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Hyperhidrose (übermäßiges Schwitzen)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (28. Juni 2017)

© Jupiterimages/Wavebreak Media

Eine Hyperhidrose kann sehr belastend sein, denn krankhaftes Schwitzen ist schon wegen der permanenten Feuchtigkeit unangenehm. Wenn das übermäßige Schwitzen öfter auftritt, es zu plötzlichen Schweißausbrüchen kommt und gewöhnliche Deodorants nicht mehr helfen, kann eine Hyperhidrose vorliegen, die behandelt werden sollte.

Was ist Hyperhidrose?

Hyperhidrose ist der medizinische Fachbegriff für übermäßiges Schwitzen. Die starken Schweißausbrüche können dabei entweder am ganzen Körper (generalisiert) oder an bestimmten Körperteilen (lokal), etwa an den Händen, auftreten.

Schwitzen ist normal und schützt den Körper davor, zu überhitzen, etwa beim Sport oder wenn es sehr warm ist. Hyperhidrose, also übermäßiges Schwitzen, bedeutet, dass mehr Schweiß gebildet wird, als für die Kühlung nötig ist. Wann diese Menge erreicht ist, variiert von Mensch zu Mensch.

Je nachdem, an welcher Stelle jemand übermäßig schwitzt, unterscheidet man drei Formen der lokalen Hyperhidrose:

  • Hyperhydrosis axillaris: in der Achsel
  • Hyperhydrosis manuum: an den Händen
  • Hyperhydrosis pedum: an den Füßen

Abhängig von der jeweiligen Ursache unterscheiden Mediziner außerdem zwischen einer primären und einer sekundären Hyperhidrose. Bei der primären Hyperhidrose (von der 1-3 von 100 Personen in Europa betroffen sind) tritt starkes Schwitzen in besonderen Situationen auf:

Die sekundäre Hyperhidrose entsteht infolge von bestimmten Erkrankungen, zum Beispiel Stoffwechselkrankheiten oder psychischen Leiden. Auch während des Klimakteriums (Wechseljahre der Frau) kann eine Hyperhidrose auftreten.

Hier finden Sie weitere Informationen rund um das Thema Schweiß:

Hyperhidrose: Behandlung

Eine Hyperhidrose kann sowohl konservativ als auch chirurgisch behandelt werden. Ist eine Erkrankung für die Hyperhidrose verantwortlich (sekundäre Hyperhidrose), sollte diese Krankheit behandelt werden.

Konservative Therapie

Für die konservative Therapie stehen bei übermäßigem Schwitzen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Antitranspirantien
  • Botulinumtoxin A
  • Iontophorese
  • medikamentöse Therapie

Antitranspirantien

Antitranspirantien verschließen die Drüsenausführungsgänge der Haut. Sie bieten sich vor allem bei Ganzkörperschwitzen an, können aber auch bei lokaler Hyperhidrose eingesetzt werden. Ein typischer Wirkstoff ist Aluminiumchlorid.

Botulinumtoxin A

Botulinumtoxin A ist das Gift des Bakteriums Clostridium botulinum, dem Erreger des Botulismus. Hyperhidrose kann mit diesem Nervengift behandelt werden, um die Schweißproduktion zu verhindern. Das auch Botox genannte Nervengift hemmt die Ausschüttung des Botenstoffs (Acetylcholin) an den Nervenendigungen (Synapsen). Dadurch blockiert es die Nervenleitung, sodass die Schweißproduktion über längere Zeit fast komplett eingestellt ist.

Vor allem übermäßiges Schwitzen im Bereich der Axelhöhlen wird mit Botox behandelt. Dabei spritzt der Arzt das Botulinumtoxin in extremer Verdünnung in mehreren Stichen unter die Haut der betroffenen Körperstellen.

Nebenwirkungen einer korrekt durchgeführten Behandlung mit Botox sind sehr selten. Wie bei allen Injektionen besteht jedoch das Risiko, dass sich die Einstichstelle entzünden kann.

Nachteil: Bei dieser Therapieform sind viele, möglicherweise schmerzhafte, Injektionen erforderlich. Daher betäubt der behandelnde Arzt vor dem Einspritzen des Wirkstoffs die entsprechenden Körperstellen (z.B. durch lokale Betäubungsmittel oder Eisspray). Eine Therapie mit Botulinumtoxin muss im Abstand von einigen Monaten wiederholt werden.

Iontophorese

Die Iontophorese ist eine Anwendung mit schwachem Gleichstrom. Insbesondere bei einer Hyperhidrose an Händen und Füßen kommt diese Therapieform infrage. Bei der Iontophorese taucht der Betroffene die entsprechenden Körperteile in ein Salzbad, in dem ein schwacher Gleichstrom fließt. Der Gleichstrom hemmt die Nervenendigungen und wirkt so der übermäßigen Schweißproduktion entgegen. In der Regel reicht eine Anwendung allein nicht aus, sondern sie muss anfangs täglich, später etwa ein- bis zweimal wöchentlich wiederholt werden.

