Blinddarmentzündung (Appendizitis)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (21. Juli 2017)

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Bei einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) bestehen die ersten Symptome häufig aus Schmerzen, die zunächst in der Nähe des Bauchnabels und in der Magengegend auftreten. Innerhalb weniger Stunden verlagern sich die Beschwerden in den rechten Unterbauch.

Was ist eine Blinddarmentzündung?

Eine Blinddarmentzündung (Appendizitis) ist eine bakterielle Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendix vermiformis), einem Anhängsel des Blinddarms. Ganz korrekt ist die Bezeichnung Blinddarmentzündung daher nicht, hat sich aber eingebürgert.

Wo liegt der Blinddarm?

Der Blinddarm ist ein Teil des Dickdarms und liegt im rechten Unterbauch. Die Schmerzen, die durch eine Appendizitis entstehen, treten daher zwar überwiegend rechts auf, sie können aber auch nach links ausstrahlen oder den ganzen Bauchraum betreffen.

Schema des Magen-Darm-Trakts mit Blinddarm

Schema des Magen-Darm-Trakts mit Blinddarm

Blinddarmentzündung: Symptome

Bei einer Blinddarmentzündung zeigen sich zunächst Symptome wie:

Bei Kindern oder Personen höheren Alters können die Symptome schwächer ausfallen. Bei Kindern ist es außerdem oft schwieriger, den Ort der Schmerzen einzugrenzen.

Auch bei Schwangeren können die Schmerzen an unüblichen Orten auftreten, da der Darm und somit auch Blinddarm und Wurmfortsatz durch den Schwangerschaftsbauch von seiner üblichen Position verdrängt wird.

Bei der Appendizitis treten die Schmerzen zunächst in der Umgebung des Bauchnabels sowie in der Magengegend auf. Innerhalb von acht bis zwölf Stunden verlagern sich die Beschwerden meist in den rechten Unterbauch. Beim Laufen oder Hüpfen entstehen durch die Blinddarmentzündung sogenannte Erschütterungsschmerzen. Die Symptome führen mitunter zu einem typischen Bewegungsablauf, der sich Schonhinken nennt. Betroffene winkeln zudem oft das rechte Bein zum Bauch hin an.

Eine Appendizitis kann verschiedene Stadien durchlaufen, die zeitlich aufeinander folgen. Der Übergang in das nächste Stadium bedeutet dann, dass der Schweregrad der Erkrankung zunimmt. Prinzipiell kann man zwischen

  • einer einfachen Blinddarmentzündung (Appendizitis simplex) und
  • einer zerstörerischen Blinddarmentzündung (Appendizitis destructiva)

unterscheiden; die Symptome fallen bei der zerstörerischen Form heftiger aus.

Einfache Blinddarmentzündung

Bei der einfachen Blinddarmentzündung (Appendizitis simplex) wird das entzündete Gewebe nicht zerstört. Die einfache Blinddarmentzündung verläuft in zwei Stadien:

  • Katarrhalisches Stadium: Die Erkrankung beginnt mit einer entzündlichen Schwellung, der Wurmfortsatz ist ohne Eiterbildung gerötet. Eine spontane Rückbildung ist möglich.
  • Seropurulentes Stadium: Der Wurmfortsatz des Blinddarms ist entzündet und es bildet sich Eiter. Dieses Stadium kann in eine zerstörerische Blinddarmentzündung (Appendiztis destructiva) übergehen, welche der Arzt in jedem Fall operativ behandeln muss.

Zerstörerische Blinddarmentzündung

Bei der zerstörerischen Blinddarmentzündung (Appendizitis destructiva) zerfällt das entzündete Gewebe nach und nach. Eine Operation ist unbedingt notwendig, da der entzündete Wurmfortsatz andernfalls aufplatzen (sog. Perforation) und Bakterien sowie Darminhalt in die Bauchhöhle gelangen könnten. Die destruktive Blinddarmentzündung verläuft ohne Behandlung in zwei Stadien:

  • Die Entzündung breitet sich zunächst in tiefere Gewebeschichten aus (Appendizitis purulenta). Der Hohlraum des entzündeten Wurmfortsatzes füllt sich mit Schleim und Eiter (Appendizitis suppurativa).
  • Im weiteren Verlauf bilden sich Eiteransammlungen (Abszesse). Die Gewebewand des Wurmfortsatzes wird zerstört und zersetzt – es kommt zu einem Blinddarmdurchbruch. Dieses Stadium ist lebensgefährlich.

