Borderline-Syndrom: Gefühle außer Kontrolle

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (05. Juli 2017)

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Das Borderline-Syndrom, auch als Borderline-Störung bezeichnet, ist eine komplexe Persönlichkeitsstörung. Menschen mit Borderline-Syndrom sind emotional instabil und leben in einem ständigen Wechselbad der Gefühle – zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Zugleich berichten sie über ein Gefühl innerer Leere. 

"Borderliner" haben Probleme damit, ihre Gefühle zu regulieren und reagieren oft impulsiv. Schon eine Kleinigkeit kann genügen, dass die Gefühlslage kippt. Dies führt dazu, dass die Betroffenen schnell als launisch oder unberechenbar abgestempelt werden. 

Dieses Gefühlschaos zeigt sich auch in den zwischenmenschlichen Beziehungen: Mal idealisieren die Borderline-Patienten ihren Partner, kurze Zeit später entwerten sie ihn, weil er die Erwartungen nicht erfüllen kann. Eine Borderline-Beziehung ist daher geprägt von intensiven Emotionen – sowohl von positiven als auch von negativen.

Menschen mit "Borderline" haben zudem große Angst, von ihrem Partner verlassen oder enttäuscht zu werden: Schon eine zeitlich begrenzte Trennung kann zu Misstrauen führen oder Ängste auslösen. 

Kurz erklärt: Was ist "Borderline"?

Das Borderline-Syndrom ist eine emotional instabile Störung der Persönlichkeit. Die Krankheit zeichnet sich aus durch ein fortlaufendes Muster von Instabilität in

  • sozialen Beziehungen,
  • im Selbstbild und
  • der Stimmung.

Der Begriff Borderline entstand aus der Annahme, dass sich die Erkrankten im Grenzbereich (engl. borderline) zwischen Neurose und Psychose bewegen.

In der Lebensgeschichte der Menschen mit Borderline-Syndrom finden sich häufig massive Missbrauchserfahrungen oder andere traumatische Erlebnisse wie etwa körperliche Gewalt. Wahrscheinlich spielen auch genetische Faktoren eine Rolle.

Oft nimmt die Intensität der Borderline-Persönlichkeitsstörung ab, wenn die Betroffenen älter werden. Mit fortschreitendem Erwachsenenalter sind viele Menschen sowohl im privaten wie auch im beruflichen Bereich psychisch stabiler.

Borderline-Syndrom: Symptome

Menschen mit einem Borderline-Syndrom haben grundsätzlich Schwierigkeiten damit, ihre Emotionen zu regulieren. Dies kann zu verschiedenen Symptomen führen:

  • Die Borderline-Betroffenen sind oft verzweifelt bemüht, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden. Dabei werden beispielsweise schon zeitlich begrenzte Trennungen oder auch minimale Verspätungen des anderen als sehr bedrohlich empfunden und lösen starke Ängste aus. 
  • "Borderliner" idealisieren am Anfang einer Beziehung ihren Partner meist sehr stark. Jedoch schlägt die starke Idealisierung schnell in Abwertung derselben Person um, etwa wenn diese der Erwartung "immer für den anderen da zu sein" nicht genügt. Während der Beziehungen kommt es daher zu häufigen Trennungen und Versöhnungen.
  • Darüber hinaus beeinflusst die Borderline-Persönlichkeitsstörung das Selbstbild und die Selbstwahrnehmung der Betroffenen. Sie sehen sich selbst als "böse" oder "sündig" und zeigen häufig ein selbstgefährdendes Verhalten. Manche konsumieren beispielsweise Drogen, fahren zu schnell Auto, verspielen ihr Geld oder fügen sich Schnittverletzungen ("ritzen") oder Brandwunden zu. Hintergrund ist oft, ein Verlassenwerden zu vermeiden – aber auch, sich selbst zu bestrafen oder zu spüren.
  • Im Allgemeinen ist die Gefühlslage von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sehr wechselhaft. So kommt es bei eher gedrückter Grundstimmung zu Phasen von starker Erregbarkeit, Angst oder Verzweiflung. Diese sind häufig Ausdruck der Neigung, sehr schnell und extrem auf zwischenmenschliche Belastungen zu reagieren. Insbesondere wenn der Betroffene Vernachlässigung oder Zurückweisung erlebt, kommt es oftmals zu Wutausbrüchen, die für die Betroffenen kaum kontrollierbar sind.
  • Menschen mit "Borderline" klagen vielfach über ein anhaltendes Gefühl innerer Leere; sie leiden unter einem quälenden Gefühl der Langeweile und sind häufig auf der Suche nach einer Beschäftigung.
  • Unter extremen Belastungen, wie beispielsweise unter Drogeneinfluss oder bei einem tatsächlichen oder erwarteten Verlassenwerden, begleiten vorübergehend Verfolgungsideen oder sogenannte dissoziative Symptome wie Selbstentfremdung das Borderline-Syndrom. Die Betroffenen nehmen dann ihre eigene Person oder den eigenen Körper anders wahr oder sind schmerzunempfindlich.

