Anämie (Blutarmut): Symptome, Ursachen & Behandlung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (02. Oktober 2017)

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Blasse Haut, Konzentrationsprobleme, Schwindel: Eine Anämie kann sich in vielerlei Symptomen äußern. Die häufigste Ursache ist ein Mangel an bestimmten Nährstoffen wie Eisen oder Folsäure. Doch auch größere Blutverluste und Erkrankungen wie Infekte und Nierenschäden können eine Anämie hervorrufen. Wie wird diese behandelt? Und wie kann man ihr vorbeugen?

Was ist Anämie (Blutarmut)?
Als Anämie bezeichnet man einen Mangel an rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin) und/oder roten Blutkörperchen (Erythrozyten).

Blut besteht etwa zur Hälfte aus Blutplasma (einer Flüssigkeit) und zur anderen Hälfte aus Zellen. Einen Großteil dieser Zellen machen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) aus: Sie transportieren Sauerstoff aus der Lunge zu Organen und Geweben. Gebunden ist der Sauerstoff dabei an Hämoglobin, den "roten Blutfarbstoff".

Da es Menschen mit Anämie an Erythrozyten und/oder Hämoglobin fehlt, wird ihr Körper nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Die Folge sind verschiedene Beschwerden. Dazu zählen

Anämie ist ein sehr häufiges Symptom verschiedenster Grunderkrankungen. Dabei ist die Eisenmangelanämie mit 80 Prozent aller Anämien die häufigste Form.

Vor allem Frauen sind betroffen. Über die Menstruation verlieren sie immer wieder Blut – etwa 60 Milliliter pro Monat. Dabei geht auch Eisen verloren, das in den Erythrozyten gebunden ist. In Europa betrifft die Eisenmangelanämie etwa 1 von 10 Frauen im gebärfähigen Alter, in Entwicklungsländern sogar 5 von 10.

Erfahren Sie in unserem Video zur Sichelzellenanämie mehr zur Erkrankung und welche Symptome damit einhergehen!

Anämie (Blutarmut): Ursachen

Eine Anämie entsteht, wenn:

  1. der Körper viel Blut verliert,
  2. nicht genügend Erythrozyten bilden kann,
  3. diese zerstört oder frühzeitig abgebaut werden oder
  4. diese nicht gleichmäßig im Körper verteilt sind.

1. Anämie durch Blutverlust

Bei Blutungen gehen naturgemäß auch Erythrozyten verloren. Sowohl plötzliche, als auch anhaltende Blutungen können zu einer Anämie führen:

  • Von einer akuten Blutungsanämie sprechen Mediziner, wenn ein Mensch mehr als einen Liter Blut (20 Prozent der Gesamtblutmenge) verliert, etwa bei einem schweren Unfall oder einer Operation.
  • Chronische Blutungen verursachen eine Anämie, wenn der Körper es nicht schafft, den Blutverlust durch eine gesteigerte Blutneubildung auszugleichen. Dieses Risiko besteht zum Beispiel bei einem Magengeschwür oder bei der Regelblutung bei Frauen. Eine chronische Blutungsanämie kann mit der Zeit zusätzlich zu einer Eisenmangelanämie führen.

2. Anämie durch gestörte Erythrozytenbildung

Rote Blutkörperchen leben nur etwa 120 Tage, danach baut der Körper sie ab. Das Knochenmark produziert jedoch laufend neue Blutkörperchen: 160 Millionen pro Minute. Bei der Anämie ist dieser Prozess gestört. Es gibt viele verschiedene Formen der Anämie:

