgrund der hohen Anzahl der Milben (v.a. in den krustigen Hautauflagerungen) ist diese Krätze-Form sehr ansteckend und sogar über Gegenstände übertragbar.

Krätze (Scabies): Diagnose

In der Regel kann der Arzt eine Krätze (Scabies) bereits anhand der typischen Symptome erkennen: Die von den Krätzmilben befallene Haut juckt, bildet schuppig-krustige Stellen, weist Knötchen beziehungsweise Papeln auf und ist von Kratzspuren übersät.

Im sogenannten Auflichtmikroskop erscheinen die mit der Krätze verbundenen Hautveränderungen (vor allem die Milbengänge und Milbenhügel) vergrößert und sind so leichter zu erkennen. Bei entsprechender Vergrößerung ist auch die Krätzmilbe selbst unter dem Auflichtmikroskop sichtbar.

Aufnahme der Krätzmilbe Sarcoptes scabiei unter dem Mikrokop © CDC

Aufnahme der Krätzmilbe Sarcoptes scabiei unter dem Mikrokop (Quelle: CDC)

Erlaubt das äußere Erscheinungsbild der Haut keine klare Diagnose, kann der Arzt die typischen Gänge der Krätzmilben mithilfe der sogenannten Tintenmethode sichtbar machen. Dabei trägt er einen Tropfen wasserlösliche Tinte aus einem Füllfederhalter auf eine intakte Papel auf. Danach wischt er die Tinte mit einem Alkoholtupfer ab. Ausgehend von der Papel zeigt sich dann der gewundene, mit Tinte gefärbte Gang.

Im Hautquerschnitt erkennt man im oberen Bereich mehrere Krätzmilben-Gänge. © CDC

Im Hautquerschnitt erkennt man im oberen Bereich mehrere Krätzmilben-Gänge. (Quelle: CDC)

Daneben lässt sich die Krätze auch durch den direkten Erregernachweis diagnostizieren. Hierzu ist der sogenannte Tesafilmabriss geeignet, bei dem der Arzt die Haut über einer Papel einfettet und sie mit einem durchsichtigen Klebestreifen beklebt. Anschließend reißt er den Klebestreifen ruckartig ab und untersucht ihn mikroskopisch auf Anzeichen der Scabies: Milben, Larven oder deren Ausscheidungen.

Die oft wirkungsvollste Methode zum Nachweis der Krätze besteht in der Abtragung von Milbenhügeln: Hierbei eröffnet der Arzt die Papel vorsichtig mit einem Skalpell und untersucht das abgeschabte Material unter dem Mikroskop.

Krätze (Scabies): Behandlung

Um Krätze schnell wieder (Scabies) loszuwerden, ist eine Behandlung in jedem Fall nötig. Für gewöhnlich ist dies aber ambulant möglich. Nur in folgenden Fällen ist es dringend zu empfehlen, eine Krätze im Krankenhaus behandeln zu lassen:

  • bei Säuglingen (ggf. auch bei Kleinkindern, wenn eine zuverlässige Behandlung sonst nicht möglich scheint)
  • bei Menschen mit Scabies crustosa

Die gegen Krätze eingesetzte Behandlung zielt in erster Linie darauf ab, die Krätzmilben mitsamt Larven und Eiern abzutöten. Dazu stehen sowohl Mittel gegen Krätze zur Verfügung, die man auf die Haut auftragen kann (örtliche Therapie), als auch Medikamente zum Einnehmen (systemische Therapie).

