Grippe (Influenza): Bloß nicht unterschätzen!

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (07. September 2017)

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Eine Grippe (Influenza) kann sehr unterschiedlich ablaufen: Milde, erkältungsähnliche Grippesymptome sind ebenso möglich wie eine schwere Erkrankung, die im Extremfall sogar tödlich enden kann.

Gerade anfangs kann man die Grippe leicht mit einer Erkältung verwechseln. Der Unterschied zwischen Influenza und Erkältung zeigt sich im Verlauf und in der Schwere der Erkrankung.

Was ist Grippe?

Die Grippe ist eine plötzlich auftretende, fieberhafte Viruserkrankung, die durch verschiedene Grippeviren entsteht. Da sie im Winter häufiger vorkommt, wird sie auch "saisonale Grippe" genannt.

Typischerweise tritt die Grippe zeitlich und örtlich gehäuft auf: Dann spricht man von einer Grippewelle oder Epidemie. In größeren Zeitabständen von mehreren Jahren bis Jahrzehnten breitet sich die Influenza länderübergreifend beziehungsweise weltweit aus – dies bezeichnet man als Pandemie.

Die Erkrankungs- und Sterberate schwankt bei der Influenza allerdings stark. In manchen Jahren steigt die normale Sterblichkeitsrate trotz Grippefällen gar nicht an. Doch während einer einzelnen Grippesaison können auch mehrere Tausend Menschen mehr als sonst sterben. So gab es beispielsweise durch die besonders heftige Grippewelle 2012/13 in Deutschland über 20.000 zusätzliche Todesfälle. Daher ist eine Influenza nie als harmlos anzusehen.

Woher kommen die Bezeichnungen „Grippe“ und „Influenza“?

Der Begriff Grippe leitet sich her von dem französischen Wort grippe und bedeutet "Grille" oder "Laune". Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die Virusgrippe den Menschen plötzlich und launenhaft befällt.

Die seit dem 18. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung Influenza kommt von dem italienischen Wort influenza, das "Beeinflussung" oder "Einfluss" bedeutet. In diesem Fall ist der Einfluss der Sterne gemeint. Denn früher glaubte man, dass bestimmte Sternenkonstellationen Krankheiten, Seuchen und Ähnliches verursachen können.

Übrigens: Nicht alles, was "Grippe" heißt, entsteht auch durch Grippeviren! So hat eine Magen-Darm-Grippe ebenso wenig mit der echten Influenza zu tun wie die als Sommergrippe bezeichnete Erkältungskrankheit. Und auch mit „grippaler Infekt“ ist nicht die Influenza gemeint, sondern eine Erkältung.

Grippe (Influenza): Typische Symptome

Anfangs kann die Grippe (Influenza) Symptome verursachen, die an eine Erkältung denken lassen. Bei Krankheitsverlauf und -schwere besteht aber in der Regel ein großer Unterschied zwischen Grippe und Erkältung.

Wenn die Grippe erste Symptome hervorruft, fühlen sich die Betroffenen jäh deutlich krank. Dieser heftige und plötzliche Beginn ohne Vorzeichen ist typisch für die echte Influenza.

Zudem macht sich eine beginnende Grippe durch mehrere Symptome gleichzeitig bemerkbar, während sich Erkältungszeichen typischerweise nach und nach entwickeln. Dabei sind die Grippesymptome meist auch deutlich intensiver als Erkältungssymptome.

Typische erste Symptome für die echte Grippe sind:

Das bei einer echten Influenza hohe Fieber erreicht Temperaturen von mehr als 39 (bis zu 41) Grad Celsius. Es kann tagelang anhalten. Darüber hinaus verursacht die Grippe oft folgende Symptome:

Menschen mit einer Virusgrippe sind typischerweise stark geschwächt, sodass Bakterien ein leichtes Spiel haben. Darum entwickeln sie oft gleichzeitig bakterielle Infektionen (sog. Zweitinfektionen oder Superinfektionen), was die mit der Grippe verbundenen Symptome zusätzlich verstärkt. So kann es bei einer Influenza zum Beispiel zu Entzündungen des Nervensystems und zu Lungenentzündungen kommen.