  • Die renale Anämie entsteht, wenn die Nieren zu wenig Erythropoetin bilden. Dieser Botenstoff ist ein entscheidender Faktor bei der Blutbildung. Er vermittelt dem Knochenmark die Information, dass es Erythrozyten produzieren soll. Wenn die Nieren nicht mehr richtig funktionieren (etwa aufgrund eines chronischen Nierenversagens), können sie nicht ausreichend Erythropoetin bilden. Folglich stellt das Knochenmark zu wenig neue rote Blutkörperchen her.
  • Auch gewisse Autoimmunkrankheiten, Infekte und Krebserkrankungen können die Erythrozytenbildung behindern. Bildet der Körper über längere Zeiträume hinweg vermehrt Abwehrstoffe (sogenannte Zytokine), kann dies zum einen einen negativen Einfluss auf den Eisenstoffwechsel haben. Zum anderen hemmen Zytokine das Wachstum der Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen.
  • Die aplastische Anämie ist eine sehr seltene Erkrankung, bei der das Knochenmark zu wenig oder keine Blutzellen bildet. Manchen Menschen ist diese Form der Anämie angeboren. In diesem Fall sind bestimmte Veränderungen des Erbguts die Ursache. Häufiger entstehen aplastische Anämien jedoch durch bestimmte Virusinfekte (z. B. HIV, Hepatitis) und Medikamente.
  • Auch das sogenannte myelodysplastische Syndrom kann zu einer Anämie führen. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die die Blutstammzellen betrifft. Diese Vorläuferzellen entwickeln sich normalerweise zu roten Blutkörperchen und anderen Blutbestandteilen. Das myelodysplastische Syndrom führt zu einem Mangel an allen Blutzellen.
  • Die bekannteste und häufigste Form der Anämie ist jedoch die Mangelanämie. Denn zur Blutbildung benötigt der Körper gewisse Nährstoffe. Eine Mangelanämie entsteht, wenn es dem Körper an einem oder mehreren dieser Nährstoffe fehlt. Es gibt

Eisenmangelanämie

Die Eisenmangelanämie ist die häufigste Form der Blutarmut: Bei etwa 80 von 100 Menschen mit Anämie ist Eisenmangel die Ursache. Ein solcher Mangel kann entstehen, wenn

  • man zu wenige eisenhaltige Lebensmittel wie Fleisch, Fisch und Getreide zu sich nimmt.
  • man einen erhöhten Eisenbedarf hat (etwa in der Schwangerschaft oder im Wachstum).
  • man dauerhaft größere Mengen Blut verliert (z. B. bei der Monatsblutung, durch Hämorrhoiden oder Erkrankungen des Magens oder Darms).
  • der Körper das in der Nahrung enthaltene Eisen nicht aufnehmen kann. Dieses Risiko besteht etwa bei Menschen, deren Darm chronisch entzündet ist (z. B. durch Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) oder teilweise entfernt wurde.

In tropischen und subtropischen Ländern wie Indonesien oder dem Nahen Osten treten Eisenmangelanämien ferner als Folge von Infektionen mit dem Hakenwurm auf. Dieser Parasit heftet sich an die Darmwand und saugt dort Blut, etwa 20 bis 30 Mikroliter pro Tag. In Deutschland ist der Wurm aber nicht heimisch.

3. Hämolytische Anämie

Wenn der Körper mehr Blutkörperchen abbaut als bildet, ist die Folge eine sogenannte hämolytische Anämie (griech. haíma = Blut, lýsis = Auflösung). Zur Zerstörung roter Blutkörperchen kommt es etwa aufgrund:

  • einer Sichelzellenanämie, Thalassämie (sog. Mittelmeeranämie): Fehler in der Erbinformation bewirken, dass der Körper sichelförmig verformte rote Blutkörperchen bildet. Diese sind nicht so elastisch wie normal geformte Blutkörperchen und zerplatzen daher schneller.
  • von Autoimmunerkrankungen: Körpereigene Antikörper richten sich gegen die roten Blutkörperchen und zerstören diese.
  • Vergiftungen durch Schwermetalle (z. B. Blei oder Kupfer): Schwermetalle hemmen wichtige Enzyme der Blutbildung bzw. zerstören die Erythrozyten direkt.
  • Infektionen (z. B. Malaria): Die Erreger der Malaria vermehren sich in den roten Blutkörperchen und zerstören diese letztendlich.
  • mechanischer Schädigungen, z. B. durch künstliche Herzklappen.

4. Anämie durch gestörte Erythrozytenverteilung

Eine Anämie kann ihre Ursachen auch darin haben, dass die roten Blutkörperchen nicht gleichmäßig im Körper verteilt sind.

Dazu kann es kommen, wenn die Milz krankhaft vergrößert ist, wie es etwa beim sogenannten Hyperspleniesyndrom der Fall ist. Die Milz hat unter anderem die Aufgabe, alte Erythrozyten abzubauen. Dazu filtert sie das gesamte Blut und hält alte oder fehlgeformte Erythrozyten zurück. Ist die Milz zu groß, sammelt sie mehr Erythrozyten in sich und baut zu viele von ihnen ab.

