Prostatakrebs-Früherkennung: Ist der PSA-Test sinnvoll?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (02. Juni 2017)

Das prostataspezifische Antigen (PSA) ist ein ausschließlich im Prostatagewebe gebildetes Eiweiß (Protein). Es ist im Ejakulat (Sperma) und im Blut gesunder Männer enthalten und dient der Verflüssigung des Spermas. Bei Prostatakrebs kann der PSA-Wert erhöht sein.

Neben Prostatakrebs können aber auch andere Erkrankungen der Prostata zu einer Erhöhung von PSA im Blut führen. Die wichtigsten sind:

Auch andere Umstände können den PSA-Spiegel im Blut erhöhen und fälschlicherweise zu einem Krebsverdacht führen, zum Beispiel:

Daher steht der PSA-Test als Früherkennungsuntersuchung bei Prostatakrebs in der Diskussion. Auch wenn der PSA-Test einen bösartigen Tumor der Prostata aufdeckt, heißt das nicht, dass jeder Patient davon auch einen Nutzen hat: Neuere Forschungen haben ergeben, dass der PSA-Test vergleichsweise häufig auch Tumoren aufdeckt, die nicht zu Beschwerden oder einer kürzeren Lebenserwartung führen würden – zum Beispiel, weil die Tumoren langsam wachsen. Die betroffenen Männer leiden dann eher unter den Belastungen weiterer Diagnostik und Therapie und der Gewissheit, an Krebs erkrankt zu sein.

Generell gilt: Vor dem PSA-Test sollte der Arzt den Untersuchten über die Aussagekraft von positiven und negativen Untersuchungsergebnissen beziehungsweise über die Vor- und Nachteile der Methode aufklären. Männer, die sich für einen PSA-Test entscheiden, sollten vor der Blutentnahme auf Fahrradfahren und Geschlechtsverkehr verzichten, damit der PSA-Wert nicht verfälscht wird.

Der PSA-Test ist keine gesetzliche Früherkennungsuntersuchung für Prostatakrebs. Die Kosten dafür müssen die Betroffenen selbst übernehmen.

Wurde bereits Prostatakrebs diagnostiziert, setzen Ärzte den PSA-Test routinemäßig zur Therapieplanung und Verlaufsbeobachtung ein: Steigt der PSA-Wert beispielsweise eine gewisse Zeit nach einer operativen Entfernung des Tumors erneut an, besteht der Verdacht auf eine Neubildung des Prostatakarzinoms (sog. Rezidiv).

Der Nutzen einer PSA-Bestimmung als sogenannte Screening-Methode auf Prostatakrebs steht fortlaufend in der Diskussion. Screening bedeutet, dass sich reihenweise gesunde Personen einem Test unterziehen, um eine bestimmte Erkrankung zu entdecken. Kritiker merken dazu an, dass der PSA-Test vermehrt sogenannte stumme Prostatakarzinome aufdecken würde – also Tumoren der Prostata, die sehr langsam wachsen und wahrscheinlich nie Probleme verursacht hätten. Die betroffenen Männer hätten durch die Diagnose keinen Nutzen im Sinne einer höheren Lebenserwartung – das belegen auch aktuelle Studien. Dagegen könnten sich für die Betroffenen durch unüberlegte und unter Umständen unnötige weitere Untersuchungen oder eine Therapie psychische und mitunter auch körperlich negative Auswirkungen ergeben.

Befürworter des PSA-Tests vertreten die Meinung, dass es unter Berücksichtigung der Untersuchungsbefunde und der Situation des Betroffenen möglich ist, individuell sehr genau und sehr vernünftig zu entscheiden, welches Vorgehen für den Patienten das beste ist. Sie gehen davon aus, dass sich somit Fehluntersuchungen und -behandlungen zumeist vermeiden lassen könnten. Dann läge der große Vorteil der PSA-Bestimmung darin, diejenigen Männer zu entdecken, bei denen ein aggressiver Prostatakrebs vorliegt und die von der Entdeckung und der Möglichkeit einer Therapie sehr profitieren würden.

Letztlich sollte jeder Mann im Rahmen der Prostatakrebs-Früherkennung mit seinem Arzt besprechen, ob er den PSA-Test als "individuelle Gesundheitsleistung" (IGeL) durchführen lassen möchte und welche möglichen Auswirkungen ein auffälliges Ergebnis haben könnte.

Biopsie

Haben vorangehende Untersuchungen den Verdacht auf Prostatakrebs ergeben, kann eine Biopsie der Prostata die Diagnose mit hoher Wahrscheinlichkeit bestätigen oder ausschließen. Dennoch muss der Arzt diese Untersuchungsmethode mit dem Patienten genau besprechen und die Entscheidung für oder gegen eine Biopsie sorgfältig abwägen.
Bei einer Biopsie der Prostata sticht der untersuchende Arzt vom Mastdarm oder vom Damm aus unter Ultraschallkontrolle mit einer Kanüle in verschiedene Bereiche der Prostata und kann so Prostatagewebe entnehmen. Der Pathologe untersucht diese Probe dann unter dem Mikroskop auf Tumorzellen. Falls er ein Prostatakarzinom findet, kann er gleichzeitig den genauen Tumortyp bestimmen.

Die Biopsie ist normalerweise nicht oder nur wenig schmerzhaft und wird ambulant durchgeführt. Zu den seltenen Komplikationen zählen Blutungen und eine akute Prostataentzündung (Prostatitis). In den Tagen nach der Prostata-Biopsie kann sich etwas Blut im Sperma oder – seltener – im Urin zeigen.

Video: Prostatabiopsie

Um Infektionen zu verhindern, erhält der Patient schon am Vorabend der Gewebeentnahme ein Antibiotikum. Dass die Tumorzellen sich durch das Einstechen und Wiederherausziehen der Nadel im Körper ausbreiten und Tochtergeschwulste (Metastasen) bilden, ist nicht zu befürchten.