Anzeige

Anzeige

Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps)

Veröffentlicht von: Till von Bracht (24. April 2017)

© iStock

Eigentlich wollte man nur die Getränkekiste ins Auto heben, doch dann ist es passiert: ein Bandscheibenvorfall. Bei einem Bandscheibenvorfall durchbricht ein Teil des weichen Kerns im Inneren der Bandscheibe den äußeren Faserring. Die Bandscheiben verformen sich, ändern ihre Lage und drücken auf die vom Rückenmark abgehenden Nerven (Spinalnerven) und seltener auch auf das Rückenmark selbst.

Zu den häufigsten Symptomen bei einem Bandscheibenvorfall zählen:

  • Sensibilitätsstörungen (Taubheitsgefühl, Kribbeln)
  • und akut auftretende, stechende Schmerzen im betroffenen Wirbelsäulenabschnitt,
  • die bis in die Arme oder Beine ausstrahlen können.

Wenn der Rücken plötzlich stark schmerzt, denken viele etwas voreilig an einen Bandscheibenvorfall. Doch tatsächlich ist ein Bandscheibenvorfall eher selten die Ursache für plötzliche Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule – im Volksmund auch Hexenschuss genannt. 

Generell gilt: Ein Bandscheibenvorfall kann, muss aber nicht zwingend Symptome verursachen.

Ob Beschwerden entstehen und wenn ja, welche, hängt davon ab, zwischen welchen beiden Wirbeln die betroffene Bandscheibe liegt und wie schwerwiegend die Erkrankung ist. Ein leichter Bandscheibenvorfall, bei dem der Gallertkern weder auf die Nerven noch auf das Rückenmark drückt, wird oft erst zufällig entdeckt.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Ein Bandscheibenvorfall ist eine meist verschleißbedingte Erkrankung der Wirbelsäule, bei der ein Teil des zähflüssigen Kerns aus der Bandscheibe heraustritt. Dadurch verformt sich die Bandscheibe und kann unter Umständen auf die umliegenden Nerven oder das Rückenmark drücken. 

Normalerweise dienen die Bandscheiben als elastische Puffer zwischen den einzelnen Wirbeln der Wirbelsäule. Dort fangen sie wie kleine Stoßdämpfer Erschütterungen ab. In ihrem Inneren befindet sich ein gallertartiger Kern. Außen umschließt ein knorpeliger Faserring mit angrenzenden Längsbändern (vorderes und hinteres Längsband) diesen Kern.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Elastizität der Wirbelsäule ab. Es entstehen Risse im knorpeligen Faserring, der den Gallertkern umfasst. Bei anhaltender Belastung (z.B. beim Heben schwerer Lasten) oder einseitiger Belastung durch eine Fehlhaltung schiebt sich der gallertartige Kern aus dem Inneren der Bandscheibe in die Risse vor und drängt diese auseinander – die Bandscheibe verformt sich.

Bleibt der Faserring intakt, liegt eine Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) vor: Sie ist die Vorstufe des Bandscheibenvorfalls. Durchdringt der Gallertkern den Faserknorpelring komplett, spricht man von einem Bandscheibenvorfall (Prolaps). Sowohl die Vorwölbung als auch der Vorfall können Schmerzen verursachen..

Das Bild zeigt eine Bandscheibe mit verschobenem Gallertkern

Typisch für einen Bandscheibenvorfall: Der zähflüssige Gallertkern im Inneren einer Bandscheibe hat sich nach außen verschoben und drückt nun auf den Spinalnerv.

Wo genau treten Bandscheibenvorfälle am häufigsten auf?

Grundsätzlich kann ein Bandscheibenvorfall in jedem Bereich der Wirbelsäule auftreten. Die meisten Bandscheibenschäden (mehr als 90 Prozent der Fälle) betreffen jedoch die Lendenwirbelsäule – medizinisch auch lumbaler Bandscheibenvorfall oder Bandscheibenvorfall LWS genannt. Weniger häufig fallen die Bandscheiben der Halswirbelsäule (HWS) vor. Ein Bandscheibenvorfall in der Brustwirbelsäule (BWS) ist sehr selten.

