Darmkrebs (Kolonkarzinom und Rektumkarzinom)

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (24. April 2017)

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Je früher Darmkrebs (Kolonkarzinom und Rektumkarzinom) erkannt wird, desto größer ist auch die Chance auf Heilung: In einem frühen Stadium ist Darmkrebs fast immer heilbar. Die Erkrankung entwickelt sich allerdings schleichend und wird daher oft erst spät erkannt. Daher ist es besonders wichtig, mögliche Warnzeichen ernst zu nehmen – und sich im Zweifelsfall mithilfe einer Darmspiegelung Gewissheit zu verschaffen.

Dickdarmkrebs ist – nach Prostatakrebs bei Männern und Brustkrebs bei Frauen – bei beiden Geschlechtern die zweithäufigste Krebserkrankung. Im Jahr 2012 erkrankten in Deutschland rund 33.700 Männer und 28.500 Frauen an Darmkrebs.

Was ist Darmkrebs?
Ist von Darmkrebs die Rede, meinen Mediziner damit in der Regel Krebs im Dickdarm (Darmkrebs, kolorektales Karzinom)Darmkrebs kann grundsätzlich in jedem Darmabschnitt entstehen: im Dünndarm, im Dickdarm oder im Analbereich.

Tumoren im Dünndarm oder im Analbereich kommen wesentlich seltener vor als Tumoren im Dickdarm, zudem werden sie anders behandelt. Bei manchen erblichen Formen von Darmkrebs können bösartige Tumoren den gesamten Darm befallen – Dünndarmkrebs und Dickdarmkrebs kommen bei den Betroffenen dann unter Umständen gleichzeitig vor.

Je nachdem, welcher Abschnitt des Dickdarms von Krebs befallen ist, unterscheiden Ärzte zwischen

  • einem Rektumkarzinom und einem
  • Kolonkarzinom.

Beim Rektumkarzinom befindet sich der Tumor im letzten Abschnitt des Dickdarms, im Mastdarm (Rektum). Von einem Kolonkarzinom sprechen Ärzte, wenn der Krebs höhere Darmabschnitte befallen hat. Rektumkarzinom und Kolonkarzinom werden unter dem Begriff kolorektales Karzinom zusammengefasst. 

Eine grafische Darstellung des Darms. © Photodisc/Contemporary Health/Getty Images

Prozentuale Verteilung der Darmkrebslokalisationen: Die meisten Tumoren bilden sich im letzten Darmabschnitt.

Das Alter spielt eine wichtige Rolle dabei, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für Darmkrebs ist. Je höher das Alter, desto höher ist auch das Erkrankungsrisiko: Vor dem 40. Lebensjahr ist Darmkrebs selten, im höheren Alter steigt das Erkrankungsrisiko an – 90 von 100 der Betroffenen sind älter als 55 Jahre. Mehr als die Hälfte aller Erkrankten haben den Krebs nach dem 70. Lebensjahr entwickelt. Eine Frau ist im Durchschnitt bei der Diagnose 75 Jahre alt, ein Mann 72 Jahre.

Angebote zur Früherkennung nutzen

9 von 10 Darmkrebspatienten geheilt werden, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt wird. Daher sollte man die Angebote zur Früherkennung wahrnehmen. Mit höherem Alter steigt das Darmkrebs-Risiko. Daher haben alle gesetzlich Versicherten in Deutschland ab dem Alter von 50 Jahren Anspruch auf eine Früherkennungsuntersuchung.

Die zuverlässigste Untersuchungsmethode bei Verdacht auf Darmkrebs ist die Darmspiegelung. Eine Darmspiegelung verursacht in der Regel keine Schmerzen und ist für den Körper nicht belastend.

Darmkrebs: Ursachen

Die genauen Ursachen von Darmkrebs im Bereich des Dickdarms sind noch nicht abschließend geklärt. Kolonkarzinom und Rektumkarzinom entwickeln sich dann, wenn Zellen in der Schleimhaut des Dickdarms entarten und sich unkontrolliert teilen. Dieser Prozess kann durch verschiedene Einflüsse begünstigt werden. Im Normalfall schafft es der Körper, veränderte Zellen zu erkennen und rechtzeitig zu beseitigen. Manchmal gelingt dies jedoch nicht. Die Folge: Die entarteten Zellen wachsen unkontrolliert weiter – ein Tumor entsteht.

