Anzeige

Anzeige

Wenn der Ring am Finger klemmt

Von Christian Seel (17. November 2014)

Röntgenbild einer beringten Hand. Foto: pa/OKAPIA

Wenn die Finger anschwellen, können enge Ringe gefährlich werden. Notfallmediziner haben deshalb Methoden verglichen, wie sich der Schmuck schnell entfernen lässt.

Ringe am Finger können in Notfallsituationen gefährlich sein. Wenn der Finger durch eine Verletzung, eine allergische Reaktion oder ein anderes Ereignis anschwillt, sollte das Schmuckstück schnell entfernt werden, bevor es den Finger abschnürt. Ein US-Fachmagazin für Notfallmediziner hat jetzt verschiedene Methoden verglichen. Die Experten interessierten sich vor allem für den populären Modeschmuck aus  Wolframcarbid ("Wolframschmuck"), der extrem robust ist und Rettungskräfte immer wieder vor größte Probleme stellt.

Ring aus Wolframcarbid. Foto: prBild: Ringe aus Wolframcarbid werden wegen ihres dunklen Glanzes und der Kratzfestigkeit geschätzt. Sie lassen sich aber auch mit Gold oder Silber beschichten.  Foto: pr

Vergleichsweise einfach  ist die Entfernung von Ringen aus Gold und Silber. Helfen Gleitmittel auf dem Finger oder eine abschwellende Kühlung der Hand nicht mehr weiter, werden diese weichen Metalle mit einer speziellen Ringsäge ohne Verletzungsrisiko aufgetrennt. Das Schmuckstück lässt sich dann aufbiegen und abnehmen. Eine solche Fingerringsäge gehört zur Ausstattung in Operationssälen, in denen Ringe ebenso wie Piercings, aber auch Zahnprothesen vor einem Eingriff abgelegt werden müssen.

Goldschmied weitet fest sitzende Ringe

Ist eine Operation absehbar oder schnürt der Schmuck im Alltag bereits den Finger ein, lässt sich der fest sitzenden Ring auch beim Goldschmied entfernen, der dafür ebenfalls entsprechendes Werkzeug besitzt. Dort ist die Chance groß, dass der Schmuck anschließend nicht nur repariert, sondern auch gleich an die neue Weite angepasst werden kann.

Ganz anders verhält es sich mit Ringen aus Wolframcarbid, die wegen ihres dunklen Glanzes und der kratzfesten Oberfläche zunehmend verkauft werden. Sie widerstehen hartnäckig selbst Trennschleifern mit Diamantsägeblatt. Das Material ist vier Mal härter als Titan. Auch Panzer brechende Projektile werden aus Wolframcarbid gefertigt.

Zwei Verfahren zur Ringe-Rettung

Mit diesen Ringen experimentierten Notfallmediziner der University of Texas in Houston an einer medizinischen Puppe, der sie den Schmuck aufzogen und den Finger mit Schaumstoffklebeband um eine halbe Größe verdickten. Getestet wurden zwei Verfahren:

  • Band-Technik: Dieses Verfahren eignet sich für alle Ringmaterialien. Die Forscher benutzten ein sogenanntes Nabelband, ein schmales flaches Gewebeband. Ein kurzes Ende wird von der Fingerseite aus unter dem Ring durchgeschoben, dann das Band auf der Fingerseite möglichst fest um den geschwollenen Finger gewickelt, um Gewebsflüssigkeit und Blut herauszupressen.  Sodann wird das zu Beginn durchgezogene Ende genutzt, um das Band um den Ringrand herum wieder vom Finger abzuwickeln, wobei es zur Fingerkuppe hin gezogen wird. Der Ring sollte dabei über das mittlere Fingergelenk gleiten.
  • Zangenmethode: Dieses Verfahren eignet sich nur für Ringe aus Wolframcarbid und anderen Werkstoffen, die unter Druck wie Glas zerspringen. Die Wissenschaftler setzten dabei eine sogenannte Gripzange ein, deren Greifdruck sich mit eine Schraube verstellen lässt. Sie fassten den Ring zunächst mit einem niedrigen Druck und erhöhten durch Drehen an der Schraube langsam die Kraft, bis das Material barst. Die Splitter flogen dabei bis zu einem Meter weit, was nicht ganz ungefährlich ist.

Alle Versuche geglückt

Beide Verfahren halten die Forscher für geeignet, da alle Versuche glückten. Wenn der Ring erhalten bleiben soll, empfehlen sie die Band-Technik, die allerdings nicht bei verletzen Fingern eingesetzt werden kann. In solchen Fällen und wenn es schnell gehen muss, zeigt sich die Zangentechnik überlegen. In durchschnittlich 23 Sekunden war jeder getestete Ring zerstört. Das ist deutlich schneller als die Feuerwehr, die jüngst bei einer jungen Frau in Osnabrück mehr als zwei Stunden sägte, bis der Finger vom Ring befreit war. Die Einsatzkräfte hatten bei ihrer Aktion 20 Sägeblätter verschlissen.

Info: Härter als Stahl

Wolframcarbid Das Material ist eine Keramik aus dem Metall Wolfram und Kohlenstoff, fast so hart wie Diamant und deshalb kratzfest. Wegen des dunklen Glanzes und hohen Gewichtes (doppelt so schwer wie Stahl) wird Wolframcarbid für Modeschmuck wie zum Beispiel Ringe geschätzt. Es lässt sich auch mit Edelmetallen wie Gold und Silber beschichten.

Quellen

"A comparison of two techniques for tungsten carbide ring removal", von Carolyn L. Gardiner et al., American Journal of Emergency Medicine, Nr. 31/2013, doi:10.1016/j.ajem.2013.07.027
"Review of techniques for the removal of trapped rings on fingers with a proposed new algorithm", von Asim Kalkan et al., American Journal of Emergency Medicine, Nr. 31/2013, doi:10.1016/j.ajem.2013.06.009

Anzeige

Anzeige


Apotheken-Notdienst

Anzeige