Anämie (Blutarmut): Symptome

Blutarmut äußert sich in der Regel in:

  • Blässe (besonders gut an der Farbe der Schleimhäute, z. B. an der Innenseite des Augenlids sichtbar),

Bei stark ausgeprägter Anämie, versucht der Körper den Sauerstoffmangel auszugleichen, in dem er das Blut schneller durch die Gefäße pumpt – der Puls steigt und man empfindet Herzrasen. Im schlimmsten Fall droht eine Ohnmacht.

    Symptome bei Eisenmangel

    Die häufigste Form der Anämie, der Eisenmangelanämie, verursacht zudem häufig:

    Je nach Grunderkrankung, die die Anämie verursacht, können weitere Symptome dazu kommen.

    Anämie (Blutarmut): Wie stellt der Arzt sie fest?

    Um festzustellen, ob der Patient eine Anämie hat, schaut der Arzt ihn sich zunächst aufmerksam an: Eine blasse Haut und schlecht durchblutete Schleimhäute deuten häufig auf eine Anämie hin.

    Zudem wird der Arzt dem Patienten eine Reihe von Fragen stellen, zum Beispiel:

    • Nehmen Sie Medikamente? (Bestimmte Medikamente, u.a. Acetylsalicylsäure, Gerinnungshemmer, Antibiotika oder Magensäureblocker, können eine Anämie begünstigen.)
    • Wie ernähren Sie sich (Vegetarier / Veganer?)
    • Sind Sie schwanger oder stillen Sie? (Schwangere und stillende Mütter haben einen größeren Eisenbedarf und leiden eher unter Blutarmut.)
    • Wie stark ist Ihre Menstruation?
    • Sind Nierenschäden bekannt? (Der Mangel an Erythropoetin – ein Wachstumsfaktor für die Blutbildung – kann eine Anämie bedingen.)
    • Waren Sie in der letzten Zeit auf einer Fernreise? (Bestimmte Infekte oder Parasiten können zu einer Anämie führen.)

    Um eine Diagnose zu stellen, muss der Arzt zunächst ein Blutbild erstellen. Dazu nimmt er dem Patienten Blut ab und ermittelt

    • die Menge des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin, kurz Hb) im Blut,
    • die Zahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sowie
    • den prozentualen Anteil der festen Blutbestandteile (Hämatokrit) am gesamten Blut.

    Blutwerte bei Anämie

    Frauen Männer
    Hämoglobin
    (Blutfarbstoff)
    weniger als 12 Gramm pro Deziliter weniger als 13 Gramm pro Deziliter
    Erythrozyten
    (rote Blutkörperchen)
    weniger als 4,1 Millionen pro Mikroliter Blut weniger als 4,6 Millionen pro Mikroliter Blut
    Hämatokrit
    (feste Blutbestandteile)
    Blut besteht zu weniger als 38 Prozent aus Hämatokrit Blut besteht zu weniger als 42 Prozent aus Hämatokrit

    Wenn der Arzt den Verdacht hat, dass eine Erkrankung der Nieren, der Milz oder des Knochenmarks die Ursache der Anämie sind, wird er diese Organe ebenfalls untersuchen.

    Blutuntersuchung bei Eisenmangel

    Die häufigste Form der Anämie ist die Eisenmangelanämie. Um diese festzustellen, sind vor allem folgende Laborwerte entscheidend:

