Helicobacter pylori: Der Magenkeim führt nicht immer zu Beschwerden

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (19. Juli 2017)

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Ein Befall mit Helicobacter pylori gilt als häufigste Ursache für Magenschleimhautentzündungen (Gastritis) und kann auch zur Entstehung von Magengeschwüren und Zwölffingerdarmgeschwüren beitragen.

Was ist Helicobacter pylori?

Der Name Helicobacter pylori bezeichnet eine Bakterienart, die die Magenschleimhaut besiedeln kann. Oft verursacht das keine Probleme und es treten keinerlei Beschwerden auf. Dennoch kann Helicobacter pylori die Entstehung von Folgeerkrankungen wie einem Magengeschwür begünstigen. Eine Helicobacter-Infektion lässt sich mit Antibiotika behandeln.

Helicobacter pylori: Typische Symptome

Bei einer Infektion mit Helicobacter pylori können unterschiedliche Symptome auftreten.

Akute Helicobacter-Infektion

Eine akute Helicobacter-pylori-Infektion macht sich typischerweise durch folgende Symptome bemerkbar:

Daneben können bei manchen Betroffenen allgemeine Beschwerden im Oberbauch auftreten, wie:

Chronische Helicobacter-Infektion

Eine chronische Infektion mit Helicobacter pylori verläuft häufig ohne Symptome. Sofern sich Symptome zeigen, handelt es sich in der Regel um wenig typische, eher allgemeine Oberbauchbeschwerden (wie Sodbrennen, Magendrücken nach dem Essen, Aufstoßen oder Blähungen).

Helicobacter pylori: Eine Frau hält sich die Hände auf den Bauch. © Jupiterimages/iStockphoto

Helicobacter pylori kann zu Magenbeschwerden führen.

Helicobacter pylori: Das sind Ursachen

Helicobacter-pylori-Bakterien gelangen über den Mund in den Körper und in der Folge in den Magen, wo sie die Magenschleimhaut besiedeln.

Mehr über den Erreger Helicobacter pylori

Bakterien der Art Helicobacter pylori haben eine längliche Form, die gebogen oder spiralförmig sein kann. An einem Ende tragen sie fadenförmige Zellfortsätze (sog. Geißeln), die sie wie eine Art Propeller nutzen, um sich in der Magenschleimhaut fortzubewegen. Dort findet Helicobacter pylori optimale Lebensbedingungen, denn die Schleimhaut schützt die Bakterien vor der aggressiven Magensäure.

Helicobacter-Bakterien bilden das Enzym Urease, mit dem sie Harnstoff in Kohlendioxid und Ammoniak aufspalten – beziehungsweise in Ammonium- und Carbonationen. Das machen sich Mediziner zunutze, um einen Helicobacter-pylori-Befall nachzuweisen. Beim sogenannten Harnstoff-Atemtest lässt sich das bei der Harnstoffspaltung entstandene Kohlendioxid in der Ausatemluft feststellen. Eine andere Möglichkeit ist der Nachweis von Ammoniak in einer Gewebeprobe.

Ammoniak hat einen basischen pH-Wert. Indem die Bakterien Ammoniak abgeben, neutralisieren sie die Magensäure direkt um sie herum. Das ist günstig für Helicobacter pylori, denn diese "Ammoniakwolke" schützt die Bakterien vor dem sauren Milieu. So können sie im Magen überleben, bis sie schließlich die Magenschleimhaut erreicht haben und in diese eindringen können.

Außerdem bewirken die Ammoniumionen, dass der Schleim der Magenschleimhaut weniger zähflüssig wird. Das macht es den Helicobacter-Bakterien leichter, sich durch den Schleim zu bewegen. So können sie schließlich bis in die tieferen Schleimschichten vordringen und auch zur eigentlichen Magenwand gelangen. Dort angekommen, heften sich die Bakterien an die Magenzellen an. Meist besiedeln Helicobacter-Bakterien jedoch nur die oberen Schichten der Magenschleimhaut.

Einmal angesiedelt beeinflussen die Helicobacter-Bakterien, wie viel Säure der Magen produziert. Bei einer akuten Infektion mit Helicobacter pylori sinkt die Magensäureproduktion anfangs und kann Wochen bis Monate niedrig bleiben. Dann normalisiert sich der Säuregrad im Magen in der Regel wieder. Bei einer chronischen Helicobacter-Infektion nimmt die Säureproduktion im Magen bei den meisten Betroffenen dagegen zu – nur in seltenen Fällen ist sie niedriger als üblich.

Manche Helicobacter-Bakterien sondern zudem eine Substanz namens VacA ab. Hierbei handelt es sich um ein Zellgift, das die Zellen der Magenwand reizen und schädigen kann. VacA hat außerdem Einfluss darauf, wie das Abwehrsystem des Körpers auf die Bakterien reagiert. Experten vermuten, dass dieses Zellgift ein ausschlaggebender Faktor dafür ist, ob sich durch einen Helicobacter-Befall ein Magenschwür entwickelt.

