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Gibt es eine Goldallergie?

Von Sabine Abel (21. Dezember 2012)

Wenn Goldschmuck Hautprobleme verursacht, steckt selten eine Goldallergie dahinter. Foto: Getty Images/Fuse

Wenn Schmuck Rötungen und Juckreiz verursacht, kann dies verschiedene Ursachen haben. Sogar Gold kann in manchen Fällen eine Allergie auslösen.

Dass Modeschmuck eventuell allergische Reaktionen hervorrufen kann, ist bekannt. Doch wer ein Schmuckstück aus Gold kauft, geht davon aus, etwas Edles, Ungefährliches zu erwerben. Umso größer die Enttäuschung, wenn sich z. B. an dem Finger, an dem der Goldring getragen wird, Rötungen, Schwellungen und Juckreiz entwickeln. Ist das Material etwa minderwertig, oder kann man tatsächlich auch auf Gold allergisch reagieren?

"Es gibt eine Goldallergie, aber sie ist sehr selten", sagt Prof. Vera Mahler, Oberärztin an der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen. Schmuckstücke bestehen im Allgemeinen nicht aus reinem Gold, sondern aus Legierungen, denen auch andere Metalle wie Silber, Kupfer oder Nickel zugesetzt sind. Besonders Nickel ist bekannt als Allergie-Auslöser (siehe Kasten).

Meist ist ein anderer Bestandteil die Ursache

"Gerade wenn jemand auf Weißgold allergisch reagiert, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er auf den Nickelanteil reagiert, als dass er eine Goldallergie hat", so Prof. Mahler. "Ganz deutlich wird das, wenn derjenige Gelbgold-Schmuck tragen kann aber Weißgold-Schmuck nicht". Nickel und Silber sorgen im Weißgold für den hellen Farbton. "Nickel dient zudem der Härte und Korrosionsbeständigkeit des Materials", erläutert Thilo Brückner, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Schmuck und Uhren. Kupfer gibt Rotgold den charakteristischen rötlichen Farbton.

Ein Test beim Hautarzt gibt Gewissheit

Während Experten schätzen, dass mindestens zehn Prozent der Bevölkerung gegen Nickel allergisch sind, treten Allergien gegen andere Metalle wie Silber oder Kupfer wesentlich seltener auf. Gewissheit darüber, welches Metall verantwortlich ist für unangenehme Hauterscheinungen, bringt ein Test beim Dermatologen, der sogenannte Epikutantest. Dabei werden mögliche Allergene, eingebettet in eine neutrale Substanz wie Vaseline, auf die Haut aufgebracht und mit Pflastern fixiert. Hat sich nach 48 Stunden an der Stelle, wo eine Goldverbindung aufgebracht wurde, ein Mini-Ekzem gebildet, ist das ein Nachweis für eine Goldallergie.

Reagiert der Patient nicht auf Gold, aber auf Nickel, kann man den umgekehrten Weg gehen und mit einem einfachen Test prüfen, ob das Schmuckstück, das die allergische Reaktion ausgelöst hat, Nickel enthält und bei Kontakt freisetzt. Den sogenannten Dimethylglyoxim-Test oder Nickelnachweistest gibt es in der Apotheke, man kann also Schmuckstücke und andere Gegenstände leicht zu Hause selbst testen.

Eine Goldallergie äußert sich auch an den Augen

Goldschmuck besteht eigentlich nie aus reinem Gold. Darin sind auch andere Metalle in unterschiedlichen Anteilen verarbeitet, so das meist nicht eine Goldallergie für auftretende Beschwerden verantworlich ist, sondern eine Allergie gegen ein anderes Metall. Foto: PA/newscom

"Das klassische Kontaktekzem bildet sich in der obersten Hautschicht", erläutert Prof. Mahler. "Es ist verbunden mit Rötungen, Juckreiz, Schuppungen und Nässen." Bei einer Goldallergie bilde sich dagegen meist eine tiefer liegende Schwellung, die Schuppung sei weniger ausgeprägt. "Außerdem haben Patienten mit einer Goldallergie auch Hauterscheinungen um die Augen, wo gar kein direkter Kontakt besteht", so die Allergologin.