Borderline-Syndrom: Ursachen

Bei der Entstehung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung spielen vermutlich

  • sowohl traumatische Erfahrungen in der Kindheit
  • als auch genetische Faktoren 

eine Rolle.

Nach Ansicht psychoanalytischer Erklärungsmodelle handelt es sich bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung um eine sogenannte Frühstörung. Das bedeutet, dass bei den Betroffenen Strukturen und Denkmuster bestehen geblieben sind, die typisch für die frühe Kindheit sind. In dieser Zeit stehen Hass- und Neidkonflikte im Vordergrund, es besteht noch keine differenzierte Wahrnehmung der eigenen oder fremder Personen, sondern eine starre Bewertung von Menschen als "gut" oder "böse".

In den letzten Jahren wurden beim Borderline-Syndrom zunehmend Missbrauchserfahrungen als mögliche Ursachen untersucht. Dabei zeigte sich, dass die meisten der Betroffenen mit Borderline-Syndrom über schwere traumatische Erlebnisse wie sexuellen oder körperlichen Missbrauch, extreme häusliche Gewalt oder ausgeprägte Vernachlässigung in der Kindheit berichten.

Dabei ist in vielen Fällen der misshandelnde Täter eine wichtige Bezugsperson, sodass die Betroffenen mit dem Widerspruch konfrontiert werden, dass eine geliebte Person, die sie schützen sollte, identisch mit der Person ist, vor der man sich selbst schützen muss. In diesem Widerspruch ist es für Betroffene nur schwer möglich, seine Reaktionen von Wut und Ekel gegenüber der Bezugsperson wahrzunehmen und zu äußern. Möglicherweise kehren sich bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung diese negativen Gefühle dann gegen die eigene Person, sodass der Missbrauch durch die eigene "schlechte Persönlichkeit" gerechtfertigt werden kann.

Missbrauchserfahrungen können auch die spätere Beziehungsgestaltung entscheidend prägen, da gleichzeitig unvereinbare Emotionen erlebt werden: zum Beispiel die Zärtlichkeit des Täters, verbunden mit der gleichzeitigen Angst vor ihm. Dazu das Gefühl, bevorzugt zu werden, aber auch intensive Scham. Diese extreme Widersprüchlichkeit der Gefühle lässt die Betroffenen auch später im Umgang mit anderen Menschen zwischen extremen Polen hin und her schwanken.

Nicht bei allen Personen, die unter einem Borderline-Syndrom leiden, liegen Missbrauchserfahrungen vor. Allen Betroffen scheint aber gemeinsam zu sein, dass sie in einem Umfeld aufgewachsen sind, in dem Verhalten und Menschen immer als entweder "vollkommen gut" oder "vollkommen böse" bewertet werden. Ein typisches erlerntes Verhaltensmuster könnte zum Beispiel sein, als "gutes" Kind nie wütend sein zu dürfen. Das führt dazu, dass die Betroffen nicht lernen, angemessen mit schwierigen Situationen oder negativen Gefühlen umzugehen. Auch prägen in der Vorgeschichte einer Borderline-Störung häufig extreme emotionale Vernachlässigung oder übermäßige Strenge die Erziehung.

