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Nierenwerte

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (15. Mai 2014)

© Jupiterimages/iStockphoto

Die Nierenwerte bestimmt der Arzt, um festzustellen, ob diese von der Norm abweichen. Zu hohe oder zu niedrige Werte können verschiedene Ursachen haben – ein auffälliger Nierenwert sagt allein allerdings noch nichts über eine bestimmte Krankheit aus´, sondern bedarf weiterer Abklärung. Der Fachbegriff für Nierenwerte lautet "Retentionswerte" (von lat. retinere = zurückhalten).

Was sind Nierenwerte?

Nierenwerte dienen dazu, festzustellen, ob die Nieren richtig arbeiten und gesund sind. Ermittelt werden sie in der Regel mithilfe von Blutuntersuchungen. Darüber hinaus können Ärzte auch mit Urinuntersuchungen, wie zum Beispiel mit Urinteststreifen oder einer Harnanalyse, die Funktion der Nieren prüfen.

Nierenwerte, die häufig bestimmt werden, sind: Harnstoff, Kreatinin und Kreatinin-Clearance. Ein zu hoher bzw. zu niedriger Harnstoff- oder Kreatininwert kann auf Nierenerkrankungen hinweisen. Allerdings eignen sich beide Werte nicht dazu, solche Krankheiten zu einem frühen Zeitpunkt zu erkennen. Denn sie sind erst dann auffällig beziehungsweise aussagekräftig, wenn die Funktion der Nieren bereits deutlich eingeschränkt ist.

Dennoch bestimmen Ärzte zumindest den Kreatininwert häufig standardmäßig bei Blutuntersuchungen: Er dient als Grundlage für die sogenannte glomeruläre Filtrationsrate (GFR), die angibt, wie gut die Nieren ihre Filterfunktion noch erfüllen. Anhand der GFR teilen Ärzte beispielsweise Nierenkrankheiten in verschiedene Schweregrade ein.

Nierenwerte: Was ist die Aufgabe der Nieren?

Der Aufbau der Nieren gleicht dem eines sehr feinen Siebes. Denn ihre Hauptaufgabe ist es, das Blut zu filtern und dadurch zu reinigen. Sie hält dadurch auch den Körperhaushalt von Wasser, Mineralstoffen (Elektrolyten) sowie Säuren und Basen aufrecht. Giftstoffe wie auch Abbauprodukte von Eiweißen (Proteinen) werden ebenfalls über die Nieren ausgeschieden.

Das funktioniert folgendermaßen: Aus dem durch sie hindurch strömenden Blut filtern die Nieren die flüssigen Anteile – das sogenannte Plasma – heraus. Blutzellen und große Eiweiße passieren das Organ dagegen ungestört. Aus dem Plasma produzieren die Nieren dann den sogenannten Primärharn. Dieser Primärharn enthält alle löslichen Stoffe des Bluts, sowohl die für den Körper wichtigen Substanzen, wie zum Beispiel Zucker (Glukose), als auch jene Stoffe, die für den Körper schädlich sind und ausgeschieden werden müssen.

Von dem Primärharn, auch Primärfiltrat genannt, bilden die Nieren etwa 180 Liter pro Tag. Dies ist möglich, da das gesamte Blutvolumen etliche Male durch die Nieren strömt und dabei wieder und wieder den Prozess aus Filtration und Konzentration durchläuft.

In weiteren Schritten entziehen die Nierenzellen dem Filtrat die für den Körper wertvollen Substanzen wieder (Resorption) und fügen dem Filtrat potenziell giftige Substanzen hinzu (Sekretion). Schließlich entzieht die Niere dem Harn Wasser, sodass von den 180 Litern Primärfiltrat letztlich etwa 1 bis 1,5 Liter Harn pro Tag übrig bleiben (je nach Trinkmenge).

