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Grippaler Infekt: Wann hilft ein Antibiotikum?

Von Sabine Abel (22. Februar 2013)

Fieber ist eine Abwehrreaktion des Körpers gegen Infektionen. Foto: Getty Images/Begsteiger

Meist sind Viren die Auslöser von Erkältungskrankheiten. Was bei einem grippalen Infekt die Beschwerden lindern kann.

Es kratzt im Hals, die Nase läuft, der Kopf tut weh – das sind Anzeichen für eine klassische Erkältung, einen grippalen Infekt. Aber was ist eigentlich die Ursache des Übels? Viren oder Bakterien? Und nicht zuletzt: Was bedeutet das für die Behandlung?

"Bei Erkältungsbeschwerden sind bei etwa 80 Prozent der Fälle Viren die Ursache, bei rund 20 Prozent Bakterien", sagt Dr. Uwe Popert, Allgemeinmediziner aus Kassel. "Als Patient kann man das nicht erkennen", betont er. Außerdem habe die Ursache der Erkrankung – Viren oder Bakterien – zunächst auch keine Auswirkung auf die Behandlung, ergänzt Popert, der Mitglied des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) ist.

Antibiotika wirken nicht bei Viruserkrankungen

Häufig wird der Unterschied so erklärt: Wenn die Nase ständig läuft, ist es eine Virus-Erkrankung; wenn das Nasen-Sekret dickflüssiger und gelb oder grünlich ist, sind Bakterien die Ursache, und ein Antibiotikum kann für schnelle Heilung sorgen. Dabei geht man meist davon aus, dass die Virusinfektion sozusagen den Weg bereitet für eine zweite, bakterielle Infektion. Doch das sei wissenschaftlich nicht nachgewiesen, so Dr. Popert. "Virusinfektionen können die gleichen Beschwerden verursachen wie bakterielle Infektionen, nur ist der Verlauf meistens nicht ganz so schwer", ist die Erfahrung des Allgemeinmediziners.

Viele Patienten mit Erkältungs-Beschwerden erwarten, vom Arzt ein Antibiotikum verschrieben zu bekommen. Doch diese Arzneimittel wirken nicht bei Virusinfektionen und sollten nur in begründeten Fällen eingesetzt werden. "Ein Antibiotikum bewirkt außerdem nicht, dass der Patient sofort gesund ist", betont Dr. Popert. "Es braucht mindestens 24 Stunden, um zu wirken."

Viel schlafen tut gut bei einem grippalen Infekt

Bei akuten Nasennebenhöhlenentzündungen ohne Komplikationen bringt ein Antibiotikum Studien zufolge keine wesentliche Verbesserung der Beschwerden oder eine Verkürzung der Krankheitsdauer. Dafür muss man aber mit Nebenwirkungen wie z. B. Durchfall rechnen.

Dr. Popert rät seinen Patienten, bei einem grippalen Infekt ein, zwei Tage im Bett zu bleiben, viel zu schlafen und gegebenenfalls am dritten Tag zum Arzt zu gehen, wenn man dann noch nicht wieder arbeitsfähig ist. Hausmittel wie Inhalationen, Tees, ein heißes Bad, pflanzliche Präparate und Schmerzmittel können die Erkältungs-Beschwerden wie Kopf- und Gliederschmerzen, Halsschmerzen oder eine verstopfte Nase lindern.

Leichtes Fieber muss nicht gleich gesenkt werden

"Häufig wird empfohlen, bei einer Erkältung viel zu trinken", sagt der Allgemeinmediziner, "doch es gibt keinen Nachweis dafür, dass das nötig ist." Natürlich solle man trinken, wenn man Durst habe, aber man müsse sich nicht dazu zwingen, bei einem grippalen Infekt übermäßig viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Eine Meta-Analyse von Studien zur Behandlung von Lungenentzündungen habe bei Patienten über 60 Jahre sogar eine erhöhte Sterblichkeit festgestellt, wenn diese viel trinken.

Leichtes Fieber bei einem grippalen Infekt unter 39 Grad sollte nicht sofort gesenkt werden, rät der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). "Fieber ist ein Abwehrmechanismus gegen Infektionen", erläutert Dr. Popert, "warum sollte man den Körper daran hindern, diesen Abwehrmechanismus zu nutzen?"

Steigt das Fieber aber über 39 Grad und kommen starke Beschwerden wie Schüttelfrost, schwere Kopfschmerzen, Halssteifheit, Schmerzen in der Brust oder Atemprobleme dazu, sollte man sich an seinen Arzt wenden. Dieser kann durch körperliche Untersuchungen und einen Bluttest feststellen, ob sich z. B. eine Lungenentzündung, eine Hirnhautentzündung oder eine Mandelentzündung entwickelt hat und ein Antibiotikum eingenommen werden muss.

Grippe oder Erkältung?:

Grippaler Infekt "Ich habe eine Grippe und muss heute mal im Bett bleiben", sagt in diesen Tagen mancher, der sich beim Arbeitgeber krank meldet. Doch die meisten Betroffenen leiden nicht unter einer schweren Grippe, sondern lediglich unter einer Erkältung. Solche Infekte werden von den Medizinern als "banal" bezeichnet, weil sie in den allermeisten Fällen ohne weitere Folgen vorübergehen – mit oder ohne Behandlung. Ein grippaler Infekt, wie er landläufig auch bezeichnet wird, beginnt langsam: Zuerst kratzt es im Hals, dann kommen Schnupfen und Husten sowie vielleicht leichtes Fieber dazu.

Grippe Eine echte Grippe (Influenza) dagegen beginnt ganz plötzlich mit hohem Fieber bis zu 41 Grad, starken Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Halsschmerzen und trockenem Husten, erklärt der Bundesverband der Deutschen Internisten. Und die Patienten leiden manchmal noch wochenlang nach Abklingen der Grippe unter Schwäche und Unwohlsein.

Erreger Rund 200 verschiedene Viren können Erkältungsbeschwerden verursachen. Eine Grippe wird dagegen durch bestimmte Influenza-Viren ausgelöst. Gegen die am meisten verbreiteten Influenza-Typen wird eine jährlich angepasste Schutzimpfung angeboten.

Quellen

Gespräch mit Dr. Uwe Popert, Mitglied des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Februar 2013
Informationen des Berufsverbandes Deutscher Internisten

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