Erinnerung wird zur Belastung

Die Therapie von Personen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, ergab, dass die emotionalen Reaktionen der meisten schwächer werden, wenn sie über das Trauma sprechen. Bei Borderline-Patienten zeigt sich hingegen, dass ein wiederholtes Erinnern des Missbrauchs bei ihnen zu einer Zunahme der belastenden Gefühle führt. Es scheint bei ihnen eine erhöhte neurobiologische Erregbarkeit vorzuliegen. Zudem scheint die wiederholte und oft willkürliche Traumatisierung der Menschen mit Borderline-Störung dazu zu führen, dass sie ein ausgeprägtes Gespür für mögliche Bedrohungen entwickeln.

Als Konsequenz können auf scheinbar harmlose Reize extreme Reaktionen folgen, zum Beispiel sogenannte dissoziative Symptome. Dabei verlieren Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung jeglichen Realitätsbezug und fühlen sich selbst fremd. Eigene Handlungen oder Empfindungen können sie nicht mit ihrer Person in Verbindung bringen (sog. Depersonalisation).

Dissoziative Symptome können beim Borderline-Syndrom in Momenten subjektiv wahrgenommener Bedrohung auftreten. Sie sind vergleichbar mit dem Totstellreflex bei Tieren: Wenn der Person keine Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, auf die Bedrohung zu reagieren, helfen die dissoziativen Symptome dabei, sich der Situation zu entziehen. Damit ist den Borderline-Betroffenen aber die Chance genommen, zu lernen, dass sie eine wahrgenommene Gefahr bewältigen können, indem sie selbst handeln.

Die dissoziativen Symptome, wie Veränderungen der Raum- und Zeitwahrnehmung, das Gefühl, neben sich zu stehen und nichts mehr spüren zu können, erleben Personen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung als sehr beängstigend. Häufig beenden sie diesen unangenehmen Zustand durch selbstverletzendes Verhalten, zum Beispiel durch Schneiden und Ritzen mit scharfen Gegenständen, um sich wieder zu spüren.

Borderline-Syndrom: Diagnose

Um beim Borderline-Syndrom die Diagnose stellen zu können, müssen mindestens fünf der folgenden neun Kriterien gemäß des Diagnostischen und Statistischen Handbuchs Psychischer Störungen (DSM) beim Betroffenen vorliegen:

  • verzweifelte Bemühungen, befürchtetes oder tatsächliches Verlassenwerden zu vermeiden (nicht: selbstverletzendes Verhalten oder Selbstmordversuche/-drohungen)
  • instabile, aber intensive zwischenmenschliche Beziehungen mit häufigem Wechsel zwischen extremer Idealisierung und Abwertung des Partners
  • Identitätsstörung in Form eines ausgeprägten und andauernden instabilen Selbstbilds oder einer instabilen Selbstwahrnehmung
  • starke Impulsivität in mindestens zwei möglicherweise selbstschädigenden Bereichen, zum Beispiel Drogenmissbrauch, Essstörungen (nicht: selbstverletzendes Verhalten oder Selbstmordversuche/-drohungen)
  • Selbstverletzungen, Selbstmordversuche oder Androhen von Selbstmord
  • Instabile Gefühlswelt (affektive Instabilität) mit einem extremen Gefühlserleben und plötzlichen, oftmals heftigen Stimmungsschwankungen, die bereits durch kleinste Ereignisse ausgelöst werden können
  • andauerndes Gefühl der inneren Leere
  • unangemessene, sehr heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren (z.B. häufige Wutanfälle)
  • vorübergehend paranoide Vorstellungen oder dissoziative Gefühle wie Selbstentfremdung infolge von Belastungssituationen

Die auffälligen Verhaltensweisen sind beim Borderline-Syndrom dauerhaft vorhanden und nicht auf einen umrissenen Zeitraum begrenzt. Die Störungen treten bereits in der Kindheit oder Jugend auf und zeigen sich dauerhaft auch noch im Erwachsenenalter. Mithilfe von strukturierten Interviews erfragt der Arzt, ob Symptome vorliegen, die für die Borderline-Persönlichkeitsstörung typisch sind.

Borderline-Test

Häufig kommt für die Diagnose auch ein spezieller Borderline-Test zum Einsatz – das sogenannte diagnostische Interview für das Borderline-Syndrom (DIB). In einem circa zweistündigen Gespräch versucht der Untersucher, durch Fragen und Beobachten Informationen zu verschiedenen Teilbereichen zu sammeln. Je nachdem, was der Patient sagt oder wie er reagiert, kann der Untersucher die einzelnen Bereiche und den gesamten Borderline-Test mithilfe eines Punktesystems ("Scores") auswerten.