Grippe (Influenza): Ursachen

Erreger

Die Grippe (Influenza) entsteht durch sogenannte Influenza- beziehungsweise Grippeviren der Typen A, B und C. Vor allem das Influenza-A- und das Influenza-B-Virus können beim Menschen zu schweren Atemwegserkrankungen führen. Das Grippevirus vom Typ C verursacht bei Erwachsenen selten und bei Kindern gelegentlich milde Erkrankungen.

Klassifikation

Influenza-A- und Influenza-B-Viren sind demnach die wichtigsten Auslöser der Grippe. Beide Erreger besitzen bestimmte Oberflächenmerkmale, nach denen sich ihre Klassifikation richtet.

Grippeviren vom Typ A und B haben an ihrer Oberfläche sogenannte Spikes aus verschiedenen Eiweißen (Glykoproteine, Hämagglutinin und Neuraminidase), die unterschiedlich ausgeprägt sind und deren Kombination die Klassifizierung ermöglicht. Bisher sind 16 verschiedene Hämagglutinine (H) und neun verschiedene Neuraminidasen (N) bekannt.

  • Während man das Influenza-A-Virus in Typen und Subtypen (wie H1N1, H2N2, H3N2 oder H5N1) unterteilt,
  • unterscheidet man beim Influenza-B-Virus nur den Typ, ohne ihn weiter in Subtypen zu unterteilen.

So ist für die Spanische Grippe ebenso wie für die Neue Grippe (sog. Schweinegrippe) beispielsweise der Influenza-A-Subtyp H1N1 verantwortlich, für die Asiatische Grippe H2N2 und für die Hongkong-Grippe H3N2.

Genetische Variabilität

Durch das Influenza-A-Virus kommt es immer wieder zu größeren Ausbrüchen von Grippe. Ursache hierfür ist, dass der Erreger eine sehr veränderliche Erbanlage besitzt: Diese sogenannte genetische Variabilität befähigt das Grippevirus dazu, unsere Immunabwehr immer wieder zu überwinden.

Dass die Erreger der Grippe eine so große genetische Variabilität aufweisen, hat zwei Ursachen: Erstens können die unterschiedlich ausgeprägten Eiweiße an der Virusoberfläche miteinander verschiedene Neukombinationen bilden (sog. Antigen-Shift), zweitens können sie auch ihre jeweilige Struktur verändern (sog. Antigen-Drift). Dies führt dazu, dass jedes Jahr eine neue Variante des Influenza-A-Virus auftaucht

Diese neue Variante des Influenza-Virus kann auch Menschen krank machen, die im Jahr zuvor geimpft wurden oder schon eine Grippe durchgemacht haben. Darum ist jedes Jahr ein neuer Impfstoff für die Grippeimpfung nötig.

Die Antigen-Drift beim Influenza-A-Virus ist verantwortlich für die Grippewellen (bzw. Epidemien), die in Abständen von 2 bis 3 Jahren auftreten. Hingegen verursacht der Antigen-Shift die etwa alle 10 bis 20 Jahre auftretenden Grippe-Pandemien (eine Pandemie ist eine auf große Gebiete übergreifende Grippewelle). Grippeviren der Typen B und C machen sich eher durch vereinzelte Grippefälle bemerkbar.

Video Grippe: Jedes Jahr im Winter

Ansteckung

Die Übertragung der Grippe kann verschiedene Ursachen haben. Die Ansteckung mit Grippeviren kann ...

  • ... über die sogenannte Tröpfcheninfektion geschehen, also durch Niesen, Husten und Sprechen.
  • ... durch direkten Kontakt mit Infizierten passieren, zum Beispiel beim Händeschütteln oder Küssen.
  • ... über Gegenstände stattfinden, an denen die Grippeviren haften: So können sich die Viren über eine Schmierinfektion verbreiten, wenn jemand beispielsweise die verunreinigte Oberfläche berührt und die Hand anschließend an Schleimhäute (von Mund, Nase, Auge) führt.

Inkubationszeit

Den Zeitraum zwischen der Infektion und dem Ausbruch einer Erkrankung nennt man Inkubationszeit. Bei der Grippe ist die Inkubationszeit recht kurz: Sie beträgt wenige Stunden bis drei Tage. Während dieser Zeit vermehren sich die ursächlichen Grippeviren in den Schleimhautzellen des Nasen-Rachen-Raums.

