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Blasenentzündung (Zystitis) – überwiegend Frauensache

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (19. Mai 2017)

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Die Blasenentzündung (Zystitis) ist weit verbreitet – und betrifft deutlich mehr Frauen als Männer: Etwa 50 bis 70 Prozent aller Frauen haben mindestens einmal im Leben eine Entzündung der Harnblase. In ungefähr 5 bis 10 Prozent der Fälle tritt die Entzündung wiederholt auf. Das hat vor allem anatomische Gründe.

Was ist eine Blasenentzündung?

Eine Blasenentzündung ist eine Entzündung der Schleimhaut (sog. Urozystitis) oder der gesamten Wand (sog. Panzystitis) der Harnblase. Entsprechend bezeichnet man die Zystitis auch als Blasenkatarrh (griech. Katarrh = Schleimhautentzündung).

Die Harnblase gehört zusammen mit Harnröhre, Harnleitern und Nieren zum sogenannten Harntrakt. Dabei bilden

  • Harnröhre und Blase die unteren Harnwege und
  • Harnleiter und Nieren die oberen Harnwege.

Die Blasenentzündung ist demnach – ebenso wie die Harnröhrenentzündung (Urethritis) – ein unterer Harnwegsinfekt.

Blasenentzündung (Zystitis): Ursachen

Eine Blasenentzündung (Zystitis) kann durch verschiedene Erreger entstehen. Meist sind Bakterien die Ursachen der Entzündung, aber auch Viren, Pilze und Würmer können dahinterstecken. Eine ständig auftretende (chronische) Blasenentzündung kann entweder eine Neuinfektion oder eine noch nicht völlig ausgeheilte, wieder aufflammende Entzündung darstellen.

Ist eine Blasenentzündung ansteckend?

Die Krankheitserreger sind grundsätzlich übertragbar. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass von Menschen mit einer Blasenentzündung ein höheres Ansteckungsrisiko ausgeht: Selbst wer keine entzündete Blase hat und auch ansonsten völlig gesund ist, kann Keime verbreiten, die – wenn sie in die Harnröhre gelangen – eine Zystitis verursachen können. Sogar Bakterien der eigenen, normalen Darmflora kommen als Erreger infrage.

Bakterien

Hat eine Blasenentzündung bakterielle Ursachen, stammen die Bakterien meist aus der Darmflora und sind über die Harnröhre zur Blase aufgestiegen. Vor allem das Bakterium Escherichia coli nistet sich gerne in die Harnwege ein, wandert in die Harnblase und löst dort eine Zystitis aus. Es ist für 80 Prozent aller bakteriellen Blaseninfektionen verantwortlich.

Doch auch andere Bakterien können eine Blasenentzündung verursachen, zum Beispiel Enterokokken, Proteus und Staphylokokken.

Die durch Bakterien ausgelöste Blasenentzündung betrifft vorwiegend Frauen. Dies hat zwei Ursachen:

  • Erstens ist die Harnröhre kürzer als beim Mann – und damit auch der Weg für die Bakterien bis zur Harnblase.
  • Zweitens liegt die Öffnung der Harnröhre näher am After als beim Mann.

In der Regel führt eine Schmierinfektion zur Blasenentzündung – das heißt, die Bakterien gelangen über Berührungen oder Gegenstände vom After oder Stuhl in die Harnröhre. Eine mögliche Ursache für Schmierinfektionen ist zum Beispiel Geschlechtsverkehr. Darum ist die Blase bei sexuell aktiven Frauen häufiger entzündet. Eine akute Zystitis bei Frauen, die oft Geschlechtsverkehr haben, bezeichnet man auch als Honeymoon-Zystitis (engl. Honeymoon = Flitterwochen).

Viren, Pilze oder Würmer

Nur selten hat eine Blasenentzündung keine bakteriellen Ursachen, sondern entsteht durch andere Erreger – und zwar durch Viren, Pilze oder Würmer. Mögliche nicht-bakterielle Auslöser der Zystitis sind zum Beispiel:

  • Adenoviren und Polyoma: Diese Erreger verursachen meist eine blutige Blasenentzündung (hämorrhagische Zystitis).
  • Candida albicans: Dieser Pilz siedelt sich besonders in den Harnwegen von Menschen an, deren Immunabwehr geschwächt ist oder die bestimmte Antibiotika einnehmen.
  • Erreger der Schistosomiasis (Bilharziose): Die Wurmerkrankung durch diese Saugwürmer ist in den Tropen und Subtropen weit verbreitet und kann eine spezielle Form der chronischen Blasenentzündung zur Folge haben – die sogenannte granulomatöse Zystitis (Granulom = Knötchen).

