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Künstlicher Darmausgang

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (07. Oktober 2014)

© Jupiterimages/iStockphoto

Ob bei Darmkrebs, bei Morbus Crohn oder nach einem Unfall: Wenn der Darm krank oder verletzt ist, kann ein künstlicher Darmausgang (Enterostoma, Anus praeter) erforderlich sein. Über 100.000 Menschen in Deutschland leben dauerhaft oder vorübergehend damit. Insbesondere, wenn er permanent bestehen bleiben muss, etwa nach einer Krebsoperation, ist ein künstlicher Darmausgang mit einer beträchtlichen Lebensumstellung verbunden – welche viele Patienten aber nach einer Eingewöhnungszeit gut meistern!

Ein künstlicher Darmausgang umgeht den natürlichen Weg der Verdauung. Bei einem Anus praeter gelangt der Stuhlgang nicht aus dem After ins Freie, sondern wird zu einem künstlichen Ausgang "umgeleitet", der in der Bauchdecke liegt. Um die Austrittstelle herum befindet sich eine schützende Basisplatte mit einem Auffangbeutel, der regelmäßig gewechselt werden muss.

Die meisten Betroffenen haben ihren Anus praeter aufgrund von Darmkrebs bekommen – dabei handelt es sich größtenteils um Dickdarmkrebs, insbesondere im Bereich des Enddarms. Wird ein Tumor im Enddarm herausoperiert, muss der Chirurg oft auch den Schließmuskel am After entfernen. Dann ist ein künstlicher Darmausgang nötig, denn ohne den Schließmuskel hat der Mensch keine Kontrolle mehr über seinen Stuhlgang – der Stuhl würde permanent aus dem After entweichen. Ein künstlicher Darmausgang kann dies verhindern: Der Operateur legt Teile des Darms "still" und leitet den gesunden Teil durch die Bauchdecke nach außen.

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Nicht nur nach einer Darmkrebs-Operation kann ein Anus praeter sinnvoll sein. Ein künstlicher Darmausgang kann auch infrage kommen bei

Ein künstlicher Darmausgang © Jupiterimages/iStockphoto

Ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter): Eine Darmschlinge ragt aus der Bauchhöhle. Um die Austrittstelle des Anus praeter klebt man eine Platte, welche die Haut schützt. An der Platte wird der Stomabeutel befestigt, welcher den austretenden Stuhl auffängt.

Ein künstlicher Darmausgang wird manchmal kurz als "Stoma" bezeichnet. Stoma bedeutet aus dem Griechischen übersetzt so viel wie "Mündung", "Öffnung". Streng genommen ist der Begriff Stoma ein anderes Wort für "künstlich geschaffener Ausgang". Um welche Art Ausgang es sich handelt, wird erst klar, wenn der Mediziner dem Begriff zusätzlich die Fachbezeichnung des betroffenen Organs voranstellt: Ist ein künstlicher Darmausgang gemeint, spricht man daher von einem Enterostoma. Der Wortteil entero stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Darm".

Ein weiterer, weniger gebräuchlich gewordener Begriff für einen künstlichen Darmausgang ist Anus praeternaturalis oder kurz Anus praeter (lat. praeter = gegen, wider, naturalis = natürlich).

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