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ADHS

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (22. Mai 2017)

© Jupiterimages/Zoonar

Typisch für ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) bzw. ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) sind Unkonzentriertheit und impulsives Verhalten. Es handelt sich um eine Aufmerksamkeitsstörung, die Kinder und Erwachsene betreffen kann. Ärzte bezeichnen ADHS auch als hyperkinetische Störung (HKS).

Etwa drei bis sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben ADHS – das sind über 500.000. Jungen sind deutlich häufiger betroffen als Mädchen. Damit ist ADHS die häufigste psychiatrische Diagnose bei Kindern und Jugendlichen. Die Beschwerden können vom Vorschul- bis ins Erwachsenenalter auftreten. Etwa drei von hundert Erwachsenen in Deutschland haben ADHS.

Was ist ADHS?
Die Abkürzungen ADHS oder ADS stehen für

  • das sogenannte Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) beziehungsweise
  • das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) ohne Überaktivität
    Beide Syndrome zeichnen sich durch eine besonders starke
    Aufmerksamkeitsstörung aus. Weitere, zum Teil veraltete Bezeichnungen für das gleiche Krankheitsbild sind unter anderem "frühkindliche leichte Hirnschädigung", "hyperkinetische Störung", "hyperkinetisches Syndrom (HKS) " oder umgangssprachlich auch "Zappelphilipp-Syndrom".

Menschen mit ADHS können sich nur schwer konzentrieren, sind einfach abzulenken und reagieren impulsiv. Je nach Krankheitsausprägung unterteilen Ärzte ADHS in verschiedene Typen:

  • vorwiegend hyperaktiv-impulsives Erscheinungsbild, bei dem Hyperaktivität überwiegt
  • vorwiegend unaufmerksames Erscheinungsbild, bei dem die Aufmerksamkeitsdefizite dominieren
  • kombinierter Untertyp, bei dem Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefizite gleichermaßen vorhanden sind

ADHS wurde im Jahr 1845 das erste Mal von dem Frankfurter Nervenarzt Heinrich Hoffmann in dem Buch "Der Struwwelpeter" literarisch dargestellt: So werden hyperaktive Kinder auch heute noch sprichwörtlich als "Zappelphilipp" bezeichnet. Aber erst im Jahr 1987 erhielt die Erkrankung ihre heute noch gültige medizinische Bezeichnung Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS).

Bei bis zu 60 Prozent der Patienten, bei denen im Kindes- oder Jugendalter ADHS festgestellt wurde, bleiben die Symptome auch im Erwachsenenalter bestehen. Mit der richtigen Behandlung bekommen Betroffene ihre Beschwerden aber meist in den Griff und können ein weitgehend normales Leben führen.

Häufigkeit

Forscher nehmen an, dass in Deutschland etwa drei bis sechs von hundert Kindern und Jugendlichen an ADHS erkranken. Aber auch zahlreiche Erwachsene haben ADHS: In Deutschland sind es etwa drei von hundert. Jungen sind zwei- bis viermal so häufig von ADHS betroffen wie Mädchen. 

Die Zahl an ADHS-Diagnosen ist in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen. Kritiker hinterfragen diese Zahlen und diskutieren, ob es sich nicht vielfach um Fehldiagnosen handelt: "Unbequeme" und "chaotische", lebhafte Kinder bekämen mit einer falschen Diagnose Medikamente verschrieben, die sie ruhig stellen sollen. Nicht jedes Kind, das unkonzentriert, lebhaft und laut ist, leidet auch an ADHS. Die Übergänge zwischen lebhaftem Verhalten zu ADHS sind fließend und für den Laien schwer einzuschätzen.

ADHS: Mischung aus einzelnen Ursachen

Die genauen Ursachen sind aber nach wie vor ungeklärt. Aktuell werden in der Forschung drei Hauptauslöser für das Entstehen der Störung verantwortlich gemacht:

Wissenschaftliche Forschungsergebnisse legen nahe, dass ADHS mit einer gestörten Signalübermittlung im Gehirn einhergeht. Es gibt aber vermutlich nicht die einen Ursache. Vielmehr ist es ein Zusammenspiel aus diesen neurobiologischen und psychosozialen Faktoren.