Video: Blasenentzündung

Risikofaktoren

Bei der Entstehung einer Blasenentzündung (Zystitis) spielen neben den eigentlichen Ursachen – also den Erregern – verschiedene Risikofaktoren eine wichtige Rolle, die den Abfluss des Harns aus der Harnblase stören.

Bei einer Harnabflussstörung können Bakterien leichter eine Blasenentzündung verursachen, weil der Harn dann länger in der Harnblase und in den Harnleitern verweilt. Die Erreger haben so mehr Zeit, sich anzusammeln und eine Zystitis auszulösen.

Wie sehr eine Harnabflussstörung das Risiko für eine Zystitis erhöhen kann, zeigt sich bei Männern: Sie haben eine längere Harnröhre als Frauen, sodass Krankheitserreger nicht so leicht bis in die Harnblase vordringen können. Entsprechend ist die Blasenentzündung beim Mann unter 50 eher selten.

Ab dann steigt allerdings auch bei Männern das Risiko für die bakterielle Blasenentzündung. Die Ursache: Männer über 50 haben häufiger eine vergrößerte Prostata und dadurch eine verengte Harnröhre. Das behindert den Harnabfluss, sodass sich mit dem Urin (Restharn) vermehrt Krankheitserreger in der Blase und Harnröhre sammeln.

Die Prostatavergrößerung beim Mann ist aber nicht die einzig mögliche Ursache für einen gestörten Harnabfluss. Weitere Risikofaktoren für Harnabflussstörungen und somit für die Entstehung einer Blasenentzündung sind:

  • Verengungen (Stenosen) der Harnröhre
  • Fremdkörper in der Harnröhre
  • Blasensteine
  • angeborene Fehlbildungen in den Harnwegen
  • Geschwulst (Tumor) der Harnblase und der Harnröhre (wobei der Begriff "Tumor" auch für eine gutartige Veränderung stehen kann)

Zudem können Schäden an den Nerven die Funktion der Blasenentleerung beeinträchtigen und so das Risiko für die Entstehung einer Blasenentzündung erhöhen. Zu den möglichen Ursachen solcher Nervenschädigungen gehören Querschnittslähmungen oder ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).

Besonders anfällig für eine Blasenentzündung sind auch Frauen in der Schwangerschaft und in den ersten Wochen nach der Geburt. Das hat mehrere Ursachen: So steigt zum Beispiel bei vielen Schwangeren der Gehalt an Zucker im Urin, wodurch sich Erreger besser vermehren können. Außerdem sorgen die hormonellen Veränderungen dafür, dass die Harnwege erweitert sind. Die Folge: Der Harn fließt dort nur langsam, Keime verbleiben länger in der Harnblase und erhöhen das Infektionsrisiko. Etwa 5 Prozent aller schwangeren Frauen bekommen eine Zystitis.

Ein erhöhtes Risiko für eine Blasenentzündung aber auch ganz andere Ursachen haben – zum Beispiel:

  • Unterkühlung (sog. Kaltfußzystitis)
  • psychische Einflüsse
  • geschwächtes Immunsystem
  • Störungen der normalen Bakterienbesiedelung der ableitenden Harnwege, zum Beispiel durch einen Blasenkatheter

Zur Blasenentzündung sind jedoch nicht nur Risikofaktoren bekannt, sondern auch schützende Faktoren: Einige Menschen bleiben weitgehend von bakteriellen Blasenentzündungen verschont, was erbliche Ursachen hat – ihnen fehlen erblich bedingt spezielle Andockstellen (Rezeptoren) in den Schleimhäuten der Harnwege. Die Bakterien brauchen diese Rezeptoren, um über eine Art Haftmechanismus in die Schleimhäute zu gelangen: Nur dann können sie eine Zystitis auslösen. Mediziner bezeichnen diese speziellen Rezeptoren als P-Blutgruppenantigene.