Wie lange ist Grippe ansteckend?

Die Grippe ist schon während der Inkubationszeit ansteckend. Nach dem Ausbruch der Influenza besteht die Ansteckungsgefahr dann noch etwa drei bis fünf Tage weiter. Kinder können das Grippevirus sogar bis zu sieben Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome weitergeben.

Grippe (Influenza): Diagnose

Bei Verdacht auf Grippe (Influenza) liefern eine körperliche Untersuchung und die Angaben der Betroffenen (sog. Anamnese) wichtige Hinweise für die Diagnose. Dabei prüft der Arzt auch, ob die Beschwerden für eine echte Virusgrippe oder eher für eine gewöhnliche Erkältung (grippaler Infekt) sprechen.

Ist bekannt, dass sich Grippeviren in der Region ausbreiten beziehungsweise dass eine Grippewelle grassiert, kann der Arzt die Grippe in den meisten Fällen ohne Labordiagnostik recht sicher diagnostizieren. Laboruntersuchungen sind allerdings sinnvoll, wenn die Influenza schwer verläuft oder (z.B. wegen einer Grunderkrankung) ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht. Dann kann es zudem ratsam sein, sofort mit einer gegen Viren wirkenden Behandlung zu beginnen, ohne erst die weiteren Untersuchungsergebnisse abzuwarten.

Für die Laboruntersuchungen ist eine Blutprobe nötig. In Ausnahmefällen (z.B. bei vorbestehender Lungenerkrankung) lässt der Arzt bei einer Grippe auch den Speichel untersuchen. Dauert die Influenza schon ungewöhnlich lange, sind Lungenerkrankungen im Vorfeld bekannt oder besteht der Verdacht auf eine Lungenentzündung (Pneumonie), ist außerdem eine Röntgenaufnahme vom Brustkorb diagnostisch hilfreich. Um abzuklären, ob eine andere Krankheit der Atemwege vorliegt, kann außerdem eine Lungenfunktionsprüfung, eine Bronchoskopie oder Computertomographie zum Einsatz kommen.

Grippe (Influenza): Behandlung

Bei einer Grippe (Influenza) besteht die Behandlung oft nur darin, die Grippesymptome zu lindern. Unter bestimmten Umständen ist es jedoch bei einer Virusgrippe ratsam, spezielle Grippemittel oder Antibiotika einzusetzen:

  • Milde Grippe bzw. kein erhöhtes Risiko für schwere Grippe: Beschwerden lindern (sog. symptomatische Behandlung)
  • Schwere Grippe bzw. erhöhtes Risiko für schwere Grippe: evtl. Grippeviren durch Grippemittel (sog. Virostatika) bekämpfen
  • Zusätzliche Infektion mit Bakterien: mit Antibiotika behandeln

Wann ist das Risiko für eine schwere Grippe erhöht?

Ein erhöhtes Risiko für eine schwere Grippe haben Sie zum Beispiel, wenn Sie:

Grippe – was kann ich selbst tun?

Bei einer leicht verlaufenden Grippe können Sie auf Mittel gegen Viren oder sonstige verschreibungspflichtige Medikamente verzichten und auf andere Mittel zurückgreifen. Beispiele:

  • Sie können gegen die Grippesymptome schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente (z.B. mit Acetylsalicylsäure) einnehmen.
  • Zudem können – je nach Symptomatik der Influenza – zur Behandlung Hustensäfte und Nasentropfen sinnvoll sein.

Zudem sind in der akuten Phase der Grippe zur Behandlung dringend einige Tage Bettruhe ratsam. Auch nach der akuten Erkrankungsphase ist es wichtig, sich körperlich zu schonen – das bedeutet vor allem, dass Sie die Influenza völlig auskurieren sollten, bevor Sie wieder Sport treiben.

Bei Grippe können auch verschiedene Hausmittel helfen, die Beschwerden zu lindern. Beispiele:

  • Inhalieren mit Kamille oder Salzlösungen – dies ist gut für die Atemwege.
  • Gurgeln und heiße Getränke zu sich nehmen – so können Sie die Rachenentzündung lindern.