Das Bild zeigt das Bakterium Helicobacter pylori unter einem Elektronenmikroskop. © Okapia

Die Spiralform hilft Helicobacter pylori dabei, in die Magenschleimhaut einzudringen.

Übertragungsweg

Helicobacter-Bakterien scheinen nur von Mensch zu Mensch übertragen zu werden. Eine Übertragung findet dabei vor allem

  • von Mund zu Mund statt (z.B. durch Küssen auf den Mund sowie bei Kleinkindern über den Schnuller oder den Breilöffel, wenn diese abgeleckt und an das Kind zurückgegeben werden)
  • oder fäkal-oral, also wenn mit dem Stuhl ausgeschiedene Erreger über den Mund in den Magen einer anderen Person gelangen (z.B. durch verunreinigtes Trinkwasser). Dieser Übertragungsweg hat vor allem in Entwicklungsländern bzw. Ländern mit niedrigem Hygienestandard Bedeutung.

Als häufiger Übertragungsweg für Helicobacter-pylori-Bakterien gilt der enge Kontakt zwischen Mutter und Kind.

Häufigkeit

Helicobacter pylori kommt weltweit vor. Wahrscheinlich beginnt eine Besiedelung des Magens durch diese Bakterien bereits in der Kindheit.

Generell gilt: Je älter ein Mensch ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass er Helicobacter-Bakterien in sich trägt.

In Entwicklungsländern sind etwa 80 Prozent der 20- bis 30-Jährigen bereits mit Helicobacter pylori infiziert. In Industrieländern wie Deutschland ist ein Befall aufgrund des besseren Lebensstandards seltener. Dennoch trägt hier mit etwa 50 Jahren gut jeder Zweite diese Bakterienart mit sich.

Eine Besiedelung mit Helicobacter pylori ruft eine chronische Magenschleimhautentzündung hervor, die allerdings nicht bei allen Infizierten auch zu Symptomen führen muss. Die Bakterien können in der Folge Ursache für verschieden Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich sein:

  • Magenschleimhautentzündung (Gastritis): 80 Prozent aller chronischen Magenschleimhautentzündungen sind bakteriell bedingt und haben sich meist aus einem Helicobacter-pylori-Befall entwickelt.
  • Magengeschwür: Bei 75 Prozent aller Magengeschwüre ist auch eine Besiedelung mit Helicobacter pylori nachweisbar.
  • Zwölffingerdarmgeschwür: Bei 99 Prozent der Patienten mit Zwölffingerdarmgeschwür ist die Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori besiedelt.
  • Magenkrebs: Veränderungen der Magenschleimhaut können die Entstehung von Magenkrebs begünstigen. Das Risiko, an Magenkrebs oder an bestimmten den Magen betreffenden Lymphomen (MALT-Lymphom) zu erkranken, ist erhöht, wenn ein Helicobacter-pylori-Befall vorliegt.

Diagnose: Wie weist man Helicobacter nach?

Um festzustellen, ob der Magen durch Helicobacter pylori besiedelt ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Magenspiegelung mit Gewebeprobe

Im Rahmen einer Magenspiegelung (Gastroskopie) kann der Arzt eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Magenschleimhaut nehmen. Ist diese mit Helicobacter pylori besiedelt, lassen sich die Bakterien im Gewebe nachweisen.

Auch das von Helicobacter produzierte Enzym Urease lässt sich über eine Gewebeprobe nachweisen (sog. Helicobacter-Urease-Test, HUT), sofern eine Besiedelung besteht.

Harnstoff-Atemtest

Eine andere Möglichkeit, Helicobacter pylori nachzuweisen, ist der Harnstoff-Atemtest. Der Betroffene nimmt hierbei ein Präparat zu sich, das Harnstoff mit speziell markierten Kohlenstoffisotopen enthält: sogenannten C13-Harnstoff oder C14-Harnstoff. Liegt ein Befall mit Helicobacter pylori vor, spaltet das von den Bakterien produzierte Enzym Urease den Harnstoff und setzt dabei die markierten Kohlenstoffisotope (C13 oder C14) frei. Beim Ausatmen misst der Arzt, ob sich C13 oder C14 im Kohlendioxid der Ausatemluft befindet. Ist dies nicht der Fall, liegt kein Helicobacter-pylori-Befall vor. Der Atemtest gilt heute als Standard bei der Nachsorge bereits behandelter Patienten.

Stuhlprobe

Darüber hinaus lassen sich bei einer Besiedelung mit Helicobacter pylori bestimmte Antigene in einer Stuhlprobe nachweisen.