Blasenentzündung (Zystitis): Symptome

Die für eine akute Blasenentzündung (Zystitis) typischen Symptome sind:

Durch die Blasenentzündung entsteht beim Wasserlassen das Gefühl, gegen einen Widerstand auspressen zu müssen. Die Schmerzen kommen daher, dass sich die Harnblase beim Wasserlassen krampfartig zusammenzieht. Typisch für die Zystitis ist auch, dass die Betroffenen bei jedem Toilettengang nur kleine Mengen Urin ausscheiden (sog. Pollakisurie).

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Mindestens jede zweite Frau kennt die typischen Symptome einer akuten Blasenentzündung aus eigener Erfahrung.

Daneben kann eine akute Blasenentzündung weitere Symptome hervorrufen, die den Urin betreffen:

  • Zum einen kann die Blasenentzündung mit Blut im Urin (Hämaturie) verbunden sein.
  • Zum anderen sieht der Urin oft trübe aus und riecht auffällig.

Die mit der Blasenentzündung verbundenen Symptome bleiben typischerweise auf den unteren Teil des Harntrakts beschränkt. Denn die Zystitis ist ein sogenannter unterer Harnwegsinfekt.

Wenn die Entzündung jedoch von der Harnblase auf die Nieren oder die Prostata übergreift, können neben den Anzeichen der Blasenentzündung weitere Symptome hinzukommen – wie Fieber und Rückenschmerzen beziehungsweise Schmerzen in den Flanken.

Blasenentzündung (Zystitis): Diagnose

Bei Anzeichen einer Blasenentzündung (Zystitis) empfiehlt sich in der Regel eine Urinuntersuchung: Bereits ein eitriger, blutiger oder faul riechender Urin kann deutliche Hinweise für die Diagnose liefern. Wenn die Harnblase tatsächlich entzündet ist, kann der Arzt zudem typischerweise Folgendes im Urin feststellen:

Hat sich die Blasenentzündung infolge einer Chemotherapie, einer Bestrahlung (sog. radiogene Zystitis) oder einer Tuberkulose entwickelt, ist die Suche nach Bakterien im Urin allerdings nicht hilfreich. Denn in der Frühphase der Infektion befinden sich dann noch keine Bakterien im Urin.

Neben der Urinuntersuchung können auch bestimmte Blutwerte dabei helfen, eine Blasenentzündung festzustellen: So ist im Blut die Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukozyten) bei einer Zystitis meist erhöht. Zudem lässt sich eine erhöhte Senkungsgeschwindigkeit der Blutkörperchen nachweisen. Dies deutet allgemein auf eine Entzündung hin.

Bei einer länger andauernden oder wiederholt auftretenden Blasenentzündung bietet sich eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) an, um andere Ursachen wie einen gutartigen oder eventuell bösartigen Blasentumor auszuschließen. Während der Spiegelung ist es zudem möglich, Gewebeproben zu entnehmen und diese untersuchen zu lassen (sog. Biopsie).

Eine Blasenentzündung kann auch als Folge einer Wurmerkrankung entstehen, die in den Tropen oder Subtropen weit verbreitet ist (sog. Schistosomiasis). In dem Fall stellt der Arzt die Diagnose durch den Erregernachweis. Die Eier der Würmer sind allerdings erst fünf bis zwölf Wochen nach der Infektion im Urin nachweisbar.

Blasenentzündung (Zystitis): Therapie

Meist ist eine Blasenentzündung (Zystitis) unkompliziert. Medikamente, die gezielt gegen die Erreger wirken (Antibiotika), bringen in der Regel schnelle Linderung. Wer nur leichte Beschwerden verspürt, kann auch versuchen, ausschließlich gegen die Symptome vorzugehen (z.B. mit Schmerzmitteln) und abzuwarten, ob die Entzündung von selbst abklingt. Es empfiehlt sich aber in jedem Fall, diese Entscheidung zusammen mit Ihrem Arzt zu treffen.