Der Körper verliert während einer Grippe viel Flüssigkeit. Darum ist es vor allem bei Fieber wichtig, dass Sie ausreichend trinken (pro Tag mindestens zwei bis drei Liter Wasser, Früchtetee und/oder Fruchtsäfte). Auf Alkohol, Kaffee und schwarzen Tee sollten Sie bei einer Influenza jedoch verzichten.

Virostatika

Virostatika sind spezielle Medikamente, die gegen Viren wirken. Bei einer schweren Grippe ist es wichtig, dass die Behandlung mit Virostatika so schnell wie möglich beginnt (d.h. innerhalb der ersten 48 Stunden nach Ausbruch der Influenza): Denn dann steten die Chancen am besten, dass die Mittel etwas gegen die Grippeviren bewirken.

Zur Gruppe der Virostatika zählen unter anderem Neuraminidasehemmer. Diese Medikamente bekämpfen die Grippe, indem sie die weitere Ausbreitung des Grippevirus im Körper hemmen. Die Behandlung mit Neuraminidasehemmern wirkt gegen das Influenza-A- und Influenza-B-Virus, nicht jedoch gegen das Grippevirus vom Typ C.

Funktionsweise der Neuraminidasehemmer

Wirkstoffe aus der Gruppe der Neuraminidasehemmer verhindern, dass Grippeviren sich weiter im Körper vermehren.

Gegenwärtig stehen die Virostatika Zanamivir und Oseltamivir zur Verfügung, um eine Grippe ursächlich zu behandeln:

  • Zanamivir erhalten Sie als Pulver, das Sie inhalieren müssen. Dieses Grippemittel ruft in seltenen Fällen krampfartige Verengungen der Atemwege (Bronchospasmen) hervor – vor allem bei Menschen mit einer chronischen Lungenerkrankung.
  • Oseltamivir nehmen Sie über den Mund ein. Die Therapie mit Oseltamivir löst in etwa jedem zehnten Fall Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt aus (v.a. Übelkeit und Erbrechen).

Allerdings ist der Nutzen von Neuraminidasehemmern bei Grippe umstritten: So verkürzt die Behandlung mit dem Grippemittel Oseltamivir die Dauer der Influenza nur geringfügig. Und dass das Mittel das Komplikations- oder Übertragungsrisiko senkt, ist nicht sicher nachgewiesen.

Entsprechend empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Oseltamivir nur noch als Ergänzungsmittel bei schwer an Grippe erkrankten Menschen im Krankenhaus einzusetzen.

Das früher oft bei Grippe zur Behandlung eingesetzte Virostatikum namens Amantadin gehört nicht zu den Neuraminidasehemmern, sondern zu den zyklischen Aminen und ist nur gegen Influenza-A-Virusinfektionen wirksam. Amantadin kann die Dauer von Fieber um einen Tag verkürzen. Als Grippemittel wenden Ärzte Amantadin allerdings heute praktisch nicht mehr an, denn:

  • Zum einen verursacht Amantadin nicht unerhebliche Nebenwirkungen (z.B. Durchfall, Depression, epileptische Anfälle ),
  • zum anderen entwickeln die Grippeviren schnell eine Widerstandsfähigkeit (Resistenz) dagegen.

Antibiotika

Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Bei der virusbedingten Grippe ist eine Behandlung mit Antibiotika also wirkungslos. Wenn jedoch neben der Influenza zusätzlich eine Infektion mit Bakterien (sog. Zweitinfektion oder Superinfektion) entsteht, ist es notwendig, diese mit Antibiotika zu behandeln.

Vor allem wenn im Verlauf der Grippe Komplikationen wie eine bakterielle Lungenentzündung auftreten, ist eine unverzügliche Behandlung mit Antibiotika ratsam.

Behandlung bei Kindern

Die bei Erwachsenen gegen Grippe eingesetzte Behandlung unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt von der Behandlung bei Kindern: Kinder mit Virus-Infekten wie einer Influenza dürfen keinesfalls Salicylate (wie ASS o.Ä.) erhalten, da sie hierdurch ein Reye-Syndrom entwickeln können.

Das Reye-Syndrom ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, in deren Verlauf es zu Hirn- und Leberschäden kommt. Während man die Erkrankung im Frühstadium noch heilen kann, führt sie voll entwickelt in etwa 70 Prozent der Fälle zum Tod. Wenn Ihr Kind dauerhaft Salicylate einnimmt, ist es deshalb wichtig, dass Sie es regelmäßig gegen Grippe impfen lassen.