Blutuntersuchung

Zudem ist es möglich, den sogenannten Antikörpertiter im Blut zu bestimmen. Das Immunsystem bildet bei einer Infektion mit Helicobacter pylori Antikörper. Der Antikörpertiter sagt aus, wie viele gegen Helicobacter gerichtete Antikörper sich im Blut befinden. Ist der Antikörpertiter hoch, liegt oder lag wahrscheinlich ein Befall mit dem Erreger vor.

Der Antikörpertiter bleibt auch nach einer erfolgreichen Helicobacter-Behandlung erhalten. Deshalb ist dieser Nachweis nur bedingt aussagekräftig und für eine Diagnosestellung nicht wirklich hilfreich. Denn man kann nicht sagen, ob die Werte auf eine akute oder eine bereits durchgemachte Helicobacter-Infektion hinweisen.

Helicobacter pylori: Therapie

Eine Besiedelung des Magens mit Helicobacter pylori lässt sich mit Medikamenten behandeln. Die eingesetzten Wirkstoffe bekämpfen die Bakterien und sorgen dafür, dass Helicobacter pylori aus der Magenschleimhaut verschwindet (sog. Eradikation). Häufigste Therapieform ist dabei die sogenannte Triple-Therapie.

Triple-Therapie

Die Triple-Therapie (Dreifach-Therapie) besteht aus der Kombination drei verschiedener Medikamente:

Die Behandlung mit Antibiotika erfolgt meist über etwa eine Woche mit den Wirkstoffen Clarithromycin und Amoxicillin (alternativ Metronidazol). Beim Protonenpumpenhemmer handelt es sich meist um Wirkstoffe wie Omeprazol oder Pantoprazol.

Protonenpumpenhemmer sind bei einem Helicobacter-pylori-Befall ein wichtiger Teil der Therapie, da sie die Ausschüttung von Magensäure verringern und dadurch den pH-Wert im Magen erhöhen (weniger sauer machen), was die Beseitigung der Bakterien unterstützt. Der Protonenpumpenhemmer wird deswegen auch im Allgemeinen länger als die Antibiotika eingenommen, nämlich insgesamt etwa vier Wochen lang – wobei die Dosis meist nach einer Woche verringert wird.

Vierfach-Therapie

Lässt sich Helicobacter pylori mit der Triple-Therapie nicht entfernen, schließt sich häufig eine Vierfach-Therapie an. Sie besteht aus:

  • drei verschiedenen Antibiotika und
  • einem Protonenpumpenhemmer.

Helicobacter pylori: Verlauf

Eine Besiedelung des Magens mit Helicobacter pylori kann sich im Verlauf zu einer Magenschleimhautentzündung sowie zu Magengeschwüren und Zwölffingerdarmgeschwüren entwickeln und mit den für die jeweilige Erkrankung typischen Beschwerden einhergehen. Oft verläuft eine Infektion mit dieser Bakterienart jedoch auch unbemerkt und ohne weitere Folgen.

In seltenen Fällen können Helicobacter-Bakterien die Entstehung von Magenkrebs und einem speziell im Magen vorkommendem Lymphdrüsenkrebs (MALT-Lymphom) begünstigen.

Die sogenannte Triple-Therapie, bei der zwei Antibiotika und ein Protonenpumpenhemmer zum Einsatz kommen, ist in der Regel sehr erfolgreich und beseitigt den Keim vollständig. Allerdings ist es durchaus möglich, sich später erneut mit Helicobacter pylori zu infizieren.

Helicobacter pylori: Vorbeugen

Einer Besiedelung des Magens durch Helicobacter pylori können Sie nicht direkt vorbeugen. Eine Impfung gegen den Erreger gibt es bislang nicht.

Helicobacter pylori: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Helicobacter pylori":

Onmeda-Lesetipps:

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Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Suerbaum, S., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Heidelberg 2016

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/001 (Stand: 5.2.2016)

Online-Informationen der European Helicobacter Study Group: www.helicobacter.org (Abrufdatum: 14.7.2017)

Hof, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014

Kayser, F. H., et al.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014

Robert Koch-Institut (Hg.): Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre. Robert Koch-Institut, Berlin 2013

Arastéh, K., et al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Riemann, J. F., et al.: Gastroenterologie – Band 1. Thieme, Stuttgart 2010

Pezzutto, A., et al.: Taschenatlas der Immunologie. Thieme, Stuttgart 2007

Malfertheiner, P., Mégraud, F., O'Morain, C.: Guidelines for the Management of Helicobacter Pylori Infection. Business Briefing: European Gastroenterology Review (2005)

Kist, M., Glocker, E., Suerbaum, S.: Pathogenese, Diagnostik und Therapie der Helicobacter-pylori-Infektion. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, Vol. 48, pp. 669-678 (30.6.2005)

Meyer, T. F., et al.: Helicobacter pylori – ein nahezu ubiquitärer Infektionserreger. Forschungsbericht der MPG. Online-Informationen der Max-Planck-Gesellschaft: www.mpg.de (Stand: 30.9.2005)

Aktualisiert am: 19. Juli 2017