Von oben nach unten gesehen besteht die Wirbelsäule aus

  • 7 Halswirbeln (C1 - C7),
  • 12 Brustwirbeln (T1 - T12)
  • und 5 Lendenwirbeln (L1 - L5).

Zwischen den einzelnen Wirbeln befinden sich insgesamt 23 Bandscheiben: Lediglich das Gelenk zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel (C1/C2) besitzt keine Bandscheibe.

Jeder Bandscheibenvorfall lässt sich anhand der Segmente zwischen zwei Wirbeln genau lokalisieren: Am häufigsten sind die Bandscheiben

  • zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel (L4/L5)
  • und zwischen dem 5. Lendenwirbel und 1. Kreuzwirbel (L5/S1)

von einem Bandscheibenvorfall betroffen. 

Das Bild zeigt die Anatomie der Wirbelsäule. Besonders häufig tritt ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule auf – fachsprachlich Bandscheibenvorfall LWS. © LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese

Insgesamt besteht die Wirbelsäule des Menschen aus 24 freien Wirbeln, die über 23 Bandscheiben beweglich verbunden sind. Besonders häufig tritt ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule auf – fachsprachlich Bandscheibenvorfall LWS.

Die Bandscheibe: Was ist das eigentlich?

Zwischen zwei Wirbeln sitzt jeweils eine Bandscheibe – auch Zwischenwirbelscheibe oder medizinisch Discus invertebralis genannt. Die Einheit aus zwei Wirbeln, der dazwischenliegenden Bandscheibe und den Zwischenwirbellöchern, aus denen die Nervenwurzeln austreten, bezeichnen Mediziner als Bewegungssegment.

Die Bandscheibe dient als eine Art Stoßdämpfer: Sie puffert die Erschütterungen der Wirbelsäule ab, die zum Beispiel beim Gehen oder Rennen entstehen. Außerdem sorgen die Bandscheiben für die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Die Bandscheibe ist daran beteiligt, dass sich die Wirbel in einem begrenzten Umfang in alle Richtungen zueinander verschieben können.

Die Bandscheibe besteht aus Bindegewebe mit einem relativ festen äußeren Faserring (Anulus fibrosus) und einem weichen Gallertkern (Nucleus pulposus) im Inneren. Dieser Kern kann Wasser speichern und macht die Bandscheibe elastisch. Der Wassergehalt nimmt bei Belastung ab, daher verkleinern sich die Abstände zwischen zwei Wirbelkörpern im Lauf des Tages. Deshalb kann die Körpergröße im Tagesverlauf um bis zu zwei Zentimeter abnehmen.

Über Nacht nehmen die Bandscheiben Flüssigkeit über die umliegende Knorpelschicht und die Wirbelkörper auf. Blutgefäße und Nerven gibt es im Gallertkern nicht. Lediglich der äußere Faserring ist durch Nerven versorgt.

Ursachen

Hinter einem Bandscheibenvorfall steckt meist ein jahrelanger, altersbedingter Verschleiß der Bandscheibe – in seltenen Fällen ist eine Verletzung die Ursache. 

Mit zunehmendem Lebensalter des Menschen altert auch die Bandscheibe. Sie ist weniger elastisch als in jungen Jahren und kann schlechter Wasser speichern. Das Risiko, dass der Faserring der Bandscheibe reißt – also ein Bandscheibenvorfall auftritt – steigt. Daher leiden vor allem Menschen ab dem mittleren Alter und seltener jüngere Menschen unter Bandscheibenproblemen und Bandscheibenvorfällen.

Neben dem Alter gibt es weitere Faktoren, die der Bandscheibe ebenfalls zusetzen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Übergewicht
  • mangelnde Bewegung
  • Haltungsfehler
  • schwere körperliche Arbeit

Normalerweise stützt die Bauch- und Rückenmuskulatur die Wirbelsäule und stabilisiert sie. Sind diese Muskeln nicht ausreichend trainiert, belastet das die Bandscheibe zusätzlich.