Video: ADHS

Eine genetische Veranlagung bewirkt, dass die Übertragung der Nervensignale gestört ist. Der Signalbotenstoff (Neurotransmitter) Dopamin ist bei ADHS-Betroffenen in geringerer Konzentration im Gehirn vorhanden als bei anderen Menschen. Dadurch ist der Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen beeinträchtigt, und Reize können nicht richtig verarbeitet werden. Den Betroffenen fällt es deshalb schwer, sich zu konzentrieren.

Häufig haben auch Geschwister, Eltern oder andere nahe Verwandte ADHS, wenngleich in unterschiedlichem Ausmaß: Leidet ein Elternteil an ADHS, liegt das Erkrankungsrisiko für Kinder bei 20 bis 40 Prozent. Vermutlich sind mehrere Gene an der Krankheitsentstehung beteiligt.

Die erworbenen Auslöser – zum Beispiel wenn die Mutter während der Schwangerschaft geraucht, Alkohol oder Drogen konsumiert hat – sind vermutlich nicht die alleinigen ADHS-Ursachen. Wahrscheinlich begünstigen sie aber, dass ADHS entsteht, wenn eine genetische Veranlagung vorliegt.

Auch die psychosozialen Faktoren sind keine alleinige Ursache. Das Lebensumfeld, in dem die von ADHS betroffenen Kinder aufwachsen, kann in Kombination mit entsprechenden Erbanlagen das Risiko verstärken oder abschwächen. Diskutiert wird zum Beispiel, ob die äußeren Lebensumstände und einschneidende Erlebnisse – etwa die Trennung der Eltern, ein traumatisches Erlebnis oder fehlende emotionale Zuwendung – die Entstehung von ADHS begünstigen können.

Weitere mögliche Ursachen von ADHS könnten bestimmte Veränderungen im Gehirn-Stoffwechsel der Betroffenen: So scheinen die verantwortlichen Überträgerstoffe (Neurotransmitter), vor allem Dopamin, im Bereich der Schaltstellen von Hirnzellen (Synapsen) nicht optimal zu wirken. Forscher haben mithilfe von PET-Untersuchungen (Positronen-Emissions-Tomographie) nachgewiesen, dass diese Hirnareale außerdem weniger Glukose verbrauchen als die von gesunden Kindern. Außerdem stellten Wissenschaftler fest, dass Personen mit ADHS ein kleineres Gehirnvolumen haben, vor allem der Hirnvorderlappen (Frontalhirn) ist verkleinert.

Dass Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten die ADHS-Symptome beeinflussen oder ihre Ursache sind, ist bislang nicht wissenschaftlich bewiesen.

ADHS: Typische Symptome

Die wichtigsten ADHS-Symptome sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) ruft die gleichen Symptome hervor – allerdings ohne die Hyperaktivität.

Typische ADHS-Symptome sind:

  • Konzentrationsschwäche
  • leichte Ablenkbarkeit
  • starke Impulsivität, z.B. in Form von Wutausbrüchen
  • Vergesslichkeit
  • langsame Reaktionen
  • motorische Schwierigkeiten, z.B. im Kleinkinderalter beim Essen mit Besteck oder in der Grundschule beim Schreibenlernen,
  • emotionale Instabilität, z.B. als Stimmungsschwankungen
  • Leistungsschwächen, wie Lese- oder Rechtschreibschwäche

Die Symptome treten typischerweise bereits vor dem sechsten Lebensjahr auf. Den Gipfel der Erkrankung erreichen die Symptome zumeist zwischen dem siebten und elften Lebensjahr. Bei Säuglingen kann sich ADHS beziehungsweise ADS bereits durch Symptome wie Schlafprobleme, Unruhe und Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme sowie der Verdauung bemerkbar machen. Außerdem schreien sie häufig und sind oft gereizt.

