Haarausfall: Was tun, wenn die Haarpracht schwindet?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (25. September 2017)

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Haarausfall wird nur selten durch eine Erkrankung ausgelöst: In 95 Prozent der Fälle ist übermäßiger Haarverlust genetisch bedingt. Aus rein medizinischer Sicht muss Haarausfall zwar meist nicht behandelt werden. Dennoch kann eine Therapie sinnvoll sein, denn die lichter werdende Haarpracht stellt für viele Betroffene eine große Belastung dar.

Personen mit vollen, glänzenden Haaren wirken auf andere vital, jugendlich und gesund. Den Verlust von Haaren hingegen verbinden viele Menschen mit Krankheit und Alter. Haarausfall kann daher sehr bedrückend sein und weitreichende Folgen haben: Das Selbstbewusstsein schwindet, Betroffene finden sich nicht mehr "schön" und attraktiv, unter Leuten fühlen sie sich unwohl und beobachtet. All dies beeinträchtigt die Lebensqualität.

Was ist Haarausfall?

Von Haarausfall (Effluvium capillorum) sprechen Mediziner, wenn pro Tag mehr als 100 Haare ausfallen. Fallen so viele Haare aus, dass die Haare sichtbar ausgedünnt sind oder kahle Stellen zu sehen sind, liegt eine Alopezie vor. Die häufigste Form des Haarausfalls ist der erblich bedingte Haarausfall (androgenetische Alopezie).

Die Grenze zwischen natürlichem und therapiebedürftigem Haarausfall verläuft fließend. Ein gewisses Maß an Haarverlust ist völlig normal. Jedes einzelne Haar erneuert sich ständig und durchläuft einen Zyklus aus drei Phasen:

  • Wachstumsphase (Anagenphase)
  • Übergangsphase (Katagenphase)
  • Ruhephase (Telogenphase); nach dieser Phase fällt das Haar aus

In der Anagenphase wird das Haar über die Wurzel mit Nährstoffen versorgt und wächst. Dieser Teil des Zyklus dauert bei Gesunden etwa zwei bis sechs Jahre. Während der Wachstumsphase sind die Zellen besonders anfällig für Störungen.

In der etwa zwei Wochen langen Katagenphase erhält das Haar keine Nährstoffe mehr, die Zellen teilen sich nicht mehr. Schließlich tritt das Haar in der Telogenphase in eine Ruhepause, die zwei bis vier Monate dauert. Am Ende der Ruhepase fällt das Haar aus und ein neuer Zyklus beginnt. Ist dieser Kreislauf gestört, kann es zu Haarausfall kommen.

Formen von Haarausfall

Ärzte unterscheiden verschiedene Formen von Haarausfall. Dazu gehören unter anderem:

  • der erblich bedingte Haarausfall (androgenetische Alopezie, Alopecia androgenetica, anlagebedingter Haarausfall) bei Frauen und bei Männern
  • der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata, Pelade)
  • der diffuse Haarausfall (diffuse Alopezie, symptomatische Alopezie)

Diese Formen zählen zu den sogenannten nicht-vernarbenden Alopezien. Das bedeutet: Es bilden sich keine Narben und die Haarfollikel bleiben erhalten. In Gegensatz dazu sind die vernarbenden Alopezien irreversibel. Bei diesen Formen kann man den Haarverlust nicht mehr rückgängig machen.  

Wie häufig ist Haarausfall?

Die mit Abstand häufigste Form des Haarausfalls ist der erblich bedingte Haarausfall (androgenetische Alopezie). Vor allem Männer haben mit Haarverlust zu tun: Von 10 Männern sind es im Laufe ihres Lebens 7, die erblich bedingten Haarausfall haben. Aber auch Frauen sind häufig betroffen: Irgendwann in ihrem Leben verlieren 4 von 10 Frauen aufgrund einer androgenetischen Alopezie zu viele Haare.

Andere Formen des Haarausfalls kommen weitaus seltener vor. Etwa ein bis zwei von hundert Personen bekommen im Laufe ihres Lebens einen kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) – Männer und Frauen sind etwa gleich oft betroffen. Und auch der diffuse Haarausfall ist im Vergleich zum erblich bedingten Haarausfall ein eher seltenes Phänomen.

