Chlamydien-Infektion

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (23. Mai 2017)

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Wer von einer "Chlamydien-Infektion" spricht, meint in der Regel eine Infektion der Harnwege und Geschlechtsorgane durch bestimmte Bakterien: nämlich den Serotyp D-K von Chlamydia trachomatis.

Was sind Chlamydien?
Als Chlamydien bezeichnet man umgangssprachlich alle Bakterienarten aus der Familie der Chlamydiaceae. Zu ihr zählen verschiedene Arten, die beim Menschen zu Erkrankungen führen. Wer "Chlamydien hat", meint damit jedoch häufig die Geschlechtskrankheit beziehungsweise die Infektion der Harnwege und Geschlechtsorgane, die durch Chlamydia trachomatis Serotyp D-K ausgelöst wird.

Häufigkeit

Eine Infektion im Bereich der Harnwege und Geschlechtsorgane durch Chlamydien ist häufig und zählt weltweit – auch in Deutschland – mit zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten.

Chlamydien: Das sind die Ursachen

In der Regel ist die Ursache für eine Chlamydien-Infektion ungeschützter Geschlechtsverkehr. Hierbei kann es zur Übertragung der Bakterienart Chlamydia trachomatis (Serotyp D-K) kommen.

Besteht bei schwangeren Frauen eine Chlamydien-Infektion, können die Bakterien während des Geburtsvorgangs auf das Neugeborene übertragen werden und bei ihm zu einer Bindehautentzündung der Augen oder auch zu einer Lungenentzündung führen.

Inkubationszeit

Bis sich nach einer Infektion mit Chlamydien die ersten Symptome zeigen (Inkubationszeit), vergehen im Durchschnitt zwei bis sechs Wochen.


Ein Paar im Bett beim Sex. © Jupiterimages/Comstock Images

Chlamydien zählen zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. Kondome schützen!

Chlamydien – die Erreger unter der Lupe

Chlamydien sind Bakterien, die sich ausschließlich in Körperzellen vermehren und auch hauptsächlich dort vorkommen.

Außerhalb der Zelle liegen Chlamydien als sogenannte Elementarkörperchen vor. Hierbei handelt es sich um eine kugelige, infektiöse Form der Bakterien, die ohne Stoffwechsel auskommt.

Innerhalb der infizierten Zelle findet man Chlamydien als sogenannte Retikularkörperchen. In dieser Form haben die Bakterien einen aktiven Stoffwechsel und können sich durch Zweiteilung vermehren. Mangelt es den Chlamydien an Nährstoffen, wandeln sie sich in eine Art Dauerform der Bakterien um (sog. aberrante Körperchen), in der sie Mangelphasen überstehen können. In diesem Zustand fahren sie ihren Stoffwechsel weitestgehend runter, um so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen.

Chlamydien können bestimmte für den Stoffwechsel und die Vermehrung wichtige Moleküle nicht selbst herstellen: nämlich die Nukleotide ATP, GTP und UTP. Um sich vermehren zu können, "rauben" sie diese deshalb bei der Wirtszelle. Da diese Nukleotide für die Wirtszelle wichtige Energiebausteine sind, nennt man Chlamydien auch Energieparasiten.

Das Bild zeigt Bakterien. © Jupiterimages/Hemera

Chlamydien infizieren eine Körperzelle.

Infektion und Vermehrung

Chlamydien können über die Schleimhäute in den Körper des Menschen eindringen. Im Falle des Serotyps D-K von Chlamydia trachomatis sind das zum Beispiel die Schleimhäute

  • der Harnwege und Geschlechtsorgane,
  • des Rachens,
  • des Analbereichs,
  • der Augen oder
  • der Atemwege.

Dort heften sich die Elementarkörperchen als Erstes an die Zellmembran der Wirtszelle an. Das funktioniert, weil die Bakterien auf ihrer Hülle Eiweißstrukturen tragen, die nur ganz bestimmte Eiweißstrukturen auf der Zellmembran der Wirtszelle erkennen (sog. Schlüssel-Schloss-Prinzip).