Das DIB setzen Ärzte in der stationären Psychiatrie oder in der ambulanten psychoanalytischen Praxis ein. Es handelt sich hierbei allerdings nicht um einen Borderline-Test, der vom Patienten selbst durchgeführt wird. Solche Selbsttests, die zum Beispiel im Internet abrufbar sind, können nur Hinweise auf eine möglicherweise bestehende Borderline-Persönlichkeitsstörung geben – sie ersetzen keinesfalls die Diagnose durch einen Spezialisten.

Borderline-Syndrom: Therapie

Beim Borderline-Syndrom gestaltet sich die Therapie oft für beide Seiten – Betroffene wie Therapeuten – schwierig. Dies liegt vor allem daran, dass die Erkrankten auch in der Therapie (wie in anderen zwischenmenschlichen Beziehungen) häufig zwischen Idealisierung und Herabsetzung des Therapeuten schwanken. Unter anderem aus diesem Grund wechseln viele Betroffene mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung häufig ihren Therapeuten.

Der psychoanalytische Ansatz der Borderline-Therapie versteht die Schwierigkeiten der Betroffenen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen als Ausdruck innerpsychischer Konflikte. Im Mittelpunkt der Borderline-Therapie steht deshalb, diese Probleme zu deuten.

In den 1980er Jahren ist ein stark strukturiertes Programm speziell für die Therapie von Personen mit Borderline-Syndrom entwickelt worden. Diese sogenannte dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) ist das wissenschaftlich am besten belegte Behandlungsverfahren bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung und gliedert sich in folgende Abschnitte:

  • In einer Vorbereitungsphase informiert der Therapeut den Betroffenen über das Borderline-Syndrom und den Ablauf der Therapie. Er bespricht dabei auch eventuelle frühere Therapieabbrüche oder -wechsel. Dies soll den Betroffenen in die Lage versetzen, mögliche Frühwarnzeichen zu erkennen, die darauf hindeuten können, dass er die Therapie frühzeitig beenden könnte. Auf diese kann er dann reagieren.
  • In der ersten Therapiephase stehen problematische Verhaltensweisen, die im Rahmen der Borderline-Störung auftreten, im Mittelpunkt, vor allem:
    • Selbstschädigendes Verhalten und Selbstmordversuche: Betroffene mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und Therapeuten erarbeiten gemeinsam, welche Bedingungen und Situationen zu diesem Verhalten führen und entwickeln andere Möglichkeiten, wie die Person mit Borderline-Persönlichkeitsstörung mit schwierigen Situationen und Gefühlen umgehen kann.
    • Therapiegefährdendes Verhalten: Bei der Borderline-Therapie besprechen der Therapeut und der Betroffene mit Borderline-Persönlichkeitsstörung auch Faktoren, welche das Fortführen und den Erfolg der Behandlung gefährden. Dabei kommen sowohl Ursachen auf Seiten des Betroffenen zur Sprache, zum Beispiel wiederholtes Versäumen der Termine, als auch auf Therapeutenseite, beispielsweise eine Überforderung des Betroffenen.
    • Verhalten, das die Lebensqualität beeinträchtigt: Verhaltensweisen wie Drogenmissbrauch oder finanzielle Probleme beim Borderline-Syndrom stehen in dieser Phase der Therapie im Mittelpunkt. Auch erfolgt eine erste Annäherung an die traumatischen Erlebnisse, zunächst aber stark bezogen auf den derzeitigen Alltag. Dazu gehört eine Veränderung der Lebensbedingungen, die unter Umständen fortlaufend traumatische Erfahrungen zur Folge haben. Weitere Therapieschritte in diesem Behandlungsabschnitt bestehen darin, die mit dem Trauma verbundenen Gefühle besser zu steuern und die dissoziativen Symptome zu behandeln.
    • Verhaltensfähigkeiten verbessern: Gemeinsam erarbeiten Therapeut und Betroffener anhand von Übungen an verschiedenen Problembereichen Verhaltenstechniken, um mit bestimmten Situationen umzugehen. Dazu gehört zum Beispiel ein Stressbewältigungstraining. So wird zum Beispiel die Wahrnehmung und Steuerung eigener Gefühle oder der Umgang mit Stress geübt – meist im Rahmen einer Gruppe mit anderen Menschen, die an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung erkrankt sind.
  • Erst in der zweiten Therapiephase geht es darum, die Folgen traumatischer Erlebnisse zu behandeln. Diese belastenden Lebensereignisse beim Borderline-Syndrom stellt der Therapeut bewusst erst dann in das Zentrum der Therapie, wenn der Betroffene zuvor den Umgang mit intensiven Gefühlen, die in diesem Zusammenhang auftreten, erarbeitet hat und sich seine Lebensumstände stabilisiert haben. Diese Stabilisierung kann darin bestehen, dass der Borderline-Patient sich nicht mehr selbst verletzt, um emotionale Spannungen abzubauen und keine Suizidgefahr mehr besteht. Es geht in dieser Phase nicht darum, das erlebte Trauma noch einmal zu erleben. Vielmehr sollen Personen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung lernen, dass die negativen Erfahrungen der Vergangenheit angehören und wie sie sich vor Situationen schützen können, die Erinnerungen an die traumatischen Erfahrungen hervorrufen.
  • In der dritten Phase soll die Person mit Borderline-Syndrom die in der Therapie erlernten Verhaltensweisen in die tägliche Lebensgestaltung einbinden. Sie steigert dadurch ihre Selbstachtung und entwickelt und setzt individuelle Ziele um.