ADHS-Kind tobt auf der Couch vor dem Fernseher © Jupiterimages/iStockphoto

Noch normal oder schon ADHS? Nicht jedes lebhafte Kind ist gleich krank

Kleinkinder mit ADHS sind meist hyperaktiv und unberechenbar in ihrem Verhalten. Es fällt ihnen schwer, beständige Freundschaften aufzubauen. Manche bekommen heftige Wutausbrüche. Motorisch bleiben sie in der Entwicklung oft hinter Gleichaltrigen zurück, sie haben zum Beispiel Schwierigkeiten, mit Besteck zu essen. Im Kindergarten verschlimmern sich die ADHS-Symptome häufig zusätzlich, weil die Kinder auf einmal mehr Reizen ausgesetzt sind.

Im Grundschulalter wird die Aufmerksamkeitsstörung dann spätestens offensichtlich: ADHS-Kinder sind weniger aufnahmefähig als andere Kinder, zeigen häufig eine Lese-Rechtschreib- und Rechenschwäche, sie stören den Unterricht, sind unausgeglichen, wirken ungeschickt und sind mitunter aggressiv. Aufgrund ihrer Unberechenbarkeit meiden die Mitschüler ADHS-Kinder häufig. Sie leiden deshalb oft unter einem geringen Selbstwertgefühl.

Beginnt die Pubertät, können ADHS-Betroffene als trotzig, ängstlich, depressiv oder aggressiv auffallen. Ihnen macht häufig ihr mangelndes Selbstbewusstsein zu schaffen. Manche suchen Zuflucht in Alkohol und anderen Drogen. Viele fallen durch riskantes Verhalten auf, zum Beispiel während des Autofahrens, sodass sie häufiger in Autounfälle verwickelt sind.

Typische begleitende Symptome von ADHS beziehungsweise von ADS sind

ADHS: Diagnose

Die Diagnose ADHS kann der Arzt meist schon durch die Beobachtung und Befragung des Betroffenen stellen; Gewissheit erhält er über Zusatzinformationen wichtiger Vertrauenspersonen wie Eltern, Erzieher und Lehrer sowie durch eine körperliche Untersuchung und neuropsychologische Tests.

Interessant für die Diagnose ist vor allem, die Lebensgeschichte des Kindes, Jugendlichen oder Erwachsenen zu beleuchten. Er achtet dabei auf Anzeichen für eine Aufmerksamkeitsstörung wie zum Beipiel Konzentrationsschwächen. Konkret kann dies etwa bedeuten, dass sich das Kind leicht ablenken lässt. Weitere wichtige Diagnosekriterien sind Hyperaktivität und Impulsivität. Eine ADHS-Diagnose sollte der Arzt aber nur stellen, wenn die Symptome deutlich ausgeprägt sind und über einen längeren Zeitraum von mindestens sechs Monaten bestehen. Hilfreich sind die Aussagen von wichtigen Vertrauenspersonen wie den Eltern oder Lehrern unter anderem

  • zur Familiensituation
  • zum Sozial- und Leistungsverhalten
  • zu Erkrankungen in der Familie
  • zu Komplikationen in der Schwangerschaft

Um bei ADHS die Diagnose zu sichern, haben sich ergänzend psychologische Testverfahren bewährt (z.B. Aufmerksamkeitstests, IQ-Fragebögen).

Einen speziellen ADHS-Test (bzw. ADS-Test) gibt es nicht. Es gibt jedoch verschiedene Selbstbeurteilungsbögen, die einen Hinweis darauf geben können, ob eine ADHS vorliegt. Diese Checklisten werden umgangssprachlich manchmal als ADHS-Test oder ADS-Test bezeichnet.