Man sieht einen Kamm und Haare. © Jupiterimages/Pixland

Haarausfall oder nicht? Ob wirklich zu viele Haare ausfallen, ist nicht immer leicht abzuschätzen.

Welcher Arzt ist zuständig?

Die medizinische Fachrichtung, die sich am intensivsten mit Ursachen und Therapie des Haarausfalls beschäftigt, ist die Dermatologie, also die Lehre der Hautkrankheiten.

Haarausfall: Ursachen

Ob Veranlagung, Infektionen oder Eisenmangel: Haarausfall kann viele verschiedene Ursachen haben.

Ursache Veranlagung: Erblich bedingter Haarausfall bei Männern

Die Ursachen des erblich bedingten Haarausfalls (androgenetische Alopezie) liegen in den Genen: Die Betroffenen haben eine Veranlagung zu dieser Form des Haarausfalls. Ihre Haarfollikel reagieren überempfindlich auf männliche Hormone, die sogenannten Androgene. Die Haarfollikel sind die kleinen Hauteinstülpungen, in denen die Haare verankert sind.

Bei entsprechender genetischer Veranlagung besitzen die Haarfollikel ungewöhnlich viele an Rezeptoren, an die die männlichen Hormone Testosteron und Dihydrotestosteron (DHT) binden können. DHT entsteht unter dem Einfluss des Enzyms 5-alpha-Reduktase aus Testosteron. DHT bewirkt, dass sich die Wachstumsphase der Haare verkürzt. Dies beschleunigt den gesamten Haarzyklus. Die Folge: Haare und Haarfollikel werden kontinuierlich dünner; letztlich schrumpfen die Haarfollikel. Fachleute sprechen von einer Miniaturisierung der Follikel.

Man sieht einen Mann, der im Spiegel seine schwindende Haarpracht betrachtet. © Jupiterimages/Purestock

Erblich bedingter Haarausfall kommt bei Männern sehr häufig vor.

Es gibt zudem Forschungsergebnisse, die eine mögliche weitere Ursache für erblich bedingten Haarausfall nahelegen: Eine Substanz namens Prostaglandin D2 soll die Bildung der Haare aktiv unterdrücken. Prostaglandin D2 entsteht in den Haarfollikeln und scheint bei Männern mit androgenetischer Alopezie vermehrt gebildet zu werden. Weitere Untersuchungen müssen diese Ergebnisse bestätigen.

Erblich bedingter Haarausfall bei Frauen

Auch bei Frauen entwickelt sich erblich bedingter Haarausfall aufgrund einer genetischen Veränderung der Haarfollikel. Die Follikel reagieren besonders empfindlich auf männliche Geschlechtshormone (Androgene). Der Haarausfall schreitet meist mäßig schnell voran. Bei etwa jeder zehnten betroffenen Frau zeigt sich schon im Alter von 20 bis 30 Jahren ein deutlich sichtbarer Haarverlust.

Man sieht eine Frau, die Haare aus einer Bürste fischt. © Jupiterimages/iStockphoto

Auch unter Frauen ist die androgenetische Alopezie die häufigste Form des Haarausfalls.

Besonders anfällig für die androgenetische Alopezie sind Frauen in den Wechseljahren: In dieser Zeit kommt es zu einer hormonellen Umstellung, die den Haarausfall beschleunigt. Bei Frauen sind meist nicht alle Haarfollikel einer Haarregion betroffen, sondern nur ein Teil. Daher entsteht bei ihnen keine kahle Stelle oder Glatze – die Haare dünnen vielmehr aus und die Kopfhaut wird sichtbar.