Darmpolypen können sich zu Darmkrebs entwickeln

Darmkrebs entsteht in der Regel nicht plötzlich, sondern entwickelt sich schleichend über Jahre hinweg. In den meisten Fällen geht Darmkrebs aus Darmpolypen hervor. Darmpolypen sind kleine, gutartige Vorwölbungen in der Darmschleimhaut. Wenn diese Polypen entarten und Krebszellen bilden, entsteht Darmkrebs. Wer Polypen hat, hat demnach ein erhöhtes Darmkrebs-Risiko. Auch wenn nahe Verwandte Polypen hatten oder haben, ist das eigene Darmkrebsrisiko erhöht. Ein Polyp kann zu Darmkrebs führen – er entwickelt sich aber nicht zwingend zu Krebs!

Bei etwa 10 von 100 Erkrankten spielen genetische Faktoren eine Rolle: Darmkrebs tritt dann in der Familie gehäuft auf. In den meisten anderen Fällen hingegen lässt sich oft keine direkte Ursache für Darmkrebs feststellen. Jedoch gibt es einige Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit für ein Kolonkarzinom erhöhen.

Risikofaktoren

Zu den Risikofaktoren für Darmkrebs zählen vor allem:

Jemand isst Schnitzel mit Pommes frites. © iStock

Wenn die Nahrung zu viel Fett enthält und häufig Fleisch auf dem Speiseplan steht, kann das die Entstehung von Darmkrebs begünstigen. Wenn Sie sich dagegen ausgewogen ernähren und ausreichend Vitamine und Ballaststoffe aus Vollkornprodukten zu sich nehmen, können Sie Ihr Risiko für Darmkrebs senken.

Chronische Darmentzündung und Darmkrebs

Bestimmte chronisch-entzündliche Darmerkrankungen erhöhen das Risiko für Dickdarmkrebs. Hierzu zählen vor allem Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn. Insbesondere, wenn diese Krankheiten schon über viele Jahre hinweg bestehen und wenn große Teile des Darms davon betroffen sind, ist das Risiko für einen Tumor erhöht. Meist treten diese Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn schon im Jugend- oder Kindesalter auf.

Video: Darmkrebs

Darmkrebs: Symptome

Darmkrebs im Bereich des Dickdarms kann sich durch ganz unterschiedliche Symptome äußern – häufig entwickelt er sich über viele Jahre hinweg, ohne dass die Betroffenen erste Anzeichen erkennen.

Gerade im frühen Stadium von Darmkrebs fehlen oft typische Symptome.

Mögliche Symptome von Darmkrebs sind:

In vielen Fällen sind solche Beschwerden harmlos und kein Beweis für Krebs – dennoch sollten Sie sichergehen: Wenn Sie einige dieser Symptome bei sich bemerken, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen. Dieser kann mithilfe verschiedener Untersuchungen erkennen, ob die Symptome auf Darmkrebs hinweisen oder nicht. Insbesondere bei Blut im Stuhl sollten Sie zeitnah einen Termin beim Arzt machen.

Eine Frau hat Bauchschmerzen © iStock

Symptome wie Bauchschmerzen oder Veränderungen der Stuhlgewohnheiten können viele harmlose Ursachen haben – sie können aber auch ein frühes Darmkrebs-Anzeichen sein. Lassen Sie Beschwerden deshalb in jedem Fall ärztlich abklären!

Darmkrebs erkennen

Grundsätzlich gilt: Die Darmspiegelung ist die sicherste Methode, um Darmkrebs im Bereich des Dickdarms – also Kolonkarzinom und Rektumkarzinom – diagnostizieren oder ausschließen zu können. Bei Verdacht auf Darmkrebs wird der Arzt daher in der Regel immer eine Darmspiegelung vornehmen.

Symptome wie Blut im Stuhl, Gewichtsverlust oder Stuhlveränderungen müssen nicht bedeuten, dass wirklich Darmkrebs dahintersteckt. Im Gespräch wird der Arzt zunächst weitere Informationen erfragen. So wird er vielleicht wissen wollen, ob enge Familienmitglieder an Darmkrebs erkrankt sind oder welche Ernährungsgewohnheiten Sie haben.

Es folgt eine allgemeine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt unter anderem den Bauch abtastet. Mithilfe einer Blutprobe kann der Arzt zudem verschiedene Werte bestimmen, die ihm bei der Diagnose weiterhelfen. Viele Dickdarmkrebs-Tumoren befinden sich im Enddarm (sog. Rektumkarzinom). Der Arzt kann bei der ersten Untersuchung mögliche Veränderungen im Enddarm durch eine schmerz- und risikolose Tastuntersuchung mit dem Finger entdecken. Etwas tiefere Regionen kann er mithilfe der Enddarmspiegelung (Rektoskopie) untersuchen. Sind Veränderungen vorhanden, müssen diese in jedem Fall weiter untersucht werden – in der Regel mithilfe einer Darmspiegelung.