Neben einer allgemeinen körperlichen Untersuchung wird der Arzt den Betroffenen auf neurologische Auffälligkeiten untersuchen. Bestimmte neurologische und psychische Erkrankungen können mit einem ähnlichen Krankheitsbild verlaufen: Auszuschließen sind beispielsweise:

Gegebenenfalls ist auch eine Verhaltensbeobachtung durch einen Psychologen ratsam, um die Diagnose zu sichern.

ADHS: Behandlung - Medikamente und Verhaltenstherapie

Nicht in jedem Fall muss bei ADHS (Aufmerksamkeitsstörung) sofort eine Therapie begonnen werden. Wichtig ist für die Eltern, sich mit den behandelnden Ärzten/Kinderärzten und Psychologen eingehend über die Schwere und das Ausmaß der Störung zu beraten. Eine Behandlung ist spätestens dann nötig, wenn die ADHS zu ausgeprägten psychischen und sozialen Beeinträchtigungen führt. Einen genauen Zeitpunkt für den Therapiebeginn gibt es nicht. Er richtet sich immer nach den individuellen Symptomen.

Das Ziel einer ADHS-Therapie ist es, die Symptome wie Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität in den Griff zu bekommen. Eine Behandlung soll dem Betroffenen ermöglichen, sich sozial zu integrieren, der eigenen Begabung entsprechend eine Ausbildung zu beenden und ein stabiles Selbstwertgefühl zu entwickeln. Vor alem soll die Therapie also vermeiden, dass die Kinder und Jugendlichen mit ADHS zu Schulversagern oder Außenseitern werden. Eine Heilung ist allerdings nicht möglich.

Jugendliches Mädchen bei der Pschotherapie © iStock

Psychotherapie: In der Verhaltenstherapie lernen jugendliche ADHS-Patienten den Umgang mit ihrer Krankheit

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ADHS zu behandeln. Experten empfehlen die multimodale ADHS-Therapie, das heißt eine individuell ausgewogene Kombination aus der Aufklärung über die Erkrankung und mögliche Bewältigungsstrategien, einer Verhaltenstherapie und einer medikamentösen Behandlung. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Aufklärung über ADHS und Beratung des Betroffenen, seiner Familie und der Erzieher beziehungsweise Klassenlehrer
  • Elterntraining
  • Verhaltenstherapie, bei der neue Verhaltensstrategien erlernt werden sollen und Strukturen sowie Grenzen festgelegt werden
  • Psychotherapie, v.a. wenn gleichzeitig Symptome wie Angststörung, Abhängigkeit oder Depression auftreten
  • Medikamente
  • zusätzlich regelmäßige sportliche Aktivitäten (z.B. Reiten, Klettern, Judo oder Ähnliches)

Als hilfreich hat sich das sogenannte Kombinationstraining in der ADHS-Therapie erwiesen. Dabei beteiligen sich nicht nur die betroffenen Kinder, sondern auch Eltern und Lehrer an den Therapie-Aktivitäten. Die Betroffenen lernen beim Kombinationstraining vor allem, regelmäßige und verlässliche Tagesabläufe einzuhalten.

Verhaltenstherapie

Eine wichtige Rolle bei der ADHS-Behandlung spielt die Verhaltenstherapie, ein Teilbereich der Psychotherapie. Dabei lernen ADHS-Betroffene, sich selbst besser zu kontrollieren und sich "richtig" zu verhalten. Außerdem vermittelt die Verhaltenstherapie, wie sie im Alltag mit den Symptomen umgehen können. Ziel ist es, die Aufmerksamkeitsstörung im Tagesablauf möglichst gut zu bewältigen und ein weitgehend normales Leben zu ermöglichen. Ein weiterer Bestandteil der Verhaltenstherapie können zum Beispiel physiotherapeutische Verfahren zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten sein. Die Verhaltenstherapie ist in der Regel ambulant möglich und dauert mehrere Monate.