Das Andocken an diese Eiweißstrukturen löst in der Zelle eine ganze Kette von Signalen aus. Als Reaktion beginnt die Wirtszelle, die auf der Membran sitzenden Bakterien einzustülpen und diese in einem Bläschen (sog. Vakuole) ins Zellinnere abzuschnüren. Auf diese Weise gelangen die Chlamydien in die Zelle hinein. Chlamydien nennt man deshalb manchmal auch Einschlusskörperchen.

In der Vakuole wandeln sich Elementarkörperchen nach circa ein bis zwei Stunden in Retikularkörperchen um und aktivieren ihren Stoffwechsel wieder. Etwa zwölf Stunden später beginnen die Chlamydien, sich in der Vakuole durch Zweiteilung zu vermehren. Die Vakuole dehnt sich dabei immer weiter in der Zelle aus. Nach zwei bis drei Tagen bricht die Zelle schließlich auf und entlässt die neugebildeten Chlamydien. Kurz vorher wandeln sich die Retikularkörperchen erneut in die stoffwechselinaktiven, aber infektiösen Elementarkörperchen um. Die freigesetzten Chlamydien können nun weitere Zellen infizieren.

Chlamydien-Infektion: Symptome oft undeutlich

Eine Chlamydien-Infektion kommt häufig vor. Das liegt vor allem daran, dass sie insbesondere bei Frauen oft nur sehr schwache und dadurch kaum merkliche Symptome hervorruft. So bleiben Chlamydien in einer Vielzahl der Fälle unerkannt – und unbehandelt. Als Folge tragen viele infizierte Frauen die Geschlechtskrankheit unwissentlich weiter.

Symptome bei Frauen

Bei Frauen rufen die Chlamydien etwa nach zwei bis sechs Wochen zuerst eine eitrige Harnröhrenentzündung vor. Diese kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen, zum Beispiel durch

Haben sich die Chlamydien bereits auf Gebärmutterhals, Eileiter oder Eierstöcke ausgebreitet, können bei Frauen außerdem Symptome wie Fieber oder starke Schmerzen im Unterleib auftreten.

In vielen Fällen verläuft eine Chlamydien-Infektion bei Frauen jedoch ganz ohne Symptome oder nur mit sehr schwachen Beschwerden und wird deshalb häufig nicht bemerkt.

Neugeboreneninfektion

Liegt bei Schwangeren eine Chlamydien-Infektion vor, können die Chlamydien beim Geburtsvorgang auf das Neugeborene übertragen werden und bei ihm eine Bindehautentzündung oder eine Lungenentzündung hervorrufen.

Symptome beim Mann

Beim Mann kommt es ebenfalls etwa zwei bis sechs Wochen nach einer Chlamydien-Infektion zu den ersten Beschwerden. Chlamydien rufen beim Mann eine eitrige Harnröhrenentzündung sowie in seltenen Fällen auch eine Nebenhodenentzündung hervor. Die Harnröhrenentzündung kann sich beim Mann durch verschiedene Symptome zeigen, wie zum Beispiel durch:

Auch bei Männern treten bei einer Chlamydien-Infektion nicht immer Symptome auf, wenn auch etwas häufiger als bei Frauen.

Je nach sexuellen Gewohnheiten kann eine Infektion mit Chlamydia trachomatis Serotyp D-K (bei Frauen und Männern) auch zu einer Rachenentzündung oder Enddarmentzündung führen. Ebenso ist eine Bindehautentzündung möglich, wenn die Chlamydien zum Beispiel bei einem gemeinsamen Bad mit sexuellen Aktivitäten über das Wasser ins Auge gelangen.