Wenn der Arzt nach der ersten Untersuchung eine ernste Darmerkrankung für wahrscheinlich hält, wird er Ihnen eine Darmspiegelung vorschlagen.

Darmspiegelung

Mit der Darmspiegelung (Koloskopie) ist es möglich, den gesamten Dickdarm auf Darmkrebs hin zu untersuchen. Dabei schiebt der Arzt einen biegsamen Schlauch durch den Darm. Am Ende des Schlauchs befindet sich eine kleine Kamera, die Bilder an einen Monitor überträgt. Während der Spiegelung kann der Arzt aus verdächtigen Bereichen Gewebeproben entnehmen (Biopsie) und anschließend unter dem Mikroskop untersuchen lassen. Auch kann der Arzt direkt kleine Polypen entfernen – dies sind gutartige Vorwölbungen der Darmschleimhaut, aus denen sich im Laufe von Jahren Darmkrebs entwickeln kann.

Für eine Darmspiegelung ist normalerweise kein stationärer Aufenthalt notwendig. Sie können sie etwa in einer Arztpraxis oder auch ambulant in einer Klinik durchführen lassen.

Vor der Darmspiegelung müssen Sie dafür sorgen, dass der Darm leer ist. Dafür ist es nötig, dass Sie vorher ein Abführmittel nehmen. Wenn Sie vor der Darmspiegelung Angst haben, können Sie sich zu Beginn der Untersuchung ein Beruhigungsmittel geben lassen. In der Regel dauert eine Darmspiegelung circa 15 bis 20 Minuten. Komplikationen wie Blutungen oder Verletzungen der Darmwand treten eher selten auf.

Virtuelle Darmspiegelung

Eine weitere Untersuchungsmethode ist die sogenannte virtuelle Kolonographie. Diese bietet im Vergleich zur normalen Darmspiegelung den Vorteil, dass kein Endoskop in den Darm eingeführt werden muss. Vielmehr werden einzelne Darmabschnitte mithilfe einer Computertomographie oder einer Magnetresonanztomographie auf dem Computer dargestellt. Wie bei der herkömmlichen Darmspiegelung ist es auch bei der virtuellen Koloskopie notwendig, dass der Patient vor der Untersuchung seinen Darm mithilfe eines Abführmittels entleert.

Die Kolonographie kann sinnvoll sein, wenn eine Darmspiegelung nicht möglich ist, zum Beispiel aufgrund von Verwachsungen im Bauchraum. Nach wie vor gilt die konservative Darmspiegelung jedoch als bestes Diagnosemittel, denn kleinere Polypen und Schleimhautveränderungen werden bei der virtuellen Kolonographie nicht so zuverlässig erkannt. Darüber hinaus gibt es bei der herkömmlichen Spiegelung mit einem Endoskop die Möglichkeit, direkt Gewebeproben zu entnehmen und Polypen zu entfernen – bei der Kolonographie ist dies nicht möglich.

Darmkrebs. © Jupiterimages/iStockphoto

Bei Verdacht auf Darmkrebs kommt meist eine Darmspiegelung zum Einsatz.

Nach der Diagnose: Weiterführende Untersuchungen

Hat sich der Verdacht auf ein Rektumkarzinom oder Kolonkarzinom bestätigt, sind weitere Untersuchungen notwendig, um herauszufinden, in welchem Stadium sich der Krebs befindet. So muss der Arzt beispielsweise die Größe und Ausbreitung des Tumors genau beurteilen können und feststellen, ob Lymphknoten befallen sind und sich möglicherweise Tochtergeschwulste (Metastasen) in anderen Organen gebildet haben. Wenn sich Metastasen bilden, dann häufig in der Leber oder in der Lunge.