Blinddarmentzündung: Diagnose

Eine Blinddarmentzündung wird meist anhand der typischen Beschwerden diagnostiziert. Charakteristische Druck- und Schmerzpunkte (die in Einzelfällen aber auch fehlen können) unterstützen die Diagnose.

Personen mit einer Appendizitis weisen meist einen Temperaturunterschied von mehr als 1 Grad Celsius zwischen der Achselhöhle und dem Enddarm auf, wobei die Temperatur im Enddarm höher ist. Zudem ist die Anzahl der weißen Blutkörperchen im Blut leicht vermehrt (Leukozytose). Darüber hinaus ist hier die Konzentration eines bestimmten Eiweißes (sog. C-reaktives Protein, CRP), welches Entzündungen im Körper anzeigt, erhöht.

Heutzutage hat die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) bei der Diagnose einer Appendizitis an Bedeutung gewonnen. Ein gesunder, nicht entzündeter Wurmfortsatz (Appendix) ist im Ultraschall nicht erkennbar, während der entzündete Appendix im Querschnitt als schießscheibenartig gestreifte Struktur sichtbar sein kann. Auch eine Computertomographie (CT) kann Hinweise auf eine Entzündung geben. Sie ist in der Regel aber nicht aussagekräftiger als der Ultraschall und wird eher selten durchgeführt.

Im Zweifelsfall kann eine eindeutige Diagnose nur durch eine Bauchspiegelung erfolgen. Bestätigt sie die Entzündung, kann der Arzt über diesen Zugang auch sofort operieren.


Zwei Hände betasten einen Bauch. © Photodisc/Contemporary Health/Getty Images

Druckschmerz kann auf eine Blinddarmentzündung hinweisen.

Schmerzprovokation

Erste Hinweise auf eine Blinddarmentzündung erhält der Arzt oft dadurch, dass er durch Druck mit den Händen auf den Bauch bewusst Schmerzen auslöst (Schmerzprovokation).

Die Lage des Blinddarms sowie des Wurmfortsatzes lässt sich anhand von Verbindungslinie zwischen dem Bauchnabel und dem rechten Darmbeinvorsprung des Beckenknochens (Spina iliaca anterior superior) abschätzen. Der Blinddarm liegt etwa auf der Mitte dieser Linie – dem sogenannten McBurney-Punkt – und ist bei einer Blinddarmentzündung druckschmerzhaft.

Der Lanz-Punkt zeigt die direkte Lage des Wurmfortsatzes an und liegt zwischen äußerem und mittlerem Drittel der Verbindungslinie zwischen dem rechten und linken Darmbeinvorsprung. Auch hier führt eine Schmerzprovokation durch Klopfen oder Drücken bei einer Blinddarmentzündung zu Schmerzen.

Darüber hinaus können weitere Tests bei einer Blinddarmentzündung die Diagnose sichern:

  • Blumberg-Zeichen/Loslass-Schmerz: Schmerzen im Bereich des Wurmfortsatzes, nachdem auf der Gegenseite die Bauchdecke eingedrückt und losgelassen wurde.
  • Rovsing-Zeichen: Schmerzen im Bereich des Dickdarms, wenn man den Dickdarm entgegen dem Uhrzeigersinn in Richtung Blinddarm ausstreicht.
  • Douglas-Schmerz: Schmerzen bei rektaler Untersuchung; sie sind ein Hinweis auf eine Verlagerung des Wurmfortsatzes ins kleine Becken beziehungsweise auf eine Reizung des Bauchfells (peritoneale Reizung)
  • Psoas-Schmerz: Schmerzen im rechten Unterbauch beim Anheben des gestreckten Beins.