Was Sie selbst tun können

Zwar ist ein Arztbesuch bei einer Blasenentzündung unbedingt empfehlenswert – es gibt jedoch einiges, was Sie selbst tun können, um die Therapie zu unterstützen:

  • Trinken Sie viel (3–4  Liter auf den Tag verteilt), auch wenn das Wasserlassen durch die Blasenentzündung schmerzt. Denn wer viel trinkt, spült die Harnwege durch und trägt dazu bei, diese von Keimen zu befreien.
  • Eine Wärmflasche und Sitzbäder entspannen und können die Beschwerden einer Blasenentzündung lindern.

Was der Arzt tun kann

Antibiotika gegen eine Blasenentzündung zu verschreiben ist etwas, was nur der Arzt tun kann. Verspüren Sie Anzeichen einer Zystitis, sollten Sie daher in jedem Fall zum Arzt gehen.

Wenn Sie sich bei der Bekämpfung der Blasenentzündung nur auf Hausmittel verlassen und den Infekt dadurch womöglich verschleppen, können die Erreger von der Harnblase über die Harnleiter weiter aufsteigen und unter Umständen eine Nierenbeckenentzündung (sog. oberer Harnwegsinfekt) und in schweren Fällen eine Blutvergiftung (Urosepsis) auslösen.

Akute Blasenentzündung – was hilft?

Verschreibungspflichtige Antibiotika können die Symptome einer akuten Blasenentzündung in der Regel rasch und wirkungsvoll beseitigen. In 25 bis 42 Prozent verschwinden die Beschwerden zwar auch ohne Antibiotika, die Behandlung steigert jedoch die Heilungsrate deutlich und bekämpft außerdem die Erreger. Wenn Sie die Zystitis antibiotisch behandeln, sinkt zudem das Risiko, dass die Infektion erneut auftritt.

Welches Antibiotikum Sie bei einer Blasenentzündung verschrieben bekommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab – zum Beispiel davon, ob Sie zuvor schon Antibiotika eingenommen haben, ob Sie gegen bestimmte Antibiotika allergisch sind oder ob Sie schwanger sind. Die Wahl des geeigneten Mittels richtet sich außerdem danach, welche Erreger hinter der Zystitis stecken.

Dabei ist auch zu beachten, dass sich mittlerweile viele Erreger gegen bestimmte Wirkstoffe wehren können – sie sind unempfindlich oder resistent. Daher kommen die entsprechenden Medikamente nicht mehr zur Behandlung einer Blasenentzündung infrage. So bleiben beispielsweise die gängigen Antibiotika gegen den häufigsten Erreger der Zystitis – Escherichia coli – oft wirkungslos:

  • Ampicillin wirkt in 60 Prozent der Fälle nicht mehr,
  • Trimethoprim/Sulfamethoxazol in 30 Prozent,
  • und selbst die stattdessen vermehrt eingesetzten Chinolone (Gyrasehemmer) sind mittlerweile bei jeder 10. Behandlung gegen E. coli nutzlos.

Üblicherweise müssen Sie die Antibiotika drei bis zehn Tage einnehmen, um die Blasenentzündung wirksam zu behandeln. Nehmen Sie das Medikament auf jeden Fall so lange, wie Ihr Arzt es verordnet hat – wenn Sie es gut vertragen. Andernfalls ist es wichtig, mit Ihrem Arzt Rücksprache zu halten und sich zu beraten.

Jemand hält Tabletten in der einen, ein Glas Wasser in der anderen Hand. © Jupiterimages/iStockphoto

Eine Blasenentzündung lässt sich mit Antibiotika behandeln.

Gegen eine hartnäckige beziehungsweise immer wieder auftretende (chronische) Blasenentzündung sind ebenfalls Antibiotika sinnvoll. Die verordneten Medikamente sind in der Regel vier bis sechs Wochen lang einzunehmen. In manchen Fällen macht die chronische Zystitis auch eine längere Einnahme der Antibiotika (über mehrere Monate) nötig.

Sehr unangenehm sind die bei einer Blasenentzündung oft krampfartigen Schmerzen beim Wasserlassen. Um sie zu lindern, sind in der Regel krampflösende Schmerzmittel (sog. Spasmolytika) gut geeignet. Wenn ein gestörter Harnabfluss für Ihre Blasenentzündung (mit)verantwortlich ist, ist eine gezielte Therapie ratsam, um die Ursachen hierfür zu beseitigen: Steckt beispielsweise eine Vergrößerung der Prostata hinter Ihrer Zystitis, kann eine Operation die Abflussstörung des Harns beheben.