Folgende Untersuchungen kommen für die weiterführende Diagnose zum Einsatz:

  • Untersuchung des Enddarms (digital-rektale Untersuchung): Der Arzt tastet den Enddarm mit dem Finger ab. So erhält er Informationen über den Zustand des unteren Schließmuskels. Wenn der Tumor sehr weit unten im Darm wächst, kann der Arzt durch die Tastuntersuchung oft abschätzen, inwieweit der Schließmuskel nach einer Operation noch intakt sein wird.
  • Ultraschall des Bauchs: Um zu ermitteln, ob sich Metastasen in der Leber befinden, führt der Arzt meist eine Ultraschalluntersuchung durch. Zusätzlich kann in manchen Fällen eine Magnetresonanztomographie oder eine Computertomographie sinnvoll sein.
  • Röntgenaufnahme des Brustraums: Das Röntgen ermöglicht, eventuelle Tochtergeschwulste in der Lunge zu erkennen.
  • Tumormarker: Mithilfe einer Blutprobe kann der Arzt herausfinden, ob der sogenannte CEA-Wert (CEA = Carcinoembryonales Antigen) im Blut erhöht ist. Dieser Tumormarker kann darauf hinweisen, dass möglicherweise Krebs vorliegt – allerdings kann er auch etwa bei einer Entzündung erhöht sein und ist somit kein Beweis für Darmkrebs.

Ergänzend können weitere Verfahren sinnvoll sein, etwa eine Computertomographie, um unklare Befunde genauer zu untersuchen.

Stadieneinteilung

Mediziner teilen Dickdarmkrebs – also Kolonkarzinom und Rektumkarzinom – in unterschiedliche Stadien ein. Dabei orientieren sie sich an dem sogenannten TNM-System. Je weiter sich Darmkrebs ausgebreitet hat, desto höher ist auch das Stadium.

  • T wie "Tumor": Der Buchstabe gibt an, wie sehr der Tumor in umliegendes Gewebe gewachsen ist. Je nachdem, wie ausgedehnt der Tumor ist, vergibt der Arzt bei der Diagnose die Bezeichnungen T1, T2, T3 oder T4.
  • N wie "Nodes" (= Lymphknoten): Der Buchstabe gibt Auskunft darüber, ob Lymphknoten vom Krebs befallen sind. N0 heißt, dass keine Lymphknoten befallen sind, N1 bedeutet, dass ein bis drei benachbarte Lymphknoten befallen sind; sind vier oder mehr Lymphknoten betroffen, vergibt der Arzt die Bezeichnung N2.
  • M wie "Metastasen": Der Buchstabe gibt an, ob Tochtergeschwulste (Metastasen) vorhanden sind. M1 bedeutet, dass Metastasen vorliegen, M0 heißt, dass Metastasen fehlen.

Eine andere Stadieneinteilung für das Kolonkarzinom beziehungsweise Rektumkarzinom ist die der UICC (Union Internationale Contre le Cancer, UICC-Stadien). Stadium 0 der UICC bedeutet eine Vorstufe von Darmkrebs (Carcinoma in situ); beim UICC-Stadium IV ist der Krebs weit fortgeschritten und es liegen Tochtergeschwulste in anderen Organen vor (sog. Fernmetastasen).

Darmkrebs: Behandlung

Eine Operation kann auch sinnvoll sein, um Tochtergeschwulste des Tumors in LungeLeber und Bauchraum zu entfernen. Ein chirurgischer Eing

Bei Darmkrebs im Bereich des Dickdarms (Rektumkarzinom, Kolonkarzinom) richtet sich die Behandlung insbesondere danach,

  • wie aggressiv der Tumor wächst,
  • wie sehr er sich in umliegende Gewebe ausgebreitet hat,
  • ob er bereits Lymphknoten befallen oder Tochtergeschwulste gebildet hat und
  • wie der Allgemeinzustand der Person ist.

Die wichtigste Therapiemethode ist die Operation. Insbesondere im frühen Stadium ist Darmkrebs durch eine Operation heilbar. Und auch Chemotherapie und Strahlentherapie kommen häufig zum Einsatz, manchmal auch in Kombination.

Darüber hinaus gibt noch weitere Behandlungsmöglichkeiten, so zum Beispiel die sogenannten zielgerichteten Therapien, bei denen sich Medikamente direkt gegen Krebszellen richten.

Operation

Die Operation hat bei der Therapie von Darmkrebs besonderes Gewicht. Der Chirurg versucht dabei, das Tumorgewebe samt der dazugehörigen Lymphknoten, Lymphabflüsse und versorgenden Blutgefäße möglichst vollständig zu entfernen. Gleichzeitig kann der Arzt die Bauchhöhle gründlich untersuchen und gegebenenfalls Tochtergeschwülste ausfindig machen.

