Fußpilz und Nagelpilz: Gefahr für Kinderfüße

Von Angela Stoll (15. Januar 2015)

Immer häufiger sind Kinder von Fußpilz-Infektionen betroffen. Foto: Getty/WIN-Initiative

Stiefel erhöhen das Risiko für Fußpilz und Nagelpilz. Bei Kindern werden die Hautinfektionen oft spät entdeckt.

Während fast jeder dritte Erwachsene an Fußpilz leidet, sind Kinder bis vor wenigen Jahren weitgehend von der Hautinfektion verschont geblieben. Das hat sich geändert. Inzwischen kommen bereits Kindergartenkinder mit Fußpilz oder Nagelpilz in die Hautarztpraxen. "Vor zehn Jahren hat man noch die ganze Klinik zusammengerufen, wenn man mal ein Kind mit Nagelpilz gesehen hat. Das war eine richtige Sensation. Heute kommt es immer wieder vor, dass schon Kinder zwischen drei und acht Jahren Pilznägel haben", sagt die Münchner Dermatologin Dr. Christina Schnopp.

Mit ausgeprägten Fußpilz-Infektionen in die Arztpraxis

Diese Erfahrungen hat auch der Dermatologe und Mykologie-Experte Prof. Pietro Nenoff aus Leipzig gemacht. "Ich gehe davon aus, dass inzwischen 0,5 bis 1,5 Prozent aller Kinder von Nagelpilz betroffen sind. Das ist ganz schön viel", sagt er. Bei Fußpilz ist die Zahl noch höher, Schätzungen liegen bei etwa zwei Prozent. Meist geht einem Nagelpilz nämlich eine Fußpilzinfektion voraus. Sie wird bei Kindern oft gar nicht oder erst spät entdeckt: "Darauf achtet man nicht", sagt Nenoff. "Wenn die Kinder in die Praxis kommen, haben sie oft schon sehr ausgeprägte Nagelpilzinfektionen."

Bei Pilzbefall verfärben sich die Nägel meist weißlich bis gelblich, später werden sie brüchig. Die Infektion ist zwar in der Regel harmlos. Dennoch sollte sie behandelt werden: "Das ist auch ein ästhetisches Problem. Einen Achtjährigen stört ein Nagelpilz vielleicht noch nicht, mit 16 sieht das aber anders aus", sagt der Mykologe. Außerdem kann sich Nagelpilz auf die Füße ausbreiten und von dort auf die Hände übergreifen. Durch Pilzbefall entstehen manchmal auch schlecht heilende Wunden.

Kinder weniger anfällig für Fußpilz und Nagelpilz

Eigentlich sind Kinder weniger anfällig für Fußpilz, da sich ihre Haut schnell erneuert und die Nägel rasch wachsen. Dass sie trotzdem befallen werden, hat verschiedene Gründe. "Wahrscheinlich stecken sich die Kinder bei Erwachsenen an", sagt Hautpilzexperte Prof. Martin Schaller von der Universitätshautklinik Tübingen. Hinter den meisten Fußpilz- und Nagelpilzinfektionen steckt die Fadenpilzart "Trichophyton rubrum". Besonders groß ist die Ansteckungsgefahr, wenn ein Familienmitglied bereits Fußpilz hat. Bei Pilzerkrankungen spielt wohl auch die Veranlagung eine Rolle. Nenoff beobachtet nämlich oft "Nagelpilz-Familien", in denen die Infektionen gehäuft vorkommen – möglicherweise wegen eines lokalen Immundefizits.

Kinder können sich aber auch im Schwimmbad oder im Sportverein anstecken. Wo Menschen barfuß gehen, befinden sich Hautschüppchen mit Pilzsporen. Sie haften sich an Füße an und können über Risse oder kleine Wunden in die Haut eindringen. Kinder, die viel Sport treiben, sind zusätzlich gefährdet, da sie sich schnell Blasen und Druckstellen an den Füßen holen. Dadurch findet der Pilz leichter eine Eintrittspforte.

Eine große Rolle spielen die Schuhe. "Je weniger atmungsaktiv die Schuhe sind, desto leichter bekommen die Kinder Käsefüße. Das begünstigt eine Fußpilz-Infektion", sagt Nenoff. In die aufgeweichte Haut können Pilze gut eindringen. "Fast alle betroffenen Kinder haben Schweißfüße." Im Winter sollte man darauf achten, dass Kinder nicht stundenlang in dicken Winterstiefeln herumsitzen.

Tabletten sind für Kinder nicht zugelassen

Behandelt wird Fußpilz wie bei Erwachsenen über mehrere Wochen mit antimykotischen Cremes und Sprays. Nagelpilz ist sehr viel hartnäckiger. Antimykotische Nagellacke oder Tinkturen helfen den Dermatologen zufolge nur, wenn weniger als 50 Prozent des Nagels und nicht mehr als drei von zehn Zehen befallen sind. Sonst kommt man um eine Tablettenkur nicht herum. Moderne Antimykotika wie Terbinafin seien wirksam und gut verträglich, sagt Nenoff. Für Kinder sind diese Präparate aber nicht zugelassen, da Studien fehlen. Eltern müssen der Behandlung schriftlich zustimmen. Eine Alternative zu Anti-Pilz-Tabletten sieht der Experte bei starkem Befall nicht: Ätherische Öle wie Teebaumöl gelten allenfalls als schwach wirksam. Und eine Laser-Behandlung, die manchmal bei Erwachsenen eingesetzt wird, kommt für Kinder nicht in Frage, wie die Hautärztin Schnopp betont: "Das wäre viel zu schmerzhaft. Außerdem ist fraglich, wie effektiv diese Therapie überhaupt ist."

Noch eine schlechte Nachricht: Nach einer erfolgreichen Behandlung kehrt der Nagelpilz oft wieder zurück. Die Rückfallquote liegt Nenoff zufolge bei 20 bis 25 Prozent. Deshalb müsse man die Nägel auch nach der Therapie gelegentlich mit einem Anti-Pilz-Lack behandeln.

Vorbeugen

  • Schuhe Fußpilze lieben es feucht-warm. Schuhe sollten möglichst atmungsaktiv sein. Für die Schule sind im Winter Hausschuhe empfehlenswert.
  • Freizeit Die Böden in öffentlichen Bädern und Sportvereinen sind oft stark mit Pilzsporen belastet. Eltern sollten Kinder dazu erziehen, dort Schlappen zu tragen. Nach dem Duschen sollte man darauf achten, dass Kinder die Füße, vor allem die Zehenzwischenräume, gut abtrocknen. Auf trockener Haut gedeihen die Pilze schlecht.
  • Hygiene Socken und Handtücher, an denen Pilzsporen haften könnten, bei 60 Grad waschen. Strümpfe täglich wechseln. Wer Fußpilz hat, sollte auch Schuhe desinfizieren , etwa mit einem antimykotischen Spray.

Quellen

Gespräch mit Dr. Viktor Czaika, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité, Berlin, Nov. 2014
Gespräch mit Prof. Dr. Pietro Nenoff, Labor für medizinische Mikrobiologie Mölbis, Nov. 2014
Gespräch mit Prof. Dr. Martin Schaller, Universitäts-Hautklinik Tübingen, Nov. 2014
Gespräch mit PD Dr. Christina Schnopp, Fachärztin für Dermatologie, Allergologie in München, Nov. 2014


Wie lange wurde Ihr Kind gestillt?