Im Gegensatz zum bedingten männlichen Haarausfall sind bei der Frau andere Enzyme am Haarausfall beteiligt. Während beim Mann das Enzym 5-alpha-Reduktase eine wichtige Rolle spielt, kommt bei Frauen der Aromatase große Bedeutung zu. Dieses Enzym wandelt männliche Hormone (Androgene) in weibliche (Östrogene) um. Bei Frauen mit androgenetischem Haarausfall ist die Aromatase weniger aktiv als bei gesunden Frauen. In der Folge steigt die Konzentration der Androgene an den genetisch "vorbelasteten" Haarfollikeln. Die männlichen Hormone schädigen die Follikel und führen somit zum Haarausfall. Bei diesem Prozess schrumpfen die Haarfollikel (sog. Miniaturisierung).

Wie Haarausfall vererbt wird

Ob und wie stark ein Mensch eine androgenetische Alopezie entwickelt, richtet sich maßgeblich nach den Erbanlagen (Genen). Bei Haarausfall spielen mehrere Gene eine Rolle, was Fachleute als polygene oder multifaktorielle Vererbung bezeichnen. Dies erklärt, warum beispielsweise innerhalb einer Familie die Fülle der Haare von Großvater (mütterlicher- wie väterlicherseits), Vater und Sohn sehr unterschiedlich sein kann.

Die Neigung zum Haarausfall wird laut wissenschaftlicher Studien zu einem nicht geringen Teil über die Mutter vererbt: Der Androgenrezeptor, also die Bindungsstelle des Haarfollikels für männliche Geschlechtshormone, wird über das X-Chromosom weitergegeben. Da Männer das X-Chromosom ausschließlich von ihrer Mutter erben können, entspricht ihr "Risiko" für Haarausfall eher dem der Mutter oder des Großvaters mütterlicherseits als dem des Vaters. Zum Haarausfall trägt aber nicht nur eine einzelne Erbanlage bei: Es gibt Hinweise auf weitere Gene, die unabhängig vom elterlichen Geschlecht vererbt werden. Mitunter vererbt sich die Veranlagung für Haarausfall daher auch direkt vom Vater auf den Sohn.

Viele verschiedene Faktoren bestimmen die Ausprägung des androgenetischen Haarausfalls bei Männern und Frauen. Das Ausmaß ist höchst unterschiedlich: So hat etwa der eine Mann bis ins höhere Alter nur leichte Geheimratsecken, während ein anderer schon recht früh eine Vollglatze trägt.

Ursachen des kreisrunden Haarausfalls (Alopecia areata)

Die Ursachen der Alopecia areata sind unbekannt. Es handelt sich nach derzeitigem Kenntnisstand um eine Autoimmunkrankheit, das heißt: Aus bisher ungeklärten Gründen richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen. Typischerweise tritt kreisrunder Haarausfall sehr plötzlich auf und befällt ein umschriebenes, kreisrundes oder ovales Gebiet. Kreisrunder Haarausfall kommt in jedem Alter vor und tritt familiär gehäuft auf, eine gewisse Ballung zeigt sich dabei im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt.

Ursachen des diffusen Haarausfalls (diffuse Alopezie)

Bei diffusem Haarausfall dünnen die Haare in den meisten Fällen gleichmäßig über den Kopf verteilt aus. Die Ursachen sind vielfältig. Dazu zählen unter anderem

Haarausfall durch Chemotherapie

Bei einer Reihe von Krebserkrankungen setzen Ärzte eine Chemotherapie ein. Ziel der Therapie ist es, das Wachstum von bösartigen Zellen zu stoppen oder die Zellen zu zerstören. Haarausfall ist eine häufige Nebenwirkung einer solchen Chemotherapie. Dies liegt daran, dass viele der eingesetzten Medikamente (Zytostatika) besonders stark auf Zellen wirken, die schnell wachsen und sich häufig teilen. Das sind außer den Krebszellen auch körpereigene Zellen der Schleimhäute (zum Beispiel des Magens und Darms), Blutzellen und die Zellen der Haarfollikel.

Personen, die eine Chemotherapie erhalten, verlieren innerhalb weniger Wochen einen Großteil ihrer Haare. Die Medikamente schädigen all jene Haarfollikel, die sich zum Zeitpunkt der Therapie in der Wachstumsphase befinden – normalerweise sind das 80 bis 90 Prozent aller Haare. Sie fallen etwa zwei bis vier Wochen nach der Schädigung aus oder brechen nah der Kopfhaut ab.