    • Blutfarbstoff Hämoglobin (Hb): Niedrige Hb-Werte deuten auf eine verringerte Zahl roter Blutkörperchen und somit auf eine Anämie hin.
    • MCV steht für "Mean Corpuscular Volume", also "mittleres Zellvolumen". Bei Eisenmangel sind die roten Blutzellen in der Regel kleiner als gewöhnlich.
    • MCH gibt an, wie viel Hämoglobin eine rote Blutzelle im Mittel bindet. Erniedrigte Werte deuten auf einen Eisenmangel hin, erhöhte auf einen Folsäure- oder Vitamin-B12 -Mangel.
    • RDW, steht für "Red Cell Distribution Width", also "Erythrozyten-Verteilungsbreite" (EVB). Anhand dieses Wertes kann der Arzt erkennen, ob die roten Blutkörperchen gleich groß sind oder nicht. Ein erhöhter RDW-Wert zeigt, dass viele unterschiedlich große rote Blutkörperchen vorhanden sind. Das ist ein Zeichen für Eisenmangelanämie.
    • Ferritin: Mit diesem Eiweiß speichert der Körper Eisen. Hat ein Mensch zu wenig Eisen im Blut, sinkt auch sein Ferritin-Wert. Allerdings spricht ein hoher Ferritin-Wert nicht zwangsläufig gegen einen Eisenmangel. Denn chronische Leberkrankheiten und Entzündungen können den Ferritin-Wert trotz Eisenmangel steigen lassen. Um eine Entzündung auszuschließen, misst der Arzt deshalb zudem den CRP-Wert.
    • CRP: Die Abkürzung steht für C-reaktives Protein. Ein erhöhter CRP-Wert deutet darauf hin, dass im Körper eine akute oder chronische Entzündung besteht. Im Zusammenhang mit der Eisenmangelanämie dient der CRP-Wert dazu, den Ferritin-Wert richtig zu deuten.
    • Transferrin: Transferrin dient dazu, Eisen durchs Blut zu transportieren. Bei Eisenmangel steigt der Anteil "alleinstehender" Transferrinteilchen im Blut.
    • sTfR: Die Abkürzung steht für "soluble transferrin receptors", also "löslicher Transferrinrezeptor". Zellen haben auf ihrer Oberfläche sogenannte Transferrinrezeptoren, mit denen sie Eisen (bzw. Transferrin) aufnehmen können. Mangelt es dem Körper an Eisen, bilden die Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen mehr von diesen Rezeptoren, um vom wenigen verfügbaren Eisen "mehr abzubekommen". Dies führt zu einer erhöhten Menge von Transferrinrezeptoren im Blut, die der Arzt mithilfe des sTfR-Werts ermitteln kann.

    Anhand der Laborwerte kann der Arzt nicht nur erkennen, ob es dem Patienten an Eisen fehlt, sondern auch welche Form des Eisenmangels besteht. Bekannt sind drei verschiedene Formen des Eisenmangels:

    1. Speichereisenmangel: Der Eisengehalt im Knochenmark und bestimmte Speicherformen des Eisens (sog. Serum-Ferritin-Wert) sind erniedrigt. Der Mangel wirkt sich aber noch nicht auf die Körperfunktionen aus. (Laborwerte: Ferritin vermindert, Hb, MCV und MCH normal)
    2. Eisenmangel mit vermindertem Gesamtkörpereisen: Die Eisenspeicher reichen nicht aus, um ausreichende Mengen roter Blutkörperchen zu bilden (Laborwerte: Hb, Ferritin vermindert, sTfR erhöht)
    3. Eisenmangel mit normalem oder erhöhtem Gesamtkörpereisen: Die Eisenspeicher sind gefüllt, stehen jedoch aufgrund einer Erkrankung nicht für die Bildung neuer roter Blutkörperchen zur Verfügung. (Laborwerte: Hb erniedrigt, Ferritin normal oder erhöht, sTfR nicht erhöht, CRP erhöht)

    Stellt der Arzt eine Anämie fest, wird er anschließend nach deren Ursache suchen. Dazu können weitere Untersuchungen erforderlich sein, zum Beispiel:

    Anämie (Blutarmut): So wird sie behandelt

    Die Therapie der Anämie hängt von der Ursache ab. In den meisten Fällen ist die Ursache ein Eisenmangel. Dieser wird wiederum meist durch Blutungen hervorgerufen. Deshalb wird der Arzt zunächst nach möglichen Blutungsquellen (z. B. ein Magengeschwür) suchen und versuchen, diese zu beseitigen.

    Mangelt es dem Patienten an Eisen, weil er sich einseitig ernährt hat, sollte er seinen Speiseplan auf seinen Eisenbedarf abstimmen.

    • Frauen im gebärfähigen Alter benötigen 15 mg Eisen am Tag, Schwangere 30 mg und Stillende 20 mg. Frauen nach den Wechseljahren brauchen nur noch 10 mg Eisen am Tag
    • Männer sollten täglich 10 mg Eisen zu sich nehmen.

    Fleisch, Fisch und Getreide, aber auch grüne Gemüsesorten und Pilze enthalten viel Eisen. Vitamin C hilft dem Körper, Eisen aufzunehmen.

    Reicht eine Umstellung der Ernährung nicht aus, kann es sinnvoll sein, dass der Patient Eisenpräparate (Eisen(II)-sulfat, 2 bis 6 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag) zu sich nimmt. Er sollte die Präparate nüchtern und nicht zusammen mit Milch, Tee oder Kaffee einnehmen.