Auch falsches Heben schwerer Gewichte ist Gift für die Bandscheibe. Achten Sie deshalb darauf, Schweres nur mit geradem Rücken anzuheben. Bei rundem Rücken lastet etwa das acht- bis zwölffache Gewicht auf den Bandscheiben. Bei einem Kasten Bier entspricht das zum Beispiel 80 bis 120 Kilogramm, welche die Wirbelsäule belasten.

Wie entsteht ein Bandscheibenvorfall? Unser Video veranschaulicht es Ihnen!

Symptome

Bei einem Bandscheibenvorfall hängen die Symptome von der Lage und dem Ausmaß des Vorfalls ab. Außerdem spielt es eine Rolle, welche der benachbarten Nervenstrukturen betroffen sind (Rückenmark, Spinalnerven etc.). Häufig kommt es auch vor, dass ein Bandscheibenvorfall lange Zeit keine Symptome verursacht.

Ein Bandscheibenvorfall zwischen zwei Lendenwirbeln (Bandscheibenvorfall LWS) kann zu

  • Schmerzen und Sensibilitätsstörungen im Rücken führen,
  • die teilweise bis ins Bein oder in den Fuß ausstrahlen.

Bandscheibenvorwölbungen und -vorfälle in der Halswirbelsäule (Bandscheibenvorfall HWS) dagegen verursachen

  • Schmerzen und Sensibilitätsstörungen in der Schulter,
  • im Arm
  • und in den Fingern.

In seltenen Fällen verursacht ein Bandscheibenvorfall Symptome wie Störungen beim Stuhlgang und beim Wasserlassen, die mit einem Taubheitsgefühl im Anal- und Genitalbereich und auf der Innenseite der Oberschenkel verbunden sind (sog. Reithosenanästhesie oder Cauda-Syndrom). Diese Symptome gelten als Notfall – in diesem Fall muss der Arzt das vorgefallene Bandscheibengewebe in einer Operation entfernen, um die Nerven zu entlasten.

Video: Wie macht sich der Verschleiß der Bandscheibe bemerkbar?

Diagnose

Um bei einem Bandscheibenvorfall die Diagnose zu stellen, ist eine eingehende neurologische Untersuchung notwendig. Diese gibt Aufschluss über die betroffenen schmerzauslösenden Nerven und ermöglicht eine gezielte Behandlung.

Der untersuchende Arzt kann ermitteln, ob die Nerven beschädigt sind und eine entsprechende Therapie empfehlen. Dazu überprüft er die Reflexe, die Sensibilität, die Beweglichkeit und eventuell die Nervenleitgeschwindigkeit. Je nachdem, ob und wohin die Schmerzen ausstrahlen, kann der Arzt Rückschlüsse darauf ziehen, welche Nervenwurzeln von dem Bandscheibenvorfall betroffen sind.

Außerdem überprüft der Arzt den Puls an den Beinen, um eine Durchblutungsstörung in diesem Bereich auszuschließen – etwa eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), auch Schaufensterkrankheit (Claudicatio intermittens) genannt. Diese Erkrankung kann Schmerzen verursachen, die auf den ersten Blick den Schmerzen bei Wirbelsäulenerkrankungen wie einem Bandscheibenvorfall ähneln.

Bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall ist zur Diagnose eine Röntgenuntersuchung notwendig.

Der Betroffene nimmt während der Röntgenuntersuchung verschiedene Positionen ein, sodass die Röntgenbilder die Wirbelsäule in verschiedenen Haltungen zeigen: zum Beispiel Krümmung und Streckung (sog. Funktionsaufnahmen). So kann der Arzt die Beweglichkeit der Wirbelsäule abschätzen. Aufnahmen im sogenannten schrägen Strahlengang geben Aufschluss über eine möglicherweise vorliegende abnorme Beweglichkeit der Wirbelkörper. Allerdings lassen sich so nur die Knochen (z.B. Wirbel) mit eventuellen verschleißbedingten Veränderungen erkennen.

Bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) oder Myelographie machen es möglich, das Rückenmark und die Nervenwurzeln darzustellen. Nur die beiden sogenannten Schnittbildverfahren Computertomographie und Magnetresonanztomographie machen das Rückenmark und die Nervenwurzeln direkt sichtbar. Eine zusätzliche Kontrastmittelgabe in die Vene erleichtert es dem Arzt bei diesen beiden Verfahren, einen Bandscheibenvorfall von entzündlich verändertem Gewebe oder einem Tumor abzugrenzen.

Bei der Myelographie füllt der Arzt mit einer Kanüle Röntgenkontrastmittel in den Rückenmarkssack (Duralsack). Dadurch kann er das darin liegende Rückenmark und die Nervenwurzeln als Kontrastmittelaussparungen indirekt im Röntgenbild erfassen. Im Gegensatz zu den Schnittbildverfahren kommt die Myelographie heute allerdings seltener zum Einsatz.

Video: Myelographie – was passiert dabei?

Behandlung

In den meisten Fällen erfolgt bei einem Bandscheibenvorfall zunächst eine konservative Behandlung, mit dem Ziel, die Schmerzen zu lindern. Im akuten Stadium sollte die Wirbelsäule ruhig gestellt und entlastet werden. Dazu kann der Arzt eine kurze Bettruhe (weniger als 48 Stunden) verordnen, kombiniert mit Schmerzmitteln und gegebenenfalls Muskelrelaxanzien (Medikamente zur Muskelentspannung).

Ebenfalls empfehlenswert sind

  • Wärme (etwa in Form von Rotlichtlampen oder Wärmekissen),
  • eine Stufenlagerung der Beine (dabei lagern die Unterschenkel im rechten Winkel zu den Oberschenkeln auf einer Ablage)
  • und isometrische Übungen der Nacken- und Rückenmuskeln (Anspannung der Muskeln, ohne dabei ihre Länge zu ändern, z.B. der Unterarmstütz).

Etwa ein bis zwei Wochen später, wenn der Schmerz nachgelassen hat, sollten die Betroffenen mithilfe von Bewegungstherapie und physiotherapeutische Übungen ihren Belastbarkeit stärken, die Rückenmuskulatur trainieren und langfristig auf eine rückenfreundliche Lebensweise umstellen.

Bandscheibenvorfall: Diese Übungen können helfen!

Bei einem akuten Bandscheibenvorfall ist es wichtig, den Rücken (oder besser gesagt den eingeklemmten Nerv) zu entlasten. Hierzu eignet sich die sogenannte Stufenbettlagerung – diese Übung lässt sich ganz einfach Zuhause durchführen. Dazu legt man sich flach auf den Rücken auf eine möglichst harte Matratze und lagert seine Unterschenkel im rechten Winkel auf ein dickes Kissen oder einen Würfel.

Haben die Schmerzen nach wenigen Tagen nachgelassen, sollten isometrische Übungen zur Stabilisierung und zur Stärkung der Rückenmuskulatur auf dem Programm stehen. Isometrisch bedeutet, dass bei diesen Übungen die Muskeln angespannt werden, aber nicht ihre Länge ändern. 

EIn typisches Beispiel hierfür ist der Unterarmstütz, sowohl vorlings als auch seitlich. 

Das Bild zeigt eine junge Frau im Unterarmstütz. © iStock

Der Unterarmstütz ist eine gute und einfache Übung für einen kräftigen Rumpf. Dies hilft, einem weiteren Bandscheibenvorfall vorzubeugen.

Das Bild zeigt eine junge Frau, die den seitlichen Unterarmstütz ausführt. © iStock

Für ein Training der seitlichen Rumpfmuskulatur eignet sich der Unterarmstütz auf der linken bzw. rechten Seite.

