Nahrungsergänzungs­mittel

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (25. Juni 2015)

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Nahrungsergänzungsmittel erhält man mittlerweile fast überall. Auch in den Medien sind sie ein Dauerthema. Es entsteht der Eindruck, als müsste jeder Nahrungsergänzungsmittel nehmen, um gesund durchs Leben zu kommen. Nach dem Motto "Du ernährst dich nicht richtig! Nimm mich stattdessen!" bekommt mancher Kunde ein schlechtes Gewissen – zu Recht?

Tatsache ist, dass Nahrungsergänzungsmittel eine ausgewogene Ernährung nicht ersetzen können. Und auch, wenn man über die Werbung manchmal einen anderen Eindruck bekommt: Die meisten Menschen in Deutschland schaffen es ohne Schwierigkeiten, ihren Körper über die normale tägliche Ernährung ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen. Bestimmte Personengruppen können allerdings von Nahrungsergänzungsmitteln profitieren, etwa

  • Menschen mit einem nachgewiesenen Nährstoffmangel,
  • Schwangere und Stillende,
  • ältere Menschen und
  • chronisch Kranke.
In jedem Fall ist es sinnvoll, eine längerfristige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit dem Arzt abzuklären. Vor allem, wenn neben den Nahrungsergänzungsmitteln gleichzeitig noch Medikamente eingenommen werden. Denn es ist nicht auszuschließen, dass diese die Medikamente in ihrer Wirkung beeinflussen – also etwa die Wirkung verstärken oder auch abschwächen.

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Ob als Kapsel, Tablette, Dragee, Pulver oder auch flüssig: Nahrungsergänzungsmittel gibt es in vielen Darreichungsformen. In Deutschland zählen sie zu den Lebensmitteln und können ergänzend zur täglichen Ernährung eingenommen werden. Die Palette der Nahrungsergänzungsmittel ist dabei groß – Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente, aber auch Aminosäuren, Ballaststoffe oder Pflanzenextrakte sollen sich positiv auf den Körper auswirken. Welche Inhaltsstoffe hier erlaubt sind, regelt dabei die Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV). Vorschriften zu den enthaltenen Höchstmengen gibt es jedoch in Europa bislang nicht.

Anders als normale Lebensmittel müssen Nahrungsergänzungsmittel auch als "Nahrungsergänzungsmittel" ausgewiesen sein. Als weitere Angaben sind vorgeschrieben:

  • die empfohlene tägliche Verzehrmenge
  • ein Warnhinweis, die empfohlene Verzehrmenge nicht zu überschreiten
  • ein Hinweis, dass Nahrungsergänzungsmittel eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung nicht ersetzen können
  • ein Hinweis, das Nahrungsergänzungsmittel so aufzubewahren, dass kleine Kinder dieses nicht versehentlich essen können

Außerdem dürfen die Inhalte der Nahrungsergänzungsmittel keine pharmakologische Wirkung, sondern nur physiologische Effekte haben, da es sich andernfalls nicht mehr um ein Nahrungsergänzungsmittel, sondern um ein zulassungspflichtiges Arzneimittel handelt. Dieses müsste ein entsprechend aufwendiges Zulassungsverfahren bestehen.

Unter einer physiologischen Wirkung versteht man die Effekte, die bei Nahrungsaufnahme im Körper entstehen. Sobald ein Stoff im Körper mehr Wirkung hat als das, was physiologisch auch durch die Nahrungsaufnahme geschieht, ist die Wirkung als pharmakologisch anzusehen.

Es ist verboten, auf der Verpackung von Nahrungsergänzungsmitteln Informationen aufzubringen oder mittels Werbung zu verbreiten, laut denen das Produkt Krankheiten beseitigt, lindert oder verhütet. Erlaubt ist es jedoch, zu sagen, dass das Produkt möglicherweise das Risiko für eine Erkrankung verringern kann. Die Regeln für solche Angaben legt die sogenannte Health-Claims-Verordnung des Europäischen Parlaments fest.