Auf dem Kopf verbleiben die Haare, die sich während der Chemotherapie bereits in der Ruhephase des Haarzyklus befanden. Da die Ruhephase auch ohne Chemotherapie nur zwei bis vier Monate dauert, fallen diese Haare nach dieser Zeit auch aus.

Haarausfall durch Chemotherapie ist eine Form des diffusen Haarausfalls. Die Haare fallen recht gleichmäßig an allen Stellen des behaarten Kopfes aus. Endet die Chemotherapie, wachsen die Haare nach wenigen Wochen wieder nach, da sich die Haarfollikel meist gut von der Schädigung erholen.

Erhält ein Patient eine niedriger dosierte Chemotherapie, ist der Haarausfall mitunter langsamer und nur schwächer ausgeprägt. Meist nehmen Außenstehende den Haarausfall erst wahr, wenn jemand mehr als die Hälfte seiner Haare verloren hat.

Haarausfall: Symptome

Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall: Bei manchen Menschen ist der Haarverlust über den ganzen Kopf verteilt. Bei anderen sind es bestimmte Stellen am Kopf, die plötzlich kahl werden. Und auch die Intensität des Haarausfalls schwankt stark. Sie reicht von einem kaum sichtbaren Haarverlust bis hin zur Vollglatze.

Androgenetische Alopezie (erblich bedingter Haarausfall)

Der erblich bedingte Haarausfall macht sich bei Männern und Frauen unterschiedlich bemerkbar. Mediziner sprechen von einem typisch männlichen und einem typisch weiblichen Muster. Wie schnell und weit der Haarverlust fortschreitet, ist von Person zu Person sehr unterschiedlich.

Männer verlieren meist zuerst im Bereich der Stirn- und oberen Schläfenregion Haare – es bilden sich sogenannte Geheimratsecken. Schreitet die androgenetische Alopezie fort, fallen im weiteren Verlauf häufig weitere Haare am oberen Hinterkopf (Wirbel- oder Vertexregion) und im Stirnbereich aus. Schließlich nähern sich die kahlen Stellen beider Bereiche schrittweise, bis eine Scheitelglatze entsteht.

Ausprägungen des Haarausfalls beim Mann

Ausprägungen des Haarausfalls beim Mann

Je nachdem, wie stark der Haarverlust ausgeprägt ist, können Mediziner eine androgenetische Alopezie bei Männern einem von sieben Stadien zuordnen.

Die Einteilung wurde nach ihren beiden Urhebern benannt und heißt Hamilton-Norwood-Klassifikation.

  • Stadium I entspricht dem Normalzustand,
  • Stadium VII einer maximal ausgeprägten Glatze.

Die meisten Männer, die an erblich bedingtem Haarausfall leiden, verlieren ihre Haare entsprechend dieses Musters.

Frauen verlieren in aller Regel hauptsächlich im Bereich des Mittelscheitels Haare. Bei ihnen entstehen selten kahle Stellen. Vielmehr werden die Haare immer dünner, sodass die Kopfhaut sichtbar wird.

Unterschiedliche Stadien des Haarausfalls bei der Frau

Unterschiedliche Stadien des Haarausfalls bei der Frau

Kreisrunder Haarausfall

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) setzt in der Regel plötzlich ein. An einer oder mehreren Stellen des Kopfs bilden sich innerhalb kurzer Zeit kreisrunde bis ovale, kahle, nicht-entzündliche Herde, die bis zur völligen Kahlheit führen können.

Kreisrunder Haarausfall kann auch die Augenbrauen, Wimpern, die Achsel- und Schambehaarung und bei Männern die Bartbehaarung betreffen.

Diffuser Haarausfall

Diffuser Haarausfall (diffuse Alopezie) ist zumeist nicht auf bestimmte Stellen des Kopfs beschränkt. Vielmehr wird das Kopfhaar insgesamt dünn. Die Haarlichtungen verteilen sich dabei meist relativ gleichmäßig.