Für den Unterarmstütz vorlings legt man sich zunächst auf den Bauch. Aus dieser Position richtet man den Oberkörper auf, indem man sich auf die Unterarme abstützt. Die Ellenbogen befinden sich unter den Schultern. Jetzt auch die Beine vom Boden lösen. Den Bauch und Rücken fest anspannen und für einige Sekunden die Position halten. 

Der seitliche Unterarmstütz funktioniert ganz ähnlich. Zunächst nimmt man eine seitliche Position (am besten auf einer Trainingsmatte) ein. Dann stützt man sich auf einem Unterarm ab, sodass der Oberkörper und das Becken in der Luft schweben. Der Kopf ist gerade. Auch hier darauf achten, dass der Bauch und der Rücken fest angespannt sind. 

Schrittweise gehen diese Übungen in ein Muskeltrainingsprogramm im Rahmen einer Bewegungstherapie über. Auch regelmäßiger Sport wie Schwimmen oder Radfahren können dazu beitragen, einen erneuten Bandscheibenvorfall zu verhindern. 

Bandscheiben-OP: ja oder nein?

Nur etwa zwei von zehn Betroffene mit einem Bandscheibenvorfall müssen operiert werden. Eine OP ist nur dann notwendig, wenn Nerven geschädigt wurden oder wenn die Schmerzen auch nach mehrwöchiger konservativer Behandlung nicht nachlassen. In solchen Fällen entfernt der Arzt den vorgefallenen Teil der Bandscheibe. 

Bandscheibenvorfall: Wann ist eine Operation notwendig?

Eine Operation ist bei einem Bandscheibenvorfall in der Regel nur dann notwendig, wenn Nerven geschädigt wurden. Dann entfernt der Arzt den vorgefallenen Teil des Bandscheibenmaterials.

Operationsbedürftig sind zum Beispiel Bandscheibenvorfälle in der Lendenwirbelsäule bei denen die Nerven, welche die Blasen- und Darmentleerung steuern, in Mitleidenschaft gezogen werden. Bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule ist eine operative Behandlung nötig, wenn die Bandscheibe den Nervenkanal quetscht. Auch bei einem seitlichen (lateralen) Bandscheibenvorfall mit Lähmungserscheinungen ist eine Operation ratsam.

Lässt der Schmerz bei einem Bandscheibenvorfall auch nach mehrwöchiger konservativer Behandlung nicht nach oder treten immer wieder starke Beschwerden auf, ist eine Operation ebenfalls eine Therapie-Option. Nach einer Operation kann es unter anderem zu einem erneuten Bandscheibenvorfall oder zu wucherndem Narbengewebe kommen, das wiederum auf die Rückenmarksnerven drücken kann.

Grundsätzlich kann man bei Bandscheiben-OPs zwischen 

unterscheiden.

Minimalinvasive Verfahren, auch "Schlüssellochchirurgie" genannt, gewinnen hierbei eine zunehmende Bedeutung. Diese gewebeschonenderen Operationen können ambulant erfolgen.

Minimalinvasive Verfahren

Offene Operationen von Bandscheibenvorfällen sind mit Risiken und einem längeren Aufenthalt im Krankenhaus verbunden. Minimalinvasive Verfahren wurden entwickelt, um eine offene Operation mit ihren möglichen Nachteilen zu vermeiden. Sie lassen sich in der Regel ambulant unter lokaler Betäubung (Lokalanästhesie) durchführen oder erfordern nur einen sehr kurzen Krankenhausaufenthalt.

Besondere Röntgenverfahren steuern und überprüfen die therapeutischen Maßnahmen und das Therapieergebnis. Allerdings eignen sie sich nicht für alle Erkrankungstypen. Es kommen in erster Linie einfache und frische Bandscheibenvorwölbungen und Bandscheibenvorfälle ohne Abspaltung von Bandscheibenmaterial (Sequestrierung) infrage. Für bereits operierte Betroffene ist diese Methode nicht geeignet.