Pflanzliche Mittel

Ergänzend zu Antibiotika kommen auch pflanzliche Mittel gegen eine Blasenentzündung (Zystitis) infrage: Viele Heilpflanzen besitzen bakterien- und virentötende Eigenschaften. Daraus hergestellte pflanzliche Mittel können die Therapie unterstützen, indem sie die Harnwege desinfizieren.

In den aktuellen medizinischen Leitlinien findet sich jedoch keine Empfehlung dafür, diese pflanzlichen Mittel gegen eine Blasenentzündung einzusetzen, da ihre Wirksamkeit bisher wissenschaftlich nicht ausreichend belegt ist.

Das Wissen über pflanzliche Mittel hat sich durch deren teilweise jahrelange praktische Anwendung angesammelt. Zu einer Reihe von Heilpflanzen hat man sogenannte Monographien erstellt, die eine Bewertung und Darstellung dieses Wissens enthalten. Solche Monographien gibt es beispielsweise zu folgenden pflanzlichen Mitteln (in alphabetischer Reihenfolge), die in der Therapie der Blasenentzündung Verwendung finden – zum Teil als feste Kombinationen:

Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob es in Ihrem Fall angezeigt ist, unterstützend pflanzliche Mittel gegen die Blasenentzündung einzunehmen. Dabei gilt jedoch grundsätzlich: Pflanzliche Präparate können vor allem bei schwerer Zystitis (die z.B. mit Fieber einhergeht) Antibiotika oder andere künstlich hergestellte Medikamente nicht ersetzen, sondern sind vielmehr als Ergänzung anzusehen.

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Blasenentzündung (Zystitis): Verlauf

Meist nimmt eine Blasenentzündung (Zystitis) einen unkomplizierten Verlauf – das bedeutet:

  • Es handelt sich um eine akute Zystitis,
  • Funktion und Anatomie des Harntrakts sind normal,
  • die Nieren arbeiten ungestört und
  • es liegen keine begünstigenden Begleiterkrankungen (wie Diabetes mellitus) vor.

Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung ist mit einer günstigen Prognose zu rechnen: Rechtzeitig behandelt heilt die Entzündung innerhalb weniger Tage wieder aus. Die Entzündung kann aber auch hartnäckig verlaufen oder dauerhaft immer wieder auftreten (sog. chronische Zystitis).

Komplikationen

Wenn eine Blasenentzündung Komplikationen verursacht, können davon sowohl andere Organe als auch die Blase selbst betroffen sein. Eine Ausbreitung auf andere Organe passiert, wenn die Erreger der Zystitis von der Harnblase aus über die Harnleiter aufsteigen: Erreichen die Erreger so zum Beispiel die Nieren, können sie eine Nierenbeckenentzündung auslösen.

Das Risiko, dass sich eine Blasenentzündung im weiteren Verlauf auf die oberen Harnwege ausbreitet, beträgt jedoch selbst ohne ausreichend wirksame Behandlung nur etwa zwei Prozent.

In äußerst seltenen Fällen kann infolge einer Blasenentzündung ein akutes Nierenversagen entstehen. Gelangen die Erreger der Zystitis in die Blutbahn, kann es zu dem zu einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen.

Eine unkomplizierte Blasenentzündung bereitet – selbst wenn sie wiederholt auftritt – in der Regel keine schwerwiegenden Probleme, solange sie sich nicht auf andere Organe ausbreitet. Wenn die Zystitis jedoch chronisch immer wieder auftritt und die ganze Wand der Blase betrifft, kann dies mit der Zeit das Organ schädigen: Das Gewebe der Blase kann absterben (sog. Nekrose) und verkalken beziehungsweise verhärten. Im weiteren Verlauf verkleinert sich die Harnblase (sog. Schrumpfblase). Nur in ganz schweren Fällen ist es nötig, die Harnblase durch eine Operation zu entfernen und den Harn dann künstlich abzuleiten.