Einen Sonderfall stellt der diffuse Haarausfall infolge einer Syphilis-Erkrankung dar: Hierbei kann der Haarverlust fleckförmig sein, also nur einzelne Areale betreffen, und somit kreisrundem Haarausfall ähneln.

Haarausfall: Diagnose

Verliert jemand regelmäßig pro Tag mehr als 100 Haare und besteht ein erheblicher Unterschied zwischen der Anzahl abgestoßener und nachgewachsener Haare, liegt die Diagnose Haarausfall sehr nahe.

Häufig sorgen sich Menschen, wenn sie nach dem Haarewaschen im Waschbecken oder der Duschwanne zahlreiche Haare finden. Nicht immer ist die Sorge berechtigt. Denn einerseits können schon einige lange, dicke Haare wie ein ganzes Büschel aussehen. Andererseits verliert eine Person, die einmal pro Woche Haare wäscht, zu diesem Zeitpunkt mehr Haare als jemand, der dies täglich tut. Betroffene sollten ihren Haarverlust möglichst objektiv einschätzen und ihre Pflegegewohnheiten berücksichtigen.

Man sieht eine Frau unter der Dusche, die sich die Haare wäscht. © Jupiterimages/iStockphoto

Manchen Menschen fällt der vermehrte Haarverlust bei der Haarpflege auf.

Um die Ursache des Haarausfalls zu bestimmen, erfasst der Arzt die Krankengeschichte des Betroffenen und erkundigt sich nach der Dauer und dem genauen Verlauf des Haarausfalls. Zudem erfragt er mögliche Ereignisse der letzte Monate, die mit dem Haarausfall zusammenhängen könnten (zum Beispiel Krankheiten, Infekte). Ebenfalls von Interesse ist, ob der Patient Medikamente einnimmt oder innerhalb der letzten Monate eingenommen hat und ob er bereits wegen Haarausfall behandelt oder untersucht wurde.

Mögliche Fragen sind:

  • Wann ist Ihnen zum ersten Mal aufgefallen, dass Sie viele Haare verlieren?
  • Hat sich seitdem etwas verändert? Fallen mehr, weniger oder gleich viele Haare aus?
  • Haben Sie andere Beschwerden, etwa an der Haut, festgestellt?
  • Haben Sie das Gefühl, dass Sie an einer oder mehreren bestimmten Stellen besonders viele Haare verlieren?
  • Haben Sie in den letzten Monaten Medikamente eingenommen?
  • Bei Frauen: Haben Sie in den letzten Monaten mit der Pille begonnen oder eine laufende Verhütung unterbrochen?
  • Waren Sie in den letzten Monaten krank?
  • Leiden Sie an einer chronischen Krankheit?
  • Wie ernähren Sie sich?

Auch Angaben über

  • bekannte internistische Erkrankungen, wie zum Beispiel Schilddrüsen- oder Autoimmunerkrankungen,
  • die Häufigkeit der Haarwäsche und
  • die verwendeten Haarwaschmittel

können hilfreich sein, um eine genaue Diagnose zu stellen. Bei Frauen können darüber hinaus Fragen zu GeburtenFehlgeburten, Zyklusunregelmäßigkeiten oder zu den Wechseljahren aufschlussreich sein.

Anschließend prüft der Arzt die Struktur und Menge der Haare und sichtet den Haaransatz. Zudem stellt er fest, wie die Kopfhaut beschaffen ist und wie fest die Haare verankert sind. Dies prüft er mit dem Zupf-Test (Pull-Test). Weiterhin kann eine Untersuchung der Kopfhaut mit einem speziellen Vergrößerungsinstrument (sog. Dermatoskop) Aufschluss über die mögliche Ursache geben.

In manchen Fällen kann eine mikroskopische Analyse der Haarwurzeln einiger Haare sinnvoll sein, das sogenannte Trichogramm. Laborbefunde können eine Verdachtsdiagnose bestätigen oder untermauern, etwa, wenn der Arzt den Verdacht hat, dass eine gestörte Schilddrüsenfunktion die Ursache sein könnte.

