Narben & Narbenbehandlung: Narben: Definition

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (16. Dezember 2011)

Narben entstehen als Folge von Hautverletzungen. Sie bestehen aus um derbem, meist weißlichem, faserreichem, zell- und gefäßarmem Gewebe, das sich im Rahmen der Wundheilung bildet und das ursprüngliche, zerstörte Körpergewebe ersetzt. Im günstigsten Fall liegen Narben auf Höhe der umgebenden Haut, häufig allerdings auch darüber (sog. überschießende Narbenbildung) oder darunter (sog. atrophe Narben).

Historisches

Das Wort Narbe ist seit dem 12. Jahrhundert dokumentiert (mittelhochdeutsch narwe) und stammt von dem im Deutschen untergegangenen Adjektiv narwa mit der Bedeutung "eng" ab. Der Begriff bezeichnete demnach ursprünglich die Verengung der Wundränder während der Wundheilung.

Seit dem 18. beziehungsweise dem 19. Jahrhundert existieren die Ableitungen narbig (früher: narbicht) mit der Bedeutung "mit Narben bedeckt" und vernarben mit der Bedeutung "abheilen".

Bedeutung von Narben

In einigen Kulturen beziehungsweise sozialen Gruppen haben Narben eine besondere Bedeutung, etwa als sichtbares Zeichen von Mut, Entschlossenheit und Unerschrockenheit. Bei dem von einigen Naturvölkern praktizierten Brauch der "Narben-Tatuierung" (tahitisch tatu = zeichnen, Tätowierung) wird durch Brennen oder wiederholtes Einschneiden von Zeichen und Ornamenten in die Haut der gesamte Körper mit Ziernarben bedeckt. Dabei gilt die Tatuierung nicht nur als Schmuck, sondern soll vor Unglück oder Krankheit schützen oder ist Symbol für soziale Ränge beziehungsweise Gruppierungen.

Im Gegensatz dazu ist die Bedeutung von ungewollt erworbenen Narben in vielen Fällen eher negativ. Sie werden als starke kosmetische Beeinträchtigung erlebt und können zu erheblichen Störungen des körperlichen und seelischen Wohlbefindens führen. Ein besonderes Problem ist dabei überschießendes Narbengewebe an gut sichtbaren Körperregionen wie dem Gesicht, die sich schlecht durch Kleidung oder Make-up verstecken lassen. Auch die Badefreude am Strand oder im Hallenbad kann durch als hässlich empfundene Narben erheblich getrübt werden. Mitunter beeinträchtigen Narben das Selbstbewusstsein der Betroffenen so stark, dass psychologische Hilfe notwendig wird.

Neben der seelischen Beeinträchtigung können Narben auch zu erheblichen körperlichen Problemen führen. Da die Oberhaut über einer Narbe sehr dünn ist und keine Talgdrüsen oder Haare beziehungsweise nur wenige Gefäße und Nervenendigungen hat, ist sie sehr leicht verletzbar. Nicht selten leiden die Betroffenen im Bereich von überschießendem Narbengewebe unter Spannungsschmerzen. Größere Narben, die in der Nähe von Gelenken liegen, können zu Bewegungseinschränkungen führen (sog. Narbenkontraktur), die in schweren Fällen operativ behandelt werden müssen.