Eine Operation kann auch sinnvoll sein, um Tochtergeschwulste des Tumors in LungeLeber und Bauchraum zu entfernen. Ein chirurgischer Eingriff ist zum Beispiel ebenfalls notwendig, wenn ein Tumor die Darmpassage verengt.

Das Bild zeigt eine ältere Frau im Krankenbett. © Jupiterimages/Comstock Images

Mithilfe der Operation soll der Tumor möglichst vollständig entfernt werden.

Operation beim Kolonkarzinom

Bei Krebs in höheren Abschnitten des Dickdarms (Kolonkarzinom) ist es nötig, einen Teil des Dickdarms zu entfernen und die Enden aneinanderzunähen. Wie umfangreich die Operation ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der Größe und der Lage des Tumors. Sind durch den Tumor auch andere Organe (z.B. die Milz) in Mitleidenschaft gezogen, etwa, weil der Tumor in sie hineinwächst, kann es nötig sein, das ganze Organ – oder Teile davon – ebenfalls zu entfernen.

Wenn das Tumorgewebe vollständig entfernt werden kann und der Krebs nicht gestreut hat, kann man ein Kolonkarzinom mithilfe der Operation heilen.

Nach einer Operation ist in seltenen Fällen vorübergehend ein künstlicher Darmausgang (Stoma) nötig. Dabei wird ein Teil des Darms, der vor der operierten Stelle liegt, nach außen verlagert. So kann sich der operierte Darmabschnitt leichter regenerieren. Ist die Wunde verheilt, kann der Chirurg das Stoma oft wieder in den Bauch zurückverlegen, sodass die normale Darmpassage wiederhergestellt ist.

Die weitere Behandlung hängt vor allem davon ab, ob der Tumor vollständig entfernt werden konnte oder ob noch Krebszellen im Körper verblieben sind. Im Anschluss an die Operation kann zum Beispiel eine ergänzende Chemotherapie eventuell noch vorhandene Krebszellen abtöten und verhindern, dass sich Tochtergeschwülste ausbreiten. Ob eine Chemotherapie infrage kommt, ist individuell ganz verschieden.

Operation beim Rektumkarzinom

Auch beim Rektumkarzinom zählt die Operation zur Standardtherapie. Dabei entnimmt der Operateur den betroffenen Darmabschnitt. In frühen Stadien ist dadurch eine Heilung möglich.

Insbesondere bei Tumoren, die sich nah am Darmausgang befinden, kann durch die Operation die Funktion des Schließmuskels verloren gehen. Um dieses Risiko zu minimieren, kann es vor der Operation sinnvoll sein, den Tumor durch eine Chemotherapie in Kombination mit Bestrahlung (Radiochemotherapie) zu verkleinern. Manchmal gelingt es jedoch nicht, den Schließmuskel zu erhalten – in diesem Fall ist es nötig, einen dauerhaften künstlichen Darmausgang zu legen. Kann der Schließmuskel hingegen erhalten werden, ist ein künstlicher Darmausgang nur vorübergehend nötig, damit die Operationsnaht verheilen kann. Nach einigen Monaten kann der Darmausgang dann wieder zurückverlegt werden.  

Künstlicher Darmausgang (Anus praeter, Stoma)

Ein künstlicher Darmausgang (med. Fachbegriff: Stoma oder auch Anus praeter) oder ein durch die Operation verkürzter Darm bedeuten nicht zwingend, dass eine spezielle Ernährung erforderlich ist. Häufig ist jedoch eine Ernährungsberatung sinnvoll, um eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten und den Verdauungstrakt nicht unnötig zu belasten.

Patienten, die nach einer Darmkrebs-Therapie einen künstlichen Darmausgang haben, fühlen sich dadurch oft zusätzlich belastet. Es ist deshalb hilfreich, sich bei den betreuenden Ärzten, Pflegepersonal und speziellen Selbsthilfegruppen Rat zu suchen – zum Beispiel, um die nötigen Pflegemaßnahmen wie regelmäßiges Stomabeutel-Wechseln zu erlernen oder um sich mit anderen Menschen, die ein Stoma tragen, auszutauschen.

Chemotherapie

Bei einer Chemotherapie erhält der Patient Zytostatika, also Medikamente, die – vereinfacht gesagt – vorwiegend Krebszellen abtöten. Zytostatika greifen aber auch gesundes Gewebe an. Das kann zu den typischen Nebenwirkungen wie Durchfall, Blutbildveränderungen oder Haarausfall führen.