Will man feststellen, ob die Nieren noch richtig arbeiten, muss man also prüfen, wie hoch ihre Filtrationsleitung ist – denn diese nimmt bei vielen Nierenerkrankungen ab. Wie gut die Nieren das Blut reinigen, können Ärzte zum Beispiel anhand von Blutproben feststellen, die sie auf bestimmte Stoffe untersuchen: die sogenannten Nierenwerte.

Nierenwerte: Harnstoff

Harnstoff ist das Hauptabbauprodukt des Eiweißstoffwechsels. Er entsteht in der Leber aus Spaltprodukten von Eiweißen (Proteinen) und wird zu etwa 90 Prozent über die Nieren ausgeschieden. Nimmt die Filtrationsleistung der Nieren ab, steigt deshalb die Harnstoffkonzentration im Blut – der Laborwert für Harnstoff ist erhöht.

Zur Früherkennung von Nierenerkrankungen eignet sich der Harnstoff-Wert allerdings nicht: Er steigt erst, wenn die Nieren bereits ein Viertel ihrer Filtrationsleistung eingebüßt haben.

Weiterhin spielt für die Menge an Harnstoff im Blut eine Rolle, wie viel Eiweiß die jeweilige Person mit der Nahrung aufnimmt und wie viel der Körper davon abbaut – was auch mit der Muskelmasse zusammenhängt.

Anders als der Harnstoffwert werden der Kreatininwert und die aus ihm abgeleitete glomeruläre Filtrationsrate (GFR) von weniger Faktoren beeinflusst. Durch diese Werte lässt sich die Filtrationsfunktion der Nieren zuverlässiger bestimmen.

Ist im Blut der Wert für Harnstoff erhöht oder erniedrigt, kann das verschiedene Ursachen haben:

Nierenwerte: Kreatinin

Kreatinin entsteht in Muskel- und Nervenzellen und geht von diesen ins Blut über. Anders als beim Harnstoff hängt die Bildung von Kreatinin aber nur in geringem Maße von der Muskelmasse ab. Da der Stoff zudem fast ausschließlich über die Nieren ausgeschieden wird, gilt die Kreatininmenge im flüssigen Teil des Blutes – das sogenannte Serumkreatinin – als empfindlicher Indikator für die Filtrationsleistung der Niere.

Perfekt ist dieser Indikator allerdings auch nicht. Denn zum einen sagt der Kreatininwert allein nicht sehr viel über die Funktion beziehungsweise eine Erkrankung der Nieren aus. Zum anderen steigt der Kreatininspiegel im Blut erst dann auf krankhafte Werte, wenn die Filtrationsrate der Niere bereits auf weniger als die Hälfte des Normalen abgefallen ist, also erst bei fortgeschrittenem Funktionsverlust.

Dennoch wird der Kreatininwert häufig standardmäßig bei Blutuntersuchungen bestimmt, was relativ einfach und schnell geht. Denn er ist die Grundlage für die Berechnung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) – und schon deshalb unerlässlicher Teil der Nierendiagnostik. Denn anhand der GFR können Ärzte erkennen, wie gut die Nieren noch funktionieren. Daher teilen sie anhand der GFR auch Nierenkrankheiten in verschiedene Schweregrade ein.

Das Kreatinin spielt auch in anderer Hinsicht eine Rolle: Durch Kontrollen des Kreatininwerts lassen sich Therapien mit Medikamenten, die potenziell schädlich auf die Nieren wirken, überwachen.

Mit zunehmendem Alter steigt auch die Kreatininkonzentration, weil sich die Filtrationsfunktion der Niere mit den Jahren verschlechtert. Deshalb gelten für Personen über 50 Jahre für den Kreatininwert höhere Normalwerte.

Ist der Kreatininwert erhöht oder erniedrigt, kann das unterschiedliche Ursachen haben.