Die dialektisch-behaviorale Therapie der Borderline-Störung wurde als ambulante Behandlungsmethode entwickelt. Unter manchen Umständen, zum Beispiel bei anhaltendem lebensbedrohlichem Verhalten, ist aber zumindest vorübergehend eine stationäre Therapie ratsam. Bisherige Untersuchungen zur dialektisch-behavioralen Therapie zeigen, dass die Betroffenen mit Borderline-Syndrom insbesondere in den Bereichen der Selbstverletzungen, stationären Aufenthalte, Depressivität und sozialen Einbindung deutliche Verbesserungen zeigten.

Weitere Therapieverfahren

Neben der dialektisch-behavioralen Borderline-Therapie (DBT) gibt es weitere verhaltenstherapeutische Ansätze, deren Wirksamkeit aber weniger gut belegt ist als bei der DBT:

  • Schema-fokussierte Therapie (SFT)
  • Mentalisierungs-basierte Therapie (MBT)
  • Übertragungs-fokussierte Psychotherapie (TFP)

Der Schema-fokussierten Borderline-Therapie liegt die Annahme zugrunde, dass negative Denkmuster (Schemata) die Ursache der Persönlichkeitsstörung sind. Sie können zum Beispiel infolge von negativen Kindheitserlebnissen entstehen. Bei der SFT versuchen Therapeut und Betroffener gemeinsam, diese Schemata zu erkennen und zu verändern. Dies geschieht in drei Phasen:

  • Der von Borderline-Persönlichkeitsstörung Betroffene und der Therapeut bauen zunächst als Grundlage ein positives und vertrauensvolles Verhältnis zueinander auf. Menschen mit Borderline-Syndrom lernen in dieser Phase der Therapie außerdem, angemessen mit ihren Gefühlen umzugehen.
  • Die zweite Phase ist die eigentliche Therapiephase, in der es darum geht, die erlernten negativen Denkmuster aufzubrechen und zu verändern.
  • Die dritte Phase dient der psychischen Stabilisierung. Betroffene setzen die erarbeiteten Strategien in ihrem Alltag um und lösen sich dabei immer weiter vom Therapeuten.

Die Mentalisierungs-basierte Borderline-Therapie kombiniert psychoanalytische Ansätze mit der sogenannten Bindungstheorie. Grundlage ist die Annahme, dass Personen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung die Fähigkeit fehlt, die eigenen Erlebnisse und Gefühle sowie die anderer nachzuvollziehen und zu verstehen – also zu mentalisieren. Bei der MBT stehen daher das Erleben der Betroffenen und die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, im Mittelpunkt. Die Mentalisierungs-basierte Borderline-Therapie erfolgt in Gruppen.