Blasenentzündung (Zystitis): Vorbeugen

Einer Blasenentzündung (Zystitis) können Sie mit wenigen und einfachen Maßnahmen wirksam vorbeugen:

  • Trinken Sie viel! Damit spülen Sie ihre Harnblase und Harnwege gut durch und scheiden Bakterien aus. Empfehlenswert sind etwa 1,5 bis 2 Liter auf den Tag verteilt.
  • Gehen Sie bei Harndrang möglichst bald zur Toilette.
  • Benutzen Sie für Ihre Intimpflege keine parfümierten oder desinfizierenden Hygieneartikel.
  • Besonders in der kalten Jahreszeit gilt: Ziehen Sie Kleidung an, die Sie ausreichend wärmt. Bauchfreie Tops sollten zum Beispiel im Winter tabu sein.

Frauen sind aufgrund ihrer kürzeren Harnröhre anfälliger für eine Blasenentzündung als Männer – für sie ist es daher empfehlenswert, zur Zystitisprophylaxe auch Folgendes zu beachten:

  • Wenn Sie sich nach dem Stuhlgang säubern, wischen Sie immer von der Scheide zum After – nicht in umgekehrter Richtung. Sonst können schädliche Bakterien leicht in Ihre Harnröhre eindringen.
  • Gehen Sie nach jedem Geschlechtsverkehr möglichst bald zur Toilette. Damit spülen sie Keime aus ihrer Harnröhre.
  • Besonders nach Anal- oder Oralverkehr empfiehlt es sich, bei vaginalem Geschlechtsverkehr Kondome zu verwenden.
  • Bestimmte Verhütungsmittel sind für Frauen, die zu Blasenentzündungen neigen, nicht empfehlenswert. Ungünstig sind zum Beispiel Diaphragmen und Vaginalzäpfchen, wohingegen Kondome besser vor den Erregern schützen.

Wenn die Blasenentzündung immer wieder auftritt, fragen Sie am besten Ihren Arzt, wie Sie solchen Rückfällen (sog. Rezidiven) vorbeugen können:

  • Unter Umständen kann Ihr Arzt Ihnen über einen längeren Zeitraum Antibiotika verordnen (sog. Dauerbehandlung), um damit das wiederholte Auftreten einer Blasenentzündung zu unterbinden. Zudem kann es sinnvoll sein, nach dem Geschlechtsverkehr Antibiotika einzunehmen.
  • Haben Frauen in den Wechseljahren öfter eine Zystitis, kann ein Östrogenmangel dahinterstecken. In dem Fall können Östrogene Abhilfe schaffen.

Hingegen sind Cranberry-Produkte – anders als bislang geglaubt – kein wirksames Mittel, um sich vor der Zystitis zu schützen: Mit Cranberrys können Sie weder einer Blasenentzündung vorbeugen noch ihre Heilung herbeiführen. Dies gilt sowohl für den Saft der Cranberry-Frucht als auch für andere Cranberry-Produkte (z.B. in Tabletten- oder Kapselform).

Auch der Nutzen des seit einigen Jahren angebotenen Impfstoffs gegen die gängigen Erreger der Zystitis ist nicht ausreichend erforscht. Wer sich trotzdem für eine Impfung gegen die Blasenentzündung entscheidet, muss die Kosten dafür selbst tragen: Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die Impfung zur Zystitisprophylaxe nicht.

Blasenentzündung (Zystitis): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Blasenentzündung (Zystitis)":

Buchtipps:

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Quellen:

Zystitis. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 18.4.2017)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU): Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/044 (Stand: April 2017)

Nieren- und Harnwegsinfektionen. Online-Informationen des Berufsverbands der Deutschen Urologen e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (Hrsg.): www.urologenportal.de (Stand: 6.4.2017)

Blasenentzündung. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 30.11.2016)

Jepson, R.G., Williams, G., Craig, J.C.: Cranberries for preventing urinary tract infections. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, (4): CD001321

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Schneider, H., Husslein, P.-W., Schneider, K.T.M. (Hrsg.): Die Geburtshilfe. Springer, Berlin 2011

Hiller, K., Melzig, M.F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. Springer Spektrum, Heidelberg 2010

Schilcher, H., Kammerer, S., Wegener, T.: Leitfaden Phytotherapie. Urban & Fischer, München 2010

Stand: 19. Mai 2017

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