Bei Frauen müssen stets gynäkologische Erkrankungen wie etwa eine Eileiterentzündung, eine Eileiterschwangerschaft und eine reguläre Schwangerschaft ausgeschlossen werden.

Blinddarmentzündung: Therapie

Je früher eine Blinddarmentzündung behandelt wird, desto besser. Bei Verdacht auf eine Appendizitis bleibt der Betroffene zunächst zur Beobachtung im Krankenhaus. Er darf in dieser Zeit nichts essen, da dies bei einer Vollnarkose zu Komplikationen führen kann und der Darm möglichst wenig arbeiten soll.

Liegt tatsächlich eine Blinddarmentzündung vor, wird der entzündete Wurmfortsatz operativ entfernt. Je früher der Arzt die Operation (Fachbegriff: Appendektomie) durchführt, umso wahrscheinlicher kann er Komplikationen vermeiden.

Die sogenannte offene Operation mit Bauchschnitt (Laparatomie) wird immer häufiger von der minimal-invasiven Operationsmethode abgelöst. Minimal-invasiv bedeutet, dass der Arzt den Bauch mithilfe eines speziellen Geräts, dem Endoskop, einsieht. Dieser Eingriff wird auch Laparoskopie genannt. Dabei führt der Chirurg die Operationsinstrumente durch drei winzige Schnitte in der Bauchdecke ein, man spricht deshalb auch von Schlüssellochchirurgie.

Der Eingriff ist mit kleineren Hautschnitten verbunden. Die Ergebnisse sind vergleichbar mit der offenen Operationsmethode. Die Laparoskopie bietet den Vorteil, dass sie bei einer Blinddarmentzündung nicht nur zur Therapie, sondern auch zur Diagnose eingesetzt werden kann: Bei unklaren Fällen hilft sie, den Verdacht zu bestätigen. Anschließend kann der Arzt den entzündeten Wurmfortsatz direkt entfernen.

Die Appendektomie per Schlüssellochchirurgie ist in der Regel nur im Frühstadium einer Appendizitis sinnvoll und geeignet. Bei einer fortgeschrittenen Entzündung entscheiden sich die behandelnden Ärzte meist für die offene Operation.

Eine konservative Behandlung der akuten Appendizitis, bei der der Wurmfortsatz nicht entfernt wird, wird heutzutage nicht mehr durchgeführt.

Blinddarmentzündung: Ursachen

Die Blinddarmentzündung ist eine häufige Erkrankung. Etwa die Hälfte aller plötzlich auftretenden ernsten Erkrankungen der Bauchhöhle (sog. akutes Abdomen) werden durch eine Blinddarmentzündung verursacht. Besonders ältere Kinder und Jugendliche erkranken daran, gehäuft zwischen dem 10. und 19. Lebensjahr. Kleinkinder und alte Menschen erkranken seltener.

Der Blinddarm ist der blind endende, sackartige, etwa daumenlange Anfangsteil des aufsteigenden Dickdarms, der unterhalb der Einmündung des Dünndarms liegt. An seinem unteren Ende befindet sich ein wurmartiger, zwischen 2 und 20 Zentimeter langer Wurmfortsatz. Dieser ist bei einer Appendizitis entzündet.

Die Lage des Wurmfortsatzes variiert stark: Er kann gemeinsam mit dem Blinddarm verlagert sein, wie es bei Schwangeren oft der Fall ist. Er kann ebenso über, vor oder hinter dem Blinddarm liegen oder sogar fest am Dünndarm verankert sein. Ist das der Fall können die Beschwerden an anderen Stellen als dem rechten Unterbauch auftreten.

Eine Blinddarmentzündung kann verschiedene Ursachen haben. Erst die genaue Untersuchung des operativ entfernten entzündeten Wurmfortsatzes erlaubt eine Aussage, was tatsächlich zu der Entzündung geführt hat. Allerdings findet sich häufig kein konkreter Auslöser.