Auflösung des Bandscheibenkerns (Chemonukleolyse)

Bei der Auflösung des Bandscheibenkerns (Chemonukleolyse) führt der Operateur eine Kanüle in den betroffenen Raum zwischen zwei Wirbeln (Bandscheibenfach) vom Rücken her ein und spritzt ein Enzym (Chymopapain) hinein. Das Enzym verflüssigt den Gallertkern auf chemischem Wege – nach einer gewissen Wartezeit saugt der Arzt die verflüssigte Kernmasse über die Kanüle ab. Das Enzym darf nicht in die Umgebung der Bandscheibe gelangen – dieser Eingriff kommt also nur dann infrage, wenn sich kein Sequester gebildet hat – sich also kein Bandscheibengewebe abgelöst hat. Die Chemonukleolyse kommt bei einem Bandscheibenvorfall eher selten zum Einsatz.

Laserabtragung

Auch die Laserabtragung ist nur für unkomplizierte, frische Bandscheibenvorfälle geeignet. Sie beruht auf dem Prinzip der Volumenreduktion in der Bandscheibe. Der Arzt trägt dabei die Bandscheibe mit einem medizinischen Laser, der Licht im infraroten Bereich aussendet, ab. Dieses Licht gelangt über Glasfasertechnik ins Operationsfeld.

Bei der Laserabtragung sticht der Arzt eine Kanüle in den betroffenen Bereich zwischen den Wirbeln und kontrolliert die Lage der Kanülenspitze mittels Computertomographie. Durch die Kanüle führt er die Glasfaser des Lasers ein und verdampft den Gallertkern durch einzelne Lichtblitze. Indem er die Glasfaser bewegt, kann er langsam eine größere Bandscheibenfläche abtragen.

Der Eingriff findet unter lokaler Betäubung statt und dauert etwa 30 Minuten. Der Betroffene muss eine gewisse Beobachtungszeit einhalten und kann das Krankenhaus danach rasch wieder verlassen.

Entfernung von Bandscheibenmaterial durch die Haut (perkutane Nukleotomie)

Die perkutane Nukleotomie eignet sich bei unkomplizierten Bandscheibenvorfällen oder -vorwölbungen, die trotz konservativer Therapie weiter Beschwerden verursachen. Eine besonders gute Heilungschance haben dabei Personen, bei denen die Rückenschmerzen in die Beine ausstrahlen und bei denen sich die Beschwerden auf bestimmte Nerven zurückführen lassen. Ganz vorsichtig führt der Operateur dazu mithilfe einer Computertomographie eine Kanüle ein und schiebt diese bis ins Bandscheibenfach vor. Danach saugt er den Gallertkern durch die Haut hindurch mit einem Sauggerät teilweise ab. Der Eingriff dauert etwa 30 Minuten.

Offene Bandscheiben-OP

Bei einem komplizierten Bandscheibenvorfall, der bereits

  • eine oder mehrere Nervenwurzeln geschädigt hat,
  • über mehrere Wirbelzwischenräume verteilt ist
  • oder schon längere Zeit besteht,

kommt eine Behandlung mit minimalinvasiven Methoden nicht infrage.

In diesem Falle wählt der Arzt eine offene Bandscheiben-OP. Dabei entfernt er das zwischen den Wirbeln gelegene stabilisierende Band, um zu den betroffenen Nervenwurzeln vorzudringen. Unter Umständen ist es im Rahmen einer Bandscheiben-OP notwendig, Teile des unteren und oberen sogenannten Wirbelbogens abzutragen sowie Muskeln und Bänder teilweise abzulösen. Die vorgefallene Bandscheibe lässt sich dann ganz oder teilweise entfernen.