Bei einem Kolonkarzinom oder einem Rektumkarzinom kann eine Chemotherapie zu verschiedenen Zwecken zum Einsatz kommen:

  • als sog. adjuvante(= unterstützende) Therapie: Nach einer Operation können Zytostatika mögliche verbliebene Krebszellen abtöten. Mithilfe der Chemotherapie kann das Risiko eines Rückfalls in vielen Fällen deutlich gesenkt werden.
  • als sog. neoadjuvanteTherapie: Ziel der neoadjuvanten Therapie ist es, durch die Chemotherapie eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen und große Tumoren zu verkleinern, damit eine Operation erst möglich ist.
  • als sog. palliativeTherapie: Hat der Krebs bereits gestreut, kann eine Chemotherapie den Verlauf der Erkrankung verlangsamen und Beschwerden lindern.

Meist verabreicht der Arzt die Zytostatika über die Vene. Zu möglichen Wirkstoffen zählen etwa Fluoruracil (5-FU), Capecitabin, Folinsäure sowie Oxaliplatin. Capecitabin ist auch in Tablettenform verfügbar. Capecitabin wandelt sich nach der Einnahme in den Wirkstoff 5-FU um. Im Vergleich zu einer Gabe als Infusion sind die Tabletten verträglicher.

Die Häufigkeit und Ausprägung der Nebenwirkungen haben mit dem Einsatz neuer Wirkstoffe und moderner Behandlungsprotokolle abgenommen. Zudem kann man die unerwünschten Wirkungen in der Regel gut medikamentös behandeln. Nach der Chemotherapie klingen die Nebenwirkungen meist schnell wieder ab.

Strahlentherapie

Bei einer Strahlentherapie werden gezielt einzelne Körperbereiche bestrahlt, um Krebszellen zu zerstören.

Eine Bestrahlung kann vor allem bei Personen mit Rektumkarzinom vor oder nach einer Operation geeignet sein – auch in Kombination mit einer Chemotherapie. Vor einer Operation kann die Strahlentherapie einen Tumor möglicherweise verkleinern, sodass der Krebs besser operiert werden kann. Nach einer Operation kann die Bestrahlung insbesondere bei einem Rektumkarzinom sinnvoll sein, um zu verhindern, dass sich erneut ein Tumor an derselben Stelle bildet.

Eine Bestrahlung kann bei Darmkrebs aber auch infrage kommen, um Tochtergeschwülste gezielt zu behandeln, so etwa Metastasen in den Knochen. Zu möglichen Nebenwirkungen der Strahlentherapie zählen Durchfall, Bauchschmerzen, Blasenentzündung und Hautreizungen. Meist sind solche Beschwerden eher milde ausgeprägt.

Neue Therapieansätze

Neben den klassischen Zytostatika haben sich in den letzten Jahren bei vielen Krebserkrankungen auch neue Medikamente als nützlich erwiesen. Sie ähneln den Antikörpern des menschlichen Immunsystems und richten sich gezielt gegen bestimmte Merkmale von Tumorzellen. Die Therapie mit diesen Medikamenten wird deshalb auch zielgerichtete Therapie (engl.: targeted therapy) genannt.

Die neuen Medikamente können eine sinnvolle Ergänzung zu den bisherigen Therapiemethoden darstellen und sind für Personen geeignet, bei denen der Krebs bereits gestreut hat.

Auch bei Darmkrebs kann eine solche zielgerichtete Therapie, zum Beispiel mit sogenannten Angiogenesehemmern, sinnvoll sein. Sie können verhindern, dass sich neue Blutgefäße bilden und so den Tumor mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Aber auch diese Form der medikamentösen Darmkrebs-Therapie ist nicht nebenwirkungsfrei und kommt auch nicht für jeden Darmkrebs-Patienten infrage.

Darmkrebs: Erkrankungsverlauf

Je früher Darmkrebs im Dickdarm (Rektumkarzinom, Kolonkarzinom) erkannt wird, desto besser kann man den Verlauf beeinflussen und desto besser ist auch die Prognose.

Gemessen an der Zahl der Darmkrebsfälle sterben in den letzten Jahren immer weniger Menschen an der Erkrankung. Wie sich Darmkrebs entwickelt, kann im Einzelfall ganz unterschiedlich sein.

Bei Darmkrebs hängen Verlauf und Prognose auch damit zusammen, wie groß der Tumor ist, wie aggressiv er wächst und ob Tochtergeschwulste in anderen Organen (Fernmetastasen) vorhanden sind. Hauptsächlich entstehen Tochtergeschwulste in Leber und Lunge. Haben sich Metastasen gebildet, spricht das für ein bereits fortgeschrittenes Erkrankungsstadium.