ADHS: Medikamentöse Behandlung

Ein wichtiger Bestandteil der multimodalen Therapie bei ADHS können auch Medikamente sein. Der Arzt verschreibt sie in ausgeprägten Fällen – zum Beispiel, wenn starke psychosoziale Einschränkungen, vor allem im schulischen Bereich, auftreten. Die Medikamente hemmen die Hyperaktivität des betroffenen Kindes so weit, dass es aufmerksamer ist und die Motivation, Leistung zu erbringen, steigt. Außerdem fällt es den Kindern und Jugendlichen damit leichter, sich selbst zu kontrollieren. Ziel der medikamentösen Therapie ist es, soziale Ausgrenzung zu vermeiden und weitere, nicht-medikamentöse Therapien (z.B. Logopädie, Ergotherapie) erst zu ermöglichen.

Die in vielen Fällen eingesetzten Psychostimulanzien Methylphenidat und Amphetamine wirken im Bereich der Synapsen, das heißt der Nervenenden, an denen die Signale übertragen werden. Die Substanzen verlängern dort die Wirkdauer der Nerven-Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin und stellen dadurch das bei ADHS gestörte Gleichgewicht wieder her. Auf die Therapie mit diesen Psychostimulanzien sprechen etwa 85 Prozent der ADHS-Betroffenen an.

Alternativ zu dieser Wirkstoffgruppe können Ärzte sogenannte selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRA) wie Atomoxetin zur Behandlung von ADHS verschreiben. Diese Substanzen nehmen direkten Einfluss auf den Neurotransmitter Noradrenalin: Sie hemmen die Wiederaufnahme von Noradrenalin in die Zellen, sodass die Konzentration des Botenstoffs zwischen den Nervenenden (im sog. synaptischen Spalt) steigt. Zur Behandlung von ADHS sind in Deutschland vier Wirkstoffe zugelassen:

  • Atomoxetin

Mögliche Nebenwirkungen der Stimulanzien sind zum Beispiel fehlender Appetit, Schlafstörungen, Weinerlichkeit, Kopf- oder Bauchschmerzen. Bei Methylphenidat setzt die Wirkung früher ein als bei Amphetamin, je nach Verabreichungsform (sog. Retardkapseln geben den Wirkstoff nach und nach ab) ist es auch länger wirksam.

Gestresster Mann mit ADHS-Diagnose greift mit den Händen an die Schläfen © iStock

ADHS bei Erwachsenen: Ruhe bewahren im Chaos der Gedanken fällt schwer.

ADHS: Verlauf - ADHS bei Erwachsenen

ADHS kann einen sehr unterschiedlichen Verlauf nehmen. Bei Personen mit ADHS ist eine konsequente, regelmäßige und langfristige angemessene Behandlung und Betreuung wichtig.

Manchmal ist eine Behandlung von ADHS nur über wenige Jahre, bei einigen Menschen auch lebenslang erforderlich. Ziel ist es, ein normales Leben mit guten sozialen Kontakten und einer qualifizierten Ausbildung und damit eine gute Lebensqualität zu erreichen.

ADHS ist eine häufige und ernstzunehmende Erkrankung, bei der im Verlauf ohne Behandlung anhaltende Persönlichkeitsauffälligkeiten auftreten können.

ADHS bei Erwachsenen

Bis zu 60 Prozent der Kinder mit ADHS haben auch als Erwachsene noch Symptome. Allerdings verändern sich die Symptome meist. ADHS bei Erwachsenen zeigt sich zwar ebenfalls durch Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität – diese Symptome äußern sich jedoch anders als bei Kindern. Dies zeigt sich zum Beispiel bei der Hyperaktivität: Kinder mit ADHS gelten als "Zappelphilip". ADHS-betroffene Erwachsene haben dagegen oft gelernt, mit diesen Symptomen umzugehen, sie verspüren eher eine innere Unruhe oder fühlen sich getrieben.