Grippe (Influenza): Verlauf

Bei einer Grippe (Influenza) kann der Verlauf sehr unterschiedlich sein: Es sind milde und unkomplizierte, aber auch schwerwiegende Fälle von Virusgrippe mit tödlichen Ausgang möglich.

Der Anteil der tödlich verlaufenden Grippefälle ist zwar eher gering. Dennoch ist eine Grippe nie als harmlos anzusehen! Vor allem Kleinkinder, ältere Menschen und solche mit einer chronischen Lungenerkrankung oder Immunschwäche haben ein erhöhtes Risiko, eine schwere Influenza zu entwickeln.

Wie lange dauert eine Grippe?

Bei einer Grippe mit typischem Verlauf treten die ersten Beschwerden ein bis fünf Tage nach der Infektion mit dem Grippevirus auf. Erstes Anzeichen für die Virusgrippe ist oft ein plötzliches und hohes Fieber. Überwiegend sind die Betroffenen nach etwa sechs Tagen wieder fieberfrei. Jedoch können andere Symptome der Influenza – und zwar Husten, Schnupfen (Rhinitis) sowie ein allgemeines Schwächegefühl – noch ein bis zwei Wochen länger dauern.

Die bei Influenza entstehende Schleimhautschädigung kann Infektionen mit Bakterien nach sich ziehen, die unter Umständen zu Komplikationen führen. Um diese zu vermeiden, ist es wichtig, die Bakterieninfektion rechtzeitig zu behandeln. Wenn das gelingt, ist die Grippe nach einer Dauer von etwa ein bis zwei Wochen ausgestanden.

Komplikationen

Größtenteils entwickeln sich bei einer Grippe im weiteren Verlauf dann Komplikationen, wenn zusätzlich bakterielle Infektionen hinzukommen. Verantwortlich für diese bei Influenza relativ häufigen Zweitinfektionen sind vor allem folgende Bakterien:

Nachfolgend kann es durch die Bakterien-Infektion zu einer Lungenentzündung, einer Mittelohrentzündung (Otitis media) oder einer Entzündung des Herzmuskels kommen. Dies kann weitere Komplikationen mit sich bringen. So kann beispielsweise eine gleichzeitig mit der Grippe auftretende Lungenentzündung dazu führen, dass Lungenabszesse entstehen, die wiederum schwere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems auslösen können. Möglich sind zum Beispiel:

Wie sich bakterielle Zweitinfektionen bei einer Grippe auswirken, hängt in starkem Maße vom Gesundheitszustand der Betroffenen ab. Ein besonders hohes Risiko für eine schwer verlaufende Influenza mit Komplikationen haben:

Historisches

Die Grippe stellte als Pandemie mehrfach ein schwerwiegendes historisches Geschehen dar. Den schwersten Verlauf zeigte die Spanische Grippe von 1918/1919, die ihren Ursprung vermutlich 1918 in einem Soldatencamp im amerikanischen Staat Kansas hatte. Es ist anzunehmen, dass die Influenza mit amerikanischen Truppentransporten nach Frankreich gelangte und sich von dort aus über Deutschland weiter nach Spanien verbreitete.

Ihre Bezeichnung erhielt die Spanische Grippe, da die ersten Nachrichten über diese Pandemie aus Spanien kamen. Weltweit waren damals etwa 500 Millionen Menschen von der Influenza betroffen. Wahrscheinlich starben etwa 25 bis 40 Millionen Menschen an der Spanischen Grippe, wobei die Todesopfer vor allem jüngere Menschen im Alter von 20 bis 30 Jahren und überwiegend Frauen waren.

Im Vergleich dazu nahm die Asiatische Grippe im Winter 1957/1958 einen weniger schweren Verlauf: Sie forderte etwa 1 bis 1,5 Millionen Todesopfer. Allein in Deutschland starben damals infolge der Influenza ungefähr 30.000 Menschen. Die Hongkong-Grippe (1968/1969) kostete zusammen mit der Russischen Grippe von 1977 etwa 1,5 Millionen Menschenleben.