Bei gewöhnlicher Krätze ist Permethrin die Behandlung der Wahl. Dieses künstlich hergestellte Insektizid hat die gleiche Wirkung wie bestimmte natürliche, von manchen Blumen gebildete Stoffe (sog. Pyrethrine). Es ist wie folgt äußerlich anzuwenden:

  • Tragen Sie eine Permethrin-Salbe beziehungsweise -Creme einmalig auf den gesamten Körper auf – sparen Sie jedoch das Gesicht beziehungsweise den Kopf sowie die Schleimhautbereiche im Genital- und Analbereich aus.
  • Am besten wenden Sie das Krätzemittel über Nacht an.
  • Nach acht bis zwölf Stunden Einwirkzeit waschen oder duschen Sie das Mittel ab.
  • Das Krätzemittel kann die Haut reizen. Daher ist es ratsam, die Haut anschließend mit beruhigenden und gegen Hautekzeme wirksamen Lotionen einzucremen.
  • Zeigen sich zwei Wochen später immer noch Anzeichen für einen aktiven Befall mit Krätzmilben, wiederholen Sie die Behandlung.
Permethrin ist gegen Krätze hochwirksam, gut verträglich und auch in der Schwangerschaft oder für Kinder in einer etwas geringeren Dosis geeignet.

Alternativ sind bei Krätze zur äußerlichen Behandlung beispielsweise die Wirkstoffe Benzylbenzoat und Crotamiton verfügbar. Beide Wirkstoffe sind Mittel der zweiten Wahl nach Permethrin. Meist kommen sie erst dann zum Einsatz, wenn die Krätze trotz vorangegangener Behandlung mit Permethrin nicht verschwunden ist. Emulsionen oder Salben mit Benzylbenzoat sind – anders als Permethrin – grundsätzlich an mehreren (meist drei) aufeinanderfolgenden Tagen abends aufzutragen. Oft muss man die Behandlung nach einigen Tagen wiederholen.

Ein wirksames Mittel gegen Krätze, das man (zur systemischen Behandlung) über den Mund einnimmt, ist Ivermectin: In der Regel reicht bei gewöhnlicher Scabies eine Anwendung aus. Dabei richtet sich die Dosierung des Wirkstoffs nach dem Körpergewicht (200 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht bei Erwachsenen).

Um die Krätze erfolgreich zu behandeln, ist in manchen Fällen nach 7 bis 15 Tagen eine zweite Anwendung von Ivermectin ratsam. In folgenden Fällen sollte die Behandlung der Scabies grundsätzlich aus zwei Anwendungen bestehen:

  • bei der schweren Form von Krätze namens Scabies crustosa,
  • bei ausgedehnter Krätze (zahlreiche Hautveränderungen in mindestens fünf verschiedenen Bereichen mit vielen Papeln oder Knoten),
  • bei Menschen, deren Immunsystem durch Medikamente unterdrückt ist sowie
  • bei Ausbrüchen in Betreuungseinrichtungen mit zahlreichen Betroffenen.

Wann ist es ratsam, Krätze systemisch mit Ivermectin zu behandeln?

  • Wenn eine Vorbehandlung mit Permethrin wirkungslos war.
  • Wenn jemand Medikamente einnimmt, die das Immunsystem unterdrücken.
  • Bei Scabies crustosa (zusätzlich zu oder statt einer örtlichen Behandlung).
  • Bei Menschen mit starken Hautschädigungen, bei denen das Risiko besteht, dass örtliche Krätzemittel vom Körper aufgenommen werden oder die Haut zu sehr reizen.
  • Wenn eine vorschriftsmäßige Behandlung am ganzen Körper mit örtlichen Krätzemitteln nicht gewährleistet ist (z.B. wegen einer körperlicher Behinderung oder organisatorischen Schwierigkeiten).

Bei Schwangeren ist Ivermectin allerdings nicht anwendbar. Laut den jeweiligen Fachinformationen sind auch die anderen Mittel gegen Krätze nicht zur Behandlung in der Schwangerschaft zugelassen. Nach aktuellem Wissensstand ist am ehesten Permethrin für Schwangere geeignet.

Wichtig ist in jedem Fall, nicht nur sich selbst gegen Krätze behandeln zu lassen, sondern immer auch das enge Umfeld – also etwa die gesamte Familie, die Wohngemeinschaft oder den Lebenspartner. Da sich der Krätzmilbenbefall oft erst nach Wochen bemerkbar macht, gilt dies auch für Menschen, die zum Zeitpunkt der Behandlung noch keine Beschwerden zeigen. Außerdem ist es bei Scabies empfehlenswert, benutzte Bettwäsche und Kleidung heiß zu waschen und einige Tage lüften zu lassen.