Haarausfall stoppen

Bei Haarausfall ist eine Therapie aus medizinischer Sicht meist nicht erforderlich, da in der Regel keine Krankheit zugrunde liegt. Besteht ein unmittelbarer Zusammenhang mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung, zum Beispiel bei diffusem Haarausfall, ist es jedoch wichtig, die Ursache zu beseitigen.

Unabhängig vom Krankheitswert leiden viele Menschen erheblich unter dem Verlust ihrer Haare. Schon bald tauchen Fragen auf wie:

  • Wie kann ich den Haarausfall stoppen?
  • Welche Mittel gegen Haarausfall helfen wirklich?

Eine allgemeingültige Antwort darauf gibt es nicht, da sich die Behandlung nach der jeweiligen Ursache richtet.

Mittel gegen Haarausfall bei androgenetischer Alopezie

Nur wenige Wirkstoffe können anlagebedingten Haarausfall (erblich bedingter Haarausfall, androgenetische Alopezie) tatsächlich stoppen. Daher gilt: Erkundigen Sie sich, ob die angebotenen Produkte – etwa in Drogerien oder Apotheken – eine wissenschaftlich erwiesene, am Menschen bestätigte Wirkung haben. Andernfalls nutzen sie dem Anbieter wohl mehr als dem Betroffenen.

Generell hängt der Behandlungserfolg bei erblich bedingtem Haarausfall maßgeblich vom Stadium des Haarausfalls ab. Wichtig sind der frühzeitige Beginn und die fortlaufende Behandlung. Da bei erblich bedingtem Haarausfall die Haarwurzeln ohne Therapie verkümmern, ist es nahezu unmöglich, das Wachstum zu reaktivieren, wenn bereits eine kahle Stelle ausgebildet ist. Wer kahle Stellen oder eine Glatze als besonders belastend empfindet, kann eine Haartransplantation erwägen oder ein Toupet oder eine Perücke tragen. Bei kleineren kahlen Bereichen kommt Streuhaar infrage, das unter anderem beim Friseur erhältlich ist. 

Als Erfolg versprechend haben sich Mittel mit den Wirkstoffen Finasterid und Minoxidil herausgestellt. Sie kommen zum Einsatz, um weiteren Haarausfall zu stoppen oder das erneute Wachstum anzuregen. Tabletten, die Hormone enthalten, können nach derzeitigem Stand der Forschung nicht für die Therapie des erblich bedingten Haarausfalls bei Frauen empfohlen werden. Eine Ausnahme stellen bestimmte hormonelle Erkrankungen dar, die zu vermehrtem Haarausfall führen. Bei ihnen kann der Arzt eine Therapie mit Hormontabletten mit der Patientin diskutieren.

Haarausfall-Mittel zum Auftragen: Der Wirkstoff Minoxidil

Männer und Frauen mit erblich bedingtem Haarausfall können auf den Wirkstoff Minoxidil zur äußerlichen Anwendung zurückgreifen:

  • für Männer: Die rezeptfrei erhältliche, 5%ige Lösung wird zweimal täglich (morgens und abends) auf die Kopfhaut aufgetragen. Sie kommt für Männer über 18 Jahren mit leichtem bis mittelstark ausgeprägtem erblich bedingtem Haarausfall infrage. Alternativ ist der Wirkstoff als Schaum erhältlich. Minoxidil kann den Haarausfall bei neun von zehn Männern stoppen – bei jedem zweiten verdichten sich die Haare sogar sichtbar.
  • für Frauen: In mehreren Studien zeigte eine zweimal täglich aufgetragene 2%ige Lösung mit dem Wirkstoff Minoxidil positive Effekte. Bei den meisten Frauen stoppte der Haarausfall, bei etwa jeder zweiten nahm die Haardichte durch die Behandlung wieder zu. Die Verwendung von Minoxidil gilt bei Frauen als Therapie der Wahl. Sie kommt für Frauen ab 18 Jahren infrage, um zu verhindern, dass der Haarausfall fortschreitet, oder um den Zustand zu verbessern. Darüber hinaus gibt es für Frauen einen Schaum, der 5 % Minoxidil enthält.