Die Übertragungs-fokussierte Psychotherapie ist eine weitere Form der Borderline-Therapie. Sie setzt sich aus einer Vorbereitungs- und mehreren Therapiephasen zusammen. In der Vorbereitungsphase schließen der Betroffene und der Therapeut mündlich einen Behandlungsvertrag, in dem die Therapieziele festgelegt sind. Die einzelnen Therapieziele werden anschließend in unterschiedlichen Therapiephasen bearbeitet. So kann zum Beispiel in einer Therapiephase zu Beginn der Behandlung das Ziel im Vordergrund stehen, das eigene Verhalten besser zu kontrollieren und eigene Gefühle zu verarbeiten.

Medikamente (sog. Psychopharmaka) können beim Borderline-Syndrom die Therapie ergänzen: zum Beispiel Neuroleptika, die auch in der Schizophrenie-Therapie verwendet werden, oder selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer.

Borderline-Syndrom: Nimmt oft einen chronischen Verlauf

Beim Borderline-Syndrom kann der Verlauf sehr unterschiedlich sein. Mit fortschreitendem Alter nimmt die Intensität der Störung meist ab, sodass viele Betroffene im Erwachsenenalter sowohl im privaten wie im beruflichen Bereich psychisch stabiler sind.

Das Borderline-Syndrom nimmt oft einen chronischen Verlauf. Neben anhaltender Instabilität in verschiedenen Bereichen verlieren Betroffene mit Borderline-Persönlichkeitsstörung häufig phasenweise vollkommen die Kontrolle über ihre Gefühle. Beim Borderline-Syndrom hängt der Verlauf stark von einer angemessenen Therapie ab. Da die Borderline-Persönlichkeitsstörung durch vielfältige Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen und selbstschädigendes Verhalten gekennzeichnet ist, ist die Behandlung oft schwierig. So wechseln Betroffene mit Borderline-Syndrom zum Beispiel häufig den Therapeuten.

Typische Verhaltensweisen bei einer Borderline-Störung sind häufig bei den Betroffenen schon in der Kindheit und Jugend zu beobachten. Die Diagnose "Borderline-Syndrom" sollte aber nicht vor dem 14. Lebensjahr gestellt werden, da bis dahin die Persönlichkeit eines Menschen noch starken Entwicklungen unterliegt.

Borderline-Syndrom: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Borderline-Syndrom":

Linktipps:

www.borderline-netzwerk.info Ein Verein mit dem Ziel, Betroffenen bei der Suche nach Therapieplätzen und sonstigen Fragen zur Selbsthilfe unterstützend zur Seite zu stehen.

www.borderline-angehoerige.net Plattform für den Gedanken- und Erfahrungsaustausch von Angehörigen und Partnern

www.borderline-forum.netForum für Betroffene und Angehörige


Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Anonyme Borderliner Interessengemeinschaft e.V. (BA)
70002 Stuttgart
Postf.10 02 34
www.borderliners-anonymous.de


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Quellen:

Borderline-Persönlichkeitsstörung. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 25.5.2017)

Gleixner, C., Müller, M., Wirth, S.: Neurologie und Psychiatrie. Für Studium und Praxis 2015/16. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2015

Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M.H.: Internationale Klassifikation psychischer Störungen – ICD 10, Kapitel V (F), Diagnostische Kriterien für Forschung und Praxis. Huber, Bern 2011

Dulz, B., et al.: Handbuch der Borderline-Störungen. Schattauer, Stuttgart 2011

Hautzinger, M.: Kognitive Verhaltenstherapie: Behandlung psychischer Störungen im Erwachsenenalter. Beltz PVU, München 2011

Klingelhöfer, J., Rentrop, M.: Klinikleitfaden Neurologie und Psychiatrie. Urban & Fischer, München 2009

Davison, G.C., Neale, J.M., Hautzinger, M.: Klinische Psychologie. Beltz PVU, München 2007

Bohus, M., Schmahl, C.: Psychopathologie und Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 103, Heft 49, S. 3345-3352 (8.12.2006)

Berth, H., Balck, F.: Psychologische Tests für Mediziner. Springer, Berlin Heidelberg 2003

Fiedler, P.: Integrative Psychotherapie bei Persönlichkeitsstörungen. Hogrefe, Göttingen 2003

Aktualisiert am: 5. Juli 2017

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