Gelingt es dem Operateur, den Tumor samt angrenzender Lymphknoten komplett zu entfernen, sind die Heilungsaussichten hoch.

Ein Arzt legt seiner älteren Patientin beruhigend eine Hand auf die Schulter. © Jupiterimages/iStockphoto

Die Prognose von Darmkrebs richtet sich vor allem nach dem Stadium der Erkrankung.

Komplikationen

Im fortgeschrittenen Stadium von Darmkrebs kann es aufgrund der Tumorgröße und dem Befall von Nachbarorganen zu Komplikationen führen. Blutet der Tumor stark, kann sich eine Blutarmut (Anämie) entwickeln. Wächst der Tumor sehr schnell, kann die Stuhlpassage erschwert oder unmöglich werden – ein Darmverschluss kann entstehen. Ein Darmverschluss macht eine rasche Operation oft unumgänglich.

Eine sofortige Operation ist ebenfalls notwendig, wenn der Tumor die äußere Darmwand durchbrochen hat und Darminhalt in den offenen Bauchraum gelangt. Dabei entstehen starke, plötzlich einsetzende Schmerzen und es kann sich eine Bauchfellentzündung entwickeln.

Nachsorge

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sollten Sie regelmäßige Kontrolluntersuchungen zur Darmkrebs-Nachsorge wahrnehmen, damit der Arzt ein Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) möglichst frühzeitig erkennen kann. Häufigkeit, Dauer und Inhalte der Nachsorge richten sich nach der Tumorart, der Tumorausbreitung, dem Operationserfolg, der jeweils gewählten Nachbehandlungen und dem Gesundheitszustand des Operierten. Welche Untersuchungen genau zum Einsatz kommen, wird der Arzt mit Ihnen besprechen. Eine Nachsorge kann folgende Bestandteile umfassen:

In den ersten Jahren nach der Therapie erfolgen die Untersuchungen in kurzen Abständen, später können Arzt und Patient gegebenenfalls längere Zeitabständen verabreden.

Darmkrebs: So beugen Sie vor

Das Risiko für Darmkrebs im Dickdarm (Kolonkarzinom, Rektumkarzinom) können Sie senken, indem Sie entsprechend vorbeugen und mögliche Risikofaktoren gezielt minimieren. Zudem sollten Sie Wert auf die Möglichkeiten zur Früherkennung legen.

Vorsorge: Darmkrebs verhindern

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die das Risiko für Darmkrebs erhöhen – so beispielsweise bestimmte Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit für Darmkrebs größer, wenn bereits andere Personen in der Familie an erkrankt waren. Solchen Einflüssen kann man nicht vorbeugen, Menschen mit hohem Darmkrebsrisiko sollten jedoch besonders aufmerksam sein und auf mögliche Anzeichen achten.  

Darüber hinaus gibt es auch Risikofaktoren, die Sie gezielt beeinflussen können:

  • Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Ballaststoffen aus Getreideprodukten.
  • Verzehren Sie Fleisch und Fett nur in Maßen – greifen Sie stattdessen zu Gemüse und Salat!
  • Bleiben Sie körperlich aktiv– und versuchen Sie, Übergewicht zu vermeiden!
  • Versuchen Sie, auf Rauchen zu verzichten.

Achten Sie darüber hinaus auf mögliche Anzeichen von Darmkrebs wie zum Beispiel

Solche Beschwerden können viele andere Ursachen haben – zur Sicherheit sollten Sie aber Ihren Arzt aufsuchen, damit er Darmkrebs ausschließen kann.

Bei Blutauflagerungen auf dem Stuhl handelt es sich meist um die Folgen von harmlosen Hämorrhoiden. Dennoch: Blut im Stuhl muss immer ärztlich abgeklärt werden. 

Früherkennung: Darmkrebs im Frühstadium entdecken

Schätzungsweise könnten 9 von 10 Darmkrebspatienten geheilt werden, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt wird.

Nehmen Sie die Früherkennungsuntersuchungen wahr! Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Darmkrebs-Früherkennung ab dem 50. Lebensjahr.