Wie Minoxidil im Detail auf das Haarwachstum wirkt, ist noch weitgehend ungeklärt. Forscher vermuten, dass Minoxidil die Haarwurzeln stimuliert. Trotz der guten Wirksamkeit fällt es schwer, für den Einzelfall vorherzusagen, wie gut die Behandlung anschlagen wird und ob der Wirkstoff den Haarausfall tatsächlich stoppen wird. Ob die Behandlung wirkt, wird der Arzt nach sechs Monaten fortlaufender Anwendung überprüft. Stoppt die Behandlung, können die Haare wieder ausfallen.

Minoxidil kann nach Beginn der Therapie bei manchen Männern zu einem Effekt führen, der viele stark verunsichert. Etwa nach vier bis acht Wochen kann ein vorübergehender verstärkter Haarverlust auftreten, von Experten als Shedding bezeichnet. Entgegen der Befürchtungen ist dieser Effekt aber ein Hinweis darauf, dass die Therapie gut wirkt.

Zu möglichen Nebenwirkungen von Minoxidil zählen eine gerötete oder schuppende Kopfhaut oder eine allergische Reaktion. Bei Frauen kann es zu verstärktem Haarwuchs im Gesicht und auf der Stirn kommen.

Haarausfall-Mittel zum Einnehmen: Der Wirkstoff Finasterid

Der verschreibungspflichtige Wirkstoff Finasterid ist ausschließlich für Männer über 18 Jahren mit leichtem bis mittelstark ausgeprägtem erblich bedingtem Haarausfall geeignet. Kinder, Jugendliche und Frauen dürfen Finasterid nicht einnehmen.

Finasterid sollte einmal täglich als Tablette eingenommen werden (1 Milligramm pro Tag). Der Wirkstoff hemmt die Umwandlung von Testosteron in das stärker auf die Haarfollikel wirkende Dihydrotestosteron (DHT).

Da der Wirkstoff in den Hormonstoffwechsel eingreift, können Nebenwirkungen wie Potenzstörungen auftreten.

Ob die Therapie mit Finasterid hilft, sollte nach sechs, unter Umständen auch nach zwölf Monaten fortlaufender Anwendung überprüft werden. Finasterid wirkt nur so lange, wie es tatsächlich angewendet wird. 

Mittel gegen kreisrundem Haarausfall

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) ist grundsätzlich eine reversible, also umkehrbare Krankheit. Bei der Mehrzahl der Betroffenen tritt nach einiger Zeit eine Besserung ein oder die kahlen Stellen wachsen wieder zu. Statt einer Therapie mit Medikamenten kommt daher auch bloßes Abwarten infrage. Dies richtet sich aber nach dem persönlichen Verlauf des Haarausfalls und danach, ob der Betroffene diese Möglichkeit für sich in Betracht zieht.

Die Behandlung der Alopecia areata hängt vom Stadium und dem Fortschritt des Haarausfalls ab.

Gängig sind die folgenden Therapien:

  • örtliche Immuntherapie mit dem Wirkstoff DCP (Diphenylcyclopropenon; Diphencyprone), der nicht als Medikament zugelassen ist (Therapie erfolgt als sog. "individueller Heilversuch")
  • Zink
  • Gegebenenfalls kommt eine Therapie mit Glukokortikoiden (Creme, Lösung, Schaum, Tabletten) über einige Wochen hinweg infrage, um den Haarausfall zu stoppen.

Als wirkungslos, unzureichend und meist enttäuschend sehen Experten Therapien mit folgenden Wirkstoffen an:

  • Hemmstoffe namens Calcineurin-Inhibitoren (Wirkstoffe wie Tacrolimus und Pimecrolimus)
  • Biologics (gentechnisch hergestellte Eiweiße, die wiederum bestimmte körpereigene Eiweiße hemmen), z.B. Alefacept und Etanercept

Mittel gegen diffusen Haarausfall

Die Therapie des diffusen Haarausfalls (diffuse Alopezie) richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Dies kann eine Krankheit, eine Nebenwirkung eines Medikaments oder ein Mangelzustand sein (z.B. Eisenmangel). Unterstützend können Mittel mit Wirkstoffen wie Minoxidil (2%ige Lösung zum Auftragen auf die Kopfhaut) angebracht sein.