    Die Therapie dauert in der Regel drei bis sechs Monate – nach dieser Zeit sind die Eisenspeicher des Körpers wieder gefüllt. Bei starker Eisenmangelanämie kann eine intravenöse Gabe des Eisens sinnvoll sein, bei der das Eisen über eine Vene verabreicht wird.

    Hinweis: Nehmen Sie keine Eisenpräparate ein, solange die Ursache der Anämie nicht geklärt ist. Liegt kein Eisenmangel zugrunde, kann der Körper bei einer Eisensubstitution mit Eisen überladen werden: Organschäden und Hautverfärbungen sind die Folge. Bewahren Sie eisenhaltige Mittel daher auch vor Kindern geschützt auf – durch zufälliges Verschlucken von Eisentabletten können sich Kindern vergiften.

    Auch andere Erkrankungen, die zu einer Anämie führen, lassen sich behandeln:

    • Liegt ein Folsäuremangel vor, empfiehlt sich der vermehrte Verzehr von grünem Blattgemüse, Leber, Nüssen und Vollkornprodukten. Diese enthalten viel Folsäure und können dem Mangel entgegen wirken. Sollte eine Ernährungsumstellung nicht ausreichen, kann der Arzt zu Folsäurepräparaten raten. Wichtig: Vor allem vor und während einer Schwangerschaft sollte auf den Folsäurespiegel geachtet werden – bei Folsäuremangel kann es bei Neugeborenen zu körperlichen Fehlbildungen (sog. Spina bifida) kommen.
    • Ist ein Vitamin-B12-Mangel die Ursache der Anämie, hilft es, regelmäßig tierische Produkte wie Fisch, Milch und Eier zu verzehren. Zudem kann der Arzt dem Patienten Vitamin B12 in Form von Hydroxocobalamin spritzen. Es gibt auch ein Cyanocobalamin, ein synthetisches Alternativpräparat, das der Körper jedoch nicht so gut speichern kann wie Hydroxocobalamin.
    • Patienten, die aufgrund eines Nierenschadens eine renale Anämie entwickelt haben, bekommen in der Regel Erythropoetin verabreicht.

    Generell gilt für die Therapie der Anämie: Keine Behandlung in Eigenregie. Ein Arzt sollte vor Beginn der Therapie immer genau klären, welche Ursache die Anämie hat und die richtige Strategie auswählen.

    Anämie (Blutarmut): Verlauf

    Der Verlauf der Anämie hängt von der Ursache ab. Die häufigste Form, die Eisenmangelanämie, lässt sich im Allgemeinen gut behandeln. Ohne Behandlung kann es im Laufe der Jahre zu einer Reihe von Komplikationen kommen:

    • Die Betroffenen sind anfälliger für Infektionen.
    • Sie können nicht mehr so viel leisten, sind müde und antriebslos.
    • Kinder mit Eisenmangel entwickeln sich geistig und körperlich verzögert.
    • Tod- und Fehlgeburten können die Folge eines Eisenmangels sein.

    Anämie (Blutarmut): Vorbeugen

    Nicht jede Anämie lässt sich verhindern. Doch eine gesunde und ausgewogene Ernährung hilft, bestimmten Mangelanämien vorzubeugen. Wichtig ist, dass man täglich ausreichend Eisen, Folsäure und Vitamin B12 zu sich nimmt.

    Für bestimmte Risikogruppen (Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von unter 2500 Gramm, Schwangere) kann es zudem sinnvoll sein, Eisenpräparate vorsorglich einzunehmen. Zuvor sollten sie sich dazu jedoch den Rat ihres Arztes einholen.

    Weitere Informationen

    ICD-10-Diagnoseschlüssel:

    Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Anämie (Blutarmut), Eisenmangelanämie":


    Onmeda-Lesetipps:

    Quellen:

    Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2017)

    Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2017

    Starke Regelblutung. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 5.4.2017)

    Baenkler, H.-W., Goldschmidt, H., Hahn, J.-M., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2015

    Hof, H., Dörries, R.: Duale Reihe. Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014

    Leitlinie der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie: Eisenmangelanämie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 025/021 (Stand: 13.2.2016)

    Greten, H., et al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2010

    Aktualisiert am: 29. September 2017

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