  • Kreatinin erhöht:
    • akutes oder chronisches Nierenversagen (Niereninsuffizienz)
    • Muskelzersetzung (Rhabdomylose)
    • verlegte Harnwege (Harnsteine, Fehlbildung, sog. Wassersackniere oder fachlich "Hydronephrose")
    • Medikamente (Überwachungsmaßnahme, z.B. bei Therapie mit Antibiotika wie Aminoglykosiden, Erythromycin und bei Therapie mit Zytostatika)
    • exzessiver Fleischgenuss
    • massive Muskelquetschung
    • Akromegalie (stark vergrößerte äußerste Enden des Körpers, wie Finger, Zehen, Hände, Füße, Nase, Kinn etc.)
  • Kreatinin erniedrigt:

Ein auffälliger Kreatinin-Wert allein sagt noch nichts über die Art der Erkrankung aus. Wenn der Verdacht auf eine Nierenfunktionsstörung besteht, ist daher eine etwas aufwendigere Untersuchung notwendig: die Bestimmung der Kreatinin-Clearance.

Nierenwerte: Kreatinin-Clearance

Die Kreatinin-Clearance ist eine sehr genaue Messmethode, um die Filtrationsleistung der Nieren zu bestimmen. Der englische Begriff Clearance bedeutet "Klärung" oder "Reinigung". Die Kreatinin-Clearance drückt also aus, wie viel Blutplasma die Nieren in einer bestimmten Zeit von Kreatin befreien, indem sie Harn bilden. Somit ist sie ein Wert für das Vermögen der Niere, Kreatinin auszuscheiden.

Der Vorteil der Kreatinin-Clearance: Während der Kreatininwert im Blutserum trotz stark gesunkener Nierenleistung noch im Normalbereich liegen kann, nimmt die Kreatinin-Clearance bereits krankhafte Werte an. Mit ihr lässt sich eine abnehmende Filtrationsleistung der Niere früher feststellen. Die Kreatinin-Clearance eignet sich folglich besser, um chronische Nierenerkrankungen oder eine kurzfristig eingeschränkte Funktion des Organs zu erkennen.

Der Nachteil: Die Messung der Kreatinin-Clearance ist etwas aufwendiger. Denn zusätzlich zu einer Blutentnahme muss über einen Tag Urin gesammelt werden (sog. 24-Stunden-Urin).

Der Arzt bestimmt dann neben der gesammelten Urinmenge die Kreatinin-Konzentration im Urin sowie in einer Blutprobe. Daraus kann er die Kreatinin-Clearance errechnen, die angibt, wie viele Milliliter Blutplasma die Nieren pro Minute vom Kreatin gereinigt haben.

Da der Filter in der Niere auch als Glomerulum oder Glomerulus (Kapillarknäuel) bezeichnet wird, heißt der durch die Kreatinin-Clearance errechnete Wert auch glomeruläre Filtrationsrate oder kurz: GFR.

Die GFR berechnet sich wie folgt:

GFR = Kreatinin (Urin) / Kreatinin (Plasma) x Urinvolumen

Der Normalwert der GFR variiert je nach Alter und Geschlecht. Im Gegensatz zur Konzentration des Serumkreatinins, die mit nachlassender Nierenfunktion steigt, fällt die Kreatinin-Clearance beziehungsweise GFR, wenn sich die Funktion der Nieren verschlechtert.

Mithilfe der obigen Formel lässt sich die Leistung der Nieren am genauesten berechnen. Allerdings ist es dafür notwendig ist, den Urin von 24 Stunden zu sammeln – eine zeitaufwendige und für viele auch unangenehme Angelegenheit. Daher gibt es auch einige Näherungsformeln, mit deren Hilfe sich die GFR mit deutlich weniger zeitlichem Aufwand bestimmen lässt. Diese sind jedoch etwas ungenauer und nicht in allen Situationen geeignet. Die bekanntesten Vertreter der Näherungsformeln sind die sogenannte Cockroft-Gault-Formel sowie die heute meist angewendete sogenannte MDRD-Formel. Beide berücksichtigen neben dem Kreatinin-Wert im Blutplasma auch das Alter und das Geschlecht der Patienten, die Cockroft-Gault-Formel zusätzlich auch noch deren Körpergewicht.