Medikamentöse Therapie

Eine Hyperhidrose wird gewöhnlich nur dann mit Medikamenten behandelt, wenn sie den ganzen Körper betrifft und eine Therapie mit Antitranspirantien nicht anschlägt. Als Wirkstoffe bei der medikamentösen Therapie sogenannte Anticholinergika. Wie alle Medikamente können auch diese Nebenwirkungen hervorrufen, wie etwa:

Chirurgische Behandlung

Eine Hyperhidrose wird dann chirurgisch behandelt, wenn konservative Therapien keinen dauerhaften und zufriedenstellenden Erfolg erzielen. Dabei können entweder

  • Schweißdrüsen vollständig entfernt werden (Schweidrüsenexzision)
  • oder bestimmte Nerven durchtrennt werden (Saugkürettage oder Sympathektomie)

Schweißdrüsenexzision

Eine Schweißdrüsenexzision kann in den Achseln durchgeführt werden, wenn andere Methoden die übermäßige Schweißproduktion nicht eindämmen konnten. Bei dieser Therapie entfernt der Chirurg oder Hautarzt die Schweißdrüsen der Achselhöhle über einen bis mehrere Schnitte. Mögliche Nebenwirkungen sind Wundheilungsstörungen oder verdickte Narben.

Subkutane Schweißdrüsen-Saugkürettage

Bei der subkutanen Schweißdrüsen-Saugkürettage saugt der behandelnde Arzt durch kleine Hautschnitte das Unterhautfettgewebe ab. Gleichzeitig durchtrennt er die Nerven, welche die Schweißdrüsen versorgen. Diese Methode unterbindet die Schweißproduktion nicht völlig. Mögliche Nebenwirkungen sind auch hier Wundheilungsstörungen oder verdickte Narben.

Endoskopische transthorakale Sympathektomie (ETS)

Als letzte Behandlungsmöglichkeit, vor allem, wenn das Schwitzen den gesamten Körper betrifft, bietet sich die endoskopische transthorakale Sympathektomie (ETS) an. Dabei durchtrennt der Arzt Fasern des sympathischen Nervensystems im Brustbereich, welche die Schweißdrüsen anregen, Schweiß zu produzieren. Die Methode kommt meist erst dann zum Einsatz, wenn keine andere Behandlung erfolgreich war und die Betroffenen einen großen Leidensdruck verspüren.

Hyperhidrose: Ursachen

Übermäßiges Schwitzen kann vielfältige Ursachen haben:

Primäre Hyperhidrose

Bei der primären Hyperhidrose sind die genauen Ursachen nicht bekannt (sog. idiopathische Hyperhidrose). Sie tritt häufig bereits in der Pubertät auf. Besondere Situationen wie

können starkes Schwitzen auslösen.

Sekundäre Hyperhidrose

Die sekundäre Hyperhidrose ist häufig die Folge einer Grunderkrankung. Mögliche Erkrankungen, die zu übermäßigem Schwitzen führen können, sind zum Beispiel:

Auch Nebenwirkungen von Medikamenten zählen bei der sekundären Hyperhidrose zu den möglichen Ursachen, etwa bei:

Hyperhidrose: Symptome

Bei einer Hyperhidrose sind die Symptome und das Ausmaß individuell sehr unterschiedlich und abhängig davon, wo am Körper das übermäßige Schwitzen auftritt. Allen Formen der Hyperhidrose gemeinsam ist das starke Schwitzen: Der Schweiß tritt aus den Hautporen aus und hinterlässt große nasse Flecken auf der Kleidung oder im Schuhwerk.

Besonders dort, wo die Schweißbildung durch emotionale Reize angeregt wird, kann übermäßiges Schwitzen entstehen, etwa an

  • den Handflächen,
  • den Fußsohlen oder
  • den Achselhöhlen.

Besonders in den Achselhöhlen kann der Schweiß dabei sehr plötzlich austreten und an der Körperseite herunterrinnen.

Menschen mit Hyperhidrose leiden wegen der unangenehmen Symptome oft unter sozialer Isolation. Das betrifft vor allem Menschen, die übermäßig an den Händen schwitzen. Besonders im Beruf kann das den Kontakt zu Kollegen oder Kunden hemmen. Wenn die Fußsohlen von der Hyperhidrose betroffen sind, entstehen durch die Nässe im geschlossenen Schuhwerk häufig Symptome wie Pilzinfektionen oder Warzen.

Hyperhidrose: Diagnose

Ein erster Hinweis auf eine Hyperhidrose ist extrem starkes Schwitzen – vorzugsweise in typischen Hautarealen wie Achselhöhlen, Handflächen und Fußsohlen auftritt. Wenn die drei Kriterien

  • übermäßiges Schwitzen an den typischen Arealen
  • keine weiteren Beschwerden
  • keine Grunderkrankungen

vorliegen, sind keine weiteren Untersuchungen notwendig, um eine eindeutige Diagnose zu stellen.