Es ist grundsätzlich sinnvoll, Menschen mit Krätze und deren Kontaktpersonen gleichzeitig zu behandeln.

Krätze (Scabies): Verlauf

Krätze (Scabies) hat bei entsprechender Behandlung überwiegend eine gute Prognose: In den meisten Fällen ist eine Therapie mit äußerlich angewendeten Lotionen wirksam. Der für Krätze typische Juckreiz bleibt allerdings häufig noch einige Zeit nach der erfolgreichen Behandlung bestehen.

Eine angemessene Hygiene kann sich positiv auf den Verlauf der Krätze auswirken: Indem Sie häufig baden oder duschen, können Sie die Vermehrung der Krätzmilben erschweren.

Eine Behandlung versagt normalerweise nur infolge einer falschen Anwendung. Wenn sich nicht alle Menschen aus dem persönlichen Umfeld der Betroffenen ebenfalls gegen Krätze behandeln lassen, tritt die Krankheit bei Kontakt mit diesen Menschen außerdem häufig erneut auf.

Unbehandelt verläuft die Krätze chronisch. Allerdings sind auch nach Jahren Spontanheilungen möglich.

Komplikationen

Im Verlauf einer Krätze kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen – vor allem, wenn die Betroffenen ihre Hygiene vernachlässigen: Dann können zusätzlich Bakterien die durch Krätzmilben beschädigte und vom Kratzen verletzte Haut besiedeln und so weitere, schwerwiegendere Krankheitsbilder verursachen. Beispiele hierfür sind:

die alle eine Behandlung mit Antibiotika nötig machen.

Krätze (Scabies): Vorbeugen

Wer Krätze (Scabies) vorbeugen möchte, sollte vor allem engen Hautkontakt mit Infizierten meiden: Denn die Krätze überträgt sich meist durch engen Hautkontakt von Mensch zu Mensch.

Bei der hochansteckenden Form von Krätze, der Scabies crustosa, ist die Übertragung der Krätzmilben allerdings auch durch kürzeren Körperkontakt sowie über Gegenstände möglich.

Wenn Sie engen Kontakt zu jemandem mit Krätze hatten, beachten Sie bitte: Noch bevor Sie irgendwelche Symptome verspüren (also schon in der Inkubationszeit), können Sie Krätzmilben an andere Menschen weitergeben. Darum sollten Sie nach einer möglichen Ansteckung mit Scabies vorbeugend:

  • für etwa fünf bis sechs Wochen auf intensive Hautkontakte verzichten,
  • sich in dieser Zeit genau beobachten und
  • bei den ersten Anzeichen für einen Krätzmilbenbefall sofort zu einem Hautarzt gehen.

Krätze (Scabies): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Krätze (Scabies)":

Onmeda-Lesetipps:

Arzneimittelinformationen zu Krätze
Forum Haut & Körperpflege
Juckreiz

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 4.7.2017)

RKI-Ratgeber für Ärzte: Skabies (Krätze). Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 2.6.2016)

Scabies. Online-Onformationen der CDC – Centers for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov (Stand: 3.5.2016)

Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Infektiologie: Skabies, Diagnostik und Therapie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/052 (Stand: 31.1.2016)

Plewig, G., et al.: Braun-Falco’s Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Springer, Heidelberg 2012

Sterry, W. (Hrsg.): Kurzlehrbuch Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2011

Neumann, G., et al.: Gynäkologische Infektionen – das Handbuch für die Frauenarztpraxis. Springer, Heidelberg 2010

Tischendorf, F. W. (Hrsg.): Blickdiagnostik. Schattauer, Stuttgart 2010

Fritsch, P.: Dermatologie, Venerologie. Springer, Heidelberg 2009

Rassner, G.: Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007

Meves, A. (Hrsg.): Intensivkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2006

Aktualisiert am: 4. Juli 2017

Wie steht es um Ihre Gesundheit?



Apotheken-Notdienst