Eine Blinddarmentzündung macht eine rasche Therapie erforderlich. Erfahren Sie im Video zum Thema Blinddarmentzündung, wie die Erkrankung entsteht und mit welchen Symptomen sie einhergeht.

Verstopfung des Wurmfortsatzes (Appendix)

Ist der Wurmfortsatz (Appendix) verstopft, begünstigt das eine Blinddarmentzündung. Zu einem solchen Verschluss kann es beispielsweise durch Kotsteine kommen. Zudem kann der Wurmfortsatz abknicken. Seltener sind Parasiten wie Würmer oder Verwachsungen der Darmwand Ursache für eine Blinddarmentzündung.

Fremdkörper können die Entleerung des Wurmfortsatzes stören und so eine Appendizitis auslösen. Häufig geschieht dies durch Kirschkerne, seltener durch die Kerne von Weintrauben oder Melonen. In der Folge stauen sich im Wurmfortsatz Sekrete an, die die Schleimhaut reizen, bis sie sich entzündet.

Entzündliche Darmerkrankungen

Blinddarmentzündungen bei denen der Wurmfortsatz nicht verstopft ist, kommen seltener vor. Sie entstehen zum Beispiel durch Bakterien. Bei einer Infektion mit Enterokokken, Proteus- oder Kolibakterien kann sich der Wurmfortsatz entzünden. Auch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn können eine Appendizitis auslösen.

Blinddarmentzündung: Verlauf

Eine Blinddarmentzündung nimmt in den meisten Fällen einen positiven Verlauf: Wenn die Erkrankten rechtzeitig eine geeignete Behandlung bekommen, erholen sie sich in der Regel wieder vollständig.

Die Appendizitis kann verschiedene Stadien durchlaufen, die zeitlich aufeinander folgen. Der Übergang in ein nächstfolgendes Stadium bedeutet, dass der Schweregrad der Erkrankung zunimmt.

Komplikationen

Komplikationen können auftreten, wenn sich die Entzündung auf das umgebende Gewebe oder auf benachbarte Organe ausdehnt:

  • Durchbruch des Wurmfortsatzes: Im weit fortgeschrittenen Stadium einer Blinddarmentzündung (gangränose Appendizitis) kann der Wurmfortsatz aufplatzen oder durchbrechen. Diesen Durchbruch nennt man auch Perforation – umgangssprachlich auch Blinddarmdurchbruch genannt. Anschließend greift die Entzündung entweder auf das Bauchfell über (Peritonitis) oder es bilden sich Eiteransammlungen (Abszesse).
  • Darmlähmung oder Darmverschluss: Als Reaktion auf die Appendizitis kann es in seltenen Fällen zu einer Lähmung des gesamten Darms (Darmparalyse) sowie zu einem Darmverschluss (Ileus) kommen.
  • Fistelbildung bei Morbus Crohn: Durch eine Blinddarmentzündung beziehungsweise durch deren Operation können sich bei an Morbus Crohn erkrankten Menschen Verbindungen zwischen Wurmfortsatz und anderen Darmabschnitten (sog. Fisteln) bilden.

Um bei einer Blinddarmentzündung Komplikationen zu verhindern, ist es wichtig, bei ersten Symptomen frühzeitig einen Arzt aufzusuchen.

Blinddarmentzündung: Vorbeugen

Einer Blinddarmentzündung können Sie nicht vorbeugen. Bei Verdacht auf Appendizitis sollten Sie rasch handeln und den Arzt aufsuchen.

Lediglich einer Blinddarmentzündung durch Fremdkörper wie Kirschkerne (oder seltener Melonen- und Weintraubenkerne) können Sie versuchen vorzubeugen, indem Sie möglichst wenige solcher Kerne schlucken.

Blinddarmentzündung: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Blinddarm­entzündung (Appendizitis)":

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 17.7.2017)

Blinddarmentzündung. Online-Information der Charité: www.charite.de (Abrufdatum: 17.7.2017)

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Aktualisiert am: 21. Juli 2017

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