Zu ihr in die Klinik kommen auch Patienten, die nach einer Zahnbehandlung Missempfindungen haben und fürchten, dass der Goldanteil z. B. in einer Krone dafür verantwortlich sein könnte, doch auch hier sei eine Goldallergie nur sehr selten die Ursache.

Alternativen bei einer Goldallergie: Titan, Edelstahl oder eine Beschichtung

"Wenn eine Kontaktallergie nachgewiesen wurde, ist das oberste Gebot die Allergenkarenz, also das Vermeiden eines Kontakts mit dem allergieauslösenden Material", betont Prof. Mahler. "Man kann die Symptome kurzfristig lindern und Ekzeme zum Abheilen bringen mit Präparaten, die Cortison oder auch Tacrolimus oder Pimecrolimus enthalten", so die Medizinerin, "aber bei einem neuen Kontakt treten die Beschwerden wieder auf." Wer einmal sensibilisiert sei, behalte die Allergie lebenslang.

Die meisten Paare entscheiden sich auch heute noch für Eheringe aus Gold. Foto: PA/Chromorange

Hat man herausgefunden, welcher Bestandteil im neuen Schmuckstück Allergie-Symptome hervorruft, muss man sich also nach Alternativen umsehen. "Es wird an neuen, verträglichen Legierungen gearbeitet", sagt Thilo Brückner. Außerdem seien viele Schmuckstücke beschichtet, z. B. mit Rhodium oder Ruthenium, was auch verhindere, dass Bestandteile der Legierung freigesetzt werden. Solche Beschichtungen könnten grundsätzlich auch nachträglich aufgebracht werden.

"Wer ganz sicher gehen möchte, sollte Titan-Schmuck kaufen", rät Prof. Mahler. "Dieses Metall ist eigentlich immer verträglich, deshalb wird es auch für Zahnimplantate sowie künstliche Knie- und Hüftgelenke verwendet." Eine preiswertere, modische Variante für Schmuck ohne Allergie-Gefahr ist Edelstahl.

Nickel:

Richtlinie Nach Schätzungen von Experten leiden mehr als zehn Prozent der Bevölkerung unter einer Nickelallergie, manche sprechen sogar von 20 Prozent, Tendenz steigend. Eine EU-Richtlinie soll deshalb Verbraucher vor übermäßigem Kontakt mit Nickel schützen. Maßgeblich ist dabei nicht der Nickelgehalt der Produkte, sondern wie viel Nickel freigesetzt wird. In Erzeugnissen, die mit der Haut in Kontakt kommen, darf die Nickelabgabe 0,5 µg/cm?/Woche nicht überschreiten. Bei Piercingschmuck liegt der Grenzwert bei 0,2 µg.

Sensibilisierung Die Sensibilisierung finde bei Nickelallergikern meist schon in der Kindheit statt, sagt die Allergologin Prof. Vera Mahler. Z. B. dadurch, dass Kleinkinder nickelhaltige Gegenstände wie Spielzeugautos in den Mund stecken. Häufig sei auch bei Kindern das Stechen von Ohrlöchern der Auslöser, da beim Kontakt mit Schweiß oder Blut das Sensibilisierungs-Risiko besonders hoch sei. Es reiche oft schon, wenn das verwendete Werkzeug Nickel freisetzt. Um das Risiko zu senken, rät sie, in den ersten drei Wochen nach dem Ohrlochstechen oder Piercing ein Edelstahlteil einzusetzen.Bei Kindern wird häufig durch das Ohrlochstechen eine Nickelallergie ausgelöst. Foto: Getty Images

Quellen

Gespräch mit Prof. Vera Mahler, Oberärztin an der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen, Dezember 2012
Gespräch mit Thilo Brückner, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Schmuck und Uhren, Dezember 2012
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Aktionsplan Allergien, Informationen zur Nickelallergie, http://www.aktionsplan-allergien.de/cln_331/nn_461584/DE/03__Kleidung__Schmuck/03__Nickel/Nickel__node.html?__nnn=true


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