Chlamydien-Infektion: Diagnose

Um festzustellen, ob eine Infektion mit Chlamydien vorliegt, wird der Arzt zuerst nach den Beschwerden fragen. Für die Diagnose sind außerdem eine körperliche Untersuchung sowie Labortests nötig.

Bei Verdacht auf eine Infektion der Harnwege und Geschlechtsorgane mit Chlamydia trachomatis (Serotyp D-K) nimmt der Arzt in der Regel einen Abstrich (bei der Frau einen Abstrich des Gebärmutterhalses, beim Mann einen Abstrich der Harnröhre) und schickt diesen ins Labor. Auch eine Urinprobe kann weiterhelfen, wobei hier darauf zu achten ist, dass nicht Urin aus dem Mittelstrahl genommen wird, sondern die erste Urinportion.

Über den Abstrich oder aus der Urinprobe lässt sich mithilfe einer molekularbiologischen Methode (der Polymerase-Ketten-Reaktion, PCR) nachweisen, ob Erbmaterial von Chlamydia trachomatis (Serotyp D-K) vorkommt.

Eine Frauenärztin im Gespräch mit einer Patientin, im Vordergrund medizinische Geräte. © Jupiterimages/iStockphoto

Mithilfe eines Abstrichs lassen sich Chlamydien nachweisen.

Ob Chlamydien diesen Serotyps im Körper vorliegen, lässt sich außerdem feststellen, indem man entsprechende Antikörper in einer Blutprobe nachweist. Ein positiver Befund zeigt allerdings nur, dass sich das Immunsystem mit diesem Erreger auseinandergesetzt hat, nicht jedoch, wann das war. Man erhält also keine Information darüber, ob es sich um eine akute oder bereits länger zurückliegende Infektion handelt. Außerdem ist zu bedenken, dass es bei einer akuten Infektion einige Wochen dauern kann, bis das Immunsystem anfängt, Antikörper gegen die Chlamydien zu produzieren. Ein negativer Test schließt also nicht zwangsläufig aus, dass eine Chlamydien-Infektion besteht. Ein Antikörper-Test kann jedoch als Hinweis auf mögliche Ursachen einer Unfruchtbarkeit als Folge einer Chlamydien-Infektion dienen.

Theoretisch lassen sich Chlamydien zudem im Labor anzüchten. Da die Anzucht der Bakterien jedoch recht kompliziert ist und fehlerhafte Ergebnisse hierbei leicht möglich sind, kommt diese Methode normalerweise nicht in Betracht.

Chlamydien-Infektion: Therapie

Eine Chlamydien-Infektion lässt sich in der Regel gut mit Antibiotika behandeln. Zur Therapie einer Chlamydien-Infektion setzt man vor allem Antibiotika aus der Gruppe der Makrolide (wie Azithromycin, Erythromycin) oder Tetrazykline (wie Doxycyclin) ein.

Schwangere und Kinder

Schwangere und Kinder dürfen keine Tetrazykline zur Behandlung erhalten. Hier ist alternativ zum Beispiel eine Therapie mit dem Wirkstoff Erythromycin möglich.

Achtung, Pingpong-Effekt!

Falls bei Ihnen eine Infektion der Harnwege und Geschlechtsorgane mit Chlamydien festgestellt wurde, ist möglicherweise auch Ihre Partnerin oder Ihr Partner infiziert – und sollte sich untersuchen und gegebenenfalls behandeln lassen. So vermeiden Sie, dass Sie sich untereinander immer wieder erneut anstecken und es zu einem sogenannten Pingpong-Effekt kommt.

Chlamydien-Infektion: Verlauf

Eine Chlamydien-Infektion verursacht in den meisten Fällen nur schwache Beschwerden oder bleibt sogar unbemerkt. Daher ist es sinnvoll, auch schwache Symptome ärztlich abklären zu lassen. So lässt sich die Erkrankung gegebenenfalls so früh wie möglich behandeln. Das mindert das Risiko von Komplikationen.