Die jüngste Grippe-Pandemie geht auf das Konto der sogenannten Schweinegrippe (auch Neue Grippe oder Neue Influenza A/H1N1 genannt): Sie trat erstmals im April 2009 in Mexiko auf und hat sich seitdem in der ganzen Welt verbreitet. Mit bislang knapp über 18.000 registrierten Todesfällen weltweit verlief diese Grippewelle jedoch vergleichsweise milde. Im August 2010 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Pandemie offiziell für beendet.

Grippe (Influenza): Vorbeugen

Einer Grippe (Influenza) können Sie vorbeugen, indem Sie sich impfen lassen. Der optimale Zeitpunkt für die Grippeschutzimpfung liegt vor Beginn der Grippesaison – also im Zeitraum von Oktober bis November. Zum langfristigen Schutz ist es ratsam, sich jedes Jahr erneut impfen zu lassen.

Mit der Impfung gegen Grippe können gesunde Menschen unter 60 Jahren das Erkrankungsrisiko deutlich senken oder aber zumindest erreichen, dass die Influenza bei ihnen milde und komplikationsarm verläuft. Bei Menschen höheren Alters hingegen ist die Schutzwirkung geringer. Trotzdem ist es auch – oder gerade – für über 60-Jährige wichtig, sich jedes Jahr gegen Grippe impfen zu lassen, um das Risiko für eine schwere Grippeerkrankung gering zu halten.

Die Impfung gegen Grippe jährlich erneuern zu lassen ist deshalb ratsam, da die Grippeviren ständig ihre Struktur ändern und Sie deshalb trotz Impfung in der nächsten Grippesaison nicht mehr ausreichend geschützt sind. Die empfohlenen Impfstoffe enthalten eine Mischung, die gegen verschiedene Grippeviren wirksam sind. Die Grippeimpfung kann aber nur der Influenza vorbeugen: Ein grippaler Infekt (Erkältung) lässt sich mit einem Grippeimpfstoff nicht verhindern.

Für folgende Personengruppen gilt die vorbeugende Impfung gegen Grippe als besonders empfehlenswert:

  • für Personen über 60 Jahre
  • für Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel (bei erhöhter Gesundheitsgefahr wegen einer anderen Grunderkrankung ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel)
  • für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung infolge eines Grundleidens wie chronische Lungenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lebererkrankungen und Nierenerkrankungen, Diabetes und andere Stoffwechselkrankheiten, chronischen neurologischen Erkrankungen wie multiple Sklerose, Immunschwäche, HIV-Infektion
  • für Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen
  • für Menschen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko, zum Beispiel medizinisches Personal oder Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr
  • für jeden, der Menschen mit erhöhtem Gesundheitsrisiko betreut und diese so im Fall einer Infektion anstecken könnte,
  • für Menschen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln (schützt zwar nicht vor der Vogelgrippe, kann aber einer gleichzeitigen Infektion durch menschliche Grippeviren und Vogelgrippeviren vorbeugen)
  • für jeden, wenn (aufgrund von Erfahrungen in anderen Ländern) eine Grippeepidemie oder ein neuer Virustyp zu erwarten ist und hierfür schon ein Grippeimpfstoff zur Verfügung steht

In einigen Fällen kommen auch sogenannte Neuraminidasehemmer vorbeugend gegen Grippe zum Einsatz: Manche Ärzte halten eine Behandlung mit diesen Medikamenten zum Beispiel für sinnvoll, wenn wegen einer Vorerkrankung eine Schutzimpfung nicht möglich ist oder wenn (z.B. wegen eines geschwächten Immunsystems) nur ein geringer Impfschutz gegen Influenza besteht.

Auch für bestimmte Personengruppen (wie medizinisches Personal) können diese Wirkstoffe in Betracht kommen – zum Beispiel wenn ein wirksamer Impfstoff gegen ein neues Grippevirus (noch) fehlt. Um der Virusgrippe vorzubeugen, ist jedoch die Grippeimpfung die Maßnahme der ersten Wahl.

Wenn Sie schon eine Grippe haben, können Sie ihrer Ausbreitung vorbeugen, indem Sie eine Ansteckung Ihrer Mitmenschen und somit neue Grippefälle vermeiden. Dazu ist es wichtig, dass Sie:

  • beim Niesen und Husten Ihre Nase und Ihren Mund bedecken (dabei nicht in die nackte Hand husten oder niesen, sondern z.B. in die Armbeuge),
  • sich regelmäßig die Hände waschen,
  • statt Stofftaschentüchern Papiertaschentücher verwenden und
  • benutzte Einweg-Papiertaschentücher direkt entsorgen.