Haarausfall: Verlauf und Vorbeugen

Haarausfall kann sich ganz unterschiedlich entwickeln:

  • Bei erblichem Haarausfall gilt: Je später der Haarverlust einsetzt, desto langsamer schreitet er voran.
  • Der Verlauf des diffusen Haarausfalls hängt von der zugrundliegenden Krankheit ab. Lässt sie sich gut behandeln, vergeht meist auch das Problem mit dem Haarverlust recht schnell.
  • Der Verlauf des kreisrunden Haarausfalls kann sehr unterschiedlich sein. Bei etwa jedem dritten Patient verschwindet der Haarausfall innerhalb von 6 Monaten wieder. Bei anderen können die Haare über Jahre hinweg ausbleiben.

Haarausfall vorbeugen?

Dem erblich bedingten und dem kreisrundem Haarausfall können Sie nicht vorbeugen. Manchen Formen des diffusen Haarausfalls können Sie durch eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung vorbeugen. So verhindern Sie, dass ein Mangel an EiweißEisen oder anderen Nährstoffen entsteht, welcher Haarausfall begünstigen kann.

Haarausfall: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Haarausfall":


Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

www.kreisrunderhaarausfall.de
Webseite des Alopecia areata Deutschland e.V.

Buchtipps:

Wirksame Hilfe bei Haarausfall

buch_latz_haarausfall.jpg Latz, Jenny

180 S. Trias 2007

Von alltäglichen Haarproblemen wie Schuppen oder fettigem Haar über den androgenetischen Haarausfall bis hin zu Haarerkrankungen wie Alopecia areata - dieses Buch informiert Sie umfassend und kompetent. Neben medizinisch fundierten Fakten und Ausführungen zu aktuellen Arzneimitteln finden Sie eine Übersicht über weitere Hilfen wie Haartransplantation und -verlängerung, Perücken, Kopfbedeckungen und Permanent Make-up. Checklisten, Info-Kästen und farbige Fotos ermöglichen Ihnen, das Wichtigste in Kürze zu erfassen. Effektive Hilfe - Finden Sie Ihren persönlichen Therapieweg!

Quellen:

Altmeyer, P.: Die Online-Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin: www.enzyklopaedie-dermatologie.de (Abrufdatum: 25.9.2017)

Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums, Krebsinformationsdienst (KID): Informationsblatt "Haarausfall durch Krebsbehandlung". www.krebsinformationsdienst.de (Abrufdatum: 25.9.2017)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2017)

Wolff, H., Fischer, T., Blume-Peytavi, U.: Diagnostik und Therapie von Haar- und Kopfhauterkrankungen. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 113, Heft 21, S. 377-85 (27.5.2016)

Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2016

Van Zuuren, E. et al.: Interventions for female pattern hair loss. Cochrane Database of Systematic Reviews 2016 (26. Mai 2016)

Wolff, H.: Diagnostik und Therapie von Effluvium und Alopezie: Hoffnung bei Haarverlust. MMW-Fortschritte der Medizin, 155. Jahrgang, Nummer 3 (2013)

Blume-Peytavi, U., Vogt, A.: Androgenetische Alopezie. Diagnostik und Therapie: eine aktuelle Übersicht. Der Hautarzt, Band 64, S. 820-829 (2.11.2013)

Raab, W.: Haarerkrankungen in der dermatologischen Praxis. Springer, Heidelberg 2012

Garza, L. A., et al.: Prostaglandin D2 Inhibits Hair Growth and Is Elevated in Bald Scalp of Men with Androgenetic Alopecia. Science Translational Medicine, Vol. 4, Ausgabe 126, S. 126-134 (21. März 2012)

Stellungnahme der GD Gesellschaft für Dermopharmazie e. V.: Interdisziplinäres Management der androgenetischen Alopezie. (22. März 2010)

Wolff, H.: Haarausfall bei Frauen – Gefühl existenzieller Bedrohung. MMW-Fortschritte der Medizin, 152. Jahrgang, Nummer 37 (2010)

Aktualisiert am: 25. September 2017

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