Komplikationen

Ohne Behandlung besteht bei Frauen besteht das Risiko, dass sich die Chlamydien-Infektion von den Harnwegen weiter auf die Geschlechtsorgane ausbreitet. Die Chlamydien können sich so über eine Entzündung der Bartholin-Drüsen hin zu einer Gebärmutterhalsentzündung und Eileiterentzündung auswachsen. Von den Eileitern breitet sich die Infektion schließlich auch auf die Eierstöcke aus. Als Spätfolge kann es zu Unfruchtbarkeit kommen, wenn durch die Chlamydien-Infektion die Eileiter verklebt sind.

Weitere mögliche Komplikationen einer Chlamydien-Infektion sind

Bei Männern lösen Chlamydien anfangs eine Harnröhrenentzündung aus, die sich unbehandelt auch auf Prostata und Nebenhoden ausweiten kann. Ob es als Folge der Chlamydien-Infektion auch bei Männern zur Sterilität kommen kann, ist bislang nicht eindeutig geklärt.

Neugeboreneninfektion

Bei einer unbehandelten Chlamydien-Infektion bei Schwangeren werden in 60 bis 70 Prozent der Fälle beim Geburtsvorgang Erreger auf das Neugeborene übertragen. Als Folge kann es bei ihm zu einer Bindehautentzündung, Lungenentzündung oder in seltenen Fällen auch zu einer Mittelohrentzündung kommen, die behandelt werden muss.

Reaktive Arthritis

Betroffene, die eine Chlamydien-Infektion hatten oder haben, erkranken manchmal einige Wochen später an einer reaktiven Arthritis. Vor allem junge Männer sind davon betroffen. Diese Komplikation kann sich unter anderem durch eine fiebrige Gelenkentzündung äußern.

Im Verlauf einer reaktiven Arthritis können außerdem weitere entzündliche Reaktionen in anderen Körperbereichen auftreten, wie zum Beispiel den Augen. Tritt neben den Gelenkentzündungen zusätzlich eine Bindehautentzündung und eine Harnröhrenentzündung auf, spricht man von einer sogenannten Reiter-Trias.

Chlamydien-Infektion: Vorbeugen

Die Chlamydien-Art Chlamydia trachomatis (Serotyp D-K) wird durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Sie können sich deshalb am besten schützen, indem Sie Kondome verwenden (auch bei Anal- oder Oralverkehr).

Liegt bei einer Schwangeren eine Infektion der Harnwege und Geschlechtsorgane mit Chlamydien vor, besteht das Risiko, dass die Bakterien während des Geburtsvorgangs auf das Neugeborene übertragen werden. Aus diesem Grund ist ein Screening auf diese Bakterien für Schwangere in Deutschland Teil der Mutterschaftsvorsorge.

Chlamydien-Infektion: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Chlamydien-Infektion":

Onmeda-Lesetipps:

Chlamydia trachomatis
Chlamydia psittaci
Forum Gynäkologie
Forum Männergesundheit

Quellen:

Chlamydien-Infektionen. Online-Informationen des Bundesverbands der Deutschen Frauenärzte: www.frauenaerzte-im-netz.de (Abrufdatum: 19.5.2017)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 19.5.2017)

Suerbaum, S., et al.: Medizinische Mikrobiologische und Infektiologie. Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2016

Schnede, P., Weidner, W.: Gonokokken- und Chlamydieninfektionen der Harnröhre. Die neuen Urethritisleitlinien. Der Urologe, Ausgabe 10, Jahrgang 53, S. 1444-1451, Springer Medizin Verlag (2014)

Kayser, F. H., et al.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014

Stauber, M., et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Sexually transmitted infections in Europe. Online-Informationen des European Centre for Disease Prevention and Control: ecdc.europa.eu (Stand: 2013)

Chlamydiosen (Teil 1): Erkrankungen durch Chlamydia trachomatis. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 21.12.2010)

Aktualisiert am: 23. Mai 2017