Pneumokokken-Schutzimpfung

Neben der Impfung gegen Grippe (Influenza) ist für bestimmte Personengruppen eine Pneumokokken-Schutzimpfung empfehlenswert, die einer Lungenentzündung durch Pneumokokken wirksam vorbeugen kann. Die Pneumokokken-Schutzimpfung ist wichtig für:

  • Menschen ab dem 60. Lebensjahr
  • Säuglinge bis zum 24. Lebensmonat
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer schweren Grunderkrankung

Grippe (Influenza): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Grippe (Influenza)":

Onmeda-Lesetipps:

Arzneimittelinformationen zu Grippe
Grippeimpfung
Grippe oder Erkältung?
Erkältung (grippaler Infekt)
Akute Bronchitis
Lungenentzündung (Pneumonie)
Pharyngitis (Rachenentzündung)
Schweinegrippe
Schweinegrippe-Impfung
Vogelgrippe

Linktipps:

Arbeitsgemeinschaft Influenza
Aktuelle Informationen zur Aktivität der Influenza in Deutschland.

GrippeWeb
Das Projekt GrippeWeb des Robert Koch-Instituts versucht, die Aktivität und die Ausbreitung akuter Atemwegserkrankungen (wie Erkältungen und die "echte" Grippe) in Deutschland zu beobachten. Das Projekt kann jeder unterstützen, indem man sich einfach anmeldet und jede Woche kurz angibt, ob in der vergangenen Woche Symptome einer Erkältung oder Grippe aufgetreten sind.

Aktiv gegen Grippe
Informationen von Influenzanet – einem System zur Beobachtung von influenzaähnlichen Erkrankungen (ILI) über das Internet mithilfe von Freiwilligen aus der Bevölkerung.

Quellen:

RKI-Ratgeber für Ärzte: Influenza (Teil 1): Erkrankungen durch saisonale Influenzaviren. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 24.8.2017)

Epidemiologisches Bulletin Nr. 34/2017: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut – 2017/2018 (Stand: 24.8.2017)

European Centre for Disease Prevention and Control: Expert opinion on neuraminidase inhibitors for the prevention and treatment of influenza – review of recent systematic reviews and meta-analyses. ECDC, Stockholm (August 2017)

arznei-telegramm 8/2017: WHO – Oseltamivir (Tamiflu) nicht mehr "unentbehrlich". Institut für Arzneimittelinformation, Berlin (1.8.2017)

Saisonale Influenzaimpfung: Häufig gestellte Fragen und Antworten. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 26.1.2017)

Häufig gestellte Fragen und Antworten zur Grippe. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 16.12.2016)

Fact Sheet: Influenza (Seasonal). Online-Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO): www.who.int (Stand: November 2016)

Buda, S., et al.: Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2015/16. Robert-Koch-Institut, Berlin 2016 (20.9.2016)

Epidemiologisches Bulletin Nr. 3/2015: Influenza zugeschriebene Mortalität – aktuelle Zahlen bis Saison 2012/2013. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: Januar 2015)

Jefferson, T., et al.: Regulatory information on trials of oseltamivir (Tamiflu) and zanamivir (Relenza) for influenza in adults and children. The Cochrane Library 2014, Ausgabe 4

Gemeinsame Stellungnahme der GfV, der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) und der Paul-Ehrlich-Gesellschaft (PEG) zu Indikationen für die Therapie mit Neuraminidasehemmern bei Influenza. Online-Informationen der Gesellschaft für Virologie e.V.: www.g-f-v.org (Stand: 1.7.2014)

Hof, H., Dörries, R.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart, 2013

Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Empfehlungen zur Therapie akuter Atemwegsinfektionen und der ambulant erworbenen Pneumonie. Arzneiverordnung in der Praxis, Band 40, Sonderheft 1 (Therapieempfehlungen) (Stand: Januar 2013)

Doerr, H.W., Gerlich, W.H. (Hrsg.): Medizinische Virologie. Thieme, Stuttgart 2010

Aktualisiert am: 7. September 2017

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