  • Bei 50-54-Jährigen wird ein jährlicher Test auf verstecktes Blut im Stuhl erstattet. Mithilfe dieses Tests können auch geringe Blutmengen ("verstecktes Blut") erkannt werden, die man mit bloßem Auge nicht sieht. Wird bei diesem Test Blut im Stuhl festgestellt, ist dies jedoch kein Beweis für Darmkrebs, sondern ein Befund, der abgeklärt werden muss. Bis Ende März 2017 wurde zur Erkennnung von Blut im Stuhl der sogenannte Guajak-Test (Hämoccult-Test, "Papierstreifentest"  verwendet. Seit dem 1. April 2017 wurde der Guajak-Test durch ein neues Verfahren abgelöst: Die Krankenkassen übernehmen jetzt die Kosten für den sogenannten immunologischen fäkalen Stuhltest ("iFOBT"). Er hat sich in Studien als zuverlässiger und weniger störanfällig erwiesen als der Guajak-Test.
  • Bei über 55-Jährigen bieten die gesetzlichen Krankenkassen eine Darmspiegelung an, die bei unauffälligem Befund nach 10 Jahren wiederholt werden kann.

Wer keine Darmspiegelung möchte, kann ab dem 55. Lebensjahr alternativ alle zwei Jahre einen Test auf Blut im Stuhl durchführen lassen. Ergibt der Test einen Verdacht auf Darmkrebs, sollte die Darmspiegelung dann allerdings nachgeholt werden. Polypen, die sich eventuell zu Darmkrebs entwickeln könnten, kann der Arzt während der Darmspiegelung direkt entfernen.

Diese Richtlinien gelten für Personen, deren Darmkrebs-Risiko nicht erhöht ist. Für Menschen mit hohem Darmkrebs-Risiko gelten andere Empfehlungen.

Gespräch zwischen Arzt und Patient. © Jupiterimages/iStockphoto

Gesetzlich Versicherte haben ab dem 50. Lebensjahr Anspruch auf die Darmkrebs-Früherkennung.

Darmkrebs: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Darmkrebs (Kolonkarzinom und Rektumkarzinom)":


Onmeda-Lesetipps:

DarmkrebsvorsorgeDarmpolypen Besuchen Sie unser expertenbetreutes Diskussionsforum zum Thema Krebserkrankungen.

Linktipps:

Felix Burda Stiftung
Die Felix Burda Stiftung gibt auf ihren Seiten ausführliche Informationen rund um das Thema Darmkrebs. Neben medizinischen Hinweisen zur Vorbeugung und Früherkennung finden Sie auch hilfreiche Informationen zum Thema „ Leben mit dem Krebs“, Antworten auf viele alltägliche Fragen und ein Forum.

Deutsche ILCO e.V: Selbsthilfevereinigung für Stomaträger und Menschen mit DarmkrebsDie Internet-Seiten enthalten eingehende Informationen zu Themen rund um den künstlichen Darmausgang. Sie beruhen auf vielfältigen und langjährigen Erfahrungen und auf der Kenntnis einer großen Zahl von Fachbeiträgen. Diese wurden von der Deutschen ILCO gesammelt und ausgewertet.

www.stoma-welt.de: Selbsthilfeportal für StomaträgerDiese Seite informiert ausführlich zum Thema Stoma, künstlicher Darmausgang und künstliche Harnableitung. Sie ist ein Internetangebot von Stomaträgern für Stomaträger.

Quellen:

Darmkrebs: Früherkennung mit Stuhltest und Darmspiegelung. Online-Informationen des Krebsinformationsdiensts des Deutschen Krebsforschungszentrums (Stand: 1.4.2017)

Pressemitteilung des Deutschen Ärzteblatts: Darmkrebs­früherkennung: Krankenkassen erstatten neuen Test (30.3.2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Online-Informationen der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie der Charité: www.charite.de (Abrufdatum: 17.1.2017)

Darmkrebs. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 11.1.2017)

Darmkrebs. Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums, Krebsinformationsdienst (KID): www.krebsinformationsdienst.de (Stand: 27.4.2016)

Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Früherkennung von Krebserkrankungen in der Fassung vom 18. Juni 2009, zuletzt geändert am 21. April 2016. Online-Informationen des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA): www.g-ba.de (2016)

Robert Koch-Institut: Krebs in Deutschland 2011/2012 – Häufigkeiten und Trends. Online-Publikation: www.rki.de (2015)

Darmkrebs, Dickdarmkrebs. Online-Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG): www.krebsgesellschaft.de (Stand: 10.9.2014)

S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG): Kolorektales Karzinom. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/007 (Stand: August 2014)

Stand: 24. April 2017

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