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Bleibt die Krankheit bis ins Erwachsenenalter bestehen und wurde bis dahin nicht behandelt, zeigen sich die Auswirkungen in typischen Lebensläufen vieler Betroffener: schlechte Schulleistungen, abgebrochene Ausbildungen, Probleme im Job. Sie haben häufig Schwierigkeiten, sich selbst und ihren Alltag zu organisieren – mit den entsprechenden Konsequenzen für das Privat- und Berufsleben. Ein stabiles Selbstbild konnte sich in der Regel nicht entwickeln. Symptome wie schnelle Erschöpfbarkeit und Lustlosigkeit gehen in vielen Fällen mit Begleiterkrankungen wie Depressionen und Ängsten, daneben auch einem erhöhten Risiko für Suchterkrankungen einher. Daneben fallen häufig finanzielle Schwierigkeiten oder riskantes Freizeitverhalten als Begleiterscheinungen der ADHS auf. Zudem fällt es vielen schwer, dauerhafte Beziehungen aufzubauen. Nichtsdestotrotz lässt sich eine ADHS auch im Erwachsenenalter gut behandeln, in der Regel mit Medikamenten und einer Verhaltenstherapie.

Menschen mit ADHS zeigen aber auch viele positive Eigenschaften: Sie sind häufig sehr kreativ, intelligent und sprühen vor Ideen. Meist sind sie überdies begeisterungsfähig und haben einen starken Gerechtigkeitssinn.

ADHS: Vorbeugen möglich?

ADHS kann man nicht grundsätzlich vorbeugen. Werdende Mütter können jedoch während der Schwangerschaft verschiedene Faktoren vermeiden, welche die Entstehung der Krankheit beeinflussen. Dazu gehören vor allem das Rauchen und Alkohol.

ADHS: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „ADHS”:

Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

ADHS-InfoportalInfoportal des Universitätsklinikums Köln 

Zentrales ADHS-Netz Bundesweites Netzwerk zur Verbesserung der Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörungen (ADHS).

ADHS – was bedeutet das? Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet hier eine kostenlose informative Broschüre zum Thema ADHS zum Herunterladen als PDF an.

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

ADHS Deutschland e.V., Bundesgeschäftsstelle
Rapsstraße 61
13629 Berlin
+49-(0)-30-85 60 59 02
+49-(0)-30-85 60 59 70
info@adhs-deutschland.dewww.adhs-deutschland.de

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Quellen:

ADHS im Erwachsenenalter. Online-Informationen des ADHS Deutschland e.V.: www.adhs-deutschland.de (Abruf: 28.04.2017)

ADHS im Erwachsenenalter: Welche Hilfen gibt es? Online-Informationen des Uniklinikums Köln: www.adhs.info (Abruf: 28.04.2017)

Für Therapeuten: FAQs. Online-Informationen des zentralen adhs-netz: www.zentrales-adhs-netz.de (Abruf: 28.04.2017)

Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. De Gruyter, Berlin 2014

Was ist ADHS? Online-Informationen des ADHS Deutschland e.V.: www.adhs-deutschland.de (Abruf: 28.04.2017)

Wichtige Zahlen und Fakten! Online-Informationen des Uniklinikums Köln: www.adhs.info (Abruf: 28.04.2017)

adhs – aufmerksamkeitsdefizit-/hyperaktivitätsstörung – was bedeutet das? Online-Publikation der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.bzga.de (Stand: November 2014)

American Psychiatric Association: Diagnostic and statistical manual of mental disorders, Fifth Edition – DSM-5. American Psychiatric Publishing, Washington 2013

Gleixner, C., Müller, M., Wirth, S., et al.: Neurologie und Psychiatrie. Für Studium und Praxis. 2013/14. Medizinische Verlags-und Informationsdienste, Breisach 2013

Benkert, O., Hippius, H.: Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie. Springer, Heidelberg 2012

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie: Hyperkinetische Störungen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 028/019 (Stand: 1.11.2006)

Stellungnahme der Bundesärztekammer zur "Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) – Fragen-Antworten-Katalog " vom 26.8.2005

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde: ADHS im Erwachsenenalter. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 038/014 (Stand: Oktober 2003)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin: Diagnostik und Therapie bei ADHS. (Stand: Februar 2001)

Stand: 22. Mai 2017

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