Für eine erhöhte oder verminderte Kreatinin-Clearance kommen unterschiedliche Ursachen infrage. Hier einige Beispiele:

Als Alternative zum Kreatinin kann der Arzt die Filtrationsfunktion der Nieren auch mithilfe des körpereigenen Eiweißes Cystatin C prüfen. Zum einen hängt die Konzentration von Cystatin C im Blut direkt mit der Filtrationsleistung der Nieren zusammen, zum anderen kann man anhand der Konzentration sehr einfach die Clearance, also die Reinigung, berechnen.

Dies zählt aber nicht zu den Routineuntersuchungen. Denn vom Cystatin C-Wert kann man nicht immer eindeutig auf die Nierenfunktion rückschließen: Bei Rauchern sowie bei Menschen, die aus therapeutischen Gründen Nebennierenrindenhormone (sog. Glukokortikoide) einnehmen oder an einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) leiden, wird das Eiweiß verstärkt gebildet; bei Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hingegen vermindert.

Nierenwerte: Normalwerte

Anhand der Nierenwerte kann man feststellen, ob die Nieren noch richtig arbeiten und gesund sind. Im Folgenden finden Sie daher die Normalwerte von Harnstoff, Kreatinin und der Kreatinin-Clearance. Stellt ein Arzt fest, dass Ihre Nierenwerte über oder unter diesen Werten liegen, wird er weitere Untersuchungen veranlassen, um herauszufinden, warum das so ist.

Hinweis: Sowohl die gemessenen Werte wie auch die definierten Grenzwerte können von Labor zu Labor unterschiedlich sein.

Normalwerte Harnstoff

Geschlecht konventionelle Einheit
Männer unter 50 Jahre: 19–44 mg/dl
ab 50 Jahre: 18–55 mg/dl
Frauen unter 50 Jahre: 15–40 mg/dl
ab 50 Jahre: 21–43 mg/dl
Kinder 1–3 Jahre: 11–36 mg/dl
4–13 Jahre: 15–36 mg/dl
14–19 Jahre: 18–45 mg/dl

Normalwerte Kreatinin

Geschlecht konventionelle Einheit
Männer unter 50 Jahre: 0,84–1,25 mg/dl
ab 50 Jahre: 0,81–1,44 mg/dl
Frauen 0,66–1,09 mg/dl
Kinder 1–30 Tage: 0,5–1,2 mg/dl
1–12 Monate: 0,4–0,7 mg/dl
1–3 Jahre: 0,4–0,7 mg/dl
4–6 Jahre: 0,5–0,8 mg/dl
7–9 Jahre: 0,6–0,9 mg/dl
10–12 Jahre: 0,6–1 mg/dl
13–15 Jahre: 0,6–1,2 mg/dl
16–18 Jahre: 0,8–1,4 mg/dl

Normalwerte Kreatinin-Clearance

Geschlecht konventionelle Einheit
Männer ca. 25 Jahre: 95–140 ml/min
ca. 50 Jahre: 70–115 ml/min
ca. 75 Jahre: 50–80 ml/min
Frauen ca. 25 Jahre: 70–110 ml/min
ca. 50 Jahre: 50–100 ml/min
ca. 75 Jahre: 35–60 ml/min
Kinder 1–2 Wochen: 25–35 ml/min
3–8 Wochen: 25–55 ml/min
3–12 Monate: 35–80 ml/min
> 12 Monate: > 90 ml/min

Nierenwerte: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

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Quellen:

Online-Informationen des Bundesverbands Niere e.V.: www.bundesverband-niere.de (Abrufdatum: 15.5.2014)

Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie: www.dgfn.eu (Abrufdatum: 15.5.2014)

Online-Informationen des Laborlexikons: www.laborlexikon.de (Abrufdatum: 15.5.2014)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2014)

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2014

Arasteh, K. et al.: Duale Reihe Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Silbernagl, S., Despopoulos, A.: Taschenatlas der Physiologie. Thieme, Stuttgart 2007

Jakob, M.: Normalwerte pocket. Börm Bruckmeier, Grünwald 2004

Stand: 15. Mai 2014


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