Wie bei vielen operativen Eingriffen entsteht bei einer Bandscheiben-OP an der behandelten Stelle Narbengewebe, das im ungünstigen Falle wuchern und zu erneuten Beschwerden führen kann. Unter Umständen ist dann eine weitere Operation notwendig, um das Narbengewebe zu entfernen

Anzeige

Verlauf

Bei einem Bandscheibenvorfall können sich die Beschwerden im Verlauf verschlimmern oder es können chronische Beschwerden zurückbleiben. Oftmals bleiben Bandscheibenvorfälle auch unbemerkt. In über 80 Prozent der Fälle hilft bereits eine konservative Behandlung – ein chirurgischer Eingriff ist in den meisten Fällen nicht nötig. Daher macht es stets Sinn, gründlich zu prüfen, ob eine Operation tatsächlich erforderlich ist.

Zu möglichen Komplikationen eines herkömmlichen operativen Verfahrens zählen Schädigungen an Nerven und Gefäßen, Entzündungen im Operationsbereich sowie allgemeine Wundheilungsstörungen und Nachblutungen.

Sowohl im Anschluss an eine konservative als auch an eine operative Therapie ist eine aktive Nachbehandlung mit

ratsam.

Zur Nachbehandlung eines Bandscheibenvorfalls sind in manchen Fällen auch Ergotherapie, eine psychologische und sozialmedizinische Beratung sinnvoll.

Vorbeugen

Einem Bandscheibenvorfall können Sie nicht direkt vorbeugen. Vielmehr sollten Sie mit einigen Maßnahmen Ihren Rücken stärken und so das Risiko für einen Bandscheibenvorfall verringern. Ein rückengerechter Alltag kann einem Bandscheibenvorfall bedingt vorbeugen.

Tipps zur Rückengesundheit:

  • Entlasten Sie Ihre Wirbelsäule durch gezieltes Rücken- und Bauchmuskeltraining.
  • Achten Sie auf Ihr Körpergewicht – Übergewicht belastet den Rücken und die Bandscheiben zusätzlich.
  • Heben Sie schwere Gegenstände nur aus hockender Position mit durchgestrecktem Rücken.
  • Sorgen Sie bei Tätigkeiten im Haushalt und im Berufsleben für eine aufrechte, entspannte Arbeitsposition.
  • Bei überwiegend sitzender Tätigkeit ist es sinnvoll, in kürzeren Abständen aufzustehen und umherzulaufen.
  • Eine ergonomische Gestaltung der Sitzgelegenheiten mit höhenverstellbaren Sitzflächen und -lehnen ist ebenfalls wichtig, um die Wirbelsäule zu schonen.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps)":

Linktipps:

www.diebandscheibe.de
Die Seite DieBandscheibe.de möchte Betroffenen ein Netzwerk bieten. Hier finden Sie Informationen zum Thema Bandscheibenvorfall, dessen Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten allgemein verständlich erklärt und mit viel Bildmaterial versehen.

Buchtipps:

Bandscheibenleiden Ihr Aktiv-Programm

http://i.onmeda.de/buch_bandscheibe_broetz.jpgDoris Brötz

143 Seiten TRIAS 2006

Ihr Aktivprogramm; Endlich wieder schmerzfrei - dauerhaft belastbar bleiben. Gezielt zu den richtigen Übungen.

Direkt bestellen bei Amazon (Anzeige)

Quellen:

Bandscheibenvorfall: Chirurgische Therapie. Online-Informationen der Neurologien und Psychiater im Netz: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de (Abruf: 24.3.2017)

Bandscheibenvorfall. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 12.3.2017)

Mayer, H., Heider, F.: Der lumbale Bandscheibenvorfall. Orthopädie und Unfallchirurgie up2date, Jg. 11, Nr. 6, S. 427-447 (2016)

I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. (DGOOC): Bandscheibenvorfälle mit radikulärer Symptomatik, konservative und rehabilitative Versorgung. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 033/048 (Stand: 31.7.2014)

Niethard, F.U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2009

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie. Bandscheibenbedingte Ischialgie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 033/022 (Stand: 1.4.2002)

Stand: 24. April 2017

Anzeige



Anzeige