Gibt es Hinweise auf eine bestehende Grunderkrankung, welche als Ursache für die Hyperhidrose infrage kommt, nimmt der Arzt weitere Untersuchungen vor, beispielsweise ein (Langzeit-)Elektrokardiogramm, eine Blutentnahme oder eine Röntgenuntersuchung.

Um die genaue Schweißmenge pro Minute festzustellen, führt der Arzt eine Gravimetrie durch, mit der er die Schweißbildung auf saugfähigem Filterpapier nachweisen kann. Mit dem sogenannten Jod-Stärke-Test kann er die Hautareale, auf denen der Körper am meisten Schweiß bildet, durch ein Färbungsverfahren sichtbar machen.

Hyperhidrose: Verlauf

Wie sich eine Hyperhidrose im Verlauf entwickelt hängt davon ab, welche Behandlung gewählt wurde. Wenn eine Grunderkrankung das übermäßige Schwitzen verursacht, beeinflusst deren Therapie den weiteren Verlauf der Hyperhidrose.

Wird das übermäßige Schwitzen mittels endoskopischer transthorakaler Sympathektomie (ETS) behandelt, können selten Komplikationen auftreten. Zu diesen gehört das sogenannte Horner-Syndrom mit einer engen Pupille, hängendem Oberlid und einem in die Augenhöhle zurückweichenden Augapfel. Nach dem Eingriff kann es zu vermehrtem Schwitzen an anderen Körperstellen kommen (kompensatorisches Schwitzen).

Der operative Erfolg ist bei der Hyperhidrose nicht garantiert. Dennoch ist die Prognose gut und die Behandlung kann das übermäßige Schwitzen meist langfristig eindämmen. Auch wenn Botulinumtoxin eingesetzt wird, ist die Prognose gut, allerdings müssen die Betroffenen die Therapie in regelmäßigen Abständen von mehreren Monaten wiederholen.

Besondere soziale Problematik

Ob und wann ein Mensch übermäßiges Schwitzen als störend empfindet, ist individuell sehr unterschiedlich. Für den einen ist die vermehrte Schweißproduktion vielleicht noch tolerabel, während ein anderer unter dem gleichen Erscheinungsbild sehr leiden kann.

Probleme treten auf, wenn die übermäßige Schweißproduktion als unangenehm erlebt wird, da die Betroffenen Auswirkungen auf das gesamte soziale Umfeld befürchten. Vor allem Personen, bei denen sich die Hyperhidrose überwiegend an den Händen zeigt, fühlen sich in ihrem sozialen und beruflichen Leben stark eingeschränkt. Der enge Kontakt zu anderen Menschen wird gemieden. Jemandem die Hand zu geben, wird zu einer unüberwindbaren Hürde und der Umgang mit feuchtigkeitsempfindlichen Materialien (Papier) ist ein großes Hindernis.

Besonders bei starkem Schwitzen an den Füßen treten wegen der Feuchtigkeit und dem Schuhwerk schnell Komplikationen auf. Die Haut wird aufgeweicht und es können sich offene Stellen bilden. Dort können Pilzinfektionen entstehen. Haut- und Nagelpilze sind häufig. Außerdem bilden sich in diesen Arealen vermehrt Warzen.

Hyperhidrose: Vorbeugen

Es ist möglich, einer Hyperhidrose in gewissem Rahmen vorzubeugen, indem Sie allgemeine Maßnahmen befolgen, die eine verstärkte Schweißproduktion verhindern können:

  • Vermeiden Sie Genussmittel, die eine Hyperhidrose verstärken können. Dazu gehören:
  • Auch Stress kann ein schweißtreibender Faktor sein. Entspannungsübungen bauen Stress ab und können somit hilfreich gegen übermäßiges Schwitzen sein.
  • Textilien aus Polyacryl können Schweiß nicht nach außen abgeben. Tragen Sie stattdessen eher atmungsaktive Kleidung aus Baumwolle.

Hyperhidrose: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Hyperhidrose":


Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

www.stark-gegen-schwitzen.de
Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema "Übermäßiges Schwitzen" sowie ein Forum, in dem sich Hyperhidrose-Betroffene austauschen können.

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Deutsches Hyperhidrosezentrum (DHHZ)
St.-Bonifatius-Str. 5
81541 München
Tel.: +49-(0)-089-2727 2012
Fax: +49-(0)-089-2727 2013
Web: www.dhhz.de
Mail: post@dhhz.dewww.hyperhidrose.de

Quellen:

Online-Informationen des Deutschen Hyperhidrosezentrums (DHHZ): www.dhhz.de (Abrufdatum: 27.6.2017)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 18.4.2017)

Plewig, G., et al.: Braun Falco’s Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Springer, Heidelberg 2012

Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG): Definition und Therapie der primären Hyperhidrose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/059 (Stand: 15.1.2012)

Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin. Springer, Berlin Heidelberg 2011

Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

Aktualisiert am: 28. Juni 2017

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